Fotoblog: Bilder der Woche und »Ein Wort dazu«

Die samstäglichen Bilder der Woche kommentiere ich mit »Ein Wort dazu«. Neben ästhetischen (ein individuelles Kriterium) Motiven bringe ich nicht alltägliche Bilder aus der Natur.

Das aktuelle Bild mit »Ein Wort dazu« gibt es immer in dem Samstags-Newsletter.
Alle Bilder finden sich in der Übersicht, einige Bilder veröffentlichte ich in den Büchern.

156: Das Glück des Unspektakulären

Bild der Woche

Es gibt Momente in der Natur, die einen Menschen innehalten lassen und ihn glücklich machen. Meist sind das nach außen hin unspektakuläre Momente. Ein Duft, ein Klang, ein Bild ist das, mit dem eine Erinnerung verknüpft ist. Die Erinnerung muss nicht bewusst sein; es reicht, wenn sie innen gespeichert ist und wirkt.

So erging es mir bei diesem Bild mit den Farben des Himmels, den ruhigen Bäumen und besonders der Stille, die so selten geworden ist in unserer Welt. Ich hielt inne und nahm alles in mich auf. Das Hirn blieb still, es fragte nicht nach dem Grund dieses Zustandes. Es war eine längere Lebenszeit erforderlich, bis ich es lernte, Augenblicke einfach anzunehmen, aufzunehmen, sie hineinzulassen. Es ist eine Arbeit, die lohnt. Auch ein kurzer Augenblick dieser Ruhe und des Glücks gibt Ruhe und Kraft für eine lange Zeit danach.

Ich glaube, das Unspektakuläre wirkt intensiver und nachhaltiger als das Laute und das Grelle des Lebens. Vielleicht teilt sich etwas davon in diesem Bild mit; das hoffe und wünsche ich.

155: Der Erde Bäuerchen

Bild der Woche

Es war ein ungewohnter Anblick an diesem Morgen der Hitzetage. Der Nebel und sein Zusammenwirken mit der tiefen Sonne ließ mich die sonst allgegenwärtige Trockenheit vergessen. Umso härter war die Rückkehr in die Realität, zu der inzwischen unverkennbar der Klimawandel dazugehört. Zumindest für die Menschen, die es wahrnehmen wollen und nicht verdrängen.

In meinen jungen Jahren lebte ich mit Ängsten vor den Folgen unseres Tuns. Es war die Zeit des »stummen Frühlings« und des Clubs of Rome mit seinen Warnungen in »Die Grenzen des Wachstums«. Schon damals gab es Stimmen, die dem widersprachen oder es ins Lächerliche zogen. Heute sind meine Ängste anderen Empfindungen gewichen; Angst ist ein schlechter Berater.

Heute sind wir informierter, man sollte meinen, klüger. Das sind wir aber nicht. Für die Leugner ist es ein Leichtes, den Klimawandel und andere für sie unwillkommene Erscheinungen als Lüge darzustellen. Es reicht, ihre Meinung nur oft genug zu wiederholen, was dank der sozialen Medien ein Kinderspiel ist. Wie viele Menschen überprüfen die Quellen dieser Meinungen, wie viele recherchieren weiter? Böse vielleicht, doch will mir ein Spontispruch aus dem Kopf nicht heraus: Leute, esst Sch…, Millionen Fliegen können nicht irren.

Das funktioniert leider. Meisterlich belegt dies ein gewisser Trump, dem andere bereitwillig nachfolgen; sie ahmen seine Methoden nach oder werden zu seinen Jüngern. Der Klimawandel, die Wetterextreme, die Entwicklung des Menschen unter dem Einfluss der Neuen Medien, die schwindenden Privatsphäre – all das lässt sich heute leicht verdrängen. Wir werden wohl erst lernen, wenn wir die Peitsche deutlich spüren.

Warum ich heute dennoch keine Ängste habe? Die Natur können wir nicht zerstören. Wir können nur die für unser Leben erforderliche Umwelt zerstören mit der Hemmungslosigkeit und Gedankenlosigkeit unseres Ressourcenverbrauchs.

Wir können es, aber als die Spezies Mensch übersehen wir die Zeichen oder verdrängen sie. Jeder ET, der uns von außen betrachten sollte, muss zu diesem Schluss gelangen. Die neueste wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis, also das neueste Zeichen: Plastik erzeugt Treibhausgase, wenn es sich zersetzt. Schöne Aussichten bei den Abermilliarden Tonnen von Plastik besonders im Meer. Und bei den weiteren Abermilliarden Tonnen, die wir der Erde zum Verdauen noch vorwerfen werden.

Doch die Natur können wir nicht zerstören. Die Natur macht ein Bäuerchen, wenn ihr der Mensch weiterhin solch schwer verdauliche Kost vorsetzt. Und der Störenfried Mensch ist gezähmt. Von Gaias Standpunkt aus trifft es den Richtigen. Es ist dann gleichgültig, ob er der alleinige Verursacher des Klimawandels ist oder der Mitverursacher.

Die Gewissheit, dass sich die Natur helfen kann, dass wir sie nicht für alle anderen Lebewesen und für die verbleibende Zukunft der Erde zerstören können, ist einer der Gründe, warum meine Ängste verschwunden sind.

Ohne eine weitere Erklärung mag das zynisch klingen. Dem ist aber nicht so. Das greife ich in weiteren Texten ausführlich auf.

154: Meisterscherenschnitt

Bild der Woche

Die Sonne stand noch zu tief an diesem Morgen, um die Vögel zu bescheinen. Ich machte dennoch eine Aufnahme, da mir ihre Choreografie gefiel. Geworden ist daraus ein Meisterscherenschnitt (wenn man von den Strukturen der Birkenzweige absieht).

Also gibt es dieses Foto als das Bild der Woche. Das Web ist voll mit meisterlich wirkenden Scherenschnitten. Aber auch voll der Fakes und wenn das Papier geduldig ist, so ist das Web die unendlichgöttlichperfekte Geduld.

Ich würde mich an einen solchen Scherenschnitt nicht wagen; an den Details der Blätter und der Zweige würde ich kläglich scheitern. Ich schneide liebe andere Dinge heraus, beispielsweise Wörter aus meinen Rohtexten.

153: Sokrates, Herkules, Engel

Bild der Woche

Sokrates, Herkules, Engel. Das erste Wesen ist ein Mensch, das zweite ein Halbgott, das dritte etwas Göttliches. Was verbindet diese Wesen, was unterscheidet sie?

Alle sind durch Pflanzen verbunden. Die Wirkung dieser Pflanzen ist bei Sokrates und Herkules gefährlich bis lebensgefährlich. Sokrates und der Engel unterscheidet eine gegensätzliche Wirkung. Bei Sokrates tötet sie, bei dem Engel heilt sie. Eigentlich müsste es ein weiblicher Engel sein, obwohl Engel geschlechtslos sind.

Alle drei verbindet ihr ähnliches Aussehen. Sie können verwechselt werden, was eine Gefahr ist, beachtet man ihre unterschiedliche Wirkung nicht.

Aber genug der Umschreibungen. Sokrates, der durch einen Schierlingsbecher hingerichtet wurde, vertritt die gefährlichste Wirkung. Sokrates symbolisiert somit den Schierling, eine der giftigsten Pflanzen. Herkules vertritt die Herkulesstaude, die auch als Riesen-Bärenklau bekannt, gefürchtet, bekämpft ist.

Mit dem Engel ist die Angelikawurzel oder Angelikakraut, Engelwurz und botanisch Angelica archangelica gemeint. Angelika ist eine alte Heilpflanze, deren Geist, ich nenne mal ihre Essenz so, sich in einem bekannten Heilmittel einer Klosterfrau findet.

Ich hoffe, das Foto kann auch ohne das Wissen um die Pflanze gefallen.

152: Ich sehe dich

Bild der Woche

Vor Jahren hätte ich in diesem Baum ein eulenähnliches Waldwesen gesehen. Wäre es mir nach menschenähnlichen Wesen gewesen, wären es zwei Kuttengestalten, die ihre Umwelt kritisch beäugen.

Heute sehe ich die Eule, höre aber einen Satz dazu. Es ist die respektvolle Grußformel der Na’vis aus dem Film »Avatar«. Es ist darin das Interesse an dem Gegenüber enthalten, an seinem Innenleben, an seinem Ich. Das Sehen dieses Grußes beschränkt sich nicht auf das Äußere; das Sehen impliziert das Hören nach innen. Was wiederum zu der Eule passt, dem Vogel der Weisheit.

Diese Assoziation ist obendrein eine Aufforderung, Sprüche nicht nur ihrer Quelle oder der Bekanntheit wegen gutzuheißen oder abzulehnen. Saint-Exupérys Fuchs sagt dem kleinen Prinzen: »Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.« Oberflächlich betrachtet schneiden hier die Augen schlecht ab. Erst wenn in den Augen das Symbol des Verstandes und der Äußerlichkeit gesehen wird, erschließt sich der Sinn dieses Satzes.

»Ich sehe dich« oberflächlich betrachtet, beschränkt das Sehen auf die Äußerlichkeit. In »Avatar« ist das anders gemeint. Wer so grüßt, nimmt das Innere seines Gegenübers wahr.

Die optimale Assoziation zu dem Baum dieses Fotos ist die Eule, die zu einem spricht: »Ich sehe dich.« Was sie in einem Menschen sieht, das erfährt er, wenn er nach innen schaut.

151: Bank für die Natur

Bild der Woche

Korrekter müsste es »Eine Bank in der Natur« heißen. Das »für« bietet aber Assoziationsmöglichkeiten, die ich nicht unter den Tisch – oder unter die Bank – fallen lassen will.

Ist das Gras um die Bank herum nicht so üppig wie auf dem Foto, wird die Bank von Menschen aufgesucht. In diesem Zustand sehe ich nur Vögel darauf. Der Verstand führt einige sachliche Gründe auf, warum die Menschen diese Bank meiden. Doch stelle ich mir lieber vor, dass es keine Scheu oder Angst vor dem hohen Gras ist, sondern der Respekt vor der Natur.

Auch wenn die Bank den Respekt bei nur wenigen Menschen hervorrufen würde, arbeitet diese Bank für die Natur. Und dann ist es doch eine Bank für die Natur.

Das rötliche Leuchten des Baumes ist der frühen Morgensonne zu verdanken. Sollte jemand an das Foto aus dem vergangenen Newsletter erinnert werden, liegt das vermutlich an dem grünen Streifen vor dem Wald im Hintergrund. Es ist die monströse Fülle darin.

150: Monströse Fülle

Bild der Woche

Was ist, was wirkt monströs auf diesem Bild?

Der Mond ist erst zwei Tage nach dem Vollmond. Er ist groß, aber ihn meine ich nicht. Unser Mond, der Mond der Erde also, ist der größte Mond im Sonnensystem, wenn man das Verhältnis der Mondgröße zu seinem Planeten betrachtet. Astronomen bezeichnen die Erde und den Mond gerne als ein Doppelsystem. Bedenkt man, dass der Mond aus einem Teil der Erde entstand, als Theia die Erde beinahe zerstörte, könnte das Attribut monströs zutreffen. Doch das meine ich nicht.

Monströs ist nicht die Stimmung an der Morgendämmerung mit den unheimlichen Zügen durch den Nebel. Ich kenne diese Wege aus den dunkelsten Nächten, sie sind mir vertraut.

Was sind die Füllen auf diesem Bild?

Der Mond ist die erste Fülle. Die zweite ist die Fülle des Grüns im Vordergrund; es ist der Mais. Ich kenne die Strecke ohne das hohe Grün des Feldes und der Blätter der Bäume. Der Mais wirkt jetzt bedrohlich, der Mond vermag dies nicht zu mildern.

Der Mais wuchs nicht, er explodierte in den vergangenen Wochen. Es ist nicht so lange her, da kam ein zartes Grün aus der Erde heraus. In den letzten Wochen erreichte das Grün bereits meine Größe und mehr. Monströs wirkt auf mich die Geschwindigkeit, mit der das Grün wuchs und weiterhin wächst.

Sehe ich das Feld in diesem Zustand, muss ich neben dem Wachstum an die Masse des Grüns denken. Einerseits faszinierend, wie die Natur aus den Körnen, dem Boden und der Luft diese Mengen Biomasse entwickelt.

Diese Masse ist das Monströse. Der gesunde Menschenverstand, sogar der eines Stadtmenschen, ahnt um den Bedarf an Nährstoffen für dieses Wachstum. Das beansprucht den Boden, der nicht nachwachsen oder sich erfrischen kann wie der Wind. Das überbeansprucht den Boden. So muss BAYER her mit seiner alten Chemie und der von ehemals Monsanto.

Die Masse des Grüns, die Geschwindigkeit, mit der es wächst, der Vergleich der geernteten Maiskörner zu dieser Masse, die Ahnung von der enormen Maisanbaufläche weltweit. Ist das noch Natur oder ist das eine Übertretung der Natur, eine Monstrosität?

Wann ist der Zeitpunkt erreicht, an dem der Boden, menschlich ausgedrückt, »Die Rache ist mein« sagt und sich der Ausbeutung verweigert? In dem Science-Fiction-Film »Interstellar« aus dem Jahr 2014 wird kein exakter Zeitpunkt dafür genannt. Eine weite Ferne ist es aber nicht; ich finde dies nachvollziehbar. Und beunruhigend.

Die Fülle steht seit Jahren hoch im Kurs, Fülle möchte doch der Mensch haben. Auf dem Lernplaneten Erde ist jedoch alles polar; die Fülle bildet keine Ausnahme.

149: Auf zum Frühstück, Majestäten

Bild der Woche

Nein, an Größenwahn leide ich nicht. Der Frühstücksaufruf gilt den drei Schwänen, die an einem frühen Morgen unüberhörbar davonflogen. Ich bildete mir ein, sie suchten einen Frühstücksplatz.

Unüberhörbar ist ihr Start vom Wasser, unüberhörbar ist ebenso ihr Flug. Kein Vergleich mit der faszinierenden Lautlosigkeit der Eulen oder Fledermäuse. Eulen, konkreter Käuze, erlebte ich erst zwei Mal in einem nahen Vorbeiflug an mir. Beide Male suchte ich nach dunklen Plätzen für die Himmelsbeobachtung und überquerte dabei Waldstücke. Es gruselte mir ein wenig und besonders der erste Vorbeiflug eines Kauzes ließ mein Herz schnell schlagen. Am Augsburger Kuhsee konnte ich Waldkäuze aus der Nähe hören. Sogar das Vibrato ihrer Rufe war deutlich wahrnehmbar.

Eulen gehören zu meinen Lieblingsvögeln. Faszinierender finde ich allerdings die Flugkünste der Fledermäuse, wenn sie nahe am Kopf vorbeihuschen. Schnell, akrobatisch wendig, lautlose Schatten nur. Dazu die Faszination über ihr Echolot, mit dem sie uns Menschen blind dastehen lassen.

Majestät wird eher Schwänen denn Fledermäusen zuerkannt. Bei fliegenden Schwänen fällt es mir schwer, eine Majestät darin zu erkennen. Erst wenn sie weit genug sind und ich das Schlagen und Tönen ihrer Flügel nicht mehr wahrnehme, erst dann wirken sie majestätisch. Die Eulen und die Fledermäuse sind schuld, jawohl. Schließlich muss jemand an etwas schuldig sein.

Schwäne benötigen keinen lautlosen Flug; sie sind keine Jäger. Wären sie Jäger, hätten sie einen lautlosen Flug entwickelt und wären für den Menschen gefährlich, hätten sie ihre Größe beibehalten. So manches Mal sah ich Menschen, die Schwäne füttern wollten und ihnen oder ihren Jungen zu nahe kamen. Das Gekreische beim Weglaufen, allein wenn ein Schwan die Flügel ausbreitet und den Hals hervorstreckt, war unüberhörbar. Das Gekreische der Menschen natürlich, nicht der Schwäne. Wären aber Schwäne Jäger, wären sie vermutlich eine ausgestorbene Art. Eine ausgerottete, da der Mensch ihr keine Majestät zugesprochen hätte.

Den kreischenden Menschen fehlte die Erfahrung meines Kollegen, der beim Paddeln einer Schwänin mit ihren Jungen zu nahe kam. Davon konnte er uns erst einige Tage später berichten – mit einem eingegipsten Arm, den ihm der Schwan mit einem Flügelschlag gebrochen hatte.

Da war die Majestät not amused über diese Distanzlosigkeit.

148: Wendelicht

Bild der Woche

Es sind die ersten Strahlen der Sommerwendesonne, die diese Birke am frühen Morgen treffen. Es ist der längste Tage, die Zeit der längsten Tage, denn die Unterschiede zwischen den Tageslängen um die Sommersonnenwende herum betragen nur Sekunden. Es vergehen einige Wochen, bis die kürzeren Tage dem Menschen auffallen.

Jahr für Jahr faszinieren mich die Unterschiede in den Sonnenaufgangspunkten am Horizont. Im Nordosten im Sommer, im Südosten im Winter. Die maximalen Unterschiede gibt es zwischen den Aufgangspunkten der Sommer- und der Wintersonnenwende. Es fällt sogar bei dieser Birke auf, dass sie im Winter von der aufgehenden Sonne anders beschienen wird – auf der linken Seite von diesem Standpunkt aus betrachtet.

Aber abgesehen von der Sommersonnenwende, das rote Licht und das Sommergrün der Bäume ergaben einen auffälligen Kontrast, der es wert war, zum Bild der Woche der längsten Tage zu werden.

147: Die Hand Gottes

Bild der Woche

Die Wolkenformation erinnerte mich an eine Hand. An eine überdimensionierte Hand, zu der mir die Hand Gottes einfiel. Aber Gott hat keine Hand. Gäbe es eine Hand Gottes, wäre sie nicht strafend, sondern liebend. Die Hand auf dem Foto hält meinem Empfinden nach die Handfläche nach oben; sie beschützt nicht, sie segnet nicht. Sie deutet auf etwas hin.

Ist es die Hand des Teufels? Die hat der Lebensraum Erde nicht mehr nötig, seitdem der Mensch mit seinen Händen die Lebensräume der Erde anfasst. Oder auch diejenigen selbst ernannten Vertreter Gottes, die mit Strafen oder einer ewigen Hölle drohen und dies zum Willen eines liebenden Gottes erklären. Deutet die Hand auf etwas hin, könnte es eine Hand sein, die auf das zerstörerische Werk des Menschen hinweist.

Wem könnte der Hinweis gelten? Der Mensch weiß um sein Tun und die Folgen, lässt seine Geschicke dennoch von Menschen mit intellektuellen und emotionalen Handicaps leiten. Oder, aber das ist seine lange Erfahrung und Prägung, von Institutionen, denen ihre Macht wichtig ist. Das sind nicht nur Institutionen, die ihr Handeln mit einem Willen Gottes apologisieren. Die Handlanger der modernen Mobilitäts- und Energiegötter arbeiten mit volkswirtschaftlichen Argumenten. So kurzsichtigen Argumenten, dass sie traurig stimmen, wenn sie trotzdem ihren Zweck erfüllen. Andererseits müssen sie kurzfristig sein, denn diese Spezies, die ihre Heimat so misshandelt, erwarten keine langfristigen Perspektiven.

Das waren aber nur kurze Gedanken, denn die Regenfront am rechten Rand der Aufnahme, machte sich mit einem auffrischenden Wind und den ersten Regentropfen bemerkbar. Ich bin nicht Bono, den weder eine Hand, ob Gottes oder Teufels, beeindruckte, der den Wind und die Regentropfen irrelevant fand, den Blitz und Donner nicht beeindrucken.

Ich zog es vor, mit dem Kommando »Zurück«, die Marschrichtung zu ändern und den Heimweg anzutreten. Bei den Wegen des Menschen ist das nicht so einfach möglich. Aber das muss wohl noch lange Zeitz so sein, es wäre sonst kein eigenständiges Lernen, es wäre keine eigene Einsicht.

146: Little Godzillas, Wasser, Feuer, Erdenlebenbeginn

Bild der Woche

Eine seltsame Wortkombination im Titel dieses Fotos? Diese Wortkette ist noch detailreicher, aber Schritt für Schritt – oder Glied für Glied – und die Kette offenbart ihre Logik.

Die beiden Tierchen sind Teichmolche. Um sie besser zu fotografieren, schirmte ich das Sonnenlicht mit der Hand ab, daher diese Konturen auf der Wasseroberfläche. Die Teichmolche nenne ich Little Godzillas. Diesen Namen finde ich putziger (ich mag dieses Wort) als Molche oder Lurche. Little Godzillas leben überwiegend im Wasser, womit das Element Wasser geklärt ist.

Teichmolche gehören zu den Salamandern, sie sind also ihre Landverwandten. Von da ist es nur ein kleiner Schritt zum Feuer: Feuersalamander.

Durch den Feuersalamander verbanden sich die Elemente Wasser und Feuer und da fielen mir Vulkane ein, deren Lava ins Wasser strömt. Ein namhafter Vertreter ist Kilauea auf Hawaii. Kilauea ist seit Jahren aktiv; nicht so eruptiv wie die meisten Vulkane, sondern durch seine Lavaströme, die sich teilweise erst im Wasser des Pazifiks abkühlen. Es sind faszinierende Bilder des Feuers unter Wasser, der beiden Elemente, die sich scheinbar nicht mögen. Dadurch ist die Kette von Little Godzillas übers Wasser zum Feuer hin nachvollziehbar. Es fehlen nur die Erde, das Leben und der Anfang, also der Erdenlebenanfang.

Beim Kilauea, dem Feuer im Wasser, denke ich oft an den Ursprung des irdischen Wassers. Die gängige Hypothese besagt, das Wasser fiel mit den Asteroiden auf die Erde. In der Jungzeit der Erde unterlag sie einem dauernden Bombardement durch diese Himmelsbrocken, die das Wasser mitführten. In Jahrmillionen wurden daraus die ersten Ozeane. Für Skeptiker: Das Wasser verdampfte zwar bei den Einschlägen, die Erdgravitation entließ aber den Wasserdampf nicht in den Weltraum, sondern holte ihn als Regen zurück. Kein Regen war das, wie wir ihn heute kennen, aber das ist eine andere und zu lange Geschichte.

Bei dem Wasser, welches im Feuer vom Himmel auf die Erde fiel, ist das Zusammenspiel von Feuer und Wasser offensichtlich. Und zum Leben ist es jetzt nicht weit. Zum ersten primitiven Leben sind es nur noch einige Hundertmillionen Jahre, maximal eine Milliarde. Die Erde ist gut 4,5 Milliarden Jahre alt, das erste Leben entstand vor etwas 3,5 Milliarden Jahren. Und somit sind die Erde, das Leben und sein Beginn eingebunden in die zunächst seltsam anmutende Wortkette im Titel dieses Bildes.

Außerdem übten sich zwei junge Little Godzillas beim Erproben in einer Tätigkeit, die dem Leben und Überleben dient; wieder ein Beginn neuen Lebens. Ich ließ sie dabei allein und gab mich den inneren Bildern hin vom Wasser, welches auf die junge Erde in feuriger Begleitung vom Himmel fällt und unser Leben ermöglicht. Faszinierend.

145: Naturlampion

Bild der Woche

Es ist offensichtlich, dass ich die Kombinationen des Mondes mit den Elementen der Natur mag. So wie ich »meinen« Solitärbaum gerne fotografieren, so gefallen mir die Zusammenspiele des Mondes mit der Natur. Ein Lampion, war mein Gedanke bei diesem Baum und ich musste nur eine kleine Korrektur meines Standpunktes vornehmen, um den Mond so zu fotografieren.

In Asien war ich zwar nicht, mich muteten diese Äste und der Baum asiatisch an. Seltsam auch die Erinnerungen an die Vollmonde der Winterzeit, die an einem Nachthimmel untergingen. Jetzt war es bereits Tag; der Sommer ist nicht nur an dem Grün der Bäume ablesbar.

Zu dem hellen Himmel vor dem Vollmonduntergang.
Wenn der Vollmond am Abend aufgeht, geht die Sonne unter. Und wenn der Vollmond am Morgen untergeht, geht gleichzeitig die Sonne auf. Das ist immer so, also sommers wie winters. Dennoch ist es im Winter am Abend kurz nach dem Vollmondaufgang schon und vor dem Vollmonduntergang noch dunkel. Im Sommer hingegen ist der Himmel hell, wie auf diesem Foto. Der Grund dafür ist die Lage der Ekliptik, falls jemand nachrecherchieren möchte.

144: Durchleuchtet

Bild der Woche

Unweit des durch Xavier umgeknickten Baumes (s. letztes Bild der Woche) und nur wenige Tage später nahm ich dieses Foto auf. Es war wieder ein früher Morgen, die Sonne stand noch hinter den Bäumen am östlichen Seeufer. Diesmal stand sie etwas höher und wechselte von dem Rot des Aufgangs zu ihren Tagesfarben. Die Blätter ließen die Sonnenstrahlen hindurchscheinen, die sich auf den Nebelresten über dem Wasser brachen und im Wasser spiegelten.

Es war kurz nach Pfingsten; mein Bezug zu diesem Feiertag ist ein anderer als in meiner Kindheit. Dennoch erinnerte ich mich daran, ließ diese Erinnerung und die Gefühle zu. Das war schön, das war gut, das war besser als das allmorgendliche Bombardement mit den schlechten Nachrichten der Medien.

143: Gestatten, Xavier

Bild der Woche

Xavier, das ist nicht das rötliche Auge mit Anklängen an Mordor bei dem umgestürzten Baum, der mit seiner Krone im See ruht. Mit seiner Wurzel ist er über einen kleinen Teil seines Stammes verbunden, was ihm in diesem Frühjahr ein, wie es scheint, gesundes Blattwachstum ermöglicht.

Der Baum war gefährdet, und wurde deshalb geschützt. Doch war es ein Schutz vor der unzutreffenden Gefahr. Der Schutzzaun, der dem Biber galt (s. 89. Bild der Woche, »Unheimliche Begegnung der nächtlichen Art«), konnte den Baum nicht vor Xavier schützen, dem Sturmtief im Herbst 2017. So wurde Xavier zum Gestalter, dessen Werk nicht beseitigt wurde. Ich hoffe, ich kann den Baum weiterhin beobachten und erfahren, wie die Natur Xaviers Werk fortführt.

142: Verschlafen

Bild der Woche

Inmitten des intensiven Grüns der Natur fällt der weiße Strauch sogar in der Nacht auf. Von Weitem wirkt er schneebedeckt; ein Überbleibsel des Winters, ein Strauch, der den Frühling verschlafen hat. Natürlich hat er das nicht, er blüht zu seiner rechten Zeit und wird Spierstrauch, Brautspiere oder Schneespiere genannt.

141: Chaos und Ästhetik

Bild der Woche

Das Wachstum der Äste dieser Sträucher mutet chaotisch an, die abgebrochenen und im Dickicht hängenden Äste verstärken diesen Eindruck. Nur der Bogen deines Astes bringt Ordnung oder System hinein.

Doch ein ruhiger Blick, der die Gesamtheit betrachtet, der den Fluss mit dem gegenüberliegenden Ufer und den Bäumen miteinbezieht, entdeckt alsbald einen Zauber darin. Kommen die sanften Geräusche des Windes und des Wassers hinzu und die Frische der Frühlingsluft, wandelt sich das Chaos. Es wird ästhetisch, es breitet sich innerlich aus. Aus dem ursprünglichen Chaos wird eine belebende Ästhetik.

140: Mondkirschblüte

Bild der Woche

Die Menschen stiller, die Luft angenehmer, das Licht sanfter. Das entspannt. Ein Blick zum Himmel mit seinem tiefer werdenden Blau. Da fällt der Mond auf, der Mond und die Kirschblüte.

Und da ich am Tage das Summen der Bienen - heute leider keine Selbstverständlichkeit mehr – vernehmen konnte, ist das ein Augenblick in der Natur, der die Seele erfreut.

139: Keltische Ängste Light

Bild der Woche

Die Kelten fürchteten sich nur vor dem Himmel, der auf ihre Köpfe fallen könnte. Vor 2,5 Jahrtausenden wurde aus der Angst Ernst, als im Chiemgau ein Komet eingeschlagen haben soll (es gibt noch hin und wieder Widerspruch unter den Forschern). Für die Kelten, die damals die Region bevölkerten, war das ein finales Ereignis.

Die Gegend auf dem Foto trennen vom Chiemsee gut 120 km Luftlinie, das Ereignis bekam sie damals mit. Der Baum ist zu jung, um sich daran zu erinnern. Wenn jedoch das kollektive Gedächtnis seiner Art die Erinnerungen noch in sich trägt, erklärt das, warum der Baum zwar nicht den Himmel, aber wenigstens die Kondensstreifen am Fall hindert.

Wer’s will, kann darin ein Symbol eines Hauses sehen. Und wer Verschwörungstheorien bevorzugt, kann in dem Baum einen Schutzgeist vor den Chemtrails erkennen. Jedem seine Wahrheit – solange sie von einem Augenzwinkern oder einem Stückchen Toleranz begleitet ist.

138: Pinselführung

Bild der Woche

Das nenne ich eine meisterhaft leichte Pinselführung auf einem meisterhaft angelegten Hintergrund. Andererseits hatte die Natur ein paar Milliarden Jahre Zeit zum Üben, ergo kann man meisterhafte Leistungen erwarten. Zumindest solange der Mensch nicht hineinpfuscht.

Die Natur bot dieses Meisterwerk in einer Stille an, die für unsere zivilisatorischen Verhältnisse vollkommen war. Es waren einige Minuten der Kontemplation möglich, die mich beinahe vergessen ließen, ein Foto zu machen, um eine Erinnerungshilfe an diesen Augenblick zu haben und ihn mit anderen zu teilen.

137: Bedenkliches Fastenbrechen

Bild der Woche

George Bernard Show meinte: »Jeder Dumme kann Fasten, aber nur ein Weiser kann das Fasten richtig abbrechen.« Ob der Baum weise ist?

Es war der Fastenzeit letzter Tag, dem Mond fehlten nur wenige Stunden zum Vollmond. »Was mir den Weg kreuzt, das fresse ich«, dachte sich der entkräftete und entlaubte Baum. Da kam ihm der Mond nahe. »So ein fetter Happen«, freute er sich und stellte dem Mond nach.

Der Mond überstand diesen Angriff. Zunächst zumindest, denn nach wenigen Tagen wurde berichtet, er werde immer kleiner. Verletzte ihn der Baum doch, verursachte er eine Neurose beim Mond durch diese Begegnung der unheimlichen Art?

Ostern ist nach dem ersten Frühlingsvollmond. Hätte sich dieser Vollmond nur wenige Stunden Zeit gelassen und Mitternacht abgewartet, wäre Ostern eine ganze Woche später. Der Baum hätte von der erwachenden Natur profitieren können und nicht dem Mond nachstellen müssen.

136: Die Einsamkeit eines Winterglühwürmchens

Bild der Woche

Die Sonne kündigte ihr Erscheinen zart am Osthimmel an. Die Nachtglühwürmchen zogen sich bis auf eine Handvoll zurück. Das hellste von ihnen wusste, dass es als letztes am Himmel bleibt, bis die Übermacht der Sonne auch seinen nächtlichen Auftritt beendet.

Bevor es sich verabschiedete, sah sich das Glühwürmchen auf der Welt unten um. Ein Baum fiel ihm auf, ein Baum, der vom Abschied und vom Vergehen wissen musste; so sah er aus. Ein Stamm nur noch mit wenigen kleinen Zweigen, ein trauriger Rest seiner einstigen Größe. »Wie ich«, dachte sich das Glühwürmchen, »wie ich, weiß er vom Abschied und von der gemeinsamen Mutter. Ich besuche ihn, leiste ihm ein wenig Gesellschaft, bevor mich die Mutter überstrahlt.«

Wehmut oder Trauer sind jedoch nicht erforderlich. Das Glühwürmchen ist das größte aller Kinder der gemeinsamen Mutter und allen Lebens und Geschehens auf ihnen. Es ist der Jupiter, der gegenwärtig am Himmel strahlt, bevor die Mutter Sonne am Himmel erscheint. Diesen Baum fotografierte ich mehrere Male zusammen mit dem Mond; diesmal konnte ich ihn mit dem Jupiter zusammenbringen.

Von den Volumina her passen etwa 1.300 Erden in den Jupiter hinein und knapp 1000 Jupiter in die Sonne. Das Volumen der Sonne umfasst somit etwa 1,3 Millionen Erden. So ist eher die Erde ein Glühwürmchen im Sonnensystem, der Jupiter nur ein etwas größeres. Die Sonne wiederum ein unvorstellbar winziges Glühwürmchen in der Galaxis. Und der Mensch?

Anmerkung
Bei genauem Hinsehen fällt am linken Bildrand ein Stern auf. Es ist Antares, was Gegenmars bedeutet. Bei diesem Namen ist es klar, dass nicht die Babylonier oder Araber mit ihrer Namensgebung am Werke waren, sondern die alten Römer, die Liebhaber von Kriegen und anderen Schlachten.

135: Political Incorrectness

Bild der Woche

Es stritten zwei Weiße mit zwei Schwarzen. Die Weißen ignorierten die Schwarzen, die immer wieder auf die Weißen zukamen und sie anschrien. Den Beginn des Zwists nahm ich nicht wahr, ich war mit einem Roten beschäftigt; vielmehr, er beschäftigte mich. Gut, der Rote ist eher ein Brauner, das Rot fügt sich besser in diesen Text ein. Da die untergehende Sonne sein Braun rötlich anfärbte, ist die textliche Farbkorrektur nur halb geflunkert. Nur der Schwarze widerstand tapfer der Einfärbekunst der Sonne – bis auf seinen vorlauten Schnabel. Keine schwarze Magie war das, es war Physik: Schwarz absorbiert das Licht, strahlt es also nicht zurück.

Der Braune oder der Rote war Bono, ein treuer Labrador, der die Tage sein 9. Lebensjahr vollendete. Ein Schwanenpärchen waren die Weißen, die Schwarzen zwei Krähenvögel, die um die Schwäne kreisten.

Am Ende des Streits flog eine Krähe weg, einer der Schwäne schwamm davon. Die verblieben Kontrahenten beäugten sich weiterhin misstrauisch und kamen, der eine schwimmend, der andere hüpfend, auf mich zu. Ist es eine weitere Political Incorrectness, wenn ich bei ihnen gleiche Geschlechter vermute?

134: Grotesk

Bild der Woche

Es ist nicht das erste groteske oder beunruhigende Foto des Morgenhimmels in Richtung München. Keine Aussage über München ist das, ich lebte selbst eineinhalb Jahrzehnte dort und habe schöne Erinnerungen daran. München liegt östlich von Augsburg, logischerweise pflegt die Sonne bei ihrem Aufgang sich dort aufzuhalten.

Im 81. Bild der Woche waren das von Windrädern erzeugte Himmelswürmer. Augenzwinkernd widmete ich das Foto den Verschwörungsliebhabern. Das aktuelle Bild ist für sie ebenfalls geeignet. Wer will, erkennt darin nicht nur einen bedrohlich dunklen Himmel, aus dem Chemtrails herauskommen. Die Kondensstreifen bilden ein Stützsystem auf der Erde für die helle Bedrohungsquelle, die sich hinter den dunklen Wolken tarnt.

Verschwörungsliebhaber können mehr darin erkennen; sie können beispielsweise die Stromleitungen hinzuziehen. Fröhliche Gedankenspiele wünsche ich.

Dieses Schauspiel dauerte keine Minute lang an. Ich gebe aber gerne zu, dass es mich ein wenig beunruhigte. Nach einer Minute war aber alles vorbei und die Welt war auch nach sieben Uhr in Ordnung.

133: Es neigt sich dem Ende zu

Bild der Woche

Nein, nicht den Winter meine ich, obwohl das beim Schnee im März naheliegend wäre. Ich meine ein vor Jahren schon lieb gewonnenes Geräusch, von dem ich mich wohl in einiger Zeit verabschieden muss.

Es ist das Rauschen des Wehres, welches aus einigen Kilometern zu hören ist. Schwach zunächst und nur beim konzentrierten Zuhören wahrnehmbar, wird es zu einem medidativ-lauten Rauschen am Wehr. Bono weiß, dass ich am Wehr einige Minuten verweile, legt sich ohne Kommandos hin und wartet ab, bis es wieder weitergeht.

Einerseits schade, dass dieses Rauschen zu Geschichte wird. Die Staustufen werden beseitigt, da sie den Fischen schaden und den natürlichen Fluss des Lechs stören. Das sind gute Gründe, ich muss dann anderen Geräuschen lauschen.

132: Des Menschen Umwege

Bild der Woche

Der März bricht an, die Gedanken kreisen um den Frühling und verabschieden ohne Groll den Winter, der wieder mal kein echter Winter war. Diese Gedanken machte jemand ohne seinen Wirt – ohne die Natur. Sie geht ihre eigenen Wege.

Mag sein, dass wir sie ein wenig auf ihren Wegen stören, indem wir in ihr bewährtes Klimasystem eingreifen. Als hätte sie das zeigen wollen, sandte sie Bibberkälte zum Beginn des meteorologischen Frühlings. Wir stören ihr Gleichgewicht, wir können sie jedoch nicht zerstören. Wir können nur unsere Lebensbedingungen stören. Die Erde erlebte und überlebte für uns unvorstellbare Katastrophen. Sie wird auch den kleinen Störenfried Mensch überleben, darüber gibt es keine Zweifel.

Es wäre gut für den Störenfried, in der Natur seine Mutter oder die Ernährerin zu sehen und sich entsprechend zu benehmen. Aber auch der Mensch darf seine Lernumwege gehen, auch dann, wenn sie durch Katastrophen führen. Muss das jedoch sein, nehmen wir die erhitzte Herdplatte noch nicht wahr?

Eine Krone der Schöpfung bräuchte solche Umwege nicht mehr. Wir brauchen sie offenbar noch.

131: WWW: Winter WonderWorld

Bild der Woche

Was der April darf, darf ich auch, dachte sich der Winter. Nicht nur der Tannenbaum war grün, Weihnachten war grün. Und nun, da sich die ersten Gedanken an den Frühling ankündigen, zeigt er seine Pracht – oder Macht. Wenn ihn nur nicht manche Kleingeister, besonders die, die sich für mental gefestigte Genies 1) halten, als Gegenbeweis jeglicher Klimaveränderung in Beschlag nehmen.

Für das Bild dieser Woche erlaubte ich mir auch einen kleinen Fake. Nein, der Schnee ist echt, die Bäume sind echt, keine Fotomontage ist das. Doch ging ich leicht in die Hocke und konnte so den Schnee auf dem Lechdamm mächtiger erscheinen lassen. Obwohl – Kinder sehen das aus eben dieser Perspektive. Also lüge ich nicht, sondern bin wie die Kinder.

Ob ich deswegen gleich in den Himmel komme, wie das in der Bibel steht, das bezweifle ich. Da habe ich noch viel zu viel zu lernen in diesem Leben und in den nächsten. Jetzt ist das aber eine gute Überleitung zum Hauptthema des aktuellen Newsletters.

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1) Donald John Trump, der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Great Again Amerika

130: Natural Network

Bild der Woche

Diese Bäume faszinieren mich vor allem im blattfreien Zustand. Die Grafik fällt auch nach Jahren auf und immer wieder überrascht sie in ihrem Zusammenspiel mit der Natur. Im 87. Bild der Woche war es der Mond, der auf der Verbindung zwischen den Bäumen strahlte.

Jetzt ist es der Kontrast zwischen den harten Konturen des Geflechts der Stämme und Äste und dem weichen Abendhimmel. Und wie immer, die Verbindung zwischen den Bäumen. Die Bäume kommunizieren tatsächlich miteinander, über- und unterirdisch. Das ist jedoch ein anderes faszinierendes Thema und zu umfangreich an dieser Stelle.

129: Merlins Zauberbaum

Bild der Woche

Der Mond scheint es mir angetan zu haben, das stellte ich bereits im vergangenen Newsletter fest. Diesmal war es der Vollmond, den ich oberhalb eines abgebrochenen Baumes postieren konnte.

Zunächst war es ein faszinierender Anblick und eine Herausforderung der erforderlichen Belichtungszeiten wegen. Nach den Aufnahmen kamen Erinnerungen auf. Vor Jahren, eher vor Jahrzehnten, baute ich mir einen Zauberstab aus einer Haselnussrute und einem Bergkristall. Daran erinnerte mich offenbar das Bild. Gut, der Baum ist ein bisschen größer, der Mond leuchtet. Aber ich bin kein Merlin. Und das ist gut so, wenn ich seiner Erfahrungen gedenke.

128: Steiler Aufstieg

Bild der Woche

In meinen jüngeren Jahren mochte ich den Mond nicht; je voller er war, desto unbeliebter. Sein Licht überstrahlt die lichtschwachen Objekte wie Nebel, Galaxien oder Kugelsternhaufen, denen meine Beobachtungsliebe galt. Die Objekte des Sonnensystems also Planeten und ihre Monde oder Kometen waren mir zu nahe, sie gehörten dem kosmischen Vorgarten an.

Meinem heutigen Empfinden nach stehen die Planeten nicht mehr im Vorgarten, sie sind auf Tuchfühlung mit der Erde. Das Tuch ist die Sonne, die mit ihrem Wind die Planeten einhüllt. Dennoch schloss ich meinen Frieden mit dem Mond. Sehe ich ihn heute, ist mir immer seine Bedeutung für das Leben auf der Erde bewusst (mehr über die Bedeutung des Mondes für das irdische Leben …).

Heute mag ich den Mond, wenn er mit Objekten auf der Erde bemerkenswerte Konstellationen bildet. Vor dem aktuellen Vollmond ging ich meine Lechdammstrecke mit dem Hund und der Kamera ab. Es gelangen drei Fotos: der steile Aufstieg, ein Baumarmleuchter und Merlins Baum. Leider sind die erforderlichen Belichtungszeiten zu lang für Freihandaufnahmen. Dennoch will ich die drei Bilder bringen, ich werde aber ein leichtes Einbeinstativ besorgen müssen, damit die Aufnahmen zukünftig nicht verwackeln.
Die Ekliptik, die scheinbare Linie am Himmel, auf der die Sonne, der Mond und die Planeten zu finden sind, verläuft im Sommer am Tag steiler, wodurch die Sonne höher am Himmel steht. Dafür ist der Mond nicht so hoch. Im Winter verhält es sich umgekehrt. Die Sonne erreicht nur mäßige Höhen, der Mond klettert dafür schnell und steil hinauf. Auffällig ist das an den Tagen um den Vollmond herum. Auf dem Foto mit dem Beinahevollmond ist der Himmel noch relativ hell, was in den Sommermonaten unserer geografischen Breiten nicht beobachtet werden kann.

Notabene: Es ist nicht mein Lieblingsbaum, obwohl seine Form an ihn erinnert. Dieser Baum steht ein paar Kilometer südlicher am Lech.

127: Selten bis seltsam

Bild der Woche

Der Schnee macht sich rar, er hat den Status eines seltenen Gastes. Und bleibt er mal liegen, wirkt die Welt seltsam. Seltsam auch diese Wirkung, kenne ich doch noch die Winter meiner Kindheit mit Allerheiligen meist im Eis und Schnee. Diese Erinnerung trügt nicht, da wir Kinder an den Tagen nach Allerheiligen Mutproben bestehen wollten., indem wir die Kerzenstummel von den Gräbern sammelten. Der Mut war erforderlich, da uns die »Alten« vor den Totengeistern warnten, die jeden Kerzendieb in der Nacht aufsuchen würden.

Ich hatte meinem Opa und den Kiebitzen zu verdanken, dass der Aberglaube seinen Schrecken weitestgehend verlor. Der Kiebitz war damals ein häufiger Vogel. Die Alten interpretierten seinen Ruf mit »Komm mit«. Wer an das »Komm mit« denkt und dem Kiebitz zuhört, hört es anstatt der üblichen Umschreibung mit »Kiwitt«. Wen der Kiebitz in der Früh rief, war ein Kandidat für das nächste Gehen aus dem Leben. Ich fragte mal meinen Opa, ob das stimme. Er sagte, diesen Ruf habe schon jeder Mensch im Dorf gehört. Würde das stimmen, dürfte niemand mehr leben. Mehr war nicht erforderlich und ich konnte von da an die Kiebitze oder die Käuze mit ihren Rufen angstfrei genießen.

Bild der Woche

Ich machte mehrere Fotos an dem seltenen, da verschneiten Morgen; die Auswahl des Bildes für diese Woche fiel mir schwer. In die engste Wahl schaffte es ein Foto mit einem beruhigenden, meditativen Charakter sowie eine Wintergrafik. Das meditative Foto ist Monikas Favorit, das zweite reizt mich mit seiner Grafik und dem Unheimlichen oder dem Seltsamen darin.

Da ich mich nicht entscheiden will, küre ich beide Fotos zum Bild dieser Woche.

126: Stilles Feuer

Bild der Woche

Das Knistern eines Feuers und sein Lichtspiel faszinieren den Menschen. Eine in den Genen eingebrannte Erinnerung an das Feuer in der Hölle, welches Schutz und Wärme bot und mit Nahrung verknüpft war. Ein Lagerfeuer oder die Kindheitserinnerung an einen Ofen bei der Oma, in dem noch echtes Feuer brannte. Bei mir sind das unauslöschbare Bilder, wenn die Oma das Türchen öffnete und das Feuer die Küche in ein tanzendes Licht tauchte. Und bemerkten Oma oder Opa meine Augen, machten sie das »Elektrische« aus. Wahrlich unauslöschbare Bilder.

Bei der Abendtour auf dem Lechdamm mit Bono ging die Sonne gerade unter. Fasziniert von der Stille der Natur und der Klarheit des Himmels entsann ich mich meiner Kamera erst zum Ende der feurig-stillen Darbietung der Sonne hin. Kurz darauf erlosch das Feuer und andere Farben übernahmen die Gestaltung des Himmels. Es dauerte bis ich realisierte, dass auf uns an die fünf Kilometer Heimweg warten. Genussvolle Kilometer aber und ohne Lärm. Die wenigen Menschen, falls überhaupt, die ich zum Ende der Dämmerungswege treffe, geben sich meistens ebenfalls der Stimmung hin.

An diesem Abend war es so; die Begrüßung bestand aus einem beidseitigen Kopfnicken. Worte waren nicht erforderlich. Stilles Feuer, stille Natur, stiller Gruß. Und die Seelen freuten sich.

125: Erleuchtet und das Gegenteil

Bild der Woche

Ein alter Bekannter, dieser Solitärbaum. Mit dem 118. Bild der Woche machte ich das erste Dutzend Fotos mit diesem Baum voll. Ich will weitere Fotos machen, die sich von den bisherigen unterscheiden. Im Schnee, beim Sturm, in einer dunklen Nacht oder mit dem Mond. Beim Gewitter, am liebsten mit einem Blitz. Hier ist es die untergehende Sonne, die ich hinter einem Ast verbergen wollte. Das gelang mir nicht, und das war gut so, denn das Foto finde ich gelungen.

Als ich das Foto machte und über die Fotovarianten nachdachte, kam mir Morbus Trump in den Sinn. Trump lästerte in der vollen epischen Breite, die Twitter mit nun 280 Zeichen erlaubt, über den Klimawandel, da doch Nordamerika einen Kälteeinbruch erlebt. Der Unterschied zwischen Wetter und Klima übersteigt offensichtlich seinen geistigen Horizont.

Wie aber diesen Unterschied einem gefestigten Genie erklären, wofür sich Trump hält? Es ist bedenklich, wenn sich krankhafter Narzissmus mit Ahnungslosigkeit und Macht paaren, deren Atomknopf größer sei als der eines anderen. Morbus Trump an einer für die Menschen gefährlichen Position.

Ein ET, der die Menschheit beobachtet, sähe in Trump keine isolierte Erscheinung, sondern eine Wahl der Menschen. Es gelingt der Menschheit nicht, sich von der Verantwortung freizusprechen, Machthaber gewähren zu lassen. Und es gibt gegenwärtig nicht nur Trump, in der Vergangenheit gab es nicht nur Hitler. Der Homo sapiens ist eine Spezies, die noch an ihrer Erleuchtung arbeiten muss.

124: Heimwege und Würschtla

Bild der Woche

Fast alle meine Heimwege auf den Fußmärschen mit Bono führen am Südufer des Kuhsees vorbei – vorausgesetzt, dieser Ort ist nicht durch den Homo Grillus besetzt, was dem Wettergott sei Dank, im Winter nie der Fall ist. Nie der Fall war, denn Silvester 2017 entdeckte ich am Seeufer eine vierköpfige Familie, die an einem kleinen Feuer Würstchen – augsburgisch Würschtla – grillte. Eltern, die mit ihren Kindern Silvester am See feiern; das finde ich allerliebst. Mögen die Kreativität und die Liebe weiterhin mit euch sein.

Bild der Woche

Diese Entdeckung bedeutete eine Korrektur an Bonos Verhalten wenige Minuten zuvor. Als ich den Nordbereich des Sees fotografierte, kam Bono vor die Linse mit seinem sehnsuchtsvollen Blick Richtung Heimat mit seinem Futternapf. Die Korrektur bestand darin, dass er vermutlich die Würstchen roch, nicht nur vom fernen Futternapf träumte – siehe Beweisfoto.

Aber das teilte mir Bono nicht mit, obwohl es die Zeit zwischen den Jahren war. Oder ich verstehe ihn nicht. Also besteht hier ein kommunikativer Nachholbedarf.

123: Andersweltenaugenblicke

Bild der Woche

Auf den ersten Blick wirkt diese Landschaft unspektakulär. Das sanfte Rot der Bäume im Hintergrund fällt vielleicht auf, der Stein oder die beiden leeren Wege. Keine Action, nichts.

Doch gerade das ist es. Kein Mensch zu sehen oder zu hören, Augsburg ist weit, es ist früh und obendrein ein arbeitsfreier Tag. An die Zivilisation erinnern lediglich der Hektometerstein und die Wege. Es ist still. Nicht vollkommen lautlos, hin und wieder ruft ein Vogel, das dezente, monotone Wasserrauschen des Lechwehrs ist über einen Kilometer hinweg vernehmbar. Dieser akustische Hintergrund gehört hierhin; er begleitet die Stille und die meditative Landschaft.

Die Landschaft vor den Augen, das Rauschen des Wassers im Ohr, der weiche Boden des Damms unter den Füßen, die kühle, frische Luft in der Lunge. Die soliden Wanderschuhe erfordern keine Aufmerksamkeit der Unebenheiten wegen; der Tritt ist sicher, das Hirn kontrolliert das Gehen gewohnt stereotyp. Mein Hund marschiert schweigend kurz vor mir. Sein Körper beschreibt bei dem gleichmäßigen, federnden Gang auf dem Damm eine elegante Wellenlinie; er ist entspannt. Wir haben in all den Jahren unser gemeinsames Tempo gefunden.

Was meine Sinne wahrnehmen, ist ihnen bekannt. Im Kopf entsteht eine Stille. Es ist Meditation im Gehen; auch bei Bono, kommt es mir vor. Ich bleibe manchmal stehen, gebe mich der Stimmung hin. Bono kennt mich. Wenn ich unvermittelt und ohne Kommando stehen bleibe und regungslos die Landschaft betrachte, macht er es mir nach.

Diese Augenblicke der Stille erlebe ich oft in dem Niemandsland zwischen den menschlichen Ansiedlungen. Jetzt ist es die Zeit zwischen den Jahren. Verstärkt das die meditative Stimmung? An Silvester will ich wieder hierhin.

Auf dem Rückweg beginne ich die Hektometersteine bewusster wahrzunehmen. Ich kenne sie, ich weiß anhand jedes Steins und seiner unmittelbaren Umgebung, welche Zahlen auf der dammabgewandten Seite eingraviert sind. Es sind gerade Hektometersteine, also alle 200 Meter einer. Ein Kilometer noch und das Wehr beginnt für mich zu verstummen. Ein weiterer Kilometer und ich kann den Damm verlassen, wenn ich mich auf einer einsamen Waldlichtung ausruhen will. Oder noch ein weiterer Dammkilometer, falls die Zeit reicht und mich eine Runde um den See reizt.

Die Hektometersteine verbinden mich mit dieser Welt. Das dürfen sie, das will ich so haben; es ist eine stufenweise Rückkehr in den Alltag. Der Tag kann beginnen, er ist willkommen.

122: Menschliche und andere Geister

Bild der Woche

Eine Ausnahme zu Weihnachten wie vor einem Jahr bereits: eine Innenaufnahme. Damals waren es aber 300 LED-Lichter am Baum, jetzt sind es deutlich weniger, ein Baum fehlt.

Es ist ein Bild an der Wand meines Büros, welche den Hintergrund für Videos und Webinare bietet. Die Kerzen brennen nach Bedarf, also wenn es mir danach ist. Die Leuchte links ist ein Salzkristall, in welche ich die kleinste LED packte, die ich finden konnte (0,5 W). Das erlaubt mir, diese Lampe immer brennen zu lassen; mein privates ewiges Licht, wie es sonst in Kirchen zu finden ist, und was mich zu dem Bild bringt.

Im Laden hing das Bild um 180 ° gedreht herum, das goldene Element oben links befand sich unten recht. Dem Element nach sollte es so sein, denn es erinnert an ein Bogenfenster in einem sakralen Raum. Doch wirkten die hängenden Tropfen deplatziert. Was soll in einem Sakralraum herunterhängen, fragte ich mich. Die spontane Antwort: Fledermäuse oder ihre Geister. Ich mag Fledermäuse, mich fasziniert ihr lautloser Flug, wenn sie nahe vorbeifliegen. Fledermäuse in einem sakralen Raum wären daher für mich kein Widerspruch.

Dennoch hängte ich das Bild gedreht auf. Das goldene Element muss jetzt ein Schutzschild symbolisieren, doch die vorher hängenden Elemente stehen nun oder schweben über dem Boden. Und sie symbolisieren die Menschen oder ihre Seelen.

So betrachtet ist das Bild ein passendes Motiv für ein weihnachtliches Bild der Woche.

121: Zwei Lichtlein brennen

Bild der Woche

Ja, es brennen der Lichtlein zwei, und nein, ein Adventskranz ist es nicht aber auch kein Höllenhund. Es ist Bono, der sich partout nicht altersgemäß benehmen will und verspielt bleibt, wie ein junger Hund. Aber das ist schön so und passt außerdem zu seinem Umfeld.

Sobald der Rasen ein wenig Weiß aufweist, ob ihn der Frost mit einem Weiß verziert  oder der Schnee überdeckt: Bono pflügt durch den Rasen oder den Schnee mit dem Oberkörper am Boden, robbt seitwärts, wälzt sich, springt auf und wiederholt das Pflügen mit der anderen Körperseite. Denkbar zwar, dass dies eine Reinigung sein soll, glaubhaft ist das aber nicht. Es ist eher ein Spiel, welches er nur ungern beendet. Außer er nimmt Geräusche an seinem Futternapf wahr; dem räumt Bono eine höhere Priorität ein. So bedurfte es etwas Zeit, bis ich Bono zu einem stillen Augenblick überreden und ihn fotografieren konnte.

Die beiden Lichtlein haben Gemeinsamkeit mit dem Lichtlein des vergangenen Newsletters. Wie der Mond das Sonnenlicht spiegelt, spiegeln Bonos Augen das einfallende Licht. Sie spiegeln ein künstliches Licht, doch das ist nur auf den ersten Blick so. Denn alles auf diesem Foto ist der Sonne zu verdanken.

120: Advent, Advent, ein Lichtlein brennt

Bild der Woche

Ein Lichtlein brennt? Es brennen der Lichtlein vier; eines davon auffällig hell, insofern erlaube ich mir die Überschrift mit einem Lichtlein nur. Die drei anderen Lichtlein sind künstlicher Natur, nur das hellste in der Mitte ist ein natürliches Licht. Wobei bei Lichte betrachtet: Die Quelle aller Lichtlein ist die Sonne.

Der Lichtkreis in der Mitte reflektiert das Sonnenlicht, die drei kleineren verwerten das Sonnenlicht auf indirekten Wegen: Das Sonnenlicht strahlt auf die Erde, liefert Energie, ermöglicht das Leben, das Leben vergeht, nach Millionen von Jahren wird es in Kohle oder Öl umgewandelt, von dem Menschen gefördert und nach seinem Gusto verwertet. Auf diesen Umwegen gewinnt der Mensch Energie; eine Energie, die die Sonne weiterhin gratis liefert. Diese Energie kann der Mensch unvergleichlich effizienter und nachhaltiger nutzen – wenn er es nur wollte. Will er aber nicht so recht, er sägt lieber an seinem Ast. Und wenn er fällt, dann schreit er.

Das natürliche Lichtlein ist der Mond, der nicht selbst leuchtet, sondern das Sonnenlicht reflektiert, genauso wie die Planeten ihr Leuchten meistern.

119: Solitär in Gold

Bild der Woche

Im letzten Bild der Woche war im Hintergrund mein Lieblingsbaum der letzten Jahre zu sehen. Es war ein Baum in Blau aufgenommen vor dem Sonnenaufgang. Das aktuelle Foto zeigt wieder diesen Solitärbaum. Das Dunkelblau der vergehenden Nacht wich dem Gold der gerade aufgegangenen Sonne. Ein Solitärbaum in Gold.

Somit gibt es ein volles Dutzend Bilder der Woche mit diesem Baum. Vielleicht gehe ich doch noch mit einem Stativ zu ihm, da es noch keine Aufnahme vor dem Sternenhimmel gibt. Oder mit dem Mond in der Nacht, im Gewitter mit einem Blitz, bei starkem Sturm, im Schnee …

Nun reizt mich eine Recherche nach der Geschichte dieses Baumes. Von Menschenhand gepflanzt oder war es die Natur allein? Gab es eine Kapelle neben ihm, gibt es Geschichten über ihn? Ich hoffe, dass er noch lange leben darf.

118: Sie können kommen

Bild der Woche

Sie können kommen – der Tag und der Winter. Die Schläfrigkeit vorbei, die Lunge gelüftet und gefüllt, der Kopf befreit und mit Ideen spielend. Die kalte Luft des Morgens, die Stille, nur durch einen Kauzruf unterbrochen. Zunächst die Sterne des Himmels, dann sein Morgenrot.

Um den Zauber und die Kraft dieser Morgenstimmung zu erleben, muss nicht selten der innere Schweinehund überwunden werden. Aber wie? Ich will nicht angeben, ich sei ein starker Mensch, der seinen inneren Schweinehund immer im Griff hat. Es reicht ein Hund außen, ein realer Hund; kein innerer Hund hat eine Chance, die Oberhand zu behalten.

An diesem Tag betrachtete ich wieder meinen Lieblingsbaum. Lieblingsbäume hatte ich als Kind bereits. An jedem meiner Wohnorte, und es waren derer viele, hatte ich »meinen« Baum. Es waren selten große Bäume, es waren Bäume mit Charakter oder einer Ausstrahlung, die mich faszinierten. Der Solitärbaum im Hintergrund dieses Fotos ist seit Jahren mein aktueller Lieblingsbaum.

Korrekt betrachtet ist es eine Baumgruppe. Doch nach dem Sturm im Oktober 2014, der einen Baum fällte, ist nur der Hauptbaum geblieben und die Sträucher um ihn herum. Bei dem Sturm handelte es sich um die Reste des Hurrikans Gonzalo, die noch in Europa für Schäden sorgten. Die Globalisierung ist keine menschliche Erfindung, es ist der Normalzustand der Natur.

Eine Rangfolge meiner Lieblingsbäume habe ich nicht, sie waren und sind alle eine Quelle der Ruhe, Entspannung und Kraft für mich. Dieser Baum aber ist der am häufigsten fotografierte. In die bisherigen 118 Bilder der Woche gelangte er bereits 11 Mal (für die Neugierigen: 016, 019, 038, 040, 042, 046, 047, 058, 071, 105, 118).

117: Im Zentrum nebliger Klarheiten (mit Erinnerungen an die Kindheit)

Bild der Woche

Erneut ein Paradoxon im Titel des Bildes wie im 111. Bild der Woche, welches unweit des aktuellen Bildes der Woche entstand, in dem Klarheit und Nebel im Widerspruch zu stehen scheinen. Dieser Widerspruch löst sich auf, wenn der Blick nach oben zu dem klaren Himmel wandelt und vor allem, wenn die Lunge die vollen Züge der frischen Luft einatmet.

Das bewusste, volle Einatmen bis die Lunge maximal gefüllt ist, das kurze Anhalten und erst dann ein langsames Ausatmen. Der Kopf wird klarer, der Körper wahrnehmbarer, das Gehen macht noch mehr Freude. Es ist eine Sucht; eine Sucht allerdings, der ich gerne nachgebe.

Ähnliche Nebelszenerie gab es im 66. Bild der Woche, in dem sich Feen im Nebel verhüllten. Im aktuellen Bild ist es ein Radfahrer, den ich auf dem Kiesweg fahren hörte, bevor er aus dem Nabel auftauchend eine Gestalt annahm (links im Bild).

Im Nebel erinnere ich mich an meine frühe Kindheit, in der ich noch nicht begriff, warum der Nebel nicht bei mir ist, sondern immer von mir weggeht. Denn ging ich weiter, schien er vor mir weg- und hinter mir herzulaufen. Immer befand ich mich im Zentrum des Nebels. Und sehe ich bei dieser Erinnerung Bäume, kommt noch ein weiteres Naturrätsel dieser Zeit in den Sinn. Als ich das erste Mal von Sandstürmen in der Wüste hörte, hegte ich den Verdacht, dass mir die Großen Märchen auftischen. Wie soll es in der Wüste Wind geben, wenn es dort keine Bäume gibt, die den Wind machen könnten?

Die Ursache-Wirkung-Beziehungen waren mir da noch nicht bewusst. Heute sind sie schon – und doch wieder nicht, oder nicht immer. Zu viele Zufälle gibt es, die im Nachhinein einen Grund und Sinn offenbaren. Und Ursache und Wirkung sind nicht immer eindeutig identifizierbar, weil sie auf eine dem Verstand unbegreifliche Art und Weise wechselseitig zusammenhängen. Die Schamanen wussten darum, C. G. Jung nannte das Synchronizitäten.

116: Authentisches Falschgold

Bild der Woche

Der Individualismus der Birken am Lechdamm entlang fiel mir schon vor Jahren auf; sie scheinen ihren eigenen Laubrhythmus zu haben. Manche Birken verlieren ihre Blätter im Spätsommer, andere wollen sich von ihren Blättern nicht trennen und behalten einiges davon bis in den Winter hinein. Die Birken auf dem Foto hängen an ihren Blättern, wodurch die Blätter an den Birken hängen bleiben, wenn die anderen Bäume bereits bar ihres Laubes stehen.

Das rotgoldene Leuchten hat seine Quelle im Licht der noch tief stehenden Morgensonne, ihr Licht erreichte erst die oberen Etagen der Bäume. Das untere dunkle Grün gehört den Nadelbäumen, die andere Gepflogenheiten bezüglich ihrer Kleidung haben.

Das Rotgold ist ein falsches Rotgold, da es kein Birkengold, sondern das Gold der Sonne ist. Erkennbar ist das auch an den Birkenstämmen, die ebenfalls golden leuchten, obwohl sie weiß sind.

Dennoch ist dieses Falschgold ein authentisches Gold: Es ist das Licht der Sonne. Die Sonne ist ein Stern, sie erzeugt ihr Licht selbst, es ist ein authentisches Licht. Die Bäume reflektieren das Sonnenlicht nur, ebenso wie der Mond und die Planeten, auch die Venus und der Mars, die ich zu Beginn meines Weges am Osthimmel ausmachen konnte.

Wer diesen Gedanken konsequent weiterführt, erkennt eine fundamentalere Authentizität des Sonnenlichts. Ohne ihn gäbe es kein Falschgold, keine Bäume, kein Leben. Nicht einmal die Erde gäbe es.

115: Des Schwans Mysterium und des Hundes Neurosen oder Neurosen über die Spezies hinweg

Bild der Woche

[…] Die Partnerin, also der weibliche Schwan oder politisch korrekt aber nicht Duden-konform Schwänin, schien den Schwan nicht wahrzunehmen. Sie unterbrach ihr ruhiges, kaum bemerkbares Gleiten auf dem Wasser nicht, sie sah ihn nicht an.

[…] Ich fragte ihn mehrmals nach den Gründen seines eigenartigen Verhaltens. Er antwortet nie, also muss ich damit leben. Jedem Tierchen sein Pläsierchen oder seine Neurose. Menschen nicht ausgeschlossen. Bonos Verhalten könnte eine Eichhörnchen-Inkarnation erklären, die er in einer Nacht mit dem Ertrinken im tiefen Wasser beendete. Ich frage ihn lieber nicht danach, er macht sonst auf keinen Vogel, sondern zeigt mir einen.

Zum vollständigen Text im Seelengeflüster …

114: Der Reichtum des schwindenden Goldes und der sterbenden Sterne

Bild der Woche

Schwinden und Reichtum scheinen einander zu widersprechen. Das Gold und der Reichtum dieses Bildes stehen jedoch in keinem Widerspruch.

Im Schwinden begriffen ist das Gold des goldenen Oktobers. Einige Tage nur, und dieses Gold gehört der Geschichte an. Aber nur der Geschichte dieses Jahres, denn nächstes Jahr ist es wieder da. Im nächsten und übernächsten Jahr und so fort.

Es ist ein wiederkehrender Reichtum des Goldes, es ist ein nachhaltiges Gold.

Der Sprung zu den sterbenden Sternen ist leicht. Bestimmten sterbenden Sternen verdanken wir nämlich sowohl das Gold des Oktobers als auch das Metall Gold.

Die alten Alchemisten versuchten sich in der Verwandlung unedler Materialien in Gold. Sie scheiterten. Sie mussten scheitern, sie wussten nur nicht warum. Das Metall Gold kann nur unter Druck und Temperaturen entstehen, die weit jenseits der Möglichkeiten des Menschen und seiner Technik liegen.

Sterne mit mehrfacher Sonnenmasse sterben in spektakulären Explosionen, die über große Teile des Weltalls hinweg beobachtet werden können. Es sind die Supernovae, die »neuen Sterne«, wie sie unsere Altvorderen nannten, da ihnen der Ursprung dieser plötzlich aufleuchtenden Sterne nicht bekannt war. Bei diesen oder noch stärkeren Explosionen herrschen Druck und Temperaturen, die erst die Synthese von Elementen schwerer als Eisen ermöglichen. Gold gehört dazu.

Alles Gold, nicht nur der Erde, entstand also in den Supernova-Explosionen. Das Gold der Erde ist in Supernovae entstanden, die vor Milliarden von Jahren explodiert sind. Dieses Gold und viele weitere Elemente wurden im Weltraum verteilt und an manchen Orten soweit verdichtet, dass sich daraus neue Sterne und Planeten bilden konnten.

So haben wir nicht nur das Gold den sterbenden Sternen zu verdanken, sondern auch die jüngeren Sonnen mit ihren Planeten. Auch die Erde. Letztendlich auch uns – wir sind aus dem Staub entstanden, der in Sternenexplosionen gebildet wurde.

Anders ausgedrückt: Wir sind Sternenkinder aus Sternenlicht. Die Bibel ist in diesem Fall völlig unromantisch und sagt lediglich, wir seien aus dem Staub entstanden.

Zum Text »Wir sind Sternenkinder aus Sternenlicht« …

113: Ausklang mit Anklängen

Bild der Woche

Den späten Rundgang um den See herum beendet. Der Tag klang aus, es brachen die letzten Lichtminuten des Tages an. Die Stille der Natur lud ein, eine Bank anzusteuern, um mich dem Restlicht des Tages und der anbrechenden Nacht hinzugeben.

Doch nahm zuerst nicht ich Platz auf der Bank. Ich hoffte, dass ich mit der Technik von dieser Atmosphäre ein wenig einfangen kann. Da ich freihändig die Fotos der längeren Belichtungszeit wegen hoffnungslos verwackelt hätte, platzierte ich eben zuerst die Kamera auf der Bank.

Bono (mein Hund) gab sich ebenfalls der Stimmung hin, da er es sich neben der Bank bequem machte. Ich widmete mich dem Himmel. Im Süden konnte ich die drei Sterne des Sommerdreiecks ausmachen, die sich im Hochsommer erst um Mitternacht herum im Süden befinden. Eine Sternkarte zum Auffinden und etwas Text zu dem Sommerdreieck: Der Zauber der Sommernächte …

Sehe ich mir das Sommerdreieck bei einem dunklen Himmel an, was am Westufer des Sees glücklicherweise der Fall ist, kommt das göttliche Krafttier Delfin in den Sinn und auch licht-physikalisch in die Augen. Es ist das Sternbild Delfin, eines der kleinsten Sternbilder. Man erkennt darin den springenden Delfin mit Leichtigkeit, einen dunklen Himmel vorausgesetzt. Auch dazu etwas mehr in »Der Zauber der Sommernächte«.

Wenn ich die Wega, den hellsten Stern des Sternbilds Leier und gleichzeitig des Sommerdreiecks betrachte, klingt seit einigen Jahren noch etwas anderes an. In dem Film »Contact« senden die Außerirdischen ihre Signale aus dem Gebiet um den Stern Wega zu uns. So stelle ich mir die Frage, warum wir noch keinen Kontakt mit den ETs haben (das Fermi-Paradoxon). Oder warum sie uns nicht kontaktierten.

Auf diese Frage gehe ich in einem gesonderten Beitrag ein. Das Rohmanuskript existiert bereits, ich kann mich aber noch nicht entscheiden, wo ich den Text publizieren will.

Da der Sommer vorüber ist, beherrschen die Herbststernbilder den Osthimmel am Abend. Hier kann man mit dem bloßen Auge die Andromedagalaxie ausmachen. Das Licht, welches dann in die Augen fällt, war 2,5 Millionen Jahre unterwegs, was bedeutet, dass die Andromedagalaxie 2,5 Millionen Lichtjahre von unserer Milchstraße entfernt ist. Als Andromeda das Licht erzeugte, welches uns jetzt in die Augen fällt, begannen unsere Vorfahren, Homo rudolfensis, mit dem Bau der ersten Werkzeuge (nach dem heutigen Wissensstand). Die ersten Werkzeuge unseres Planeten haben nicht wir erfunden und benutzt. Das Tierreich kam uns Millionen Jahre zuvor.

Es fasziniert noch mehr an diesem schwachen Nebelfleck. Erstens beginnen sich in gut 4 Milliarden Jahren die Andromeda und die Milchstraße zu vereinen. Bis diese Vereinigung, die in einem kosmischen Tanz erfolgt, vollzogen ist, vergehen weitere dem menschlichen Verstand kaum erschließbare Zeiträume. Zweitens frage ich mich, wie viele Wesen der Andromedagalaxie unsere Milchstraße betrachten und sich ebenfalls fragen, wie viele Wesen in der anderen Galaxie leben und sie gerade betrachten. Und drittens ist die Andromeda das erste Himmelsobjekt, bei dem nachgewiesen wurde, dass es sich außerhalb unserer Milchstraße befindet. Das Weltall wuchs. Der Nachweis gelang dem Astronomen Edwin Hubble, dem zu Ehren das Hubble-Weltraumteleskop seinen Namen trägt.

Nachdem mich diese Anklänge an die fernen Welten sowie das Wasser der Delfine aufwühlten und sich anschließend beruhigten, wollte ich mich dem Tagesausklang hingeben. Der überließ aber der Nacht die Regentschaft über den Himmel. Und da meldete sich der Magen, dem ein kleines Häppchen in gut einem Kilometer wichtiger war, als die ETs in 2,5 Millionen Lichtjahren.

Ich gab ihm nach, denn würde ich es nicht tun, kann der restliche Körper, also auch das Hirn, nicht in diese Fernen schweifen.

112: Herbstharmonie

Bild der Woche

Die Wolken kündigen den Regen an, die Temperaturen den Spätherbst und den Winter. Der Wind frischt auf, es könnte ungemütlich werden. Trotz dieser Ungemütlichkeiten machte sich Wärme, Behaglichkeit, Heimeligkeit sogar breit. Es war ein herrlicher Anblick und ein herrliches Gefühl.

Es dauerte, bis ich mich meiner Kamera erinnerte und dieses Bild aufnahm. Sogar das Bild strahlt eine Harmonie aus mit der gedämpften Herbstfärbung der Bäume und dem Wasser oben in den Wolken wie unten im See.

111: Ein Paradoxon: Abschied und Alleinsein und Frohsinn

Bild der Woche

Ich bin immer wieder gerne allein, wozu die Abwesenheit aller Störfaktoren gehört. In diesen Momenten sind das neben den Menschen vor allem ihre Lieblingsspielzeuge, mit denen sie sich ihrer Zeit und Konzentrationsfähigkeit berauben. Diesen Umstand verdrängen sie. Sie nennen ihre Spielzeuge klug, schlau, smart – eben Smartphone.

Ich bin kein Misanthrop. Die kurzen Momente der Ruhe ohne Anspannung oder Hintergedanken, was auf der Welt geschieht, das sind Glücksmomente. Sie bereiten für den Tag oder für seinen Ausklang vor, sie geben Kraft, sie liefern Ideen.

Ich bin auch nicht technikfeindlich. Ich mag sie, ich hinterfrage nur, denn alles, was wir Menschen erfanden und was wir tun, unterliegt der Polarität. Sogar die Liebe ist das; sie sogar besonders. Nur die Agape nicht, doch das ist die göttliche Form der Liebe, die in dem oberen Erleuchtungs-Minütchen mitschwingt.

Dieses Bild ist beinahe zwei Wochen alt, es passt aber noch zu der Stimmung in der Natur. Auf diesem Weg bin ich allein; menschenallein, denn mein Hund ist dabei. Einsam bin ich aber nicht, denn körperlich kehre ich zu den Menschen wieder zurück, geistig sind sie immer dabei. In diesen Momenten allerdings als Freude auf das Wiedersehen mit einigen von ihnen und als Ideenlieferanten für das Schreiben.

Allein, aber nicht einsam.

Der Abschied gilt dem Sommer. Ich nahm an diesem Tag mehrere Bäume in den Herbstfarben wahr, die Morgennebel waren bereits die Regel. Es war eindeutig der Abschied vom Sommer. Ein bekannter Abschied und ein freudiger. Der Sommer kommt wieder, doch zunächst folgen Herbst und Winter mit ihren schönen Seiten. Auch mit den anderen, doch das gilt für alle Jahreszeiten. Polaritäten eben, wie bei den Menschen und ihrer Technik.

Abschied, aber keine Trauer.

Allein, aber nicht einsam, Abschied, aber keine Trauer, sondern Frohsinn. Der scheinbare Widerspruch des Paradoxons offenbart seine logische und emotionale Korrektheit.

110: Naturspiegel

Bild der Woche

Passt das Wetter, setze ich mich am Ende meiner Seerunden gerne wenige Minuten hin und entspanne dabei. Vorher lasse ich Bono das Seewasser trinken, er liebt es über die Maßen. Diesmal entspannte ich bei einem Blick auf die durch die Abendsonne gefärbten Wolken. Einen indirekten Blick, da nicht auf den Himmel, sondern in den Seespiegel.

Das Foto ist also kein Ausrichtungsfehler. Erkennbar ist das an dem unteren Uferstreifen sowie der leichten Kräuselung der Baumkronen in dem natürlichen Spiegel des Seewassers.
Mit dem 104. Bild der Woche nutzte ich ebenfalls den Seespiegel. Da allerdings, um einen befremdlichen Himmel vorzugaukeln.

109: Lichtvolle Ost-West-Anleihen

Bild der Woche

Es ist der Westhimmel, der eine Abendstimmung suggeriert. Doch nicht am Abend, sondern in der Früh beim Sonnenaufgang nahm ich dieses Foto auf. Die aufgehende Sonne lieh ihr Licht dem Westen.

Am Abend kehrt sich das Spiel um, wenn der Himmel nur teilweise bewölkt ist. Die untergehende Sonne leiht ihr Licht dem Osthimmel. Eine lichtvolle und wechselnde Ost-West-Anleihe.

108: Klarheit oder die Musen sind gewogen

Bild der Woche

Die Göttinnen, in diesem Fall die Musen, sind gewogen und sorgen für eine innere Klarheit. Oder tragen zumindest dazu bei, denn das von den Göttern allein zu erwarten, führte noch nie zur Klarheit oder der Erfüllung sonstiger Wünsche. Primär trugen zur Klarheit die Bewegung in der kühlen, frischen Morgenluft bei. Die Musen, Göttinnen oder der Himmel helfen mit oder wie es meine Oma sagte: »Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott«.

Ich beziehe mich auf »Die Göttinnen«, das vorletzte Bild der Woche. Beide Bilder machte ich vom fast gleichen Platz aus. So sind am linken Rand dieses Bildes die Bäume im rechten Teil des Göttinnen-Fotos zu erkennen.

107: Ausguck

Bild der Woche

Zu den Nachbarn dieses Baumes mit einer reichen Lebenserfahrung gehört der ebenfalls betagte »Lichtbaum« aus dem 91. Bild der Woche. Darin sinnierte ich über eine Verbindung zwischen den intelligenten Krähen und dem erleuchteten Baum.

Hier beweisen die Krähen ihre Intelligenz, indem sie auf ihrem Ausguck eine Rundumüberwachung einrichten, anstatt gemeinsam in eine Richtung zu starren.

106: Die Göttinnen

Bild der Woche

Zwei Göttinen scheinen auf diesem Bild auf eine dritte Gottheit hernieder. Unübersehbar ist es Eos, die Göttin der Morgenröte. Wer genauer hinsieht, findet die zweite Göttin. Es ist Venus, die Göttin der Liebe, die dem Planeten Venus ihren Namen gab. Die Venus ist an der Grenze zwischen der Morgenröte und dem Blau des Himmels in der rechten Bildhälfte wahrnehmbar. Die beschienene Gottheit schließlich ist Gaia, also unsere Erde.

Diese drei Göttinnen fielen mir zuerst ein. Mein tierischer Begleiter erinnerte mich an weitere Gottheiten wie Diana, die Jagdgöttin. Auf der Jagd waren wir aber nicht, es war der übliche Morgenspaziergang, um die Musen, die Göttinnen der Künste, für den anbrechenden Tag gewogen zu stimmen.

105: Er schwächelt

Bild der Woche

Nein, nicht der Baum; der Sommer ist es, der schwächelt. Das Auge nimmt das am verschwundenen Getreide wahr, am Gelbbraun des gepflügten Feldes. Am gedämpften Grün der Bäume, an den gedämpften Farben des Himmels. An den häufigeren Nebelfäden.

Die Ohren vernehmen die selten gewordenen Vogelstimmen. In diesen Stimmen hört es bereits die Solisten, z. B. die Meisen, des Herbstes und des Winters heraus. Noch begleiten sie den Sommerklang, teilweise sind es bereits Soloauftritte.

Vor allem jedoch macht sich die Schwäche des Sommers an der Dämmerung oder der Dunkelheit am Beginn der Morgenausflüge in der Natur bemerkbar. Die wohltuende Morgenfrische zerstreut die letzten Zweifel an dem Abschied des Sommers.

Dieses Bild des schwächelnden Sommers machte ich am Ende einer der Sommerabschiedstouren. Zu Beginn leuchteten neben dem Mond und der Venus noch einige Sterne. Es waren die hellsten Sterne Orions, des markanten Wintersternbildes.

Auflösung zum letzten Bild der Woche »Ein befremdlicher Himmel«

Ich gestehe. Das Wort dazu suggerierte einen Himmelsblick durch hohes Gras. Das Gras stimmt, der Himmel allerdings nur indirekt. Es ist die Spiegelung des Himmels im Seewasser. Ich nahm das Bild von einem Blickwinkel auf, mit dem ich einen direkten Himmelsanblick vortäuschen konnte.

104: Ein befremdlicher Himmel

Bild der Woche

Wer dem Himmel seine Aufmerksamkeit schenkt, wird selten vom Wetter überrascht. Auch ist der Himmel eine immerwährende Emotions- und Inspirationsquelle.

Der Himmel dieses Bildes der Woche wirkt hinter dem hohen Gras eigentümlich. Schon charakteristisch, aber auch befremdlich. Oder beängstigend, wenn die Bedeutung dieser Wolken unbekannt ist.

Worauf deutet dieser Himmel hin, was kündigt er an?
Die Auflösung wieder im nächsten Newsletter.

103: Meine Heiligenscheine

Bild der Woche

Meine Heiligenscheine nehme ich auf den morgendlichen Streifzügen durch die Natur oft wahr. Allmählich gewöhnte ich mich an meine Heiligkeit. Da aber Bescheidenheit eine Zier respektive Tugend sein soll und ich weder einer bodenfreien Spiritualität noch einer institutionalisierten Gläubigkeit anhänge und auch nicht unter Morbus Trump leide, stelle ich klar:

Es ist kein Heiligenschein, auch wenn es ein physikalisches Phänomen ist, welches zu den Geschichten über Heiligenscheine mitbeigetragen haben könnte. Einem Menschen, der in Unkenntnis der Optik unter dem allgegenwärtigen Einfluss der Kirche stand, könnte diese Erklärung in den Sinn kommen. Es war wohl besser für ihn, dieses für sich zu behalten. Aus dem Heiligenschein konnte nur zu leicht Blasphemie werden und aus ihr ein lodernder Schein eines lebensfinalen Feuers.

Sicherheitshalber dennoch eine physikalisch-optische Erklärung; offizielle Inquisitoren wirken im Vatikan immer noch. Dieses Phänomen entsteht, wenn ein Schatten auf einen bestimmten feuchten oder nassen Hintergrund fällt. Hier ist es die taubedeckte Morgenwiese. Wäre ich heilig, müsste es auch Bono sein, dessen Heiligenschein mir gut bekannt ist. Bitte nicht an den U2-Sänger denken, den einige Menschen für heilig halten könnten. Mein Bono ist ein Labrador, der sich nicht heilig, sondern nichtaltersgemäß benimmt: Immer noch verspielt wie ein Junghund trotz seiner 8,5 Jahre.

In dem kleinen, eingefügten Bild ist mein Heiligenschein aus dem Frühjahr 2013. Damals musste eine Handy-Kamera reichen. Dennoch ist der alte Heiligenschein auffälliger. Das liegt nicht an meiner größeren Heiligkeit anno dazumal. Es ist der dunkle Feldhintergrund, der den Heiligenschein auffälliger werden lässt.

Auflösung zum letzten Bild der Woche »Vollmond? Sonne?«

Es war die tief stehende Morgensonne hinter einem dichten Nebel. Der Nebel vor der Sonne war an dieser Stelle besonders dicht, da ich am Westufer eines Sees stand. Mit seinem warmen Wasser erzeugte er in der kalten Morgenluft weitere Nebelschwaden, die Sonne kam durch diese Nebelwand nur schwach hindurch. Und die nebelgehüllten Bäume komplettierten den Anblick, der an eine Vollmondnacht denken ließ.

102: Vollmond? Sonne?

Bild der Woche

Ich bin zu eher unüblichen Zeiten unterwegs, da ich diese Zeiten nicht nur für die Sauerstoffanreicherung nutze, sondern auch für eine innere Stille, in der recht häufig Schreibideen auftauchen. So gehört auch ein kleiner Notizblock zum Festhalten der Ideen zu meinem Equipment. Das erklärt die ungewöhnlichen Zeiten, zu denen ich möglichst wenig Menschen begegne.

Dieser Hintergrund macht die Frage zu diesem Bild der Woche spannend:
Ist das der Vollmond oder die Sonne? (Auflösung im nächsten Newsletter).

101: Reminiszenzen an William Turner

Bild der Woche

Früher Morgen, diesiger Himmel, ein wenig Nebel – und schon erinnert die Szenerie an William Turner. Nach der fotografischen Aufnahme nahm ich dieses Bild in mich auf. Es tat gut, der Tag konnte kommen.

Mein tierischer Begleiter kennt mich gut. Wenn ich zur Kamera greife, setzt er sich hin und wartet ab, bis ich sie wieder verstaue, um sofort den Marsch fortzusetzen. Nicht so nach dieser Aufnahme; ich kann aber nicht sagen, woran er erkannte, dass ich die Landschaft weiterhin betrachten will. Es stimmt wohl, was ein Hundetrainer sagte: »Dein Hund beobachtet dich den ganzen Tag. Der kennt dich besser, als du dir das vorstellen kannst.«

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© Fotos und Texte: Jan Schneider

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