Nach dem Lockdown kommt der Knock-down?

Bild der Woche

Political Correctness wird nicht dadurch korrekt, dass sie politisch konform ist.

Social – oder auch nicht

Humor ist nicht nur bei dem Bild der Woche hilfreich; das gilt im noch stärkeren Maße für diesen Text. So sehe ich das zumindest. So kann ich es noch sehen, denn wer weiß schon, was die Zeit und die Politiker mit sich bringen. Politiker, nicht »die Politik«, denn das wäre eine weitere Externalisierung der Verantwortung nach außen hin [1] oder auf »die da«, wer auch immer »die«, wo auch immer das »da« sein mag.

Ich fühle mich keinem Lager zugehörig, ob politisch, religiös oder anderweitig. Ich will mir meinen freien Geist bewahren, wozu ich weder eine Erlaubnis, noch Gebote, noch schöne Worte oder Lob brauche, auch nicht von denen, die von Meinungsfreiheit predigen, selbst jedoch Probleme damit haben.

Trotz der sozialen Distanz seien wir näher gekommen, wie es eine Politikerin formulierte? Humor? Bemühte Beruhigung? Das übliche Wortgeklappere dieser Branche oder die Realität? Nudging?

In Hotspots gilt ein Bewegungsradius von 15 km. Stadtbewohner finden in diesem Bereich, was sie zum Leben benötigen, sofern sie noch nicht vollends auf Onlineorder setzen. In kleineren Orten dieses Landes können die 15 km problematisch werden.

Ein Haushalt darf sich mit einem weiteren Menschen treffen. Also passt auf, Oma und Opa, Tante oder Onkel oder auch Kinder mit einem Partner. Ihr dürft uns nicht zu zweit besuchen. Aber das müsst ihr begreifen, es ist das Social Distancing. Das »Social« in diesem Distancing ist so sozial wie viele der Postings in Social Media.

Political Correctness – oder auch nicht

Mit Sprache lässt sich viel Schindluder treiben und Böses in schöne Worte kleiden. Euphemismus nennt man das. Politiker sind wahre Meister des Euphemismus.

Wie verkaufen sie den Lockdown, wenn der zu einem Knock-down wird? Und das wird er oder ist er bereits für einige Unternehmen. Oder auch für die tatsächlich sozialen Kontakte im Real Life, für die Kinder, die jetzt die Schulbank nicht drücken dürfen, für die Älteren, denen manche Freuden des Lebens beschnitten werden.

Wer hofft noch, dass Covid sich von diesem Planeten verzieht? Wie weit soll dieses Distancing den Menschen eingrenzen? Bis wir uns ausschließlich mit uns selbst treffen dürfen? Wobei dies hilfreich sein könnte, wenn man darunter eine mutige Selbstbeschau versteht und sie praktiziert, wenn jemand sich seine eigene Meinung bildet, vorausgesetzt sie basiert auf Eigenverantwortung.

»Meinungsfreiheit meint nicht die Freiheit von eigener Meinung«, hieß es in einem Hinterfragt-Beitrag [2]. Meinungsfreiheit in der Demokratie bedeutet ebenfalls, zu hinterfragen, unbequeme Fragen zu stellen und zuzulassen. Unbequeme nicht von der Sache her, sondern aufgrund einer Abweichung von der vorherrschenden Meinung in den Medien oder in der politischen Führung eines Landes.

Wer reflexionsfrei, aber reflexartig unbequeme Fragesteller in eine Negativgruppe eingliedert, übt sich weder in Meinungsfreiheit, noch in der Demokratie, noch in verantwortungsvollem Denken.

Political Correctness wird nicht dadurch korrekt, dass sie politisch konform ist.

Gott und Homo sapiens

Humor muss Gott haben, wenn er das globale Treiben seiner Schöpfung Mensch betrachtet. Wie sollte er dies sonst ertragen, angesichts des Paradieses, auch Erde genannt, welches er der Spezies Mensch übergab. Alles ausreichend vorhanden, im Überfluss sogar. Doch benimmt sich diese Spezies, als wäre alles am Limit, als ginge es ums nackte Überleben. Technologisch haben wir einiges erreicht, obwohl wir kosmisch betrachtet, immer noch in unserer Höhle hocken. Hocken und geifern und uns mit den Technologien die Schädel einschlagen; man vergleiche die Höhe der Militärausgaben mit denen für Soziales, Bildung und Kultur. Kultur ist jedoch nicht systemrelevant, wie wir seit Corona wissen. Bitte deswegen nicht allein »die da« tadeln, denn sie wurden in Demokratien von uns gewählt.

Mit unserer ethischen Entwicklung ist es unstrittig schlechter bestellt, als mit der technologischen. »Ja, aber ich bin anders« gilt nicht angesichts eines Gottes oder einer außerirdischen Zivilisation, die den Homo sapiens sapiens und sein Treiben global betrachtet.

Homo sapiens sollte bedenken, dass für ihn noch viele Generationen erforderlich sind, bis er sagen kann: »Andere Sterne haben auch schöne Planeten« [3]. Erreichen wir jedoch diese Evolutionsstufe (und ich hoffe das), werden wir unseren Heimatplaneten schätzen und schützen, nicht nur die anderen. Wir leben dann mit der Erde und machen sie uns nicht untertan, wie es die Männer anno dazumal so fatal formulierten.

Falls nicht, helfen weder flights to the moon noch stairways to heaven.


Stairway to Heaven not Fly me to the Moon

Bei dem Anblick dieser Leiter kam mir spontan der Song »Fly me to the Moon« von Frank Sinatra in den Sinn, leuchtete doch der kosmische Spiegel am Himmel. Den nahm ich nicht mit aufs Bild, und so gebe ich »Stairway to heaven« von Led Zeppelin den Vorzug.

Dies auch dann, wenn zum Himmel hin unendlich viele Sprossen fehlen, zum Mond hingegen nur etwa 800.000.000, nicht mal eine Milliarde also, wenn man die durchschnittliche Entfernung Kuhsee-Mond mit 400.000 km veranschlagt. Kuhsee, da diese Leiter an diesem Augsburger See fotografiert wurde.

Sorry an alle Led-Zeppelin-Fans, sollten sie damit nicht einverstanden sein, aus einer schnöden Leiter eine Himmelstreppe zu kreieren. Fans des schwarzen Humors finden Gefallen an diesem Vergleich, vorausgesetzt der Himmel ist der Aufenthaltsort für die Seelen nach dieser einen Lebensepisode. Es handelt sich schließlich um eine Rettungsleiter für gewagte respektive gedankenlose Eisläufer.

Humor ist dringend angebracht in der aktuell recht humorlosen Welt, falls man sich von den Topthemen der Nachrichten nicht deprimieren lassen will. Man denke da an Nietzsche mit seiner Ermahnung: »Wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.«

Warum also übermäßig in den Medienabgrund blicken und sich von ihm erschlagen lassen. Der Himmel oder der Mond sind wahrhaftig erfreulichere Alternativen.

Jan Schneider, Autor

Herzlichst, Ihr / Dein
Jan
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