Ursache und Wirkung, Schamanismus, Synchronizität, Magie - sinnvolle Zufälle

Synchronizität

„Das kann doch unmöglich ein Zufall sein!“ Das ist nur unsere erste innere Stimme. Dann schalten wir den Verstand ein und beschließen, lieber niemand von diesem Verdacht zu erzählen, schließlich wollen wir nicht für seltsam befunden werden.

Es ist schade, wenn wir in solchen Situationen den Verstand zu der obersten Autorität erklären. Wir schneiden uns nicht nur vom Interessanten im Leben ab, wir können mit dieser Einstellung unser Leben ärmer machen, wir können uns sogar schaden. Weil wir solches wie Synchronizität nicht zulassen.

Den Begriff »Synchronizität« prägte C.G Jung. Er bezeichnete damit gleichzeitig auftretende akausale Phänomene.

Aber beginnen wir mit einer alltagstauglichen Definition. Synchronizität ist gegeben, wenn etwas gleichzeitig (synchron, griechisch für gleichzeitig, zeitgleich) und ohne einen für uns erkennbaren Ursache-Wirkung-Zusammenhang geschieht.

Entscheidend ist es, dass diese scheinbar zufälligen Geschehnisse oder Wahrnehmungen für uns selbst einen Sinn- oder Bedeutungszusammenhang ergeben. Es spielt keine Rolle, dass es für andere Menschen pure Zufalle sind.

Meistens sind es Geschehen, die in der Außenwelt und in uns, in der Innenwelt geschehen. Synchronizität ist somit eine Verbindung zwischen innen und außen, zwischen dem, was wir Realität nennen mögen und der Seele. Zwischen Materie und Psyche.

Es ist eine Ebene, die nicht mit dem in Ursache-Wirkung-Ketten denkenden Verstand begreifbar ist.

Die Schamanen

Schon die alten Griechen … Vermutlich ja. Doch auch die alten Schamanen wussten bereits um die Synchronizität. Es ist irrelevant, ob sie es Synchronizität nannten oder überhaupt einen Begriff dafür hatten.

Nehmen wir beispielsweise ein schamanisches Heilungsritual. Wenn ein kranker Mensch einen Schamanen aufsucht und gesund wird, so nehmen wir vermutlich an, dass er aufgrund des Heilungsrituals genesen ist.

Nicht so der Schamane. Er lässt nur Sinnzusammenhänge zu. Er führt ein Ritual durch. Der Kranke wird gesund. Es gibt keinen Erklärungsbedarf. Es gibt kein „Weil“. Es gab keine Ursache, keine Wirkung, es gab nur ein Gleichzeitig, welches in einem Sinnzusammenhang steht. Eine Synchronizität eben.

Kausales Denkens

Werden wir da nicht skeptisch? Aus zweierlei Gründen sogar?

Erstens, weil so ein Hokuspokus doch nicht helfen kann. Weil es nicht wirken kann. Weil es keinen wissenschaftlichen Beweis gibt.

Die Hypnose war vor einigen Jahren auch so ein Hokuspokus, ein Fauxpas in den kausal denkenden Kreisen. Im Jahr 2006 wurde sie durch den Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie zu einem wissenschaftlich anerkannten Psychotherapieverfahren.

Im Frühjahr 2012 hat der Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit des Europäischen Parlaments beschlossen, dass der Verzehr getrockneter Pflaumen nicht(!) für eine normale Darmtätigkeit sorge. Da es wissenschaftlich nicht hinreichend belegt sei.

Was kann also auch nicht wirken? Radiästhesie? Phytotherapie? Homöopathie? Geistheilung? Astrologie? Numerologie? Bestellung beim Universum?

Kausaldenken ist deshalb nicht weniger wertvoll, weniger spirituell oder gar falsch. Es gibt Ebenen, auf denen es erforderlich ist. Wenn wir uns nicht um unseren Körper oder um unser Konto kümmern, sollten wir uns nicht über die Konsequenzen wundern. Kausalität pur.

Wenn wir jedoch zulassen, dass auch wirken kann, was nicht – oder noch nicht - nachgewiesen ist, so taucht gleich der zweite Grund auf, der uns zunächst bei dem Annehmen des Phänomens Synchronizität im Wege steht.

Denn bei dem heilenden Schamanen sind wir geneigt zu sagen, der Kranke sei genesen, weil ihn der Schamane mit seinem Ritual geheilt habe. Ist doch so verlockend logisch!

Und schon sind wir wieder im Kausaldenken.

Synchronizität nutzen

Machen wir doch uns und unserem Verstand das Leben leichter und gleichzeitig interessanter! Aber wie? Und was habe ich davon im Leben, im Alltag? Kann ich die Synchronizität wirklich nutzen?

Ja. Auch wenn es Übung und Zeit bedarf, bis Synchronizitäten für uns annehmbar und dann nutzbar werden.

Das Zulassen der Synchronizität ist der erste Schritt. Wenn zwei Geschehen für uns selbst einen Sinnzusammenhang ergeben, versuchen wir dann keine kausalen Erklärungen zu erfinden, denn kausales Denken versagt hier, es ist dem schlichtweg nicht gewachsen. Schärfen wir unsere Wahrnehmung bezüglich der Synchronizitäten, sensibilisieren wir uns dafür. Fragen wir nicht nach einem „Warum?“ und lassen wir das „Weil“ weg. Sie sind dann einfach. Das reicht.

Wir denken und es geschieht oder es geschieht und wir denken.

Nicht: Es geschah, weil wir gedacht haben. Nicht: Wir dachten daran, weil wir es schon spürten. Das gibt es natürlich auch, aber das ist das „normale“ Leben.

Wenn wir soweit sind, dass wir die Synchronizitäten so frei zulassen können, wenn es uns nach keinem „Weil“ ist, dann folgt der zweite Schritt – das Annehmen.

Wir können dann nicht nur die Synchronizität als Idee annehmen, sondern viel wesentlicher: Wir können sie in unserem Leben annehmen und nutzen.

Wir verschließen uns nicht mehr vor dem Unerklärlichen in unserem Leben. Wir sind frei für das dem Verstand Unerklärliche. Wir sind frei oder freier für Heilungen. Für Glück? Für glückliche Zufälle? Für Spontanheilung? Sind das nicht andere Begriffe für Synchronizität?

Ohne Unerklärliches wäre das Leben entsetzlich arm.

Das Annehmen macht unser Leben interessanter. Reicher. Horizontfreier. Und den Verstand macht es freier für Beschäftigungen mit weiteren Fragen, Themen, Phänomenen.

Es ist auch Magie

Es ist Magie im ästhetischen Sinne. Als Bereicherung unseres Lebens, als Schönes, als Staunen. Staunen wie es Kinder können. Wie wir, als wir noch des nicht fragenden, sondern annehmenden Staunens fähige Kinder waren. Erinnern wir uns daran! Und lassen wir auch unsere Kinder staunen.

Es ist Magie im eigentlichen Sinne. Als ein Blick dahinter, hinter die sogenannte Realität. Als nicht fragende, sondern annehmende Lebenshilfe. Als Wunscherfüllung.

Synchronizität als angewandte Magie im Alltag? Wenn wir damit die Tore für die Welt dahinter aufmachen und für den Verstand Unerklärliches zulassen können – warum nicht?

Jan Schneider, Autor

Herzlichst, Ihr / Dein
Jan
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