Korrekte Sprache, korrektes Gott

Korrektes

Inspiration: Eine Anfrage, warum ich in einem Newsletter keine Probleme habe, ein Wort aus der rechten Szene zu verwenden. Es handelt sich um das Wort »Thing« im »Schmetterlingthing« des 196. Newsletters.

Die Antwort darauf erschien im Newsletter und im Web [1]. Nachfolgend die Vorbemerkung dazu.


Bei dem Vorschlag der damaligen Familienministerin Kristina Schröder, Gott sachlich zu bezeichnen, also »das Gott«, konnte ich noch schmunzeln. Persönlich würde ich ohnehin in Sachen Gott andere Sachverhalte hinterfragen: Welcher dieser einzig wahren Götter ist nun der wirklich einzig wahre. Das ließe sich humoristisch angehen oder philosophisch. Die philosophische Herangehensweise entlarvt den Irrwitz der einzig wahren Götter. Dafür gibt es jedoch geeignetere Foren als einen Newsletter.

Humoristisch respektive kabarettistisch an dieses Thema heranzugehen ist ein Wagnis geworden. Dieter Nuhr oder Lisa Eckhart sind die aktuellen Beispiele für das Gebaren der Sprachwächter.

Ich wünsche Gott viel Verständnis und Humor. Dies benötigt Gott (man merke meine Vermeidung des männlichen Artikels) wohl, um an seiner samstäglichen Schöpfung nicht zu verzweifeln. Ob Engel ebenfalls politisch-himmlisch korrekt mit ihren Zungen reden müssen? Was geschieht mit ihnen, wenn sie Gott mit Herr ansprechen? Obelix würde heute die Römer durch den Menschen ersetzen und sagen: »Die spinnen, die Menschen«.

Solange jedoch der Mensch so spinnt und nicht mit seinen Waffen spielt, besteht die Hoffnung, dass er eines Tages die Chance zu seiner Reifung ergreift. Weiß Gott, wie fern der Tag sein wird. Oder auch nicht, war doch der freie Wille des Menschen ein so hohes Gut für den göttlichen Schöpfer. Oh, da wollte ich »den« Gott vermeiden, lande dennoch bei einem männlichen Schöpfer. Ob Gott bei der Gewährung des freien Willens ahnte, wie die smarten Technologien diesen freien Willen einst unter Druck setzen?

Apropos. Wenn »das Gott«, warum dann auch nicht »das Mensch«. Wobei in einigen Regionen Deutschlands ist »das Mensch« eine bekannte Redewendung. Damit wird ein unsympathischer, ein böser Mensch bezeichnet. Womit ich bei der nächsten Inkorrektheit lande.

Was bleibt einem Menschen übrig, der sich ausschließlich politisch korrekt äußern möchte? Das Schweigen?

Dazu fällt mir ein [2]: Meinungsfreiheit meint nicht die Freiheit von eigener Meinung.

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[1] Hinterfragt: Das böse Thing der Political Correctness

[2] Aphorismen, Gedankensplitter, Humor

Jan Schneider, Autor

Herzlichst, Ihr / Dein
Jan
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