Weibliche Krieger und männliche Archäologen

Mission Gemeinsam

Eine Leseprobe aus »Mission Gemeinsam«

Es gab keine weisen Frauen um Jesus herum und nach ihm. Ein Dogma der ausschließlich männlichen Autoren, welches sie für viele Jahrhunderte mit der Bibel verbreiten konnten.

Es gab keine weiblichen Krieger, war einst das Dogma der männlichen Archäologen. Was dies zu hinterfragen drohte, wurde entsprechend umgedeutet.

Dieser Auszug bietet einen Überblick über das Ende dieses Dogmas.


Früher war alles besser mit der klaren Rollenverteilung der Geschlechter. Frauen sammelten Grünzeug und hüteten die Höhle, die starken Männer gingen auf die Jagd und als Preis für diese Gefahren bekamen sie mehr Fleisch, den Sex nahmen sie sich, wenn es ihnen danach war.

Doch dann kamen archäologische Funde auf, die diese Rollenverteilung zu hinterfragen schienen. Zunächst war es 1878 das Grab eines Wikingerkriegers im schwedischen Birka. Den Grabbeigaben nach handelte es sich um einen angesehenen Krieger, einen Anführer sogar. Es störte nicht, dass dieser Krieger von schmächtiger Statur war. Die Erklärungen dieses Fundes oblagen der damals männlichen Archäologie. Es handele sich um einen Jüngling.

Etwa ein Jahrhundert später wagte es eine Anatomin, in diesem Jüngling eine Frau zu sehen. Unerhört, Blasphemie, unmöglich. Wie es Christian Morgensterns Palmström in »Eine unmögliche Tatsache« sagen lässt: »Weil, so schließt er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf.« Diesem Geiste entsprechend reichten die Gegenargumente der männlichen Archäologen bis zu einem androgynen Krieger hin.

Die DNA-Analyse beendete diese männlichen Rettungsversuche. Der Krieger war eine Frau. Eine angesehene Kriegerin also und eine Anführerin. Heute sind weitere Funde mit Kriegerinnen anerkannt. Bekannt und anerkannt sind vor allem die Folgen der neolithischen Revolution für die noch heute vorherrschenden Geschlechterrollen.

Die neolithische Revolution ist der Wandel von der nomadischen Lebensweise zur Sesshaftigkeit und zum Ackerbau hin. Es war ein Prozess, der in der Zeit vor etwa 12.000 bis 11.000 Jahren gesehen wird. So aufregend und aufschlussreich die Folgen dieser Revolution sind, so sie bis heute das Leben der Menschen prägen, hier kann nur eine knappe Zusammenfassung dargebracht werden.

Mit der neolithischen Revolution, insbesondere mit der Sesshaftigkeit, wurde der Besitz an Nahrungsmittelreserven oder Land überlebenswichtig. Der Besitz konnte mühsam erarbeitet werden oder, was am schnellsten gelang, er wurde geraubt. Wer somit etwas besaß, musste es folgerichtig vor anderen Stämmen verteidigen können. Die körperliche Überlegenheit der Männer wurde zu einem Vorteil.

Dieser Vorteil hätte im Sinne der Geschlechterparität gelebt werden können. Das geschah jedoch nicht. Die Männer genehmigten sich mehr Nahrung, allen voran mehr Fleisch. Ein Faktor, der die körperlichen Unterschiede mit der Zeit größer werden ließ.

Die nun vorhandenen Nahrungsreserven verstärkten diese Unterschiede. Sie ermöglichten häufigere Schwangerschaften der Frau. Schwangere Frauen konnten oder durften nicht mehr an kriegerischen Auseinandersetzungen teilnehmen. Die häufigeren Schwangerschaften schwächten überdies die Frauen. Obendrein führten sie oft zum Tode bei den Entbindungen.

Eine weitere Folge ist die Patrilokalität. Patrilokalität bedeutet, der Wohnsitz des Mannes bestimmt den Wohnsitz des Paares. Die Frau muss ihr gewohntes Umfeld verlassen und in die Fremde ziehen. »Die Frau folgt dem Mann«, hieß es mal oder heißt es in manchen Kulturen oder Clans immer noch.

All dies führte zu der Abkehr von einer Geschlechterparität; die unterschiedlichen Beiträge der Geschlechter für den Clan wurden nicht mehr als gleichwertig betrachtet. Es entwickelte sich eine Geschlechterpräferenz zugunsten der Männer und das ausschließlich der körperlichen Kraft wegen. In Gesetzestafeln gemeißelt, wurde diese Ungleichheit durch die Religionen. Nicht nur durch die neolithischen, auch durch die Religionen der Gegenwart mit ihrem selbstverständlich männlichen Gott, der folgerichtig ebenso denkt und handelt, wie seine männlichen Schöpfer.

Dieses fatale Erbe muss bei den Ausführungen über die Evolutionspsychologie sowie die Geschlechter beachtet werden.

Das Wissen um die steinzeitlichen Gründe der gegenwärtigen, wohlgemerkt typischen Verhaltensweisen kann die Wege zu einer erneuten Geschlechterparität aufzeigen. Und wenn der Humor dabei behilflich ist, so ist es ein begrüßenswerter Humor.

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