Neues Lernen und Seelengefährten
Seelenpartner versus Seelengefährte? Teil 5

Neues Lernen

Das neue Lernen ist ein reifes Lernen durch Einsicht und Empathie. Diese Eigenschaften sind nichts anderes als Liebe. Liebe ist nicht nur auf den Eros beschränkt; Liebe ist insbesondere die menschliche Form der Agape, der Liebe, die nicht nach dem Warum fragt, sondern liebt [1].

Agape, die perfekte Liebe, können wir nur anstreben. Im perfekten Zustand wäre kein Lernen möglich, denn Lernen bedeutet, aus Erfahrungen zu lernen. Eine perfekte Welt ohne Veränderungsnotwendigkeit wäre eine tote Welt. Allen Göttern, Seelen und Menschen sei gedankt – diese Welt gibt es nicht.

Die Umwege bleiben

Das neue Lernen ist das Lernen der Liebe durch die Liebe. Dieses Lernen ist nur in einer Beziehung zwischen einem Ich und einem Du möglich; intellektuell-philosophisch oder allein gelingt das nicht. Die Seele weiß davon. Sie weiß um die Schwerpunkte ihres Lernens, sie findet andere Seelen, die ihr bei diesem Lernen helfen wollen.

Die Umwege des reifen Lernens durch Einsicht und Empathie sind anders als die Umwege des alten Lernens [2]. Aber es gibt sie. Für diese Umwege werden Helfer benötigt, die vor den Umwegen warnen oder auf diesen Umwegen trösten, Hoffnung geben, die Hand reichen, die direkten Wege aufzeigen.

Die Hilfe kann darin bestehen, deutlich an die alten Erfahrungen zu erinnern, falls eine Seele sie erneut machen will. Das können unsanfte, dem Verstand böse erscheinende Methoden sein. Oder salopp-menschlich gesprochen – es können Tritte in den Hintern sein. Wie soll denn eine Seele vorgehen, wenn ihr das andere Seele-Mensch-Gespann trotz der Erfahrungen nicht zuhört?

Wenn Tritte in den Hintern Liebe sind

Wie soll die Seele vorgehen, wenn sie in ihrem Vorleben eine Vereinbarung mit der lernresistenten Seele traf? Das Eingreifen muss unmissverständlich ausfallen bei einer Seelen-Wiederholungstäterin, die sich erneut in die alten Gefahren begibt.

Kein Zureden hilft, wenn die andere Seele nicht zuhört. Keine guten Beispiele helfen, wenn es die andere Seele nicht will. Mit dem menschlichen Verstand findet sie Ausreden en masse: Du bist ein Glückspilz, ich eben ein Pechvogel. Du hast gute Eltern, meine haben mich geschlagen. Du hast mehr Geld, mir nimmt man es weg. Du schaust gut aus, mich schaut niemand an. Du kannst gut reden, mir fehlen immer die Worte.

Für den Verstand ist es bequem, daran zu glauben. Dies entbindet ihn von der Pflicht, sich und sein Leben genauer zu betrachten und – das ist entscheidend – etwas zu tun, um dem Leben eine andere Richtung zu geben. Also lieber weiterhin unbewusst die Gefahren suchen, anstatt nochmals menschlich-salopp gesagt, den Hintern zu heben.

Das ist der Zeitpunkt für die andere Seele, einen Tritt in den Hintern zu geben. Aus Mitgefühl, aus Einsicht, dass andere Methoden wieder versagen. Aus der Vereinbarung vor diesem gemeinsamen Leben. Aus Liebe.

Seelengefährten – Seelenpartner

Der menschliche und der Seelengefährte bleibt bei seinem Partner auch in der Gefahr. In schlechten Zeiten erkennt der Mensch seine Freunde, die Seele erkennt ihre Seelengefährten.

Seelengefährten. Für mich klingt in diesem Wort immer die Gefahr mit. Dies ist zwar sprachlich falsch, denn Gefährte ist jemand, der mit einem zusammenfährt. Dennoch liebe ich die Assoziation mit der Gefahr, denn an diese Gefahr knüpfe ich die Liebe, die den Gefährten antreibt, mich in den Gefahrenmomenten des Lebens zu begleiten.

Die Hoffnung bei diesem Gefährten ist zweierlei. Ich hoffe, seine Hilfe, auch wenn das der Tritt ist, bewirkt etwas. Ich hoffe ebenso, dass ich ihm bei seinem Lernen helfen und er meine Hilfe annehmen kann.

Ein Seelengefährte ist jemand, der in der Gefahr ein Gefährte bleibt.

Ein Partner ist mit einem Gefährten nicht vergleichbar. Partner haben wir zuhauf. Alle privaten und geschäftlichen Kontakte sind Partner. Alle Freunde sind Partner, auch die auf Facebook. Wer von denen ist aber ein Gefährte? Ein Seelengefährte?

Neues Lernen

Das neue Lernen ist mit solchen Seelengefährten möglich. Es ist nicht relevant, ob es eine Vereinbarung vor dem Leben war, oder ob der Grund der Hilfe den gegenwärtigen gemeinsamen Lebenswegen entwächst. Relevant ist es, dass es Liebe ist, die den Gefährten zum Handeln bewegt. Auch wenn diese Hilfe unbequem ist oder böse anmutet, ist es keine Freude am Leid des anderen, keine Genugtuung, dass es anderen auch schlecht ergeht, dass es jemand verdient hat. Diese Hilfe ist Liebe, die mitempfindet, die begleitet.

Doch darf die Liebe weder den Helfer noch den Empfänger gefährden. Will ein Seele-Mensch-Gespann nicht lernen, muss die helfende Seele loslassen. Es gibt keinen Anspruch auf diese Art von Hilfe. Es wäre sonst eine blinde Hilfe und blinde Liebe.

Liebe aber ist nicht blind. Wer blinde Liebe fordert, wer behauptet, Liebe sei nur dann gegeben, wenn der Partner in den Untergang folgt, sucht noch nach Liebe. Verstanden hat er sie nicht. Dieser Mensch ist noch nicht bereit, sich selbst anzusehen und vom Fordern und Jammern zum Tun zu wechseln.

Es ist schwierig, die Liebe in einem vermeintlich bösen Gefährten zu erkennen. Es ist schwierig, im Täter das Opfer zu erkennen und im Opfer den Täter. Bei Seelengefährten jedoch, die wirklich lernen wollen, ist das Hinterfragen der Täter- und Opferrollen erforderlich.

Im nächsten Beitrag mehr über Täter, die Opfer sind und Opfer, die Täter sind. Oder vielmehr darüber, dass die Unterscheidung in Täter und Opfer gefährlich ist.

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Links zum Beitrag
[1] Eros (Begehren, Sexualität), Philia (Freundschaft) und Agape (göttliche Liebe)
[2] Altes Lernen

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Jan Schneider, Autor