Der Seele zuhören, die Seelensprache begreifen; Archetypische und individuelle Symbolbedeutung – Der Frosch und das Redeverbot

Symbole

Der Seele zuhören

Die Seele sendet fortwährend Botschaften an ihren Menschen. Sie bedient sich dabei der Symbole, die erst gedeutet und in die Alltagssprache übersetzt werden müssen. Die erste Hürde für den Menschen, der seiner Seele zuhören will, ist der Verstand, der die Seelenbotschaften gerne zum unlogischen Geschwätz erklärt und sich dem Zuhören verweigert. Das ist schade, denn die Seele weiß all das, was für ihren Menschen wichtig ist. Sie kennt die Antworten auf die Fragen des Lebens, sie weiß, was sie lernen will. Und das gehört zum Sinn des Lebens.

Es steht jedem frei, die Seelenbotschaften zu ignorieren. Die Seele kann sich dann des Körpers bedienen, um ihren Botschaften Nachdruck zu verleihen, indem der Körper krank wird. Hier sollte der Mensch zuhören, will er nicht mit einem Schicksal konfrontiert werden, welches ihm ungerecht und zufällig vorkommt.

Wer seiner Seele zuhört, erfährt die zweite Hürde: die Mehrdeutigkeit der Seelensymbole. Doch da der Verstand bereits zuhört, ergo bereit ist, auch andere Welten und andere Logik zuzulassen, kann er diese Hürde leichter meistern als die erste.

Warum verhallen die Botschaften der Seele? Ein Grund ist die Hektik des Alltags, die fehlende Zeit für die Minuten der Ruhe, in denen die Seele reden kann. Wer sich jedoch darauf beruft, arbeitet mit Ausreden. Denn erstens findet jeder Mensch einige Minuten Zeit, wenn er es tatsächlich will. Und zweitens, spricht die Seele in den Träumen, an die sich die meisten Menschen erinnern oder das Erinnerungsvermögen trainieren können.

Symbole: ein weises Tor zum Selbst

Die Seele spricht in Symbolen. Sie benutzt dabei alle nur vorstellbaren Arten der Symbole, sie spricht am Tage und in der Nacht, sie spricht beim Meditieren, sie redet auch im Alltag. Es ist wichtig für sie, dass ihr Mensch sie vernimmt.

Doch wenn ihr die Botschaften wichtig sind, warum wählt sie eine solch indirekte Sprache, warum benutzt sie Symbole? Ist es eine Sprache, die von allen Menschen verstanden wird, ein Seelenesperanto? Ist die Seelensprache komplexer als die Menschensprachen, da sie älter ist? Können Symbole auf unsere individuelle Wahrnehmung am besten abgestimmt werden?

Würde die Seele in einer verständlichen Sprache reden, würden wir sie sofort begreifen. Dennoch arbeitet sie anders. Warum?

Die Seele weiß wann, wie und welche Informationen für ihren Menschen richtig und wichtig sind, welche Informationen den Menschen nicht überfordern. Ihre Symbole in Verbindung mit der Arbeit des Menschen an ihnen sind offenbar ein bewährter Weg, den Menschen zu erreichen. Durchaus möglich, dass es auch eine Prüfung ist, ob der Verstand bereit ist, mit der Seele zusammenzuarbeiten, anstatt sich zu einem Alles- und Besserwisser zu erklären.

Wenn Eltern ihren Kindern neues Wissen und neue Ansichten übermitteln, wählen sie eine behutsame Sprache, wiederholen sich, bringen Geduld auf. Die Seele beginnt ihre Inkarnation mit dem Wissen über alte Zeiten, viele Leben und unterschiedlichste Erfahrungen. Der Verstand hingegen beginnt seine Existenz beinahe als Tabula rasa. Beinahe, denn auf das kollektive Unbewusste oder die Prägungen aus der Zeit im Mutterleib kann er zugreifen. Er braucht dennoch gehörig Zeit, um das zu begreifen und damit umgehen zu können.

Für die Seele ist der Verstand das Kleinkind, welches feinfühlig geführt werden muss.

Archetypische Symbole und ihre Bedeutung

Die Seele zu verstehen, bedeutet also Arbeit. Die erste Arbeit sind das Zuhören und das Wahrnehmen. Dem folgt das Begreifen der Symbole, da ihre Bedeutungen nicht einfach in einem Lexikon nachgeschlagen werden können. Wäre dies so, bräuchten wir nichts weiter als Lexika, Computer oder Apps, die eine unmissverständliche Übersetzung lieferten. Dennoch sind Lexika sinnvoll. Allerdings nur dann, wenn wir die archetypischen und die individuellen Symbolbedeutungen beachten.

Die archetypischen Symbole sind die Ur-Symbole. Sie sind in dem kollektiven Unbewussten verankert, haben eine allgemeingültige Bedeutung. Viele behalten ihre Urbedeutung über die Kulturen und Religionen hinweg.

Die archetypische Bedeutung der Symbole kann daher tatsächlich in Lexika recherchiert werden.

Individuelle Bedeutung der Symbole

Die individuelle Bedeutung hängt von den Erfahrungen und Prägungen des Lebens ab. Sie unterscheidet sich nicht nur von Mensch zu Mensch, sie wandelt sich im Laufe des Lebens eines Menschen.

Die Erfahrungen des Menschen bestimmen ebenfalls, welchen archetypischen Bedeutungen er den Vorzug gibt. Der Hund ist archetypisch ein Wächter und ein Freund des Menschen, er hat aber eine Verbindung zum Tod, da beide – der Hund und der Tod – Begleiter des Menschen sind.

Ist ein Mensch mit einem Hund aufgewachsen, war der Hund sein Spielkamerad und Beschützer, hat das Symbol Hund eine positive Bedeutung. Und es sind angenehme Träume, wenn er von einem Hund träumt.

Wurde ein Mensch von einem Hund angefallen, bedeutet für ihn das Symbol Hund Gefahr. Träumt dieser Mensch von einem Hund, ist es für ihn ein Albtraum.

Die individuelle Bedeutung kann in keinem Lexikon nachgeschlagen werden.

Der Frosch und seine archetypischen Bedeutungen

Der Frosch ist mit dem Element Wasser verbunden; das leuchtet ein. Eine starke archetypische Bedeutung ist die Metamorphose sowie die Fruchtbarkeit und das Gebären.

Die Metamorphose ist der Lebensweg der Frösche: Eier, Kaulquappen, Frosch; die Kiemen und die Lungen nicht vergessen. An die Metamorphose knüpft ebenfalls der reinigende Regen oder das Gewitter an, welches Frösche mit ihrem Quaken ankündigen. Die Metamorphose ist in dem Grimmschen Märchen von dem verzauberten Prinzen enthalten.

Die Fruchtbarkeit und das Gebären rührt von seiner kauernden Haltung her, welches an die gebärenden Frauen vor langen Zeiten erinnert.

Der Frosch mit einer individuellen Bedeutung

Der Frosch war das entscheidende Symbol in einer Seelenantwort [1]. Die Klientin, ich nenne sie Angelika, fühlte sich sprachlich unterdrückt, überhört, nicht wahrgenommen: »Ich werde immer wieder unterbrochen«. Das warf sie auch ihrem Partner vor, nennen wir ihn Thomas, der wiederum behauptete, er müsse sie hin und wieder unterbrechen, er käme sonst nicht zu Wort. Angelika wollte erfahren, wie sie das Problem angehen sollte, besonders in ihrer Partnerschaft.

In der Seelenantwort, einer geführten Reise in das Wissen der Seele, die ich gemeinsam mit Monika durchführte, erwies sich der Frosch als das entscheidende Symbol und die Lösung des Problems.

Der Frosch saß auf einem Stuhl und quakte unentwegt. Wir empfahlen Angelika, den Frosch zu fragen, ob er ihr etwas sagen wolle. Angelika fragte ihn mehrere Male, doch bei jedem Frageversuch verstummte der Frosch und sah sie ängstlich an.

Wir arbeiteten gemeinsam mit Angelika an diesem Symbol. Die archetypischen Bedeutungen verwarfen wir, sie fühlten sich nicht richtig an. Die Arbeit während der Seelenantwort und der Nachbearbeitung offenbarte die überaus individuelle Bedeutung.

Der Frosch war klein, saß auf einem Stuhl, auf dem er verloren wirkte. »Wie ein kleines Kind«, meinte Angelika. Von da an war es nur ein Schritt zu seiner Bedeutung. Angelika redete als Kind viel und gerne, sie fragte viel. Ein gesundes Kind eben. Ihrer Mutter war das manchmal zu viel und als Angelika mal einen erwachsenen Gast ansprach, unterbrach sie ihre Mutter mit dem Satz:

»Seit wann reden denn Frösch’ mit?«

Der Frosch und das innere Kind

Angelika bekam bei dieser Erinnerung augenblicklich Magenschmerzen, wurde traurig, fühlte sich klein und übergangen. Sie war der Frosch, der zu schweigen hat, wenn andere reden.

Ein inneres Kind [2] wurde geboren. Wurde Angelika in ihrer Rede unterbrochen oder kam sie nicht zu Wort, erinnerte sie sich – unbewusst – an den Vorfall mit dem Frosch, dem das Reden verboten wurde. Innere Kinder, das sind Emotionen. Und Emotionen können nicht mit dem Verstand gesteuert werden.

Kinder wachsen; innere Kinder bleiben Kinder. Mit den inneren Kindern kann sich der Mensch aussöhnen, indem er sie ernst nimmt. Angelika gelang das nach und nach. Zwar spürt sie immer noch die Schmerzen in der Magengegend, es schnürt ihr die Kehle zu, doch das Bild des Frosches auf dem Stuhl hilft ihr, diesen Zustand schnell zu ändern. Sie weiß, dass dieses Erlebnis, nun im inneren Kind gespeichert, ihr weiteres Leben begleiten wird. Aber sie kann mit diesem Kind umgehen und dieses Wissen nimmt ihr die Angst vor dem Reden.

Der Frosch und die Fliege: Die Lösung und der Humor

Angelika erzählte Thomas von der Seelenantwort und dem Frosch. Thomas begriff, warum Angelika so heftig reagierte, wenn er sie unterbrach, oder warum sie öfter das Gefühl hatte, nicht zu Wort zu kommen.
Thomas verzichtete zunächst auf eines seiner Lieblingsworte. »Irrelevant«, pflegte er zu sagen, wenn ihn etwas nicht interessierte. Er kleidete dieses Wort in Ich-Botschaften, bis ihm etwas einfiel, worüber beide lachen können, wenn sich das innere Kind meldet.

Thomas hatte manchmal selbst das Gefühl, dass Angelika ihn nicht zu Wort kommen lässt. Eines Tages, als er Angelika unterbrechen wollte, sagte er: »Bssssssss«. Angelika, völlig verblüfft, wollte wissen, was das bedeutet. Thomas meinte, das sei die Fliege, und Fliegen haben doch die Frösch’ zum Fressen gern. Über die doppelte Bedeutung dieses Bildes, mussten beide lachen.

Bei dem »Bssssssss« spürt Angelika zunächst einen dumpfen Schmerz in der Magengegend. Sie kann aber ihrem inneren Kind sagen: »Wir haben Thomas zum Fressen gern«, worauf alle lachen können – Angelika, ihr inneres Kind und Thomas. Das »Bssssssss« hilft ihr ebenfalls im Umgang mit anderen Menschen.

Dies erfuhren Monika und ich als wir Angelika einige Monate nach der Seelenantwort trafen. Wir waren erfreut über das gelungene Ergebnis der Seelenantwort. Nur eines stimmte mich nachdenklich. Beim Abschied sagte Angelika, eindeutig zu mir gewandt: »Bssssssss«, und lachte zusammen mit Monika.

Was das wohl zu bedeuten hat …

Anmerkung zum Symbol Frosch

Die Symbolik des Frosches in dieser Seelenantwort kann über das Redeverbot hinaus betrachtet werden. So sitzt er auf dem Stuhl, was auf ein Märchen hindeutet und weitere Bedeutungen mit sich bringt. Es hat ebenfalls Gründe, warum Thomas die Fliege ins Spiel brachte.

Für Angelika war in dieser Arbeit nur eines relevant: Das Redeverbot in der Kindheit und das innere Kind, welches sie mit dem Frosch verknüpfte. Diese individuelle Bedeutung führte zur Lösung ihres Problems und bereicherte die Partnerschaft.

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Links zum Beitrag
[1] Zu weiteren Seelenantworten und ihrer Symbolik ...
[2] Innere Kinder und die Aussöhnung mit ihnen

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Jan
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Jan Schneider, Autor