Die Kunst, Emotionen zu vermitteln

Emotionen

Emotionen vermitteln können. In der Qualität, in der Intensität, wie sie der Versender empfindet. In den jüngeren Jahren wünschte ich mir diese Fähigkeit oder überlegte, wie dies mittels Kunst zu erreichen wäre – mittels Malerei, Musik oder des Schreibens.

Mittels Kunst?

In der Musik erkennt man am leichtesten, ob sie traurig ist oder fröhlich. Es gibt sogar Vortragsbezeichnungen, die den Musikcharakter spezifizieren wie scherzando, triste, sereno, rustico oder pietoso. Ein kurzes Nachdenken und es fallen einige Melodien ein, die heiter oder traurig stimmen. Oder aggressiv.

In der bildenden Kunst kann die Art des Gefühls ebenfalls vermittelt werden. Lacht jemand, wenn er Edvard Munchs Schrei betrachtet? Weint jemand, wenn er lachende, spielende Kinder sieht? Ja, das kann sein, und da gibt es die Probleme. Wer seine Kinder verlor, lacht vielleicht nicht, sondern weint eher, wenn er Kinderbilder betrachtet. Und wenn ein lachendes Gesicht in unbewussten Nuancen an einen grausamen, gewalttätigen Menschen aus dem Leben erinnert, lacht der Betrachter nicht, er empfindet Angst.

Haben es dann die Schriftsteller am leichtesten? Sie müssen doch nur mit den Adjektiven arbeiten: traurig, lustig, fröhlich, gefährlich, liebevoll, brutal. Wer so schreibt und von liebevollen Gesichtern in einer fröhlichen Sonne bei lieben Freunden schwafelt, löst keine Empathie aus, kann seine Texte in keinem Groschenroman veröffentlichen.

Alle Künste haben ihre Regeln, zur Kunstfertigkeit gehört ein Handwerk, welches Regeln hat, derer Bruch eine wahre Kunst sein muss, wenn sie ihre Wirkung erzielen sollen.

Mittels Technologie?

In Science-Fiction ist diese Kunst bekannt. Ein älteres Beispiel ist der Film »Projekt Brainstorm« aus dem Jahr 1983. Einem Team gelingt es darin, ein Gerät zu konstruieren, welches die Erlebnisse eines Menschen vollständig aufzeichnet. Andere Menschen können diese Emotionen mit allen Sinnen empfangen. Sie erleben es, als wären sie mit Leib und Seele dabei.

Naiv ist der Film nicht. Der Mensch ist kreativ; er erfand und erfindet viel. Er ist kreativ in der Anwendung seiner Erfindungen, wobei ihm eines immer gelingt: Jede seiner Erfindungen wendet er, oft zuerst, destruktiv an, so auch in »Projekt Brainstorm«. Ein weiteres und meisterhaft überzeugendes Beispiel ist der Knochen aus »2001: Odyssee im Weltraum« (1968 von Stanley Kubrick), mit dem ein Vormensch den Schädel eines anderen Vormenschen einschlägt. Das markiert den Beginn der Zivilisation.

Ein aktuelles Beispiel ist der Film »Puls« nach einer Story von Stephen King. Durch ein über die Smartphones verbreitetes Signal werden alle Menschen, die gerade telefonieren zu grausamen, mordenden, der menschlichen Intelligenz beraubten Bestien. Die Story habe ich nicht gelesen, den Film nicht gesehen. Die Idee genügt, sie ist Horror genug.

Nein, heute bin ich erleichtert, dass wir keine Emotionen perfekt vermitteln können.

Nicht perfekt – aber erschreckend wirksam

Dennoch verfügen wir heute über Technologien zur Vermittlung oder Erzeugung von Emotionen …

 
Welche Technologie das ist und wie sie heute wirkt, folgt demnächst.

Jan Schneider, Autor

Herzlichst, Ihr / Dein
Jan
Neue Beiträge und mehr im Samstags-Newsletter …