Orte der Kraft und eines lebensübergreifenden Ausgleichs
(z. B. Kirchen oder Kapellen)

Spiritualität

Außerhalb der Messen und Menschenmassen

Die meisten alten Kirchen sind Orte der Kraft, weil sie an Kraftorten und alten Kultplätzen errichtet wurden. Gut. Aber Ausgleich? Und lebensübergreifend?

Ausgleich kann eine Gegenleistung sein oder eine Wiedergutmachung. Er kann eine Schlichtung sein, eine Übereinkunft oder eine Versöhnung. Er kann stillschweigend erfolgen oder nur von einer Seite bewusst ausgehen.

Lebensübergreifend meint hier über das eigene und andere Leben hinweg sowie andere Generationen und andere Inkarnationen betreffend.

In den Kirchen kann etwas genutzt werden, was Körper, Seele und Geist stärkt. Dieses Etwas wird seit Jahrhunderten genutzt und verstärkt, wodurch es viele Generationen oder auch Inkarnationen umfassen kann. Dieses Etwas wird heute gerne „morphisches Feld“ genannt.

Diese wohltuende Wirkung spürt man am leichtesten, wenn man die Kirchen außerhalb der Messen, außerhalb der vielen Menschen aufsucht. In der Stille des sich zum Ende neigenden Tages beispielsweise, in der die Seele die Verbindung zwischen dem Geist und ihrem Menschen gut herstellen kann.

Da ich in der Reihe »Spiritualität – ihre und unsere Wurzeln« auf die Kirchen als Orte der Kraft verwies und sie in der Liebe-Partner-Seele-Reihe [1] eine Rolle spielen, gehe ich auf sie in diesem Beitrag genauer ein.

Kraftorte und Orientierung

Orte, an denen die alten Kirchen errichtet wurden, sind bewusst gewählt. Je älter eine Kirche, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie an einem alten Kultplatz errichtet wurde. Für die Kultplätze wiederum wurden Kraftorte gewählt.

Unsere Vorfahren hatten eine stärkere Verbindung mit der Natur und einen direkteren Zugang zu den Naturkräften. Vielleicht auch, weil sie nicht alles kritisch hinterfragten, weil sie mehr fühlten und mehr glaubten. Das ist jedoch keine Wertung; kritisches Hinterfragen ist polar, wie alles in der Menschenwelt, es hat also auch seine guten Seiten. Die alten Kultstätten und Kirchen stehen so an Orten, an denen die Vorfahren ihre heiligen oder magischen Rituale vollführten. Diese Orte wurden von immer mehr Menschen aufgesucht, die morphischen Felder dieser Kultstätten wurden immer stärker.

Die Kirchen bieten vielen Menschen eine innere Orientierung. Die alten Kirchen sind auch äußerlich orientiert, da sie nach Osten hin gebaut wurden. Sie richten sich nach der Himmelsrichtung. Der Osten ist in dem Wort »Orientierung« vorhanden, da Orient das lateinische Wort für den Osten ist. Im Osten geht nicht nur die Sonne auf, im Osten befindet sich auch Jerusalem von Europa aus betrachtet.

Die Orientierung der alten Kirchen ist eine bewusste Symbolik, die in den neuen Kirchen den Vorgaben der Städteplaner häufig weichen musste. Das führte dazu, dass die neueren Kirchen nicht mehr an alten Kraftorten und Kultstätten erbaut wurden. Die morphischen Felder werden dennoch auch hier aufgebaut.

Altäre und Taufsteine

In den alten Kirchen lässt sich die eigene Wahrnehmung entdecken und stärken, da beim Errichten der Kirchen an Kraftorten die Altäre oder die Taufsteine in den Zentren der Kräfte positioniert wurden.

Ein Loslassen von der Hektik des Alltags und eine Hinwendung nach innen vorausgesetzt, lässt sich hier diese alte wirkende Kraft am leichtesten wahrnehmen. Wird dieses Wissen mit dem Glauben verbunden, werden also Kopf und Seele miteinander verbunden, stellt sich die Wirkung ein. Und nach einigen Wiederholungen immer leichter, immer wirksamer.

Die Altarräume sind heute für die Kirchenbesucher oft unzugänglich, da sie abgesperrt und elektronisch gesichert sind, um Diebstählen vorzubeugen. Obwohl die Taufsteine vor den pietätlosen Mitmenschen sicherer sind, kann sich bei ihnen ein anderes Problem ergeben. Sie befinden sich nicht immer an ihrem ursprünglichen Ort, da sie bei den Kirchenumbauten hin und wieder umgesetzt worden sind.

Es ist aber nicht erforderlich, sich im Zentrum der Kraft hinzustellen, um sie zu spüren; die Kirchen sind durchdrungen davon. Weil diese Kräfte nicht auf einen kleinen Platz streng begrenzt sind. Weil die Kirchen ihren Genius Loci haben, der im gesamten Bauwerk wirkt.

Ausgleich über Generationen hinweg

Die Idee der morphischen Felder beschreibt den Charakter und die Wirkung dieser Atmosphäre sehr gut, wir bleiben daher bei diesem durch Rupert Sheldrake [2] geprägten Begriff. Wer sich auf die besondere Atmosphäre der Kirchen einlassen will, der weiß, dass die Diskussionen darüber, ob es morphische Felder, Kraftorte, Ley-Linien etc. gibt oder auch nicht, oder wie sie genannt werden sollen, irrelevant sind.

Ich spüre die Atmosphäre, also wirkt sie.

Existiert ein solches Feld an einem Ort, wird seine Entstehung an anderen Orten begünstigt. So verstärken die Kirchen ihre Wirkung gegenseitig, auch sie sorgen für einen Ausgleich. Eine jüngere Kirche profitiert zunächst von den älteren; da sie aber nun selbst an ihrer Kraft baut, verstärkt sie wiederum die anderen.

Lässt sich ein Mensch auf die Atmosphäre in der Kirche ein, so nimmt er diese Wirkung auf und gibt sie gleichzeitig an andere Besucher weiter. Ein Geben und Nehmen und ein Ausgleich direkt von Mensch zu Mensch.

An der Atmosphäre der Kirchen arbeiteten viele Generationen, viele Generationen stärkten dieses Feld. Wenn diese Atmosphäre heute genutzt wird, wird die Arbeit der vergangenen Generationen genutzt. Der Ausgleich hier stellt sich dadurch ein, dass ein Eintauchen in diese Atmosphäre und ihre Wertschätzung, diese Wirkung weiter verstärkt. So wird weiterhin an diesem Feld gearbeitet. Für das Jetzt, für das Morgen, für die folgenden Generationen.

Ausgleich über Inkarnationen hinweg

Ob Ian Stevenson oder andere Menschen, die nach Hinweisen und Beweisen für Reinkarnationen suchten, oder die Hinweise aus den Rückführungen: Die Seele hat offenbar besondere Vorlieben, zumindest über einige Inkarnationen hinweg, zu bestimmten Orten oder Menschengruppen.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Seele eines Menschen, der eine besonders starke Zuneigung zu einer Kirche empfindet, vielleicht sogar im Widerspruch zu seiner übrigen Einstellung, diese Kirche bereits kennt. Neben der Zuneigung kann das auch eine Abneigung oder sogar Angst davor sein.

Hat die Seele die Kirche in einem Vorleben besucht? Waren es schöne Zeiten? Waren es Zeiten der Ruhe, des Trostes, der Kraft? Oder sind andere Erinnerungen mit dieser Kirche verbunden und arbeitet die Seele an ihrem Ausgleich?

Dem Verstand mit dem Glauben helfen

Der Verstand muss sich in jedem Leben mit einem Start von Null aus abfinden. Kein leichtes Schicksal für ihn, wenn er erfährt, dass die Seele nicht mit Null beginnt, sondern ihre Erfahrungen und ihr Wissen mitnimmt.

Nur wenn der Verstand offen ist und das anerkennen kann, was – zunächst – außerhalb seines Erfahrungshorizonts liegt, nur dann kann er an dem Wissen und den Erfahrungen der Seele partizipieren. Nur dann kann er selbst für einen Ausgleich auf dieser Ebene sorgen, indem er sich den Dingen hinter den Dingen öffnet und so zusammen mit der Seele an der Reifung des gesamten Menschen mitarbeitet.

So wie die Seele nicht etwas außerhalb uns ist, worauf wir keinen Einfluss hätten, was daher außerhalb unserer Verantwortung liegen würde, so verhält es sich mit unserem Verstand. Er ist ein Teil von uns, auch mit ihm will die Seele ihre Erfahrungen machen und ihr Lernen meistern. Auch hier tragen wir die Verantwortung dafür, wie wir den Verstand einsetzen. Es ist unser Verstand, es ist unsere Verantwortung. Es gehört eigentlich so wenig dazu …

Es reicht, wenn der Verstand akzeptiert, dass existieren und wirken kann, was in der materiellen Welt noch nicht bewiesen ist.

Wenn er also zu glauben lernt.

Das kann der Verstand sogar auf seinem bevorzugten logischen Weg tun. Denn es gibt immer mehr Dinge in dieser Welt, die vor noch nicht allzu langer Zeit hinter den Dingen waren. Wenn es daher auch nur ein solches Ding gibt, kann der logische Verstand nicht ausschließen, dass es noch weitere Dinge gibt, die lediglich ihrer offiziellen Anerkennung harren.

Diese Dinge hinter den Dingen wirken. Auch ohne Anerkennung. Und der Glaube reicht, um sie bewusst wahrzunehmen und zu nutzen.

Glauben

Den Glauben kennt die Seele ebenfalls. „Denn die Seele weiß es“? Ja. Allwissend ist sie aber nicht, sie müsste sonst nicht inkarnieren und lernen. Und mag die Seele leichter glauben können als der Verstand, glauben können sie beide. Mit dieser Einstellung eine Kirche zu besuchen, um sich auf ihren Genius Loci, die Atmosphäre, das morphische Feld, die Kraft oder wie es auch immer genannt wird, einzustellen, ist nicht nur ein besonders Erlebnis.

Es ist eine spirituelle Arbeit über das Leben, über die Generationen und über die Inkarnationen hinweg. Es gehört so wenig dazu …

Jeder Mensch hat seine individuellen Erfahrungen und Prägungen seines Lebens. Seine Vorleben vergrößern diese Individualität. Ein Mensch mag die großen Kathedralen, der andere zieht kleinere Kirchen vor. Einem gefallen barocke Kirchen, dem anderen die Schlichtheit der Romanik oder das lichtdurchflutete Mauerwerk der Gotik. Ein Mensch mag Messen in den Kirchen beiwohnen, ein anderer zieht die stillen Zeiten vor.

Nichts davon ist besser, nichts davon ist schlechter. Alles ist, alles wirkt.

Es wirkt bewusst, wenn es zugelassen wird.

Wenn wir also glauben.

Frieden inmitten der Polaritäten der Welt

Ohne diese Bewertung gelingt die Verbindung von Kopf und Seele. So wird alles eins. Sogar dann, wenn ein Mensch Probleme mit der Kirche als Institution hat, wenn er um die Vorfälle in der Kirche weiß, wenn er von dem Unheil, Elend, Unglück und von den Grausamkeiten weiß, die aus einer fehlgeleiteten oder missbrauchten Religion herrühren.

„Es ist besser, eine Kerze anzuzünden, als sich über die Dunkelheit zu beklagen“, meint ein chinesischer Spruch. In einer Kirche kann das Licht außen und innen angezündet und gestärkt werden. Es gehört so wenig dazu …

Die Seele und die Seelen stärken

Romanik und Gotik faszinieren mich, die Kunst dieser Zeit ist ein Zauber, das Sonnenlicht entrückt, wenn es durch die gotischen Fenster fällt. Wunderbar, ergreifend, verzaubernd, faszinierend, fesselnd.

Und dennoch …

Eine kleine Kirche außerhalb der großen Städte. Der Tag neigt sich dem Ende zu, das Licht fällt schräg durch die Fenster hinein. In den Lichtstrahlen funkelt der Staub, der nicht an die Vergänglichkeit erinnert, sondern an den Sternenstaub, aus dem wir bestehen (s. »Wir sind Sternenkinder aus Sternenlicht« [3]). Eine Stille, die nur durch die langsamen Schritte eines Besuchers nicht durchbrochen, sondern unterstrichen wird. Ein Vogel, der seine letzten Strophen singt. Ein Duft, in dem noch der Weihrauch wahrgenommen werden kann, und wenn nicht, dann ein Duft, der einfach Kirche ist.

Hineingehen. Die Luft spüren, die Kühle fühlen. Einige langsame Schritte weiter. Etwas verweilen. Sich mit den Sinnen darauf konzentrieren, was in der Kirche ist.

Stehen bleiben. Oder sich auf eine Bank hinsetzen. Dorthin, wohin die Seele leitet. Und wieder verweilen. Achtsam alle Geräusche aufnehmen und nichts davon verdrängen. Aber nicht bewerten.

Diese nicht bewertende Offenheit und Achtsamkeit dem Außen gegenüber öffnet den Weg in das Innere. Die Seele jubelt, weiß sie doch nun, dass sie bei ihrem Menschen Gehör findet.

So spricht die Seele. In Bildern, in Worten oder in Emotionen. Glauben, zuhören, achtsam sein, indem alles angenommen wird. Es gehört so wenig dazu …

Es ist eine Spiritualität, die die Seele stärkt. Es ist eine Spiritualität, die andere Seelen stärkt. Wir sind alle miteinander verbunden. Jetzt fällt auch das Beten leicht.

Amen.

Mit dem Beten heute, welches sich an keinen grimmigen Herrn richtet, führe ich diesen Beitrag im zweiten Teil fort.

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[1] Liebe, Partner, Seele
[2] Spirituell-karmische Analyse Rupert Sheldrake
[3] Wir sind Sternenkinder aus Sternenlicht

Herzlichst, Ihr / Dein
Jan
Ich lade herzlich zum Bezug des Newsletters ein ...

Jan Schneider, Autor