Das keltische Erbe - Die Kelten, nicht die alten Römer

Kelten, Spiritualität

Spiritualität - ihre und unsere Wurzeln; Teil 5

Das Christentum ist in unserem Alltag präsenter als die keltischen Wurzeln. Die Geschichte der vergangenen zwei Jahrtausende, die enge Verquickung von Kirche und Staat haben ihre Spuren hinterlassen. Doch Spuren sind es nur; die alten Wurzeln existieren nach wie vor. Verborgen zwar und nicht so offensichtlich, doch sie existieren nicht nur – sie wirken.

Am Ende des vorangegangenen Beitrags [1] hieß es: »Christentum und Kelten – anders und doch wieder nicht«. Das Christentum baut auf alten Wurzeln, wozu das Judentum oder die griechische und keltische Kultur gehört. Das stärkt das Bewusstsein für die Universalität der Spiritualität.

Die alten Kelten, nicht die alten Römer

Schon die Kelten erschufen ein großes Europa und prägten es mit ihrer Kultur. Dies geschah im zweiten Jahrtausend v. Chr., etwa ein halbes Jahrtausend vor dem antiken Griechenland oder vor der Gründung der Stadt Rom. Exakte Angaben fallen schwer, denn obwohl die Wirkung der keltischen Stämme eindeutig nachgewiesen ist, existieren leider keine keltischen Schriftzeugnisse der ersten Jahrhunderte.
Der Ursprung der keltischen Kultur erstreckt sich von Nordwestfrankreich bis in den norddeutschen Raum hinein. Ob der Südosten Englands dazu gehört, ist noch umstritten. Im 3. Jahrhundert v. Chr. erreichte sie ihre größte Ausdehnung:

  • von Irland und Britannien sowie der Iberischen Halbinsel im Westen
  • über das heutige Frankreich und weiter in einem breiten Streifen über den heutigen deutschsprachigen Raum
  • in den mittleren osteuropäischen Raum hinein.

Kelten und Christentum – Galater und Gallier

Die asiatischen Kelten wurden Galater genannt, womit wir bei dem Brief des Paulus an die Galater im Neuen Testament wären. Galater klingt nicht nur ähnlich, es ist faktisch mit einer anderen Bezeichnung einiger Kelten verwandt. Asterix und Obelix lassen grüßen; die Kelten vornehmlich des französischen, belgischen und schweizerischen Raums nannten die Römer Gallier.

Nicht nur mit Asterix und Obelix hatten die Römer ihre Probleme. Die geschichtlichen Galater waren ebenfalls nicht immer einer Meinung mit Rom, was Paulus in seinem mahnenden Brief an die Galater (Neues Testament) schrieb.

Aus den Augen, aus dem Sinn, aus dem Leben - aber nicht aus der Seele

Das Christentum ging einige unrühmliche Wege. Die alten Institutionen versuchten mit Angst und Schrecken die ursprüngliche Spiritualität aus den Augen, aus dem Sinn und aus dem Leben zu verbannen. Durch Feuer und Schwert oder durch zweckbedingte Angstkonzepte wie das Fegefeuer oder die ewige Hölle. Ein barmherziger Gott der Liebe, der menschliches Vergehen mit einem ewigen Feuer bestraft: Völlig unlogische Konzepte, welche jedoch lange Zeit die gewollte Wirkung erzielten.

Die Geschichtsverfälschung oder -verbiegung war ein weiteres Konzept. Die Verantwortlichen gingen dabei raffiniert vor, da sie die alten Götter, Rituale und Bräuche nicht direkt verboten, sondern in das neue System integrierten und als Eigenes verkauften.

Viel des alten Wissens ging verloren, viel ist aus dem Bewusstsein verschwunden, also aus den Augen, aus dem Sinn, aus dem Leben. So leben wir heute mit vielem, was ein alter Wein mit neuen Etiketten ist, da die alten Götter- und Feiertagsnamen durch neue Namen ersetzt wurden.

Aus den Augen, aus dem Sinn - ja. Sogar aus dem Leben. Aber nicht aus der Seele.
Die Seele vergisst nicht und so tragen wir diese alten und echten Wurzeln in uns. Die Versuche, die alten Wurzeln zu verbannen, präsentieren heute den Verantwortlichen und ihren Nachfolgern die Rechnung. Es ist die zunehmende Distanz zum Christentum als Institution. Es ist aber keine Distanz zur Spiritualität.

Feiertage, Rituale, Kirchen – selbst wiederentdecken

Die alten Wurzeln werden immer bewusster [2]. Und wir können sie selbst wiederentdecken, wir benötigen kein System mehr, welches uns etwas vorschreibt oder uns zu einem Glaubenssystem zwingt. Wir sind spirituell gereift. Die vielen Inkarnationen tragen ihre Früchte.

Wir leben in einer Zeit, in der freizugänglichen Informationen. Wir können an unserer spirituellen Reifung in einem Ausmaß arbeiten, welches vor Inkarnationen nur wenigen Menschen vorenthalten war.
So entdecken wir unsere alten Wurzeln in uns selbst. Wir fühlen und spüren sie, wir nehmen ihre Wirkung wahr. Feiertage offenbaren ihren alten Sinn, Rituale helfen und Kirchen werden zu einem Ort der Ruhe und Kraft. Auch – oder besonders – in unserer unsteten Welt.

Keltische Wurzeln – Kirchen an Kraftorten

Literatur oder Informationen im Web über Kraftorte gibt es zuhauf; meist werden jedoch die bekanntesten Kraftorte oder Kirchen aufgeführt. Dabei liegen die Kirchen und Kraftorte in unserer Nähe [3], vor der Haustür unserer mobilen Welt. Es muss nicht gleich Notre Dame oder Stonehenge sein.

Beginnen wir daher die Reise zu unseren inneren und äußeren Wurzeln mit den Kirchen und Kraftorten unserer gegenwärtigen Heimat. Suchen wir dazu alte Kirchen zu stillen Zeiten auf. Persönlich ziehe ich die Frühlings- und Sommerabende vor, in denen die Sonnenstrahlen flach durch die Glasfenster fallen und in der Kirche eine Ruhe herrscht, gekrönt durch einem Weihrauchduft.

Leicht hat es, wer Kirchen findet, in denen der Altarraum frei zugänglich ist oder der Taufstein sich auf seinem Ursprungsort befindet. Gerade die kleinen Kirchen an landschaftlich reizvollen, einladenden Orten geben ihren alten Zauber und ihre kraftvolle Atmosphäre leichter preis. Auch ist in ihnen der freizugängliche Altarraum wahrscheinlicher.

Unbedingt entspannen. Auf die Natur um die Kirche herum einlassen, sich in ihr einstimmen. Sich auf den Genius Loci, den Geist des Ortes, einlassen. Und dann die Kirche betreten ...

Ein eigenes – und dadurch authentisches – Beten stellt sich hier von selbst ein. Ein Gebet ist eine Zwiesprache mit dem Höheren, wir nennen es meistens Gott. Diese Zwiesprache findet über unsere Seele statt, die keines korrekten Satzaufbaus bedarf, sondern die Seelensprache spricht.

Einfach nur da sein. Innerlich da sein, den Alltag Alltag sein lassen. Die Kraft wirken lassen. Der Rest stellt sich von selbst ein.

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Hilfreiches, Interessantes:
[1] Kelten, Christentum und Toleranz
[2] Kelten und Kirche - vom Maibaum und von Vorbildern
[3] Orte der Kraft und eines lebensübergreifenden Ausgleichs

Herzlichst, Ihr / Dein
Jan
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Jan Schneider, Autor