Tod, Katastrophen und ihre guten Seiten

Katastrophen

Aus den Augen, aus dem Sinn ist nicht aus der Seele.
Jan Schneider

Eine gewagte These, Tod und Katastrophen haben gute Seiten? Mitnichten. Die Faszination an globalen Katastrophen belegt diese These, wenn die Gründe der Faszination daran bewusst werden.

Die Faszination der Unfälle und Katastrophen

Schlechte Nachrichten verkaufen sich besser. Alibimäßig ermahnen sich die Medien, auch gute Nachrichten zu bringen. Des Konkurrenzkampfes um die Gunst der Konsumenten wegen, konzentrieren sie sich weiterhin auf die schlechten Nachrichten. Angebot und Nachfrage eben.

Unfälle faszinieren. Einen Beweis liefern die Smartphonefilmer, die ihre Bilder sozial, also gemeinnützig, in den sozialen Medien teilen. Einige Vertreter dieser sozialen Subspezies Mensch greifen aktiv ein und provozieren die Unfälle. Die härtesten Vertreter filmen Gewaltexzesse, die sie selbst verüben. Ein statisches Selfie reicht nicht mehr aus – nicht für die Produzenten, nicht für die Konsumenten.

Warum tun sie es, die Filmer und die aktiven Täter? Auf ihr (grenz)pathologisches Selbst allein hinzuweisen, ist eine verkürzte Sichtweise. Die soziale Community mit ihrer Faszination an diesen Inhalten ist mitverantwortlich.

Faszinatorische Höhepunkte: globale Katastrophen

Je größer die Katastrophen, desto faszinierender. Globale Katastrophen üben eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus, deren Befriedigung sogar Geld kosten darf. Die Bücher, Filme, Vorträge etc. über den Inka-Kalender und das Ende der Welt im Jahr 2012 sind ein Beispiel.

2012 ist vergangen, die Welt existiert, doch die nächsten Katastrophentermine folgen unverzüglich. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich kosmische Katastrophen durch ominöse Planeten oder Asteroiden, die demnächst die Erde treffen und das Leben auf ihr auslöschen werden. Der Asteroid Apophis im Jahr 2036 ist der nächste Kandidat.

Wie mit 2012, lässt sich auch mit den kosmischen Impakten nicht nur in Hollywood Geld verdienen. Die Medien jedweder Art machen mit Katastrophen und Grauen jedweder Art gutes Geld.

Die Zeugen Jehovas lernten aus ihren nicht erfüllten Untergangshoffnungen, zumindest partiell. Das Ende erwarten sie nach wie vor, den Zeitpunkt nennen sie allerdings nicht mehr. Hollywood & Co. werden es nicht lernen, zu groß die Verlockung des Geldes, welches damit verdient werden kann.

Eine natürliche gute Seite: Sparringpartner

Böse ist Hollywood deshalb nicht: »Stell dir vor, es gibt einen Katastrophenfilm und keiner guckt hin.« Die Katastrophenfilme gibt es, weil es eine entsprechende Nachfrage gibt.

Doch sind die Filmgucker nicht a priori böse. Der menschliche Körper will auf Gefahren vorbereitet sein. Das ist ein Millionen Jahre altes genetisches Programm, welches das Überleben einer Spezies garantiert. Säbelzahntiger und Mammuts sind aber ausgestorben, Eiszeiten oder Supervulkane sind nur aus der Geschichte bekannt. So muss die virtuelle Welt her, um vordergründig die Lust am Nervenkitzel zu befriedigen, und faktisch, um den Körper allzeit bereit zu halten. Genetische Programme, die Millionen von Jahren das Überleben garantierten, werden nicht in wenigen Generationen umprogrammiert.

Die Katastrophenfaszination hat folglich ihre guten Gründe, hilft sie doch, mit den persönlichen Unglücken des Lebens umzugehen. Da Katastrophen immer seltener werden, ist dem Menschen die virtuelle Welt sein Sparringpartner, der ihn für die möglichen realen Unglücke und Katastrophen fit hält.

Diese Sparringpartnerschaft beweist ein anderes Phänomen. Da wir unsere unmittelbare Umwelt immer sauberer und bakterienreiner halten, braucht der Körper Sparringpartner, damit er Viren und Bakterien weiterhin trotzen kann. Der bakterienreinen Umwelt wegen, ist er auf körpereigene Sparringpartner angewiesen.

Autoimmunerkrankung oder Allergie nennt es der Mensch. Sage keiner, auch keine Mutter und kein Vater, er habe es nicht gewusst. Das ist in unserer Internetwelt nicht glaubhaft.

Die willkommene gute Seite

Es gibt einen anderen Grund der Faszination an Katastrophen besonders der globalen Art. Ob die Seele mit dem Attribut »gut« einverstanden ist, das kann jeder Mensch selbst entscheiden.

Unglück, Katastrophen, Leid oder einfach nur Probleme gehören zum Leben eines jeden Menschen. Das ist sein und seiner Seele Lernen. Das Lernen könnte mit weniger Leid erfolgen, doch dafür müssen die Seelen reifer werden. Diese Reife ist gegeben, wenn der Mensch eher durch Einsicht und Liebe lernt, denn durch Leid. Einsicht und Liebe, das ist Empathie. Empathie ist es keine, wenn Gaffer das Unglück anderer filmen oder sich am Unglück anderer in den sozialen Medien ergötzen.

Das wesentliche Kennzeichen dieser Reife ist die Übernahme der Verantwortung für das Geschehen eigenen Lebens. Auch des schlechten Geschehens, auch dessen, was so gerne von außen kommend betrachtet wird. Es ist allerdings leichter, den Grund des Schlechten und Bösen bei anderen Menschen oder Ereignissen zu sehen.

Politiker und andere Machthaber erfüllen diesen Zweck nur bedingt. Die hat man vielleicht selbst gewählt oder gewähren lassen. Da schwingt die Mitverantwortung mit, von der man sich nicht so leicht freisprechen kann.

Katastrophen sind für die Verschiebung der Verantwortung besser geeignet. Perfekt geeignet sind es die globalen, die von außen kommen. Denn an einer Klimakatastrophe, die nicht von außen kommt, könnte man doch mitverantwortlich sein.

Nur simple Gemüter, Beispiel Trump und manche seiner Jünger, können immer und alles von sich weisen. »Ich kann doch nichts dafür, wenn das Klima verrückt spielt, wenn ein Komet oder ein Asteroid einschlägt.« Wer will, wer kann dieser Aussage widersprechen?

Katastrophen- und Todessehnsüchte

Bei einer globalen Katastrophe kann sich jeder Mensch der Eigenverantwortung dafür entziehen. Das ist der unbewusste Vorteil dieser Ereignisse, das ist die unbewusste Sehnsucht mancher Menschen.

Kein Mensch muss sich bei einer globalen Katastrophe den Folgen seiner persönlichen Entscheidungen und Katastrophen stellen. Das schlechte Gewissen, die Schulden, die Folgen eines ungesunden Lebenswandels, der böse Partner, der tyrannische Chef, die verlogenen Medien, die unfähigen oder korrupten Politiker – all das ist vergeben und vergessen.

All das ist aus den Augen, aus dem Sinn, all das ist außerhalb der Eigenverantwortung. Aber nur aus der Sicht des abwehrenden Verstandes.

Aus den Augen, aus dem Sinn ist nicht aus der Seele

Andere Sterne haben auch schöne Planeten.
Jan Schneider

Die Eigenverantwortung ist sogar beim kosmischen Impakt gegeben.

Wir hätten bereits die Technologien für die Verhinderung solcher Einschläge, hätten wir uns als Spezies dafür entschieden. Stattdessen investieren wir unsere Ressourcen, auch unseren Geist, in die Militärausgaben, in Waffen gegen uns selbst, gegen die eigene Spezies.

Kein Außerirdischer wird einem »Das haben wir nicht gewusst« oder »Das waren die anderen« glauben. Keine Seele wird das gelten lassen. Keine Seele wird das vergessen, sogar dann nicht, wenn die Erde für ein Leben auf ihr für längere Zeit nicht geeignet sein sollte. Andere Sterne haben auch schöne Planeten. Das wissen die Seelen und sie vergessen die Erde und die Mitverantwortung ihrer Bewohner nicht.

Aus den Augen, aus dem Sinn ist nicht aus der Seele.

PS von der Seele:
Keine Hoffnung bitte: Die Welt existiert nach 2036 weiter.

Herzlichst, Ihr / Dein
Jan
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Jan Schneider, Autor

 

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