Worte hinterfragt: Ich tue, was ich will

»Ich tue, was ich will; es ist ja mein Leben.« Die Seele meinte, es sei zuvörderst ihr Leben und notierte: »Zur Wiedervorlage im nächsten Leben«.

»Ich tue, was ich will; ich trage die Verantwortung dafür.« Und die Seele freute sich über das gelungene Lernen.

Tun, was ich will

Ein Wort dazu

Es ist ein theoretisch nachvollziehbarer Standpunkt, wenn jemand erklärt, es sei sein Leben, er tue daher was er wolle. Das träfe allerdings nur zu, wenn dieser Mensch mit keinem anderen Menschen verbunden wäre ob privat, beruflich oder emotional.

So ist das ein lebensferner und unrealistischer Standpunkt, denn welcher Mensch ist mit keinem einzigen anderen Menschen verbunden? Handelt ein Mensch, betreffen die Folgen seines Handelns die mit ihm verbundenen Menschen. Der Lebenspartner ist das, die Kinder, die Freunde, die Kollegen. Es betrifft die Menschen, die mit ihm emotional verbunden sind; auch dann, wenn das dem handelnden Menschen nicht bewusst ist.

Außerdem verlangt die Seele immer eine Rechenschaft dafür, was der Mensch tat oder hätte tun sollen. Immer. Es helfen keine Ausreden, dass ein anderer Mensch es so geraten habe, dass man doch so habe entscheiden müssen, dass dies eine Political Correctness erfordere oder dass es keine andere Wahl gegeben hätte.

Bezeichnenderweise entstammt der Begriff »Alternativlos« der Politik. Die Politik nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau, baut sich alternative Fakten, erklärt ihr Handeln zu einer Alternativlosigkeit. Diese Seelen erfahren ebenfalls, dass sie sich von der Verantwortung für ihre Reden und von der Mitverantwortung für die Folgen bei den Betroffenen freisprechen können.

Es lernt ein jeder Mensch, es lernt eine jede Seele. Warum denn nicht gleich, warum erst solch schweres Karma bauen, warum das Gewissen so belasten?

Nur wer zu seiner Verantwortung steht, kann sein Leben selbstbestimmt führen. Er kann von sich aus entscheiden, er benötigt keinen Hellseher, keinen Guru, keinen Führer, keinen Souffleur. Kein Egoist ist er dann, er ist ein ermutigendes Vorbild für die anderen, die nach ihren Lebenswegen suchen.

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Erstpublikation im 112. Samstags-Newsletter.

Jan Schneider, Autor

Herzlichst, Ihr / Dein
Jan
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