Seelengeschenke und Seelenpartner: Geschenke annehmen oder abweisen, das ist hier die Frage

Seelengeflüster des Monats

So dramatisch wie in Shakespeares Hamlet, der »Sein oder nicht sein« fragte, lautet die Frage nicht. Dramatisch kann es dennoch werden, wenn die Folgen der Antwort ihre Wirkung zeigen. Und das werden sie tun – unentrinnbar, aber nicht ungerecht. Und immer.

Es gibt keine Befreiung, keinen Freispruch. Ein »Ich konnte nicht entscheiden, es waren die Umstände« erkennt keine Seele als mildernden Umstand an.

Angenommene Geschenke

Geschenke hält das Leben oft bereit. Im Nachhinein heißen sie glückliche Fügung, rechte Zeit oder rechter Ort, Zufall oder Schwein gehabt. Haben kann dieses glücksbringende Schwein nur, wer es annimmt. Und da, um tierisch zu bleiben, liegt der Hund begraben. Glückliche Zufälle, müssen angenommen werden, wenn sie denn wirken sollen. Die Annahme setzt ihre Wahrnehmung voraus, das wiederum eine Achtsamkeit dem Leben und dem Alltag gegenüber.

Achtsamkeit, diese oft beschworene und empfohlene Tugend, ist nicht nur meditierenden Buddhisten vorbehalten. Wer das behauptet, konstruiert eine Ausrede für seine Einstellung zum Leben. Glaubwürdig ist diese Ausrede nur für den Verstand, der seine Entwicklung in der Schwangerschaft beginnt. Die Seele greift auf älteres Wissen und auf ältere Erfahrung zurück, sie weiß es besser.

Das Seelenwissen ist der begrabene Hund, den der Verstand erst wahrnehmen muss. Dieses Wahrnehmen ist keine Kunstfertigkeit, kein nur den Begünstigten zufallendes Geschenk eines blinden Schicksals. Der Hund ist begraben, tot ist er jedoch nicht. Es ist die Seele, es ist die Intuition, das Unbewusste, die innere Stimme.

Diese innere Stimme spricht. Immer, zu jedem Menschen, in adäquaten, individuellen, verständlichen Zeichen, Symbolen, Begebenheiten. Es bedarf dazu keines Titels, keines Diploms, keins hohen IQs. Es bedarf der Bereitschaft, die innere Stimme anzuerkennen. Besonders dann, wenn sie der Mensch ins Reich des Unwissenschaftlichen verbannt.

Abgewiesene Geschenke

Geschenke abzulehnen ist eine der leichtesten Aufgaben. Für die Folgen gilt die Leichtigkeit allerdings nicht mehr.

Leicht lassen sich die Geschenke ablehnen, indem sie als unwissenschaftlich klassifiziert werden. Das machen gerne die Scheibenweltbewohner, siehe Seelengeflüster des Jahres. Diese Methode wird früher oder später ad absurdum geführt, mag das Später auch erst im nächsten Leben sein.

Schneller gelingt die Abweisung der Geschenke mit ihrer Klassifizierung als das Pech, die falsche Zeit, der falsche Ort, die da oben, der böse Nachbar, die schlechten Eltern, der böse Partner, der Chef, der Stau, die Krankheit …

Das Vertraute

Das Leben ist zwar nicht gut, es müsste oder es könnte besser sein. Aber es läuft schon irgendwie, ich lebe doch, anderen geht es noch schlechter, es hätte schlimmer kommen können etc. Das Alte ist bekannt, es ist vertraut. Das vertraute Elend eben.

»Es kommt noch die Zeit, dann wird es anders.« Ja, die Zeit kommt, ja anders wird es. Aber wie anders, wenn ich keinen Einfluss darauf nehme?

»Wenn ich das noch habe, dann erst komme ich weiter.« Und wenn die eigenen Fähigkeiten für das Fortschreiten ausreichen, wenn die Seele nicht mehr verlangt, als ihr Mensch kann?

»Aber die anderen sehen das auch so!« Wer suchet, der findet, er findet sogar viele Menschen, die diese äußeren Gründe eines Elends bestätigen. Heute leichter und zahlreicher denn je, den sozialen Medien sei Dank.

Ein alter Sponti-Spruch: »Leute, esst Sch…, Millionen Fliegen können nicht irren.« Böse Worte mag der Spruch haben, falsch ist er deswegen nicht. Und der Hinweis auf diejenigen Schöpfer und Verbreiter dieses Spruchs, die sich letztendlich dem gewohnten Essen zuwandten, ist keine gültige Ausrede vor der Seele.

Die Seele weiß es, der Mensch, der ihr zuzuhören bereit ist, erfährt es auch.

Arbeit?!

Raffiniert lassen sich Geschenke ablehnen, indem sie übersehen werden. »Das macht doch keiner!« Wirklich? Das machen wir öfter, als es uns bewusst ist. Und da grüßt er wieder, der begrabene Hund. Vergeblich grüßt er aber, wenn sein Mensch ihn nicht hören will, denn das wäre mit Folgen verbunden.

Es ist die eigene, noch nicht so bewusste Ahnung von der Arbeit, die mit der Annahme eines Geschenks verbunden ist. Das Alte, das schon immer Dagewesene, das Vertraute eben; all das muss dann aufgegeben werden.

Das Neue ist unbekannt. Es ist geplant, erwünscht, ersehnt, es ist schön, liebevoll, erfüllend, warm, stark. Aber mit Unsicherheiten behaftet, mit einem Tun. Und logisch: je größer das Elend, desto schlimmer das Tun.

Es macht Angst das Neue, so schön es sein mag. Das ist aber legitim, das ist menschlich allzu menschlich. Das ist richtig sogar, denn die Angst ist das Regulativ, welches uns vor dem unbedachten und ungesicherten Sprung in unbekannte Tiefen bewahrt.

Die Augen der Angst

Es wäre gefährlich, die Angst zu verdrängen und ihre Ermahnung nicht zu beachten. Damit begräbt ein Mensch nicht nur den Hund, damit begräbt er sein Leben.

Der Angst in die Augen zu schauen, ist der Weg aus der Angst und dem Elend heraus. Und sind die ersten Blicke zaghaft, der erste Schritt sind sie dennoch. Es stellt sich ohnehin heraus, dass die Angst ihre großen Augen nur vorgaukelt, dass sie de facto kleiner sind. Dass die Aufgaben lösbar sind.

Es ist der erste Schritt zum Lebenserfolg, sich diese Angst vor dem Neuen und der damit verbundenen Arbeit einzugestehen. Das muss nicht nach außen kommuniziert werden, denn kein anderer Mensch kann diese Arbeit übernehmen. Keine Seele wird die eigene Arbeit einer anderen Seele übertragen. Helfer, Unterstützer, Begleiter, Partner – ja. Sklaven und ergebene Diener gibt es in der Seelenwelt nicht.

Seelenpartnerschaft

Kein Seelenpartner übernimmt die gesamte Arbeit seiner Partnerseele. Seelenpartner begleiten sich, sie helfen einander. Sie sind Lehrer, sie sind Schüler - immer beides zugleich. Einseitiges Lernen existiert für sie nicht.
Flüstert jetzt eine innere Stimme zu: »Wenn ich meinen Seelenpartner finde, dann kann ich besser lieben und leben«, so ist das die Stimme des Verstandes, nicht der Seele. Das wäre erneut der Versuch, sich vor dem eigenen Beitrag zum eigenen Glück zu drücken.

Keine Seele macht für ihren Zustand den Seelenpartner verantwortlich. Darin sind sich die Seelen einig; Probleme macht der Verstand ihrer Menschen. Je schärfer der Verstand, desto größer und plausibler können die Probleme werden. Intellektualisieren nennt das die Psychologie.

Kein Mensch muss seinen Seelenpartner finden, um ein glückliches Leben zu führen.

Das ist so. Und das ist so nicht:

Eine Partnerschaft muss schließlich jeder Mensch finden und pflegen, wenn er voranschreiten will: die Partnerschaft zwischen ihm und seiner Seele, zwischen dem Kopf und der Hand, dem Herzen, der Seele.

Diese Partnerschaft kann sich jeder Mensch selbst zum Geschenk machen.