Set und Setting: Drogen, Partner, Casual Sex

Set Setting

Drogen und Spiritualität?

Was haben Drogen, denn dieser Welt entstammt der Terminus »Set und Setting«, mit Spiritualität gemeinsam? Eine naheliegende Antwort wäre Karl Marx mit der Religion als Opium fürs Volk. Bewusstseinserweiternde Drogen wäre eine weitere Möglichkeit. Ich verknüpfe jedoch Set und Setting mit der Spiritualität aus einem anderen Grund.

Diesen Terminus prägte der amerikanische Psychologe und Autor Timothy Leary, der besondere Bekanntheit seiner Einstellung psychedelischen Drogen gegenüber erlangte. Leary drückt mit Set und Setting aus, dass bei dem Umgang mit Psychedelika die innere Einstellung und die Umgebung eine entscheidende Rolle spielen. Sie entscheiden, ob es eine bewusstseinserweiternde Erfahrung wird oder ein Horrortrip bis zum Tod hin.

Das Set und der Grund

Das Set ist die innere Einstellung, die physische und psychische Verfassung. Zum Set gehört ebenso der Grund der Erfahrung, die Erwartungshaltung.

Wer körperlich krank ist, wer psychische Probleme hat, wer mental aufgewühlt ist, sollte zunächst an seiner Heilung arbeiten, bevor er sich an eine Bewusstseinsarbeit wagt. Wer das missachtet, spielt mit seiner Gesundheit, mit seiner Psyche. Er spielt Russisch Roulette. Und er trägt die Konsequenzen seines Spiels.

Der körperliche Zustand ist leicht zu erkennen, Probleme bereitet die Psyche. Es muss nicht gleich eine Depression oder ein Burn-out sein, es reichen Stress, Müdigkeit, aktuelle Probleme.

Tückisch ist der wahre Grund der Beschäftigung. Der Verstand hat immer seine Gründe parat. Aber seine Gründe sind es eben, oft stehen sie im Widerspruch zum Unbewussten, zum Streben der Seele. »Ich will mit meinen Freunden feiern«, sagt der Verstand und genehmigt sich ein Gläschen und weitere. Unbewusst will jedoch der Mensch ein Problem verdrängen, sich vor einer unangenehmen Arbeit drücken, vielleicht einen starken Kerl mimen.

Was ist also der wahre Grund meiner Beschäftigung. Was ist mein Ziel, was will ich damit erreichen, welche Erfahrung strebe ich an? Will ich jemand etwas beweisen? Wer ist davon - außer mir – betroffen? Denn diese Beschäftigung darf keinem Menschen schaden.

Die Abwägung, ob das jemand schaden könnte, offenbart die Basis von Set und Setting: die Moral und die Ethik. Die Grenze zwischen einem vertretbaren Interesse an einem anderen Menschen und der Übergriffigkeit ist fließend und verletzbar. Eindeutig überschreitet sie, wer andere beeinflussen will. Hier gibt es kein »nur« wie: »Ich will nur, dass er mich bemerkt.« Das ist immer Manipulation, es werden immer Moral und Ethik verletzt.

Das Setting und die Einladung

Setting meint das gesamte Umfeld. Fühle ich mich an diesem Ort wohl, sicher, geschützt? Habe ich vorgesorgt, falls es doch Probleme geben sollte? Habe ich die Zeit für die Rückkehr in die alltägliche Realität eingeplant?

Die Einladung kann dem Set und dem Setting zugeordnet werden. Erfolgt sie durch einen anderen Menschen, verletzt sie das richtige Set und Setting. Ich muss es aus meinen eigenen Beweggründen wollen, nicht durch den Einfluss anderer Menschen.

In der Regel steht der Wunsch nach einer Genesung mithilfe der Pflanzen. Wer meint, es seien nur Heilpflanzen und sie würden nicht schaden, missachtet Set und Setting. Die gewünschte Wirkung bleibt aus, es treten die Nebenwirkungen auf. An den Schlafgewohnten nichts zu ändern, da ein pflanzliches Mittel schon helfen würde, führt nicht zum Erfolg. Zwingend erforderlich ist die Einladung bei erweiterten Wirkungen.

Bei der Arbeit mit Zauber-, Götter-, heiligen oder - ein moderner Begriff – psychoaktiven Pflanzen ist die Einladung durch diese Pflanzen erforderlich. Schamanen oder Hexen wussten darum und beachteten dies. Wer diesen Weg bewusst geht, erkennt diese Einladung und bringt die nötige Geduld auf.

Alkohol und Nikotin

Es ist irrelevant, ob die Drogen legal oder illegal sind. Wer Alkohol trinkt, um der Realität zu entfliehen oder Sorgen und Probleme zu verdrängen, missachtet das Set. Wer zum Nikotin oder dem durch die Industrie verharmlosten Ersatz greift, um die Nervosität zu beruhigen, den Hunger zu unterdrücken oder einer Gruppenzugehörigkeit wegen, missachtet das Set.

Alkohol kann ein Genussmittel sein, wenn Set und Setting stimmen. Zum Set gehört die genaue und ehrliche Kenntnis des eigenen Körpers. Wer Alkohol nicht oder nur schlecht verarbeiten kann, dennoch über seine Grenzen trinkt, wird mit den negativen Folgen konfrontiert.

Partner oder Seelenpartner, Casual Sex

Nach dem Erscheinen meiner ersten Webbeiträge über Partner und Seelenpartner bekam ich Anfragen zu Tests, Ritualen, Magie oder Hellseherei. Mit Seelenpartnern meinte ich simpel ausgedrückt die Partner, mit denen ein Mensch ein Herz und eine Seele ist oder durch dick und dünn geht. Nach einigen Klarstellungen sind Anfragen dieser Art eine Ausnahme geworden.

Seelenpartnertest sind nicht harmlos, sogar dann nicht, wenn sie einen anderen Menschen nicht beeinflussen. Sie suggerieren eine logisch-sachliche Erkennung oder Klassifizierung von Liebe. Das ist und bleibt ausgeschlossen. Außer die Liebe wird auf den Sex reduziert, besonders auf den gegenwärtig modischen Casual Sex. Hier hilft ein Matching tatsächlich, nur Liebe ist es keine, mögen es die Portalanbieter noch so beteuern und die Nutzer sich einreden. Casual Sex oder Verwandtes muss nicht bewertet werden. Die Folgen des Handels sind unausweichlich und gerecht wie bei jedem menschlichen Tun.

Manipulation und Arbeit

Eindeutig ist die Lage bei Versuchen einer Manipulation des Partners oder Partnerkandidaten. Das ist unethisch, das ist keine Liebe. Wer dies versucht, missachtet Set und Setting und erlebt unweigerlich die Konsequenzen seines Tuns.

Ich finde eine Erklärung der zulässigen Beeinflussung angebracht. Jeder Mensch beeinflusst fortwährend die Menschen seiner Umgebung. Diskussionen sind Überzeugungsversuche, wenn die Meinungen abweichend sind. Solche Diskussionen – und somit Beeinflussungen – gehören zum Rückgrat des menschlichen Zusammenlebens, ergo auch der Partnerschaften.

Arbeit und Verantwortung

Diskussionen sind Arbeiten der Liebe in Partnerschaften. Diese Arbeit stärkt die Liebe und die Beziehungen. Wer diese Arbeit scheut, will nicht lieben, sondern haben. Er will einen Partner haben. Ohne Anstrengung, schnell oder lieber sofort, billig oder lieber umsonst.

Es gibt einen, meist unbewussten, Grund dieser Scheu vor eigener Arbeit. Dieser Grund verschafft Hellsehern, Hexen und Beratern in Sachen Liebe ihre Aufträge. Es ist der Versuch, die Verantwortung für das eigene Tun auf andere zu übertragen.

Wer in sich hineinhorcht, wird das nicht leugnen. Wenn der Partner nicht kommt, wenn er einen verlässt, wenn die Beziehung schmerzt: Es waren die Berater oder Hellseher, die mich falsch beraten haben, ich bin unschuldig. Hat die Seele Humor, lacht sie darüber. Da aber in diesen Fällen Humor fehl am Platze ist, arbeitet die Seele an den nächsten Erfahrungen der leidvollen Art.

Wer Set und Setting in der Liebe und im Zusammenleben nicht beachtet, wird von seiner Seele dazu angestoßen. Das wiederholt sie solange, bis es ihr Mensch lernt.

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