Schreiben, Hand, Bewegung und Sprache

Bewegung, Wort

Ideenkeime

Die USA haben einerseits eine blutige Geschichte respektive Basis oder auch einen Trump. Nicht alles, was über den Großen Teich zu uns herrübergelangt, ist integrationswürdig. Dennoch lohnt der Blick auf dieses faszinierende Land und seine Entwicklungen.

So nahm ich mir eine längere Zeit für ein autodidaktisches Studium des Literaturlebens in den USA mit dem Schwerpunkt Schreibschulen. Deutsche Quellen berücksichtigte ich hauptsächlich der Feinheiten der deutschen Sprache wegen.

In dieser Zeit arbeitete ich parallel an meinen Ideenkeimen. Die Sammlung ist groß und bekommt fortlaufend Zuwachs. Ideenkeime sind Ideen, die sich entweder lange Zeit schon melden oder einem Blitz gleich aufleuchten. Wer schreiben will, lernt rasch, dass diese Ideen wie Blitze aufleuchten, aber ebenso vergehen. Ich bin immer mit einem Notizbuch unterwegs, damit diese flüchtigen Ideenkeime nicht der Vergessenheit anheimfallen. Ein Alzheimer-Menetekel ist das mitnichten; es ist eine Wertschätzung den Ideenquellen gegenüber.

Erst jetzt werden die Ideen in den Rechner übertragen. So werden die meisten Ideenkeime manuell in meinen Notizbüchern festgehalten und teilweise weiterentwickelt. Wie sich die Ideenkeime entwickeln, ist mir nur in Ausnahmefällen von Beginn an bewusst. Einige warten und warten und warten. Einige wachsen mit anderen zusammen, einige wenige entwickeln sich zu Webbeiträgen oder zu Buchideen.

Notizbücher und die Hand

Es mutet altertümlich an, mit Notizbüchern aus Papier zu arbeiten in Zeiten von Apps und anderer Software. Dennoch gehören das Papier und der Schreibstift zu den unverzichtbaren Werkzeugen der Schriftsteller (wer es mag, recherchiere nach »longhand«). Sie wissen um die Flüchtigkeit der Ideen. Bleibe ich beim Schreiben stecken, wechsele ich gerne und erfolgreich zum Papier und Füller und erarbeite viele Themen primär auf dem Papier. Erst dann setze ich mich vor den Rechner hin. Sogar meine Mindmaps skizziere ich meist zunächst auf großen Papierbögen, bevor ich sie mit einer Software erweitere.

Die Schriftsteller wussten und wissen um die anderen Vorteile des Schreibens mit der Hand, die nach und nach durch Studien wissenschaftlich untermauert werden. Schriftsteller aus älteren Zeiten wussten oder ahnten dies und lebten dementsprechend auch ohne wissenschaftliche Beweise. Es reicht, dass etwas immer wieder wirkt, es reicht die Erfahrung, die Tradition. Wem das zu wenig scheint, nenne es Empirie; wobei es hier Differenzen zwischen der deutschen und der englischen Bedeutung gibt. Wie auch immer diese Erfahrungswerte oder Daten genannt werden, auf die Wirkung kommt es an. Ein Beispiel nur: die lange Tradition des Ayurveda.

Wer nun sein Mantra ausstößt: »Nicht nachgewiesen, nicht nachgewiesen!«, denke nur an die Hypnose. Scharlatanerie vor gar nicht so langer Zeit, heute wissenschaftlich anerkannte Technik in der Psychotherapie – oder beim Zahnarzt. Ich finde es traurig, wenn sich jemand dem Neuen verschließt, weil es wissenschaftlich unbewiesen ist. Wissenschaft als Gott-Ersatz.

Bewegung, Sprache, Kreativität

Eine der neueren Erkenntnisse: Das Sprachzentrum im Gehirn entwickelte sich aus Teilen des Bewegungszentrums. Logischerweise sind diese beiden Zentren benachbart. Wohl ebenfalls logisch, auf jeden Fall nachgewiesen, beeinflussen sie sich gegenseitig.

Für viele Schriftsteller ist das Laufen wichtig bis unverzichtbar oder grundsätzlich die Bewegung in der Natur. Die Bewegung ist eine Geburtshelferin der Inspiration. Die Natur ist ein weiteres Element, doch allein die Bewegung hat eine positive Wirkung auf die Sprache, die Wortideen, die Arbeit an vertrackten Problemen und das nicht nur beim Schreiben. Ein bekennendes Beispiel: Joyce Carol Oates, die das Laufen preist.

Die neurologische Nähe von Sprache und Bewegung: Warum gestikulieren Menschen beim Reden? Warum wandeln viele auf und ab, wenn sie an Problemlösungen arbeiten? Das Fitnessstudio besuchen sie nicht nur der Figur wegen. Das Jonglieren ist lange schon kein Geheimtipp mehr in den Kreativitätsseminaren.

Die Bewegung wirkt positiv auch im Kleinen. Eine dieser Bewegungen mutiert zu einem Menetekel für den modernen Menschen.

Das Menetekel wird im nächsten Newsletter fortgesetzt, in dem ich etwas über die nächsten Schreibprojekte schreibe.

Jan Schneider, Autor

Herzlichst, Ihr / Dein
Jan
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