Samstags-Newsletter Nr. 111, 01. Dezember 2018

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ich begrüße Sie herzlich zu meinem samstäglichen Newsletter, der aus dem Rahmen fällt, da er zwischen der fernsten Zukunft und nahenden Tagen torkelte, bis er sich durch Hund und Mensch geerdet auf bodenständige Themen einigte:

  • böse Zahlen
  • spinnende Musen
  • Lichtnahrungsbratwürste

Ich lade Sie herzlichst zum Lesen dieses persönlich eingefärbten Newsletters ein und wünsche Ihnen eine erquickliche und inspirierende Lektüre – Schmunzeln inklusive.

Mit herzlichen Grüßen
Ihr

Jan

Fotoblog / Bilder der Woche (171):
Am Anfang war das …

Am Anfang war das …

Weitere Bilder der Woche …

Die erste böse Zahl

Das Attribut böse verpasse ich dieser Zahl aus persönlichen Gründen. Erstens, habe ich eine Aversion gegen das, was sie symbolisiert, zweitens kann ich damit aus biologisch-genetischen Gründen nicht umgehen. Direkter ausgedrückt, ich vertrage keinen Alkohol. Warum das so ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Fragt mich jemand danach, verweise ich auf meine karmischen Gene aus einem der vergangenen Leben, in denen ich in Asien mit fehlenden Genen für die Alkoholverarbeitung lebte. Nach dieser Antwort sehe ich in den Augen der Fragesteller mehr Fragezeichen als vorher. Sie fragen aber nicht mehr weiter; keine Ahnung warum.

Meine Aversion gegen Alkohol finde ich korrekt, womit ich vermutlich im Widerspruch zu dem liege, was man landläufig meint. Bei der ersten bösen Zahl geht es um den Schnaps, denn dieser Newsletter ist der 111., was eine Schnapszahl genannt wird. Der Begriff spielt an auf das doppelte Sehen nach einem zu reichlichen Schnapskonsum.

Für mich ist das eine weitere Idee für die Reihe »Worte hinterfragt«.

Faszinosum Mond – was war am Anfang?

Tausende Male über Jahrzehnte hinweg betrachtete ich den Mond; er fasziniert mich jedes Mal. Ich habe den Eindruck, die Faszination wächst, seit ich in ihm keinen Störenfried bei der Sternbeobachtung sehe. Ein jegliches hat seine Zeit, wie es die Bibel ausdrückt; der Mond hat seine, die Sterne haben ihre Zeit.

Da ist die Sache mit dem Licht. Im Anfang war das Wort, kann man bei Johannes im Neuen Testamen lesen. Warum im Anfang und nicht am Anfang? Verbindet man das »Wort« mit einem Klang, einem Ton oder einem Sound, lässt sich über dieses akustische Phänomen im Anfang immerwährend philosophieren. Daran denke ich öfter, wenn ich den (Voll)Mond betrachte. Denn das Licht kam erst später, worin sich die Bibel und die moderne Kosmologie ausnahmsweise einig sind.

Am Anfang unseres Sonnensystems gab es eine kosmische Staubwolke, aus der zunächst die Sonne entstand. Die Planeten, die kümmerlichen Reste der Staubwolke, summa summarum lediglich 0,1% des gesamten Sonnensystems folgten später. Der Erdenmond ist wiederum jünger als die Proto-Erde. Er war nicht von Anfang an da, dennoch dreht er seine Runden um die Erde 4,5 Milliarden Jahre lang. Und er dreht sie weiter, wobei er sich von der Erde jährlich um 3,8 cm entfernt. Das sieht nach wenig aus, aber in einigen Milliarden Jahren ist er so weit von der Erde entfernt, dass er sich von ihr befreien könnte.

Darüber sollten wir uns keine Sorgen machen, da sich vorher die Andromedagalaxie und die Milchstraße vereinen. Wieder kein Grund zu Sorge, da die Abstände zwischen den Sternen der beiden Galaxien so groß sind, dass direkte Sternzusammenstöße unwahrscheinlich bis ausgeschlossen sind. Aber die Planeten könnten sich von ihren Sternen lösen. Auch darüber sollten wir uns keine Sorgen machen, da vorher sich die Sonne so aufbläht, dass es zu heiß für das Leben auf der Erde werden wird.

Das sind allesamt Ereignisse, die in 4-5 Milliarden Jahren aktuell werden. Löscht sich Homo sapiens bis dahin nicht selbst aus, was ich hoffe, entwickeln sich der Mensch und seine evolutionären Nachkommen so weiter, dass sie kaum Ähnlichkeit mit dem heutigen Menschen aufweisen. Es werden Wesen sein, die von der Materie und wohl auch von der Zeit unabhängig sind. Es werden Geistwesen sein.

Diese Geistwesen benötigen keine feste Nahrung, sie ernähren sich von Energie. Licht ist eine Form der Energie, ergo ernähren sich diese Geistwesen von Lichtnahrung. Schlechte Aussichten für die Nahrungsmittelindustrie mitsamt ihren Lobbyisten.

Die zweite böse Zahl

Die zweite böse Zahl liefert der Mond mit seiner Albedo von 0,12. Das bedeutet, nur 12 % des einfallenden Sonnenlichts reflektiert der Mond. Den Rest schluckt er. Der Mond ist so dunkel wie eine asphaltierte Straße mit einer ähnlichen Albedo. Hell erscheint uns der Mond nur des Kontrastes mit dem dunklen Himmel wegen.

88 % des Sonnenlichts behält der Mond für sich. Das ist eine böse Zahl für jemanden, der die Bosheit dieser Zahl kennt. Ich benutzte sie mal in einem Tweet, worauf mich einige Follower tadelten.

Erdung, die erste – der Hund

Nach den Aufnahmen gönnte ich mir ein wenig Zeit für die weitere Betrachtung des Mondes. Und da kamen sie, die weiteren Gedanken, da spannen sie mal wieder, die Musen. Sie brachten mir den Anblick des Mondes vor 3-4 Milliarden Jahren in den Sinn. Da drehte er seine Runde so nahe der Erde, dass er einen beträchtlichen Teil des Himmels bedeckte.

Wie sieht er in weiteren drei bis 4 Milliarden Jahren aus? Wie ist dann der Anblick der Andromedagalaxie, wenn sie sich mit der Milchstraße vereint`? Wie sehen die Nachfolgespezies des Menschen aus?

Ich hätte mich länger mit dem Mond beschäftigt, doch da meldete sich Bono. Er stupfte mich an, wir kennen uns ohne Worte. Seine Körpersprache signalisierte mir, er wolle den Heimweg zu seinem Futternapf antreten. Was in Milliarden Jahren los ist, fand er irrelevant. Ich ließ mich überreden, kam auf die Erde des Hier und Jetzt zurück.

Erdung, die zweite – der Mensch

Wenige Tage später, frustriert über die vielen Themen und die Menge der Überschriften zu dem Bild der Woche wandte ich mich an meine menschliche Muse. So sehr sie die Muse ist, so gut kann sie mich auf den Boden bringen, wie sie es ausdrückt.

Ich begann bei Monika mit meinen Klagen über die Fülle der Themen. Hermann Hesse meinte »Es wird immer alles gleich ein wenig anders, wenn man es ausspricht.« Und recht hat er im Alltag und in der Beratung.

Denn bevor ich diese Gedankenfülle aufzählen konnte, erklang Monikas Erdung. In ihrer herzlich-ehrlichen Art sprach sie: »Spinn dich aus und hör auf mit den Sorgen oder Ängsten in Milliarden von Jahren. Es geht auf Weihnachten zu, du brauchst deine Leser nicht mit Sorgen und Ängsten zu traktieren, auch nicht mit Erklärungen, dass es falsche Ängste sind. Das kannst du später mal aufgreifen und mit weniger Sorgen. Jetzt komm auf die Erde zurück und schreib über eine Bratwurst am Christkindlesmarkt.« So nennt sich das alljährliche Spektakel in Augsburg, wobei das erste »s« als »sch« ausgesprochen wird.

Christkindlesmarkt

Meine Muse kennt mich; allein die Vorstellung dieses Massenevents brachte mich augenblicklich auf die Erde zurück. Insbesondere da Monikas verbalen Erdung die Androhung folgte: »Dir schadet das auch nicht, dieses Jahr gehst du mal mit.«

Vergangenes Jahr drückte ich mich erfolgreich vor diesem Besuch. Es scheint zu einer Tradition zu werden, dass ich alle zwei Jahre durch dieses Menschengemenge hindurch muss. Ach, ist das entspannend, mit Bono allein zu dunklen Zeiten die Waldwege und am Lechdamm zu laufen. Kaum Zivilisationsgeräusche, wenn etwas lauter klingt, ist dass der Wind oder ein Tier.

Die Rufe der Natur

Am Kuhsee höre ich hin und wieder einen Kauz rufen. Dieser Ruf löst eine Gefühlsexplosion in mir aus. Ich bleibe stehen und höre zu, so lange dieser Nachtvogel ruft. Bono bedarf keines Kommandos mehr, er bleibt ruhig stehen. Nicht des Kauzes wegen, es ist meinetwegen, vermute ich. Dafür bin ich ihm dankbar.

Kauzrufe, das sind Erinnerungen an die Spaziergänge an dunklen Abenden mit meinem Opa, der mir die Natur nahebrachte und mir die Ängste davor wegnahm, ob vor Gewittern oder seltsamen Tönen und Geräuschen. Käuzen hörten wir gerne zu; es war dunkel, es war im Wald, es war etwas Besonderes. Das prägte sich ein, diese Stimmung fühle ich heute noch, wenn ich einen Kauz höre.

Bei den Ausflügen im Dunkel sind meine Ohren besonders wach. Ich weiß gerne, was ich da höre, wer oder was die Töne, Klänge und Geräusche verursacht. Das gelingt fast immer. Aber leider nur fast.

Vor wenigen Jahren nahm ich ein befremdliches Tiergeräusch wahr. Heute bin ich mir sicher, es ist ein Exote aus dem Augsburger Tierpark. Für mich klingt sein Rufen nach einer Hund-Wolf-Bär-Hirsch-Kreuzung mit Krähensequenzen versetzt. Erst durch einen Blick auf die Karte wurde es mir bewusst, dass ich mich am Nordwestufer des Kuhsees gerade 1,5 km vom Augsburger Tierpark entfernt befinde.

Bis heute weiß ich nicht, wer diese seltsamen Töne von sich gibt. Doch kann ich damit leben, ich hätte sonst diese Rufe aufgenommen und im Web danach recherchiert; nicht im Tierpark bei meinem ambivalenten Verhältnis zu diesen Einrichtungen. Außerdem höre ich diese Rufe nur in der Dunkelheit der Nacht außerhalb der Öffnungszeiten des Tierparks.

Die Lichtbratwurst

Die Bratwurst baue ich in den anfangs angekündigten Beitrag hinein. Völlig auf die Lichtnahrung verzichte ich nicht, da ich dieses Thema im 109. Newsletter ankündigte und die Bratwurst einen Aspekt darin veranschaulicht.

Weiß ich aber, woher die Bratwürste stammen? Gönne ich mir lieber Reiberdatschi mit einer Knoblauchsoße? Eine existenzielle Frage nach der anderen. Doch bevor ich wieder abdrifte, kehre ich zu meiner Erdungsmuse zurück. Ich brauche sie und heiße sie willkommen, wenn die anderen Musen spinnen. Ich weiß, es sind nicht die Musen, die da spinnen, das bin ich selbst. Aber dieses Quäntchen Verdrängung gönne ich mir.

 
Allen Lesern wünsche ich eine erbauliche Adventszeit mit und ohne Christkindlmarkt, mit und ohne Bratwürste. Aber auf jeden Fall mit innerem Licht; das können wir gewiss brauchen.

Und im nächsten Newsletter spinne ich nicht mehr. Zumindest nicht in diesem Maße.