Männer und Farben

Männer und Farben

Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Farbwahrnehmung bestätigt die Wissenschaft mit Statistiken und mit medizinischen Untersuchungen. Ein Fakt sind sie also und kein Fake und fern einer Ideologie (in meiner Wahrnehmung).

Die Unterschiede gehen über die Wahrnehmung hinaus, sie betreffen auch die Wirkung der Farben. Die Details können dank Web leicht nachrecherchiert werden, ich betrachte lieber den Alltag mit meinen Erfahrungen.

In meiner Trainerzeit lernte ich schnell, auf Farbbezeichnungen zu verzichten oder nur vorsichtig damit umzugehen. Farben spielten eine Rolle in meinen Softwaretrainings. Anfänglich farbenarglos sprach ich von pink, rosa, türkis, lindgrün oder himmelblau. Das führte zu Rückfragen, leider nicht die unterrichtete Software betreffend, sondern die Farben. Konkret: Meine Wahrnehmung der Farben. Rosa ist nicht pink, musste ich erfahren und was ich blaugrün nannte, war türkis. Der Höhepunkt war eine Empfehlung, meine Augen untersuchen zu lassen.

Ich fragte meine Tochter nach den Unterscheiden zwischen pink, rosa, schweinchenrosa, lila etc. Sie bemühte sich – einige Minuten nur. Schnell mussten wir beide erkennen, dass ich ein schwieriger Schüler bin. Ich gab es auf. Ihre gerunzelte Stirn und den schrägen Blick interpretierte ich als Unglauben über meine Farbsehkünste oder Verzweiflung vielleicht. Ich fragte sie. Es kam nur ein von einem Kopfschütteln begleiteter Satz: »Männer und Farben«. Danke, das reicht. Ich beschloss, im Unterricht auf Farbbezeichnungen zu verzichten.

Männer und Farben? Ein Fan der Evolutionspsychologie war ich damals schon, so war nur ein kurzes Nachdenken erforderlich, ob sie auf dieses Farbenphänomen Licht werfen kann. Man bedenke die unterschiedlichen Nahrungsbeschaffungsmethoden unserer weiblichen und männlichen Vorfahren der vielen Jahrtausende der Steinzeit und früher. Bei der Nahrungssuche und Bestimmung von reifen oder ungiftigen Früchten und Beeren war ein gutes Farbsehen erforderlich. Das war die Domäne der Frauen. Bei der Jagd halfen eher eine gute Kontrastwahrnehmung und das Erkennen von Bewegungen. Dies rettete sogar das Leben, wenn die respektlosen Tiere den Menschen, meistens den Mann, zum Jagdopfer deklarierten.

Welche Farbe hat nun das Shirt des Läufers auf dem Bild der Woche? Für mich war das grün, alternativ türkis. Monika schüttelte über meine Farbbezeichnungen den Kopf wie vormals meine Tochter und meinte, türkis sei blaustichig, das Shirt sei eher neongrün. So sagte ich: »Es ist eine auffällige Farbe«, und lenkte das Gespräch auf ein anderes Thema.

Dies und ähnliche Beispiele bauen in dem neuen Buch an einem Verständnis zwischen den Geschlechtern bis in die Liebe hinein, dem Hauptthema des Buches. Daher bringe ich in diesem Newsletter ein kurzes Beispiel daraus. Nicht die Farbwahrnehmung, die das Bild der Woche thematisiert, sondern eines der Kommunikationsbeispiele.

Jan Schneider, Autor

Herzlichst, Ihr / Dein
Jan
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