Kommunikationsprobleme irdischer und außerirdischer Tamtam-Trommler; Sind wir allein im Universum? (Teil 4)

Allein im Universum

Die Frage nach außerirdischen Intelligenzen wurde bisher anhand zweier Zahlen beleuchtet.

  • Erstens mit einer extrem kleinen, an ein Wunder grenzenden Zahl. Es ist die Wahrscheinlichkeit der Entstehung des Lebens und seiner Entwicklung bis zu einer intelligenten Lebensform hin (s. »Das Wunder des Lebens« [1]).
  • Zweitens mit einer unvorstellbar großen Zahl. Es ist die Anzahl der Planeten in unserer Galaxis. Werden außerdem die anderen Galaxien berücksichtigt, wächst diese Zahl ins Unermessliche (s. »Die Unermesslichkeit« [2]).

Angesichts der großen Zahl fällt es schwer zu glauben, wir Menschen seien die einzigen Lebewesen, die unsere Galaxis beherbergt. Überlegungen, die einen Kontakt mit einer anderen Zivilisation betreffen, sind daher angebracht. Welche sozialen, kulturellen und religiösen Auswirkungen wird der Nachweis auslösen, dass wir nicht allein sind?

Störungen der zwischenmenschlichen Kommunikation

Kommunikation gehört zum Wesen des Zusammenlebens. Eine erfolgreiche Kommunikation setzt eine gemeinsame Sprache zwischen dem Sender und dem Empfänger voraus. Auf der Erde herrscht eine babylonische Sprachenvielfalt, die eine globale Kommunikation erschwert. Erleichtern könnte dies das Web, indem sich das Englisch zu einer gemeinsamen Sprache neben den Muttersprachen entwickelt.

Doch ist eine gemeinsame Sprache kein Garant einer erfolgreichen Kommunikation. Die Körpersprache kann etwas Gegensätzliches zum gesprochenen Wort signalisieren. Unbewusst nehmen wir diese Signale wahr und wundern uns, warum wir unserem Gegenüber nicht glauben können. Der Ton macht eben die Musik.

Individuelle Erfahrungen und Prägungen des Lebens und das Umfeld führen zu eigenen Wahrheiten und diese wiederum zu Missverständnissen in der Kommunikation, wenn jeder auf seiner Wahrheit beharrt (ein Beispiel dazu: »Ohne Liebe; Gedanken zu Worten von Laotse« [3]).

Kosmische Kommunikationsprobleme

Wenn die Kommunikation innerhalb einer Spezies Störungen aufweist, stellt uns die Kommunikation zwischen unterschiedlichen Zivilisationen vor schier unlösliche Probleme. Es gibt keine gemeinsame Sprache; aus böhmischen Dörfern werden kosmische Dörfer.

Wir können voraussetzen, dass Intelligenzen, die einer interstellaren Kommunikation fähig sind, eine gemeinsame Sprache finden werden. Ihre Basis dürfte die Sprache der Mathematik und der Physik bilden.

Sind aber die Außerirdischen emotionslos? Ihre Geschichte, ihre Erfahrungen, Prägungen, Sichtweisen lassen sich nicht in mathematische Formeln fassen. Und sollten sie einen Glauben haben, ist die babylonische Sprachenvielfalt des Menschen ein liebevolles Geplauder unter Gleichgesinnten.

Message an ET

Die Arecibo-Botschaft

Das hinderte uns Menschen nicht an einem aktiven Start interstellarer Kommunikation.

Zunächst sind wir unbeabsichtigt zum Sender geworden. Unsere Radio- und Fernsehsignale verlassen die Erde und breiten sich im Weltraum aus. Mit geeigneten Empfangsanlagen können sie bereits im Umkreis von über 100 Lichtjahren entdeckt werden. Das sind mehrere Tausend Sterne in diesem Teil der Galaxis. Es sind Sterne, die unsere Signale auf ihrem Weg passierten. Hat eine andere Intelligenz diese Signale empfangen und das Rätsel ihres Ursprungs gelöst?

Diese Intelligenz kann eine Antwort an uns gesandt haben, die uns morgen oder in den nächsten Jahren erreicht. Erkennen wir sie?

Inzwischen üben wir uns in einer aktiven Kommunikation. Im November 1974 wurde durch das Radioteleskop in Arecibo, Puerto Rico, eine Botschaft in den Weltraum ausgestrahlt. Die Arecibo-Botschaft beinhaltet einige Informationen über uns Menschen und unseren Platz im Weltraum. Eine Zivilisation, die in der Lage ist, diese Signale zu empfangen, sollte in der Lage sein, sie zu entschlüsseln. Es würde sich ihr ein Bild präsentieren, wie in der Grafik rechts dargestellt (allerdings in nur zwei Farben; Quelle: Arne Nordmann/Wikipedia).

Ein ET kann eine Antwort in Richtung Erde gesandt haben. Erkennen wir sie?

Die Kommunikation erkennen

Das Erkennen der außerirdischen Kommunikation stellt uns vor Probleme. Es geht zunächst darum, die elektromagnetischen Signale künstlichen Ursprungs aus dem Signalrauschen natürlichen Ursprungs herauszufiltern. Das Weltall ist laut im Radiobereich.

Pulsare sind extrem dichte Reste eines Sterns nach seiner Explosion als eine Supernova. Pulsare senden periodische Signale ins All mit einer konstanten Frequenz, die als künstliche Signale betrachtet werden könnten. Das Filtern der künstlichen Signale kann sich daher nicht auf eine Regelmäßigkeit beschränken.

Hier hilft die Mathematik, um die Muster künstlichen Ursprungs in einem Ozean anderer Signale zu erkennen. Die Signalmenge ist so enorm, dass für diese Arbeit Supercomputer oder weltweiten Rechnercluster erforderlich sind. Dem messen wir keine hohe Priorität zu; die SETI-Projekte (Search for Extraterrestrial Intelligence, also die Suche nach außerirdischer Intelligenz) kämpfen um ihren finanziellen Fortbestand.

Das Problem Zeit

Mit unseren Technologien können wir theoretisch diese Signale empfangen und erkennen sowie gezielt aussenden, wie mit der Arecibo-Botschaft geschehen.

Die Arecibo-Botschaft wurde in Richtung des Kugelsternhaufens M13 ausgesandt, der 25.000 Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Dieser Kugelsternhaufen wurde ausgewählt, da dadurch einige 100.000 Sterne erreicht werden. Die Radiowellen benötigen 25.000 Jahre, bis sie mit ihrer für uns unvorstellbar hohen Geschwindigkeit M13 erreichen.

Mit einer Antwort aus diesem Kugelsternhaufen könnten wir in 50.000 Jahren rechnen. Das sind viele Inkarnationen.

Lichtgeschwindigkeitsdepression

Es ist entsetzlich, grauenvoll, deprimierend, wie langsam die 300.000 km pro Sekunde im kosmischen Maßstab sind. Menschlich ausgedrückt, macht diese Kommunikation keinen Spaß. Sinnlos ist sie nicht, doch was haben wir davon?

Es gibt gegenwärtig keine physikalische Möglichkeit, eine Überlichtgeschwindigkeit zu erreichen. Es gibt zwar einige theoretische Konzepte, sie zeugen eher von der menschlichen Hoffnung, diese Lichtbarriere zu überwinden. Ob es die Tachyonen sind oder die Quantenphysik mit dem Phänomen der Verschränkung, indem die Zeit, etwas salopp ausgedrückt, verrückt spielt. Der Physiker Anton Zeilinger an der Universität Wien ist einer der führenden Quantenphysiker. Unlängst spekulierte er über Quanten-Computer, bei denen zeitlich betrachtet die Lösung eines Problems vor der Eingabe der erforderlichen Daten liegt.

Eine aktive Quantenkommunikation über kosmische Entfernungen hinweg ist aber dadurch nicht möglich. Das Licht hält uns in einer kommunikativen Einzelzelle gefangen.

Kosmische Tamtam-Trommler

Die Lichtgeschwindigkeit ist für kosmische Kommunikation pure Depression. Obendrein stecken wir in kommunikativen Babyschuhen der kosmischen Kommunikation. In diesem Maßstab sind gut 100 Jahre ein Nichts.

Es ist durchaus möglich, dass wir die Signale außerirdischer Intelligenzen bereits empfangen. Technologisch sind wir ihnen gegenüber eine primitive Spezies, wenn sie uns einige Tausend Jahre voraus ist. Oder sogar Millionen von Jahren. Es ist uns dann unmöglich, diese Signale zu empfangen und zu erkennen, geschweige denn zu entschlüsseln.

Unsere Arecibo-Botschaft gleicht einem Tamtam-Trommler, der an der Atlantikküste seine Trommel schlägt und hofft, einen Menschen in Amerika zu erreichen und eine Antwort von ihm zu bekommen.

Spirituelle Kommunikation

Kosmologen, Astrophysiker oder Quantenphysiker gehören zu den unorthodoxen Wegbereitern des Neuen. Der Mensch darf hoffen, dass er die kosmische Einsamkeit mal überwinden kann.

Die Welt, das ist jedoch nicht nur die Materie und die bekannte Energie. Wir suchen nach der dunklen Materie und der dunklen Energie, die sich unserem Verständnis immer noch entziehen. Es existiert noch mehr als das, mehr las das bisher Beobachtbare und Messbare. Können wir Hypnose vermessen? Die Seele? Es gibt Phänomene, die gegenwärtig Spiritualität genannt werden.

Es kann Kommunikation geben, die der Beschränkung durch die Lichtgeschwindigkeit nicht unterworfen ist.

Diese Überlegungen folgen in einem weitereren Beitrag dieser Reihe.

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Links zum Beitrag
[1] Das Wunder des Lebens
[2] Die Unermesslichkeit
[3] Ohne Liebe; Gedanken zu Worten von Laotse
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