Positives nach Corona

Positives

Positiv stimmt schon allein der Gedanke über die Zeit nach Corona. Wer Negatives bevorzugt, kann mit der nächsten Krankheit kontern, im Extremfall damit, dass es keine Zeit nach Corona geben wird. Dieser Hang zu Katastrophen ist aber eine alte Begleiterin des Menschen und nicht erst heute offensichtlich.

Ich hole aber ein wenig aus, um dies zu erläutern – und Auswege aufzuzeigen.

Sparringpartner, Körper

Vor Krankheitserregern kann Hygiene schützen, allerdings die richtige. Wer im Haushalt ausschließlich Reinigungsmittel verwendet, die mindestens 99,99 Prozent der Bakterien töten, greift nicht zum Richtigen.

Ohne Bakterien überlebt kein Mensch. Ein Erwachsener beherbergt etwa 2 Kilogramm Bakterien in sich. So mancher dieser Erwachsenen wendet jedoch die 99,99-Prozent-Mittel enthusiastisch an. Dazu muss schon der Glaube erforderlich sein, diese Mittel seien hochintelligent, vielleicht mit künstlicher Intelligenz ausgestattet. Nur so erkennen und töten sie die bösen Bakterien ab und die guten lassen sie leben.

De facto ist es anders. Der Mensch braucht seine Bakterien, das Immunsystem muss fit bleiben. Fehlt ihm das Training, sucht es auf Teufel komm raus nach Sparringpartnern. Oder auf Allergie komm raus. Und das geschwächte Immunsystem kommt mit den Erregern, ob Bakterien oder Viren, ob mit oder ohne Krone, nicht zurecht.

Von meinen Großeltern kenne ich den Spruch: »Sieben Pfund Dreck braucht der Mensch im Jahr«. Heute lache ich nicht (mehr) über diesen Spruch.

Auch der Genetik ist der Mensch nicht fatalistisch ausgeliefert, auch sie ist kein unabwendbares Schicksal. Das Stichwort lautet Epigenetik. Mehr dazu in »Das Geschenk der Epigenetik« [1].

Sparringpartner, Psyche

Auch die Psyche benötigt ihre Sparringpartner, da sie heute zumeist unterfordert ist. Ein einfach verfügbarer Partner sind virtuelle Katastrophen und virtueller Horror. Anno dazumal durch die Moritatensänger, später durch Bücher, heute wirkungsvoller mittels Filmen.

Ich gebe zu, Katastrophenfilme sehe ich mir selbst an. Am liebsten, wenn es keine Dystopien sind, wenn sie ein Happy End haben. So kann ich den Thrill vollends genießen. Und darauf kommt es an.

Uns ist meist nicht bewusst, in welch friedlichen Zeiten wir leben. Probleme und Bedrohungen gibt es, aber wo sind die Millionen Jahre der Bedrohung durch Raubtiere, Hunger, räuberische Nachbarn, unbekannte Natur, Naturkatastrophen, unbekannte und unbehandelbare Krankheiten, durch den frühen Tod. All das ist Geschichte für den menschlichen Verstand. Nicht jedoch für die Psyche, wohl auch nicht für die Evolution.

Ich glaube, die Evolution sorgt dafür, dass wir den Umgang mit Katastrophen und existenziellen Problemen nicht verlernen. Das könnte sie sich nur bei einer moralisch und technologisch hoch entwickelten Spezies genehmigen. Das sind wir aber nicht; es gibt viel zu lernen für uns.

Doch zurück zu den Sparringpartnern. Gegenwärtig können wir Bücher und Filme vergessen. Lachhaft dieses virtuelle Gruselzeugs im Vergleich zu den Coronaviren. Coronaviren sind mehr als ein Ersatz für den virtuellen Horror.

Wir brauchen ein Horrortraining, wodurch wir unbewusst dazu neigen, aus Gefahren Kataklysmen zu machen. Oder aus einem alten Maya-Kalender einen Weltuntergang wie anno 2012.

Wer sich dessen bewusst wird, relativiert seine Angst vor Corona. Es kehrt ein wenig Ruhe und Besonnenheit ein, was in Zeiten wie diesen tatsächlich hilfreich ist.

Für den Einstieg in die Gelassenheit reicht das angesichts Coronas oder dem, was da in einigen Jahren wieder kommen mag.

Globales Denken

Spontan fielen mir einige mögliche positive Entwicklungen nach überstandener Corona ein. Es ist auch viel Hoffnung dabei. Es ist eine Erfahrung, die den Menschen prägt. Sie prägt global, was mich zum globalen Denken des Menschen führt.

Ein globales Denken des Menschen, der Spezies Mensch, ist erforderlich, wollen wir in der Entwicklung voranschreiten. Denken wir weiterhin vor allem egoistisch, arbeiten wir an Gefahren, die wir nicht bewältigen werden. Leider denken manche auch in Krisenzeiten ausgesprochen egoistisch, was ein Versuch beweist, Impfstoffe nur für sein Land zu organisieren. Nicht selbst entwickeln, nein einfach anderen abkaufen, das Exklusivrecht sichern und dann zu horrenden Preise verkaufen. Menschen muss die Erde ertragen …

Ich hoffe jedoch, dass Corona bei einigen Menschen die Notwendigkeit eines globalen Denkens und Handelns bestärkt. Das wären positive Folgen.

Influencer

Ich vermute, es sind keine optimalen Zeiten für die bis dato etablierten Influencer. Wohl nur noch wenige Menschen interessiert die heute aktuelle Nagelfarbe, die Mascara, der Lipgloss, Geltipps, Eyeliner, Concealer, Ckeckeroutfits und dergleichen.

Ob die Influencer staatliche Hilfen anfordern können? Damit darf sich gegebenenfalls das Finanzamt beschäftigen.

Wichtiger scheint das Toilettenpapier zu sein. Das ist aber eine andere, eine psychologische Geschichte. Wichtiger sind die Bauern und ihre Ernte. Vielleicht checken das auch manche Checker. Das aber in einem späteren Newsletter.

Und das Positive? Wenn Corona überstanden ist, erweist es sich, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist. Das hat seine guten Seiten, das hat seine Schattenseiten. Hier hoffe ich jedoch, dass einige Menschen erkennen, was tatsächlich im Leben wichtig ist, was zählt. Und das ist nicht das, womit die Influencer für zum Teil enorme Summen das Internet überschwemmen.

Wird fortgesetzt, auch positiv. Auch, denn neben dem Aufatmen der Natur stellen sich Fragen wie:

  • Wie reagieren testosterongesteuerte Menschen, wenn sie ihre Überschüsse nicht in Stadien oder gewissen Etablissements abbauen können?
  • Wie entwickeln sich Beziehungen, die bis dato deshalb bestanden, weil sich die Partner aus dem Weg gehen konnten?
  • Wird es für größere Unternehmen zur Gewohnheit, nach dem Staat zu rufen?
  • Bargeld abschaffen, indem man es zu einer Virenschleuder deklariert?
  • Welche Einschränkungen der Privatsphäre bleiben?
  • Jüngere werden zuerst aus der Quarantäne entlassen. Was sind die Folgen, wenn später die Alten hinzukommen dürfen?
  • Corona-Folgen: Wasser auf die Mühlen der Klimaleugner?
  • Wer profitiert von einer Pandemie?

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[1] Das Geschenk der Epigenetik

Jan Schneider, Autor

Herzlichst, Ihr / Dein
Jan
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