Flexitarier, Vegetarier, Veganer, Frutarier - Evolution und Lichtnahrung

Teil 9 der Reihe »Denn jedem Lebewesen wohnt eine Seele inne«

Vegetarier, Veganer, Frutarier, Evolution

Vegetarier, Veganer, Frutarier, Evolution

Es ist ein Blick in die Zukunft mit der Annahme, Homo sapiens löscht sich nicht in den ersten Jahrhunderttausenden seiner Existenz aus. Mit dem Atomwaffenarsenal konnten wir bisher umgehen. Ich setze voraus, das gelingt uns weiterhin. Auch dann, wenn wir wesentlich mächtigere Energiequellen erschließen.

Ein paar Millionen Jahre Evolution versus eine Generation

Die ältesten gesicherten Vorfahren des Menschen, der Australopithecus, lebten 4 bis 2 Millionen Jahren vor unserer Zeit. Im Australopithecus sieht man aufgrund seiner Backenzähne mit großen Kauflächen einen Vegetarier. Derzeit geht man davon aus, dass die menschlichen Vorfahren vor etwa 2,5 Millionen Jahren mit dem Essen von Fleisch begannen. Der Fleischkonsum verschaffte den Vorfahren einen evolutionären Vorsprung anderen Spezies gegenüber und mündete letztendlich in der aktuellen Stellung des Menschen, in der einige die Krone der Schöpfung sehen wollen. Fleischkonsum generell zu verdammen, wirkt vor diesem Hintergrund undankbar.

Den Fleischkonsum generell zu verbieten, ist ideologisch. Es ist auch illusorisch, denn die 2,5 Millionen Jahre der Evolution lassen sich nicht innerhalb einer Generation aus den Genen verbannen. Die Evolution arbeitet in langen Zeiträumen und nach ihren Regeln. Das wird sie auch dann, wenn wir uns anschicken, ihr ins Handwerk zu pfuschen und den Menschen nach unserem Wunschdenken genetisch manipulieren sollten.

Eine evolutionäre Veränderung einer Spezies vom Allesesser zum Vegetarier oder gar Veganer oder Frutarier ist ein Prozess, der Zeiträume von vielen Generationen beansprucht. Die Evolution richtet sich nicht nach den Wünschen einiger Vertreter einer Spezies. So leicht lässt sie von Erfolgsprinzipien nicht ab, denn genau das war der Fleischkonsum.

Von Evolution zur Perversion

Dennoch bin ich überzeugt, dass es an der Zeit ist, den Fleischkonsum zu hinterfragen. Nein, ich korrigiere mich; es ist notwendigk. Es ist notwendig wegen der Energiebilanz bei der Fleischerzeugung, es ist notwendig wegen der begleitenden Umweltschäden.

Noch notwendiger ist hier eine Veränderung aus ethischen Gründen. Wer dem widersprechen will, dem empfehle ich den Film »Earthlings« im Web [1]. Gleichzeitig warne ich vor dem Film. Ich startete einige Anläufe, es gelang mir jedoch nie, den Film über mehrere Minuten lang zu betrachten. Ergo empfehle ich nicht den ganzen Film. Ein kurzes Hineinschauen ist dennoch empfehlenswert für all diejenigen, die in Vegetariern und anderen nur Spinner sehen oder den Fleischkonsum nicht mit Ethik verbinden können. Sie aber zum Betrachten von »Earthlings« zu zwingen, wäre eine Folter.

»Füllet die Erde und machet sie euch untertan« steht in 1. Mose 1,28. Wir haben dieses biblische Untertanmachen missbraucht, wir haben es pervertiert. Wir haben damit etwas geschaffen, was nach einer Rechnung verlangen wird. Verlangen muss. Wird uns die Rechnung bereits präsentiert?

»Billig in den Untergang« scheint unsere Parole zu sein. Ist das so, wird uns die Natur diesen Wunsch erfüllen. Man beachte dabei die Nähe von »billig« zum englischen »billing«, also zur Abrechnung.

Alternative Ernährung

Die Gründe für Fleischverzicht in der Ernährung sind vielfältig. Es ist die Ethik, da jedem Fleischkonsum das Töten eines Lebewesens vorangeht. Es ist die Gesundheit, da Fleisch krank macht aufgrund der Belastung durch Fremdstoffe, welche ihm in den Produktionsprozessen hinzugefügt werden.

Manche Menschen entscheiden sich für eine Ernährungsalternative, weil es schick ist, weil sie dazugehören wollen, weil sie einem Gruppenzwang nachgeben. Einige von ihnen lassen davon ab und kehre zum Fleisch zurück. Andere bleiben dabei, da sie die ethischen oder gesundheitlichen Aspekte überzeugen. Bilden Fremdüberzeugungen den Einstieg in die fleischlose Ernährung, ist das weder gut noch schlecht, sondern menschlich. Manches davon, was ein Mensch erfährt, eignet er sich an, anderes verwirft er. Das ist das Lernen im Leben.

Der kontinuierliche Anstieg des Anteils der Menschen mit alternativen Ernährungsweisen ist unbestritten, strittig sind die konkreten Zahlen. Der Vegetarierbund spricht Ende 2018 von rund 8 Millionen Vegetarier und Veganer, in den Leitmedien ist von gut 4% die Rede. Das Online-Portal Statista weist 9% der Deutschen als Vegetarier aus (38% beim Spitzenreiter Indien), Rewe sieht den Anteil der Vegetarier bei knapp 10%. Und noch eine Zahl aus dem Rewe-Portal: »In Deutschland bezeichnen sich aktuell 42 Millionen Menschen als sogenannte Teilzeitvegetarier oder Flexitarier.«

Wenn auch die Zahlen variieren, belegen sie eindeutig die Verankerung der alternativen Ernährungsweisen in der Gesellschaft.

Flexitarier

Flexitarier ernähren sich überwiegend vegetarisch. Greifen sie zum Fleisch, so achten sie auf hochwertige und biologische Produkte. Ein gesunder Kompromiss im übertragenen und im wörtlichen Sinne. Und für einige Flexitarier eine Zwischenstufe zum Vegetarier oder Veganer.

Nach der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) spielen die gesundheitlichen Aspekte die entscheidende Rolle bei den Flexitariern. Weitere Gründe sind die Unterstützung artgerechter Haltung oder Verminderung der umweltschädigenden Auswirkungen einer übersteigerten Fleischproduktion. Die GfK sieht große Unterschiede beim Alter der Flexitarier: Bei den 70-Jährigen ist der Anteil doppelt so groß wie bei den 40-Jährigen. Bei den Flexitariern sind Eltern zu finden, die eine vegetarische oder vegane Ernährung bei ihren Kindern nicht verantworten können. Nachvollziehbar bei den widersprüchlichen Informationen und den Warnungen vor fleischloser Ernährung für Kinder und Jugendliche.

Es bedarf noch Zeit, bis gesicherte Erfahrungen vorliegen. Es bedarf viel Zeit, bis aus Trends Normalität wird. Mit Appellen oder mit Nudging und anderen Manipulationen lässt sich diese Zeit nicht verkürzen.

 
Was verrät das Wort Fleischproduktion? Sind Flexitarier der evolutionäre Einstieg in die fleischlose Ernährung? Welche Zeiträume sind dafür erforderlich? Darüber in der Fortsetzung dieses Beitrags.

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Links zum Beitrag
- [1] »Earthlings«; bitte die Warnung im Text beachten

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