Der Zauber der Sommernächte

Sommernacht

Das auffällige Sommerdreieck mit seinen drei hellen Sternen, den Hauptsternen der Sternbilder Schwan, Leier und Adler. Das Sternbild Delfin, welches nahe am Sommerdreieck zu finden ist. Die Milchstraße, die den himmlischen Hintergrund des Sommerdreiecks und aller vier Sternbilder bildet. Daneben die dazugehörige Mythologie und ein kleiner Ausflug in die Numerologie, gehören doch der Adler und der Delfin zu den numerologischen Krafttieren. Das waren die geplanten Hauptthemen.

Der faszinierenden Atmosphäre der Sommernächte, die sich in der Seele ausbreitet und dort unvergesslich einen Platz einnimmt, sowie dem Verschwinden des Zeit- und Raumgefühls dieser Nächte sollte in dem geplanten Beitrag ein kleiner Abschnitt gewidmet werden.

Aus dem kleinen Abschnitt wurde mehr. Denn das Sommerdreieck kann warten. Es wird vermutet, dass das Sommerdreieck in den Höhlenmalereien von Lascaux dargestellt wurde. Diese Malereien sind 17.000 bis 19.000 Jahre alt. Das Sommerdreieck kann also wirklich warten.

Die stillen Stunden der Seele

Die ersten Stunden nach Mitternacht können zu einer Seelennahrung werden. Wer zu dieser Zeit nicht schlafen kann und die Möglichkeit hat, den Sternenhimmel zu betrachten, kann diese Schlaflosigkeit in Glück und Segen umwandeln. Der laue Sommerwind, das leise Rascheln der Blätter und die Abwesenheit der akustischen Emsigkeit der Menschen schaffen eine besondere Stimmung.

Manchmal ein Vogel, der sich schlaftrunken meldet. Träumt er gerade? Wer ein Haustier hat, der weiß, dass sein Tierfreund träumt. Ein Glucksen ist es eher, denn ein Bellen beim Hund, ebenso seltsam die Geräusche der Vögel in der Nacht. Oder das schnelle Trippeln eines Igels im Garten, der die Frage, ob er denn auch die Milchstraße bewundere, mit beleidigt klingenden Geräuschen quittiert und sich schnellen Schrittes von dannen macht.

Allein diese Stille, die durch die leise und dunkle Natur akzentuiert wird, verlagert die Konzentration oder die Empfindungen nach innen. Sie geht in die Seele, holt andere Empfindungen hervor. Es sind die Stunden der Seele.

Es sind Stunden, in denen sich der uralte Erinnerungsozean der Seele öffnet. Nicht nur eine Metapher ist das. Wer das erlebte, der weiß, dass die Seele in dieser Umgebung durchlässiger wird.

Die Lichter im Dunkel der Nacht

Das Dunkel der stillen Nacht fasziniert zu jeder Jahreszeit. Im Sommer ist jedoch die Verbindung mit der Natur hautnah erlebbar. Es ist nicht die laue Luft allein, die den Körper umspielt und die Einbettung des Menschen in Mutter Natur unterstreicht.

Es ist kein beängstigendes Dunkel. Es ist überhaupt kein Dunkel im Sinne von Nichts, nicht einmal in der Abgeschiedenheit von allen Lichtern der Menschheit. Die Sterne scheinen heller, insbesondere nach der ersten Viertelstunde, in der sich die Augen vollständig an die Dunkelheit angepasst haben und den Himmel so detailreich wahrnehmen, wie dies bei einem flüchtigen Blick nie möglich ist.

Wer noch wenige Viertelstunden länger in dem Dunkel verweilt, wird unweigerlich durch Sternschnuppen belohnt. Sie sind nicht nur zu bestimmten Zeiten beobachtbar, wie beispielsweise die Perseiden, auch Laurentiustränen genannt, mit ihrem Maximum um den 12. August herum. Sternschnuppen sind in jeder sternklaren und mondlosen Nacht wahrnehmbar.

Wer sich daher die Zeit nimmt, wird die eine oder andere Sternschnuppe entdecken. Warum nicht diese Gelegenheit nutzen, um eine Bestellung beim Universum aufzugeben, wenn wir ihm doch gefühlsmäßig so nahe sind?

Und es gibt das Wetterleuchten. Es ist erstaunlich, wie weit es nach der Gewöhnung an die Dunkelheit sichtbar ist. Fern am Horizont ein flächenhaftes und vollkommen stilles Aufleuchten des Himmels. Über uns und um uns herum das Sternenzelt und die Milchstraße. Und keine Wolken, kein Donnergrollen.

Nur die Stille, die Seele und die Nähe zu dem, was wir Gott nennen.

Der Zeit eine Jahreszeit voraus

Sommerdreieck

Das Zeitgefühl scheint sich in solchen Sommernächten dem Verstand zu entziehen. Es ist wie bereits erwähnt, nicht nur eine Metapher. Je später der Sommer, je später die Nacht, desto herbstlicher der Sternenhimmel. Denn dann tauchen am Osthorizont die Herbststernbilder auf und übernehmen die Choreografie im gemächlichen Tanz des Sternenhimmels.

Zu diesen Sternbildern gehört auch der Perseus, dem die Perseiden ihren Namen verdanken, da diese Sternschnuppen aus dem Perseus zu kommen scheinen.

2,5 Millionen Jahre in der Zeit zurück

Noch vor dem Perseus macht sich das Sternbild Andromeda bemerkbar, welches unschwer unter dem himmlischen W des Sternbilds Kassiopeia aufzufinden ist. Andromeda ist übrigens Kassiopeias Tochter. Um die Mythologie zu vervollständigen: Kepheus, Kassiopeias Gemahl, ist als Sternbild oberhalb der Kassiopeia zu finden. Und Perseus ist Andromedas Gemahl, der sie vor dem Meeresungeheuer rettete.

Wenn wir das Sternbild Andromeda ausfindig gemacht haben, sollten wir uns an das Auffinden der Andromedagalaxie wagen, der größeren Schwester unserer Milchstraße. Nehmen wir dieses schwache Leuchten wahr, was in einer klaren und mondlosen Nacht leicht gelingt, so haben wir einen persönlichen Entfernungs- und Zeitrekord eingestellt: Das Licht, welches unser Auge in diesem Augenblick erreicht, ist bereits seit 2,5 Millionen Jahren unterwegs!

Wir betrachten also die Andromedagalaxie so, wie sie vor 2,5 Millionen Jahres ausgesehen hat. Weiter in den Weltraum hinein oder in der Zeit zurück, können wir mit den Augen nicht mehr blicken.

Das Merlin-Gefühl

Wir können in der Zeit einige Jahrhunderte oder Jahrtausende zurückgehen. Denken wir nun daran, dass Merlin und andere Himmelskundige ebenso den Sternenhimmel betrachteten. Sind wir in dieses Gefühl eingetaucht, so können wir noch einen weiteren Schritt gehen.

Vielleicht waren wir selbst vor einigen Inkarnationen des Sternenhimmels kundig und verstanden seine Botschaften? Eine Priesterin oder ein Druide, der die Beschäftigung mit dem Himmel und das Lesen seiner Botschaften zu seinem Beruf gemacht hat? Oder jemand, für den der Himmel der natürliche Kalender und Planer war, um seine Felder zu bestellen? Nicht unwahrscheinlich, dass wir bereits beides waren.

Geben wir uns diesem Gefühl hin. Bleiben wir in der nächtlichen Mutter Natur und nur in Begleitung unserer Seele, die nicht vergisst. Sie weiß, dass sie den Sternenhimmel schon öfter bewundert hat. Wenn wir uns in dieses Empfinden einfühlen können, erleben wir Augenblicke, in denen der Schleier der Zeit zu reißen scheint. Es sind Augenblicke, die sich nicht nur in der Seele einbrennen, sondern sogar in unserem Verstand, der doch so vernünftig und allwissend zu sein glaubt.

Die Inseln mit Milliarden von Sternen

Ein weiteres Erleben ist in solchen sternklaren Nächten möglich. Neben den helleren Sternen des Himmels können wir das zarte Band der Milchstraße betrachten. Ein kleines Fernglas oder sogar ein Opernglas reicht aus, um sich davon zu überzeugen, dass es kein Nebel ist, sondern unzählige Sterne, die das Milchstraßenband formen. Es sind Milliarden von Sternen darin!

Nehmen wir die Sterne der Andromedagalaxie hinzu, so können wir summa summarum einige Hunderte Milliarden von Sternen betrachten. Diese Zahlen entziehen sich dem Begreifen; wir spüren lediglich, dass es menschlich betrachtet unendlich viele sind.

Betrachten wir nun den Himmel, betrachten wir das nebelhafte Leuchten der Milliarden von Sternen. Können wir wirklich allein in diesem Universum sein?! Diese Frage scheint plötzlich keine Frage mehr zu sein. Eher fragen wir uns nach den anderen Wesen, die weit von uns entfernt in unsere Richtung blicken und sich ebenfalls wundern: „Wir können doch nicht allein sein?!“

Unsere Milchstraße und ihre größere Schwester, die Andromedagalaxie, beherbergen jeweils einige Hundert Milliarden von Sternen. Und die sind nur ein unvorstellbar winziges Teilchen der Abermilliarden Sterneninseln des Universums. Ihre Anzahl wird in dem durch uns beobachtbaren Universum auf 100 Milliarden geschätzt.

Begreifen und Transzendenz

Angesichts dieser Raum- und Zeitdimensionen und der Stimmung unter dem Sternenhimmel verschwinden Zeit und Raum. Die Grenze zwischen dem Bewusstsein und der Seele schwindet. Das Ich verliert sein Grenzen, die Einbettung in das große Ganze wird greifbar, das Göttliche wird spürbar.

Die Worte von einer spirituellen Heimat werden mehr als Worte, der Zweifel daran macht sich davon. Es reichen einige Minuten des Verweilens in diesem Zustand – oder sind es Sekunden nur? Die Worte schwinden, ihre Laute schwinden, die Buchstaben sowieso. Sie weichen der inneren Bedeutung, dem Kern der Begriffe. Die Begriffe werden zum Begreifbaren, sie werden erlebt. Die Seele dockt mit dem Verstand an die Transzendenz an.

Diese Eindrücke bleiben in der Seele. Sie können abgerufen werden, wenn auch nicht so ursprünglich intensiv. Die Augen schließen, kurz innehalten, erinnern. Die Kraft dieser Nächte macht sich bemerkbar. Sie wirkt sogar in der Hektik des Alltags für den, der sich dies erlaubt.

So wird eine solche Nacht zu einem Glückserlebnis und zum Segen. Ohne Pathos, ohne Zeremonien, ohne Einweihungen, ohne Hilfe anderer Menschen. Es reicht das Vertrauen in die eigene Seele.

Denn die Seele weiß es.

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