Foto-Blog: Bilder der Woche und »Ein Wort dazu«

Im Foto-Blog bringe ich die Bilder der Woche mit »Ein Wort dazu«.


323: An die Hunde: Streiten oder lachen?

Bild der Woche

Die Aufnahme machte ich mit einem Teleobjektiv in einem tiefen, dunklen Wald, wobei ich betonen will, es handelt sich nicht um Augsburger Wälder. In diesem tiefen, dunklen und fernen Wald, verirren sich offenbar Hunde mit ihren frei herumstreunenden Menschlein. Da ich nicht liquidiert werden wollte, beeilte ich mit der Aufnahme, was ihre herabgesetzte Qualität erklärt.

Die Formulierung finde ich zu köstlich; hier nochmals als Text inklusive der Formatierung:

Hunde!!!
Bitte an die Leine!!!
Wildernde und frei
herumstreunende Tiere
werden liquidiert.

Das ist eindeutig an die Hunde gerichtet. Und nur an die Hunde, denn wie sonst soll ich die drei Ausrufezeichen nach der Anrede interpretieren.

Die Bitte »an die Leine« ließe sich ebenfalls als ein Appell an die Hunde interpretieren, die anderen oder sich selbst an die Leine zu legen.

Zu Spekulationen lädt die Unterstreichung des Wortes Tiere ein. Werden nur Tiere liquidiert und keine Menschen? Das wäre allerdings eindeutig ein Speziesismus [*]. Menschen sind auch Tiere und die anderen eben nicht menschliche Tiere.
Und dann »liquidiert«. Welch martialische, welch barbarische Sprache. Von Political Correctness ganz zu schweigen.

Das Foto löste unterschiedliche Reaktionen aus, wobei jemand nach dem Motto »Ich habe recht« streiten wollte. Daraus wurde nichts; zum Streit gehören nun mal mindestens zwei (s. auch nächster Newsletter-Beitrag).

Also doch lieber über diese Prosa lachen, statt zu streiten.

[*] Mensch, Tier, Pflanze, Seele, Bewusstsein, Speziesismus

322: Das. ist. lieb. Oder auch nicht.

Bild der Woche

Das Foto kann jemand lieb finden, schließlich präsentiert es ein Herzchen. Beim Anblick dieser Kartoffel fiel mir der Titel ein. Sorry Kartoffel; aber immerhin bist du zum Bild der Woche geworden, bevor du den Weg zum Dampfgarer nahmst.

Man darf der diversen Herzchen überdrüssig sein, die in unzähligen Varianten Social Media bevölkern. Bevor mir jemand vorwirft, ich würde mich hinter einem man verbergen – ja, ich finde diese Herzchen selten nur noch reizvoll. Sie reizen eher. Noch mehr reizen die unzähligen Werbeslogans aus wenigen Worten bestehend, die einen Satz bilden sollen, jedoch allesamt mit einem Punkt beenden werden: »Das. ist. eine. coole. Werbung«. Das erinnert mich an eine bebilderte Tageszeitung, die jedes Titelchen mit einem Ausrufezeichen krönen muss.

Doch scheinen vielen diese Herzchen und Punkteflutwerbeslogans zu gefallen. Die Punkteflutwerbeslogans werden weiterhin kreiert, falls man dieses Verb für diese intellektuelle Leistung benutzen darf. Herzchenbildchen sorgen weiterhin für Likes, ein gewisser Scholz punktet mit seinem fotogenen Stolz und einer alternativlosen Raute. Oder schmückt sich mit einer fremden Raute?

Bevor diese Anmerkung zu politischen Spekulationen einlädt, stelle ich ausdrücklich fest: »Ich. bin. apolitisch.« Oder auch nicht. Und der rote Hintergrund ist vollkommen zufällig. Oder auch nicht.

321: Es möge so ewig bleiben mit Gaia und Homo sapiens?

Bild der Woche

Es möge ewig so bleiben in der Natur und mit Gaia. Der Sommer, der Frühling, es gibt auch Menschen, die sich das vom Herbst wünschen oder vom Winter. Hätte die Natur ein Ohr für solche Wünsche, wäre sie suizidal. Das ist sie nicht, sie sorgt für das Leben, nicht für den Tod. Sofern der Mensch nicht gegen sie arbeitet.

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320: Unglücksbote

Bild der Woche

Rabenvögel sind intelligent, manche von ihnen gebrauchen Werkzeuge. Sie sind treu, leben monogam und sind fürsorgliche Eltern. Für die Indianer oder die Kelten waren es heilige Botenvögel, allerdings keine simplen Unglücksboten. Man beachte die Raben des Odin. Im alten Japan waren sie Götterboten, in Persien gehörten sie dem Gott des Lichts.

Manchen Altvorderen hingegen waren sie laut, krächzend und grausam. Davon zeugt auch das Sternbild Rabe, welches am besten im Frühjahr am Südhimmel zu sehen ist. Scheinbar eine Ehre, von den Göttern an den Himmel gesetzt zu werden.

Doch sitzt dieser Vogel am Himmel zur Strafe für sein Benehmen Apollon gegenüber. Er belog Apollon, wodurch dieser den bis dahin weißen Raben schwarz färbte und ihm seine Stimme raubte. So kann der Rabe nur noch krächzen. Ein pechschwarzer Pechrabe eben.

Zu dieser Mythologie gehören die benachbarten Sternbilder Becher und Wasserschlange, die bei der Episode mit Apollon eine Rolle spielen.

Ob Raben oder Krähen, sie hatten und haben es schwer. Unglücksboten, Todesboten, Raubvögel oder euphemistisch Kulturschädlinge, die andere Tiere reißen, angeblich sogar Schafe. Rabenmutter, Rabenvater. Begleiter der Hexen oder anderer zwielichtiger Gestalten. Laut krächzend nicht singend, obwohl sie doch Singvögel sind. Das unheilvolle Schwarz.

Diese positiven Eigenschaften wollen nicht alle Menschen wahrhaben. Sie sehen in ihnen lieber die schwarzen Gestalten des Bösen. Das allerdings sagt etwas über die Menschen aus, weniger über diese Vögel.

319: Anfang, Zauber, Ende

Bild der Woche

Der Titel könnte suggerieren, den Zauber gäbe es nur zwischen dem Anfang und dem Ende. Hermann Hesse meint in seinem Gedicht »Stufen«:
»Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.«

Das Zitat hingegen »Und jedem Ende wohnt ein Anfang inne« entstammt einer anderen Quelle. Das jedoch ist jetzt nicht relevant.

Hesse lobt den Anfang, womit er manchem die Angst vor einem Neubeginn nehmen kann. Und dem Ende, welchem der Anfang innewohnt, wohnt somit ebenfalls ein Zauber inne.

Das Bild entstand an dem Wendepunkt der Jahreszeiten. Der Sommer endet, der Herbst beginnt. Der Zauber dieses Wechsels, sowohl des Endes als auch des Anfangs ist offensichtlich, betrachtet man das Bild.

Und wieder die Zitate. Dem Ende und dem Anfang wohnt hier ein Zauber inne. Missmutige Menschen könnten dagegenhalten, das sei nur Zufall, der Wechsel können auch anders aussehen, der Herbst biete nur Nebel, Regen und Kälte, der Sommer sei eben vorbei. Obendrein war es kein Sommer, da zu kalt und zu feucht, dem Herbst folge ein Winter, der wieder mal keiner wird, da er gewohnheitsgemäß keinen Schnee mitbringe, man brauche den Winter ohnehin nicht …

Wer keinen Zauber will, der sieht auch keinen. Der sieht ihn nicht am Anfang, nicht am Ende und nicht dazwischen. Und analysiert solch ein missmutiger Mensch die Zitate, fällt ihm auf, dass darin nur vom Zauber des Anfangs und des Endes die Rede sei. Wer nicht will, der hat schon, fällt mir dazu ein. Aber keinen Zauber in diesem Fall.

318: Ein missverstandenes Versprechen

Bild der Woche

[…] Die Physik weicht jedoch schnell der logikfreien Faszination dieses Spektakels. Storys über den Regenbogen gibt es zuhauf, auch die alte Bibel will etwas dazu wissen. So alt die Bibel, so alt und heute überholt ihre Erklärungen der irdischen Phänomene. Und irdische ist so ein Regenbogen, wenn die treibende Kraft auch das Sonnenlicht ist.

Die Bibel sieht in dem Regenbogen ein Versprechen Gottes, nie wieder eine Sintflut zu senden, um das Leben zu vertilgen. Doch höre, wer Ohren zu hören hat, und frage sich, was zwischen den Worten dieses Versprechens herausgehört werden kann.

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317: Ich sehe dich immer noch

Bild der Woche

Der Titel bezieht sich auf das 152. Bild der Woche »Ich sehe dich« des 092. Newsletters mit eben diesem Baum, allerdings mit einer anderen Haarpracht.

Ich sehe dich immer noch, und was ich da sehe, lässt meine Haare zu Berge stehen.

Es lässt sich leicht widersprechen, es seien keine Haare, der Baum könne weder sehen noch denken, es sei sein Alter, welches ihn so aussehen lässt. Und überhaupt, ist es nur ein weiterer Fall einer Pareidolie, nicht weit also von einer Verschwörungstheorie entfernt.

Diese Einwände werden entkräftet, sobald es dem Menschen gelingt, sich global als eine an die Erde gebundene und von ihr abhängige Spezies zu betrachten. Denn das ist er, das bleibt er eine lange Zeit noch.

316: Stabwechsel

Bild der Woche

Die üppige Natur im Vordergrund, die lediglich die morgendliche Dämmerung dämpft. Ein wenig nur und nur für eine kurze Zeit, da die Sonne sie wieder zum Leuchten bringt. Dann aber der Hintergrund. Geerntete Felder, Nebel und die Dämmerung, die Tag für Tag später einsetzt und länger dauert.

Unmissverständlich kündigen der Hintergrund und die Sonne den Stabwechsel der Natur vom Sommer zum Herbst an. Wehmut kann man empfinden; erforderlich ist sie nicht. Ohne Erholung der Natur kein Aufblühen und Strahlen im Frühjahr und im Sommer. Außerdem strahlen der Herbst und der Winter auf eine andere Art. Auf eine majestätische, eine nicht so brennende Art wie die des Sommers.

So mancher Mensch wäre gut beraten, sich an der Natur zu orientieren und den Stab des Alltagsstresses hin und wieder der inneren Ruhe und der Selbstbesinnung zu übergeben. Orientiert er sich an der Natur, muss er darunter nicht den Herbst oder den Winter des Lebens meinen oder Angst vor ihm haben. Dem Winter folgt der Frühling, der inneren Ruhe können Aktivitäten folgen. Fruchtbringendere Aktivitäten, als ohne Rast.

Und meldet sich in der Selbstbesinnung die Seele, ist ausnahmslos jede Veränderung und jeder Wechsel nur ein Übergang im Kreislauf des Lebens und der Leben.

315: Ich verdiene es

Bild der Woche

Ich verdiene es, sagt der Mensch. Ich verdiene die Früchte der Erde, ich verdiene es, die Pflanzen und die Tiere der Erde zu nutzen. Es ist mein gottgegebenes Recht, es ist mein Privileg. Ich bin die Krone der Schöpfung.

Ich lebe zwar erst seit einem winzigen Augenblick auf dieser Erde. Mich gibt es an die 300.000 bis 400.000 Jahre, die Erde existiert seit 4,5 Milliarden Jahren. Doch bin ich die Krone der Schöpfung und die Erde ist mein Reich.

Mein Gott gibt mir den mir zustehenden Lohn, wie er mir das im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Mt 20,1-16) zusicherte. Wer von den Arbeitern erst in der letzten Stunde zu arbeiten beginnt, bekommt den gleichen Lohn, wie der, der den gesamten Tag den Dienst verrichtet.

Das wirft Fragen auf.

Die Krone oder der Zerstörer der Schöpfung, wäre eine Frage.

Fragen sollte er sich, wer diejenigen sind, die den gesamten Tag lang arbeiten. Vor ihm waren doch nur die Tiere und die Pflanzen da. Der Mensch glaubt jedoch nicht an einen göttlichen Lohn für die Pflanzen und die Tiere, die da schon vor ihm waren. Wenn er aber den gleichen Lohn empfangen will, steht ihm aber kein Lohn zu.

Er könnte jetzt argumentieren, den gesamten Tag lang arbeitet lediglich die Natur. Betrachtet man sein Verhältnis zu dieser Natur, glaubt er nicht an ihre wie auch immer geartete Verdienste. Sie habe ihm doch zu dienen, sie sei ihm untertan.

Weiß dieser Mensch um den Grund der Gleichbehandlung der Weinbergarbeiter?

Eines kann sich jedoch der Mensch sicher sein. Er verdient einen Lohn. Seinen Lohn, den er sich selbst erarbeitet, den er so redlich verdient.

314: Gaias Ankündigung

Bild der Woche

»Du, wir müssen reden?« Dies könnte die Natur zwar ankündigen, wenn sie das Treiben des Menschen in ihr und mit ihr betrachtet. Wozu allerdings? Der Mensch ist mit der Vernunft ausgestattet, er sollte selbst erahnen, wie er sich der Natur gegenüber verhält.

Andererseits kündigt die Natur ihm schon lange an, was er zu erwarten hat, ändert er das Verhalten ihr gegenüber nicht. Sie kündigt dies nicht mit Worten an, die ohnehin nur den Verstand des Menschen erreichen würden. Sie würden wenig bewirken, hat doch der Mensch seine Gegenworte. Wie seine Studien und Gegenstudien, die er sich so aussucht, wie dies seinem Verstand genehm ist.

Nein, die Natur kündigt dies deutlicher an. Dennoch bleiben ihre Ankündigungen unerhört, dennoch zieht die Spezies keine Folgen daraus. Vieles kündigt sie an, sie nennt sogar messbare Ziele und Termine. Die Ziele verfehlt sie, die Termine verschiebt sie.

»Wer nicht hören will, muss leiden«, sagten einst die Menschen. Alte Wort, weise Worte. Und zutreffende Worte, wie der Mensch es zunehmend erfahren wird.

Auf der Aufnahme kündigt die Natur lediglich den nahenden Herbst an. Es bleib zu hoffen, dass dies der Herbst der Natur ist, nicht einer Spezies.

313: Schutz

Bild der Woche

Es ist das geerntete Feld des letzten Newsletters, welches mich zu den Betrachtungen über Gewaltenteilung und zur Rache führte, wobei die Rache sich als logische Folge des menschlichen Tuns darstellte.

Bei dem Anblick dieses Astes über dem Feld und meinem Lieblingsbaum musste ich an eine schützende Hand darüber denken. Die schützende Hand der Natur. Und diese Hand gibt es, was die mehrfachen Massenaussterben bewiesen, nach denen Gaia dem Leben wieder und wieder zu einer größeren Vielfalt verhalf.

Gaia sorgt für ihr Leben. Es ist eine Hybris, sich diesem Schutz entziehen zu können oder selbst dafür zu sorgen – also gegen die Natur.

Eine eine Hybris allerdings mit logischen und nachvollziehbaren Folgen. Und diese würden dem Homo sapiens nicht gefallen.

312: Gewaltenteilung der Natur

Bild der Woche

Harmlos fing der Tag an, harmlos, beschaulich, mit Freude auf den Tag. Die frühe Sonne hob den Feldrand hervor, die Luft rein, die Menschenwelt noch leise.

Dann kam der nächste Morgen. Ich ging früher an diesem Feld vorbei – an dem geernteten Feld. Das Licht vom Vortag im Gedächtnis mit den dazugehörigen Assoziationen. Jetzt erneut Assoziationen. Aber andere.

Ein Henkersmahl schälte sich aus den Gedanken heraus. Das gestrige Licht war ein Henkersmahl für die Pflanzen dieses Feldes vor dem nächsten Schritt im Produktionsprozess des Menschen. Keine Natur mehr, keine Sonne, kein Wind, kein Regen. Nur noch Technik.

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311: Schwindende Lichter

Bild der Woche

Ein schwindendes Licht ist offensichtlich, das zweite offenbart sich erst vor dem Hintergrund der Zeit. Offensichtlich ist der abnehmende Mond mit seiner schwindenden Strahlkraft. Sachlicher ausgedrückt, mit seinem schwindenden Spiegelvermögen. Denn nichts anderes ist er, als nur ein kosmischer Spiegel, der das Licht der Sonne reflektiert.

Das zweite schwindende Licht offenbart sich, wenn die Jahreszeit der Aufnahme bekannt wird. Es ist der einsetzende Spätsommer mit seinen kürzer werdenden Tagen. Vor etwa 6 Wochen schien um diese Tageszeit die Sonne am Himmel.

Doch sind beide Arten des Schwindens nicht endgültig. Sie wandeln ihr Schwinden in eine Zunahme – der Mond in gut einer Woche, der Tag benötigt dafür knappe 5 Monate.

Bei Lichte betrachtet offenbart das Schwinden seinen wahren Charakter. Es sind Zyklen, die sich seit einigen Milliarden Jahren wiederholen, die sich weitere Milliarden von Jahren wiederholen können, so es das Sonnensystem will oder kann.

Schwindende Lichter ergo nur innerhalb zeitlich begrenzten Horizonte.

310: Ein Viertel?

Bild der Woche

Ein Wort dazu – inspiriert durch das Vierteltausend des Newsletters

Nur ein Viertel meines Lieblingsbaumes ist auf dieser Aufnahme zu sehen. Die restlichen drei Viertel verdecken das Feld. Wobei …

Der Baum besteht nicht nur aus dem oberirdisch sichtbaren Teil. Nimmt man seine Wurzeln hinzu, so ist es weniger als ein Viertel, das da zu sehen ist.

Betrachtet man seine Wurzeln, muss man die symbiotisch dazugehörige Mykorrhiza hinzunehmen. Da wird es komplexer und komplizierter mit der Abschätzung des sichtbaren Anteils. Nicht nur auf dieser Aufnahme, sondern grundsätzlich.

Das unterirdische Pilzgeflecht, die Mykorrhiza eben, reicht weit unter der Erde. Sie verbindet die Bäume miteinander, sie ermöglicht ihnen eine Kommunikation, eine Vernetzung, ein Wood Wide Web.

Wie weit reicht dies? Wir wissen noch nicht alles über dieses natürliche WWW.

Sollte jemand mit dem Einwand kontern, das mute esoterisch an, reicht eine kurze Recherche in dem elektronischen WWW aus.

Wen dieser Gedanke interessiert, den verweise ich auf meinen Beitrag »Glaube, der mehr als Wissen ist«.

Und wer es spirituell mag: »Spiritualität - ihre und unsere Wurzeln; Spiritualität im Alltag, Spiritualität für alle«.

309: Interimsnoblesse

Bild der Woche

Nun gut, die Sonne ist kein Interimslicht, schließlich leuchtet sie seit 4,6 Milliarden Jahren und einige Milliarden stehen ihr noch bevor. Es ist der Sonnenschein, den die Regenwolken für einen Augenblick durchscheinen ließen und ihre Regentropfen damit beleuchteten.

Sage ich, der Sonnenschein, die Regentropfen und die Seerosen sind ein Werk der Sonne, trifft das zu. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit und keine Besonderheit. Der Sonne ist die Erde zu verdanken und alles, was auf ihr existiert.

So trifft ein Interimssonnenschein eher zu. Oder die Interimsnoblesse, da abseits dieser logisch-linguistischen Feinheiten es die Noblesse der Natur ist, wenn der Mensch dies so zu betrachten gewillt ist.

308: Diaspora

Bild der Woche

Fremd, fern der Heimat. Fremd wirkt der Baum, aber nicht befremdlich, weiß man um seine nähere Umgebung. Er wächst und gedeiht in einer Diaspora. In dem japanischen Teil des Botanischen Gartens in Augsburg.

Eine doppelte Diaspora somit. Eine japanische innerhalb des Gartens, eine botanische innerhalb der süddeutschen Natur. So offenbart der Baum die Ästhetik des Fremden inmitten einer Ästhetik des Gewohnten.

Somit eine botanische Diaspora nur. Und eine willkommene.

307: Kluge Vögel

Bild der Woche

Es gibt Gründe, warum ich Krähen wiederholt in den Bildern der Woche präsentiere. Ein Grund ist meine Vorliebe für die Vogelwelt. Ich wuchs die ersten Jahre in einer ländlichen Umgebung auf. Das kann geprägt und dazu beigetragen haben, dass mich die Tier- und Pflanzenwelt fasziniert. Bei den Krähen wie bei anderen Vögeln kommt hinzu, dass die Frage nach einem Bewusstsein der Tiere manche ihrer Vertreter in den Vordergrund rückt. Krähen gehören zu diesem Kreis der primär Verdächtigten. Obendrein imponierten sie mir bereits als Kind.

Der Vogel auf dem aktuelle Foto ist eine Krähe, wenn auch die Perspektive eine Amsel suggerieren könnte. Eindeutig zu erkennen waren die Krähen der anderen Bilder der Woche.

Warum ich von klugen Krähen schreibe? Erstens da Klugheit weniger provokant klingt wie Intelligenz oder Bewusstsein. Zweitens da mir Krähen öfter vor die Linse geraten. Ich schließe allerdings nicht aus, dass ich sie bevorzugt wahrnehme. Ich mag sie eben. Klug respektive intelligent gilt aber nicht nur für die Krähen.

Einige Belege für die Krähen (glaubt jemand diesen Angaben nicht, kann ich das mit Links zu den Veröffentlichungen belegen):

  • Sie benutzen und bauen Werkzeuge – sie können sogar mit zwei Werkzeugen gleichzeitig hantieren.
  • Sie trauern.
  • Sie träumen.
  • Sie beobachten den Menschen, merken sich Gesichter.
  • Sie paktieren mit Wölfen.
  • Sie können sich beherrschen.
  • Sie unterscheiden zwischen Punktmengen.

Für diejenigen, die diese Beispiele mit Instinkt oder ähnlich belegen wollen: In Krähengehirnen wurden Bewusstseinsprozesse nachgewiesen. Das sind belegbare wissenschaftliche Fakten.

306: Dornige Abwehr

Bild der Woche

Die blauen Pflanzen erfreuen so manches Auge und so manche Seele. Geht ein Mensch vorbei, kann er dazu verleitet werden, manche von ihnen zu pflücken. Finde ich schade. Dürfen die Pflanzen in der Natur wachsen, leben sie länger. Mit dem Pflücken beginnt nämlich ihr Sterben. Und ob den Pflanzen in einer Vase beim Sterben zuzusehen, tatsächlich Freude bereiten kann, kann hinterfragt werden.

Da es aber bei einem leichten Sommer-Newsletter bleiben soll, hinterfrage ich das nicht weiter.

Zu meinen Lieblingsblumen gehören die Bartnelken, da sie justament zu meinem Geburtstag blühen. Meine Oma wusste das. Doch obwohl sie Bartnelken in ihrem Blumengarten pflegte, pflückte sie keine zu meinem Geburtstag. An dem Tag nahm sie mich in ihren Garten mit, um uns gemeinsam der Bartnelken zu erfreuen. Danke, Oma.

Bei der Distel stellen sich diese Frage nicht. Sie kann sich wehren mit ihren Dornen. Ich kann mich nicht an einen Blumenstrauß mit Disteln erinnern. Doch sah ich nur wenige davon, da ich Blumen zwar bewundere, doch in ihrer natürlichen Umgebung.

Ungemütlich und somit nicht mehr leicht führt die Distel zu einer Frage: Wie wäre es, wenn die Mehrzahl der Pflanzen Strategien gegen ihren größten Feind entwickeln würde, gegen den Menschen?

Da es aber bei einem leichten Sommer-Newsletter bleiben soll, hinterfrage ich das nicht weiter.

305: Alleine

Bild der Woche

Es ist wieder schwieriger geworden, in der Natur so allein zu sein, wie auf dem Foto. Frühes Aufstehen ist da hilfreich. Oder das Wagnis eines Spaziergangs vor einem aufziehenden Wetter. Hier traf beides zu, der frühe Morgen und das aufziehende Wetter.

Ich mag diese Zeiten des Alleinseins oder fast Alleinseins, denn Bono ist immer dabei. Er beschäftigt sich mit seinen Eindrücken meist der olfaktorischen Natur, ich gebe mich der Stimmung hin. Ich darf jedoch den Hund nicht auf sein Riechen reduzieren. Am See angekommen, bleibt er neben mir liegen, wenn ich einige Minuten auf einer Bank ausruhe und meine Gedanken fließen lasse, solange es das Wetter zulässt. Bonos Kontemplation ist in diesen Minuten unverkennbar.

Die aufziehenden Wolken lassen die Gedanken an das Alleinsein schwinden. Doch bringen sie die Freude auf das kommende Wetter mit. Dem Wetter geschützt zuzusehen und zuzuhören, sich an der Abkühlung von der sommerlichen Hitze erfreuen und dies gemeinsam mit dem Partner zu teilen.

Und aus dem Alleinsein wird ein genussvolles Zweisam.

304: Festhalten

Bild der Woche

Ein Fels in der Brandung ist das nicht, ebenso wenig ein vertrauenswürdiger Pfahl, an dem man sich festhalten möchte. Kein Festhalten, kein Vertrauen. Die ansprechende Optik ist Optik nur, keine Substanz.

Wechselt man jedoch den Blickwinkel oder erweitert den Horizont, kommt doch Vertrauen auf. Das Ufer ist nah, das Wasser wohl nicht zu tief; vielleicht muss man nicht mal schwimmen können, vielleicht kann man das Ufer zwar nicht trockenen Fußes aber doch zu Fuß erreichen.

Was das Foto verbirgt, ist der Platz, von dem aus ich diese Aufnahme machte. Es ist ein Steg neben dem Pfahl. Also doch wieder der Blickwinkel: Nicht nur an einem Blickwinkel festhalten.

303: Über den Dächern von Augusta (Vindelicorum)

Bild der Woche

Zweierlei Dächer, zweierlei Sichtweisen über diese Dächer. Es sind die Dächer des privaten und sozialen Wohnungsbaus wie das Vogelhäuschen. Es sind die Dächer von oder in Augusta.

Dieser Satz kann folgenreicher sein, als nur kontrovers. Um diesen Folgen vorzubeugen, füge ich schleunigst Vindelicorum hinzu, um eventuelle Verwechslungen mit einem Unternehmen Namens Augusta zu vermeiden.

Mit Augusta ist somit Augsburg gemeint, eine der ältesten Städte Deutschlands. Und wieder Kontroversen, denn besonders die Trierer wollen in der ältesten Stadt wohnen. Tun sie es? Gut, hier fragt ein Wahllokalpatriot, der nicht in Trier wohnt. Ergo möge man nachsichtig mit ihm sein.

302: Aus dieser und jener Welt

Bild der Woche

Wer einen engeren Kontakt zu Tieren hat, das kann nicht nur das Familientier sein, weiß um die Kraft der Tiere. Ihre physische Kraft und diejenige Kraft, die sie dem Menschen spenden können.

Wer die physische Kraft der Tiere mit der menschlichen vergleichen will, muss die Kraft immer in eine Relation zu der Physis des Lebewesens setzen. In »Ein planetarischer Rookie« [1] wurde dies skizziert, was den Menschen zu einem Schwächling machte. Es gibt unzählige Tiere in dieser Welt, die von der Physis her und von manchen Sinnen den Menschen übertreffen.

Mit der Kraft der Krafttiere sind auch ihre Qualitäten aus jener Welt gemeint, die sich nicht so leicht erschließen. Es sind diejenigen Eigenschaften, die dem Menschen Kraft, Zuversicht, Glauben oder Hoffnung verleihen können, wenn er die Tiere hinterfragt und mehr in ihnen findet, als nur ein Tier, welches nach seinem Nutzen bewertet wird.

Wer Tiere nach ihrem Nutzen bewertet, kann die Kräfte der Tiere nicht begreifen. Nicht die physischen, nicht die mentalen, nicht die emotionalen, nicht die spirituellen [2]. Arm ist diese Weltsicht eines solchen Menschen, was sich ihm jedoch erst erschließt, wenn er seine Horizonte über die rein materiellen und wissenschaftlich nachweisbaren hinaus erweitern kann.

[1] Ein planetarischer Rookie

[2] Krafttiere, besonders des Geburtstages

301: Des Lebens Wege

Bild der Woche

»Das Leben findet einen Weg«; ein bemerkenswertes Zitat aus »Jurassic Park«. Nicht immer sind es dem Menschen genehme Wege, was nicht nur dieser Film demonstriert. Die besten Beweise liefert die Geschichte der Erde mit ihren wiederholten Massenaussterben, denen bisher immer eine Explosion des Lebens folgte [1].

Weit von solchen Kataklysmen entfernt ist dieses Foto, doch erinnert es an die Wege des Lebens. Es sind erst 8 Wochen her (293. Bild der Woche), als ich die Hoffnung äußerte, der Biokranich möge sich durch einen Blechkranich täuschen und die Fische im Teich am Leben lassen.

Vergeblich. Alle drei Fische sind einem Graureiher zum Opfer gefallen. Den Vogelteufel wünschte ich ihm an den Hals. Doch wenn er Junge hat? Es ist die Natur, die sich regelt, wenn der Mensch nicht hineinpfuscht. Es ist das Leben, welches Wege findet.

Und das Leben geht seine Wege. Eine Menge Teichmolche überlebte den fischenden Reiher. Gut, diese sind giftig, und der Reiher nicht dumm und verschmäht sie.

Hinzugesellte sich ein Frosch, der einen mir unerklärlichen Weg zum Teich fand. Eine Nacht quakte er nach einer Froschdame. Vergeblich; die nächsten Teiche sind weit, der Kuhsee ebenso. So haben wir dem Frosch mit einem Umzugsservice geholfen und ihn an ein Plätzchen im Kuhsee verfrachtet, welches für Froschkonzerte bekannt ist.

Mögest du Glück haben und zu weiteren Wegen des Lebens beitragen.

[1] Ein galaktischer Nachruf

300: 300 zum zweiten Mal

Bild der Woche

300. Manche Comic- oder Filmkenner oder auch Computerspieler denken an die 300 Spartaner und ihre Schlacht gegen die Perser. Die 300 gab es bereits bei den Bildern der Woche. Es war das 70. Bild der Woche mit den 300 Lichtern eines Weihnachtsbaums.

Im aktuellen Bild der Woche ist es seine fortlaufende Nummer, die 300 eben. Eine runde Zahl, daher die Glaskugel im Garten mit dem zu dem Jubiläum passenden Herzen links im Hintergrund.

Im Hintergrund rechts findet sich eine der drei Feen aus »Die Sorgen der Feen« des 119. Newsletters. Obwohl die Garten-Feen nicht mehr leuchten, da ihre LEDs wohl nur eine kurze Lebensdauer aufweisen, werden ihre Sorgen, die Lichtverschmutzung, größer. Das ist aber eine andere Geschichte für einen der kommenden Newsletter.

Zur Abrundung der alten Bilder der Woche gehört das 66. Bild der Woche mit den Feen, die sich im Nebel verbergen.

Archiv mit dem 6. und dem 10. Newsletter, den verhüllten Feen und den 300 Lichtern

Archiv mit dem 119. Newsletter und den sorgenvollen Feen

299: Transglobal

Bild der Woche

Wieder mal lieferte das Bild der Woche die Idee zum Thema des Newsletters. Global stammt vom Globus, wobei ich hier nur sekundär an den irdischen Globus dachte. Primär ist es die Sonne mit ihrer Energie, darin auch dem Licht, von dem es hier drei Arten gibt.

Die erste Art, das umwegärmste Licht, liefert der Mond. Er reflektiert das Licht der Sonne, es ist somit nur ein Spiegel zwischen dem Licht der Sonne und unseren Augen.

Die zweite Art mit ebenfalls kurzen Umwegen ist das Blau des Himmels. Die blauen Anteile des Sonnenlichts werden in der irdischen Atmosphäre bevorzugt gestreut, also in der Atmosphäre verteilt, um es weniger physikalisch auszudrücken. So erreicht uns das Blau des Sonnenlichts aus allen Richtungen, da die Atmosphäre um den Globus herum verteilt ist.

Das ist weiterhin der Grund der roten Sonnenuntergänge. Das blaue Licht wird gestreut, das rote dringt am besten durch die Erdatmosphäre hindurch. So erreichen die roten Strahlen der Sonne auf direkten Wegen das Auge und die horizontnahe Sonne erscheint rötlich.

Die dritte Art nimmt lange und komplexe Umwege. Obwohl auch sie einen recht direkten Weg vorweisen kann mit dem reflektierten Grün der Blätter. Komplex ist die Flora der Erde, die das Sonnenlicht nutzt und reflektiert. Sie ist das umgewandelte Licht der Sonne, die für die Entstehung und die Evolution allen Lebens sorgt, nicht nur der Flora.

Von der Energie der Sonne lebt alles auf dieser Erde. Oder ist von der Sonne vollkommen abhängig, zutreffender ausgedrückt. Von dieser Abhängigkeit könnte sich die Spezies Mensch lösen, wozu sie der interstellaren Reisen fähig werden müsste. Dazu müsste sie allerdings lange genug für die Biosphäre ihres Planeten sorgen.

Was wieder zu dem Aphorismus führt: Auf diesem Planeten lebte eine Spezies. Sie konnte nicht wissenschaftlich nachweisen, dass sie die Biosphäre zerstört.

298: Alle Jahre wieder?

Bild der Woche

Alle Jahre wieder Frühling. Da draußen schon, aber innen? Alle Jahre wieder Weihnachten, alle Jahre wieder Ostern, alle Jahre wieder Mai. Alle Jahre wieder Sonnwendfeuer. Und innen?

Es gehört gegenwärtig eine gehörige Portion Arbeit dazu, um innen ebenfalls das zu empfinden, was bisher alle Jahre wieder selbstverständlich zu haben war. Das dürfte wieder kommen, wenn nicht in diesem Jahr, dann in einem der nächsten, um es vorsichtiger zu formulieren.

Einerseits ein Verlust, eine Minderung des inneren Erlebens, der Einbettung in den Lauf der Natur, in die alltäglichen Selbstständigkeiten.

Andererseits in Zugewinn, eine Mehrung des inneren Erlebens, wenn all dies eine verstärkte Wertschätzung erfährt, wenn es keine Selbstverständlichkeit mehr ist.
Was umsonst zu haben ist, wird nicht wertgeschätzt. Wertgeschätzt wird, was man sich erarbeitet hat.

Ist das eine positive Seite eines Mangels?

297: Rookie – und ein planetarischer Rookie

Bild der Woche

Dieser Schwan ist ein Rookie, der sich noch keinen Mühen um eine Partnerin stellen muss. Bei der Betrachtung dieses Schwans fiel mir ein anderer Rookie ein, ein planetarischer.

Ein Rookie

Der planetarische Rookie lebt auf dem Planeten erst eine kurze Zeit gemessen an den Zeiten anderer komplexer Organismen. Vergleicht man seine Existenzdauer mit der Existenz des einfachen Lebens, so lebt er erst einen Augenblick. Großzügig berechnet, sind es gerade 0,1 Promille der Zeit, seit Leben auf seinem Planeten existiert.

Leben auf diesem Planeten existiert somit etwa 10.000-mal länger als diese Spezies. Das ist keine alte Spezies; das ist ein planetarischer Rookie […]

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296: Erfüllte Hoffnung

Bild der Woche

Jahr für Jahr eine erfüllte Hoffnung auf das Ende des Winters mit dem folgenden Frühling. Oder auf eine andere Jahreszeit, abhängig von den persönlichen Präferenzen.

Ich hoffe im Hochsommer auf den Herbst mit seiner Farbenpracht und sogar später mit seinem Nebel. Den Winter mit Schnee erhoffe ich ebenso. Der Nebel und der Schnee, das kann Meditation sein mitten im Alltag.

Diese Hoffnungen werden Jahr für Jahr erfüllt. Vorsichtshalber schrieb ich vom Schnee im Winter. Sollte nämlich aufgrund der globalen Erwärmung der Golfstrom versiegen, gibt es den Schnee auch im Sommer. Darauf hoffe ich nicht.

Im Newsletter finden sich außerdem die coronale Hoffnung und die Hoffnungen der Liebe.

295: Wahrnehmung

Bild der Woche

 

Ich erkenne in dem Baum ein einäugiges Wesen, einen Zyklopen seiner Größe wegen. Oft zeige ich die Kandidaten für das Bild der Woche einigen Menschen meines Clans. Mich interessieren die Reaktionen, die emotionalen und die verbalen.

Diesmal durfte ich mehrmals staunen. Jeder sah darin ein Wesen mit Augen – mit Augen, nicht mit nur einem Auge. Für sie blickte das Wesen schräg nach unten, wobei sein rechts Auge vollständig sichtbar war, sein linkes nur im Profil.

Wer hat nun recht? Ich mit dem Zyklopen oder die anderen mit ihren beiden Augen? Die Antwort lautet: alle: Alle haben recht, jeder sieht es so, wie dies sein Innenleben mit seinem Verstand zu einem Bild komponiert.

Pareidolie nennt sich das Phänomen. Es ist das Bestreben, Gesichter in abstrakten Gegenständen zu erkennen. In Bäumen, in Wolken, in Alltagsgegenständen. Pareidolie ist eine evolutionäre Leistung. Sie war erforderlich, um im Gebüsch lauernde Gefahren rechtzeitig zu erkennen. Ob es ein Raubtier war oder ein gefährlicher Mitmensch, sie mussten rechtzeitig erkannt werden. Wer dessen nicht fähig war, wurde durch den folgenden Angriff überrascht und verminderte seine Überlebenschancen.

Wer nicht überlebte, gab seine Gene nicht weiter. Und so lebt die Pareidolie auch heute noch in unseren Genen.

PS: Eindeutig zwei Augen sahen alle in dem 152. Bild der Woche: »Ich sehe dich«:
Foto-Archiv mit dem Foto »Ich sehe dich«

294: Auf die Palme

Bild der Woche

Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.
Friedrich Nietzsche

Auf die Palme bringen klingt weniger gefährlich, als in den Abgrund hineinblicken. Das trifft sogar zu, wenn man diese Analogien wörtlicher nimmt und den Fall von einer Palme mit einem Sturz in den Abgrund vergleicht. Angenehm ist nichts davon, warum dann also sich auf die Palme bringen lassen oder den Abgrund anstarren.

Eine Konzentration auf die Topnachrichten kann einen auf die Palme bringen, wenn man darin Logik zu finden sucht. Wer die Nachrichten kritiklos konsumiert, blickt in den Abgrund hinein.

So ist es gesünder, eine Palme zu betrachten, auch wenn es nur ein Zimmerpflänzchen ist. Sie darf demnächst an die frische Luft, wo sie mit ihren sanften Bewegungen im Wind des Menschen Seele erfreuen kann, statt ihn zu Abgründen zu leiten.

PS: Sollte jemand monieren, auf dem Foto sei keine Palme abgebildet, sondern ein Farn, so hat er recht. Mir ist aber bei dem Bild dieser Woche die Palme sympathischer. Sie inspirierte mich zu den Themen dieses Newsletters.

293: Täuschung

Bild der Woche

Obwohl das Foto nicht echt wirkt, ist es so echt, wie eine Abbildung der Natur auf Chips echt sein kann.

Menschen, denen ich das Foto vorab zeigte, fiel neben der unnatürlichen Färbung des Himmels, der große Stein rechts auf. Es gab auch die Frage: »Warum hängt da alles in der Luft?«

Der Hinweis auf das Hängen kommt der Lösung nahe. Man drehe das Foto um 180 ° um und es wird offensichtlich. Der Himmel und der Reiher mitsamt den Sträuchern ist eine Spiegelung im Wasser. Das graue Band durch das Bild hindurch ist die Teichfolie am Rand des kleinen Wassers.

Vor einigen Jahre suchte ein Kranich den Teich auf und verspeiste alle Goldfische. Ich hoffe, sollte der Teich erneut einem Kranich auffallen, möge er sich verziehen und sich nicht mit dem Kranich am Teich anlegen.

Mal sehen, ob sich ein Biokranich durch einen Metallkranich täuschen lässt.

292: Gedächtnis

Bild der Woche

Die erste Erinnerung bei diesem Anblick betraf ein Foto aus dem vergangenen Herbst mit einem frühen Schneefall.

Ein spitzfindiger Zeitgenosse könnte mich der Lüge bezichtigen, da zu diesem Zeitpunkt der meteorologische Winter herrschte. Den legten die Meteorologen auf den 01. Dezember; damit lässt sich wohl leichter arbeiten.

Die meteorologischen Termine der Jahreszeiten lassen sich leichter merken; sie schwank nicht im Vergleich zu den astronomischen Zeitpunkten für den Beginn der vier Jahreszeiten. Die astronomischen richten sich nach den tatsächlichen Ständen der Sonne und der Erde. Der Tanz dieser Himmelskörper ist nicht so gleichmäßig, wie es dem Menschen scheint, der den Himmel ohne Messinstrumente beobachtet.

Wühle ich tiefer im Gedächtnis herum und greife auf meine Kindheit zu, kommen Bilder zum Vorschein, die dem »früh« widersprechen. Ich erinnere mich an einige weiße Allerheiligen und an Kirchengänge während des Advents im knirschenden, tiefen Schnee.

Aber das ist nur meine Erinnerung. Um sie zu revidieren, müsste ich auf die historischen Wetterdaten zugreifen. Das ist mir jedoch der Mühe nicht wert; ich lebe mit meinem Gedächtnis. Ich tue damit niemandem weh, wie das nur allzu leicht in Beziehungen geschehen kann, wenn es um das Erinnern und die Wahrheiten geht.

291: Business as usual

Bild der Woche

As usual, wie gewohnt also. Wie gewohnt gibt es den ersten Frühlingsvollmond eines Jahres. Der erste Sonntag nach ihm ist der Ostersonntag. Business as usual.

Gewohnheiten müssen keine langweilige Routine bedeuten. Routine kann Halt geben, kann der Fels in der Brandung sein in den wilden Neuerungen einer wild gewordenen Zeit. Wobei nicht die Zeit wilder geworden ist. Wir machen die Zeiten wilder, schnelllebiger. Damit dies nicht allzu bewusst wird, schieben wir die Verantwortung dafür auf die Zeiten. Die anderen sind schuld. Business as usual.

Business as usual sind weiterhin die diversen Streitigkeiten um korrekte Namen. Heute weniger Streitigkeiten, heute sind es ideologische Gefechte, was denn der Political Correctness entspricht. Ostern ist davon nicht verschont geblieben, obwohl es unstrittig ist, dass dieses Fest heidnischen Ursprungs ist. Um den Namen des Festes kann man streiten, um die Göttin Ostara, von der sich Ostern herleiten soll. Die Kirche vereinnahmte das Frühlingsfest für sich. Business as usual.

Auf dem Foto leuchten die Reste des letzten Windermondzyklus des Jahres. Wenige Tage nur und der neue Mond beginnt zwar noch im astronomischen Winter, gleitet aber in den Frühling hinein.

Business as usual, Jahr für Jahr. Der Natur sei Dank.

290: Was übrig bleibt

Bild der Woche

Wenig blieb übrig von der Flora und Fauna; versteinerte Spuren sind es nur, die eine Nachkommen-Spezies Fossilien nennt.

Es nimmt kein Wunder, bedenkt man das Alter der Spuren, die da übrig blieben. Sie stammen aus dem Nördlinger Ries, das infolge des Ries-Impakts vor etwa 14,5 Millionen Jahren entstand. Der Meteorit mit einem Durchmesser von gut einem Kilometer hinterließ einen Krater mit 25 km Durchmesser, aus dem die Natur einen See machte und ihn maximal 2,5 Millionen Jahre bestehen ließ.

2,5 Millionen Jahre verglichen mit den 4,6 Milliarden Jahren der Erde. Ein Augenblick ist das nur, vielleicht mehr als ein Wimpernschlag der Erdgeschichte …

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289: Zubrot

Bild der Woche

»Ich bin zuerst mit dem Grün da, ihr müsst noch ein wenig warten«, könnte man dem Baum mit den drei immergrünen Misteln in den Mund legen. Einen Mund hat er zwar nicht, mit anderen Bäumen kommunizieren kann er dennoch. Die Ich-Zuerst-Prahlerei gehört aber nicht zu dieser Kommunikation; da gibt es Wichtigeres.

Was könnte der Baum davon haben, wenn er zum Wirt für Misteln wird? Was könnte man ihm noch in den Mund legen? Sieht er in den Misteln ein Zubrot in ihrem Beitrag für die Natur? Was würde er sagen, wenn er um die menschlichen Bezeichnungen der Mistel wüsste? Vogelkraut würde auf das Zubrot hindeuten. Die anderen wie Hexenbesen oder Drudenfuß sind weit von einem Zubrot entfernt.

Die logisch-sachliche Welt beginnt die heilenden Wirkungen der Mistel zu entdecken. Will heißen, anzuerkennen, denn entdeckt haben dies die Altvorderen vor Jahrtausenden bereits. Für sie war kein wissenschaftlicher Nachweis dieser Wirkungen erforderlich. Diese Wirkungen Zubrot zu nennen, wäre eine maßlos untertriebene Bezeichnung.

288: Zuckerbrot und Peitsche, Götter und Natur, Mensch und Hybris

Bild der Woche

Droht die Natur mit der Peitsche, wenn sie sich ungebärdig gibt, wenn die Wetteranomalien zunehmen und sich das Klima ändert? Und wenn sie denn drohen sollte, wem gehören ihre Drohgebärden?
Leidet die Natur?

Peitsche

Die Natur war für den früheren Menschen etwas Bedrohliches. Er wusste von seiner Abhängigkeit von der Natur, so manches an ihr konnte er sich nicht erklären. So versuchte der Mensch, Regelmäßigkeiten zu finden. Das minderte die Ängste, das wandelte die vollkommene Abhängigkeit in den Nutzen. Ein prominentes Beispiel ist Sirius, der Hundsstern der Ägypter, der ihnen die bevorstehende Nilschwemme ankündigte.

Ein zuverlässiger Indikator war der Stand der Sonne. Einer der Zwecke der steinzeitlichen Megalithanlagen war die Beobachtung des Himmels mit dem Mond und der Sonne. Chinesische Astronomen mussten den Herrschern den Zeitpunkt der nächsten Sonnenfinsternis vorhersagen respektive errechnen, auf dass die Herrscher damit ihre Macht demonstrieren konnten. Diese manifestierten sie auch bei einer Fehlleistung eines Astronomen. Der wurde um einen Kopf kürzer, wenn er die Finsternis nicht verkündete.

Was keine Regelmäßigkeiten zeigte, was sich nicht den Zyklen der Natur unterordnen wollte, machte Angst.

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287: Einsam

Bild der Woche

Tatsächlich einsam? Nein.

Nicht einsam, da zwei Menschen mit dem Bild verbunden sind. Der Mensch am Ende des Weges rechts im Bild und der Fotograf, also ich. Ich hatte obendrein meinen Vierbeiner Bono dabei, der die Freuden des Winters genoss. Ein Labrador mag den Winter und die Kälte: Labrador, da sein Ursprung die kanadische Labrador-Halbinsel ist, unweit von Grönland.

Nicht einsam, da allein nicht einsam ist. Bono fühlte sich nicht einsam, für mich galt das ebenfalls. Bei dem Menschen auf dem Bild kann ich nur vermuten, dass er sich nicht einsam fühlte. Ich holte ihn später ein; er machte keinen einsamen Eindruck. Die Gesichtszüge entspannt, die Augen lächeln. Der Mensch genießt den Winter, ich glaube, auch die quantitative Einsamkeit, obwohl ich ihn überhole. Ein kurzer Augenblick, ein Gruß und wir ziehen unsere Wege allein weiter. Allein, aber nicht einsam.

286: Murmellichtschatten oder alte Feste und neue Schatten

Bild der Woche

Da wandelt ein Mensch entspannt und genießt die tiefe Abendsonne mit den Resten des Schnees, die vermutlich am nächsten Tag Geschichte sind. Schade, denke ich, ich mag den Schnee. Er ist rein, zumindest wenn er frisch ist und die Warnung nicht zutrifft, die ich unlängst auf Twitter bemerkte: »Don’t eat yellow snow«.

Und es ging weiter mit den Assoziationen. Gelber Schnee ist ein schmutziger Schnee, ein unreiner. Unrein passt wiederum zu einem Tag dieser Woche, dem 02. Februar, dem Fest Mariä Lichtmess. Einst, ein Kind war ich noch, verband ich Lichtmess mit Licht und mit einer Messe. Diese Zeiten sind Geschichte, seit ich nach der Bedeutung dieses Wortes recherchierte oder von Imbolg erfuhr, den keltischen Wurzeln [*] dieses Festes.

Schatten, nicht Licht

Mariä Lichtmess wird 40 Tage nach Weihnachten gefeiert, konkret nach der Geburt Jesu. Den damaligen (tatsächlich nur damaligen?) Überzeugungen nach, galt die Frau 40 Tage nach der Entbindung als unrein. Anders ausgedrückt, die Frauen beginnen ihr Dasein als Mutter mit Unreinheit, wobei die Begründungen dafür der Männerwelt entstammen.

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285: Blackbird

Bild der Woche

Das erste Wort bei diesem Anblick war Blackbird, die englische Bezeichnung einer Amsel. Blackbeard klang ebenfalls mit, was ich verwarf. Der Schnee ist weder ein Fluch, die Gegend ist nicht die Karibik; dazu war es eindeutig zu frostig. Und als die Erinnerung die Breitbart News hervorholte, reichte es mir; Trump und die Seinen sind vorerst Geschichte.

Ich entschied, beim Blackbird zu bleiben. So kann ich mich wieder über die Briten wundern, die scheinbar nur einen schwarzen Vogel kennen. Denn Blackbird, schwarzer Vogel also, gilt nur für die Amsel. Die Krähen und andere schwarzen Vögel?

Die spinnen, die Briten, meinten Obelix und seine Entourage. Gute alte Zeiten, für die es – vielleicht – noch galt: Einer spinnt immer. Doch kurz nachgedacht: Heute spinnt auch nur einer. Homo sapiens ist sein Name.

284: Ein Nonkonformist

Bild der Woche

Schwierige Zeiten für diesen Baum, wenn möglichst alles möglichst exakt reglementiert wird. Gurken dürfen nur eine maximale Krümmung haben. Äpfel dürfen keine Makel aufweisen, was bei Lichte betrachtet den Schluss nahelegt, die Äpfel dürfen nicht biologisch sein, wenn sie denn in den Handel gelangen wollen. Was schert das den Apfel? Was schert das den Menschen, der sich diesem Reglementierungswahn, wozu auch die Quantifizierung gehört, nicht unterordnet?

Wie sieht das der Baum auf der Aufnahme, abgesehen davon, dass wohl auch eine Menschenhand ihn formte, wie es dem menschlichen Verstand gefiel?

Er ist ein Nonkonformist. Das ist gut so. Gut ist es auch, wenn es ebensolche Menschen gibt.

PS: Sollte dieser Baum bei einigen treuen Newsletterabonnenten Erinnerungen hervorrufen an einen vergleichbaren Baum, so ist das korrekt. Auf diesem Baum saß zur noch nächtlichen Stunde ein einsames Winterglühwürmchen (s. 136. Bild der Woche).

283: Eis und Feuer

Bild der Woche

Bild der Woche

Dem Eis gebührt der erste Rang, da es aktuell ist. Das Feuer präsentierte das 188. Bild der Woche mit dem Titel »Obhut«.

Das Gemeinsame beider Aufnahmen: Sie zeigen eine annähernd gleiche Teilansicht desselben Baums. Dennoch wirken sie ausgesprochen gegensätzlich sowohl im übertragenen Sinne als auch in natura. Wie Eis und Feuer oder Feuer und Eis eben.

Überwiegt bei diesen Aufnahmen das Gegensätzliche oder das Gemeinsame? Diese Frage finde ich nicht relevant. Faszinierend finde ich die Ästhetik und die Kreativität der Natur.

281: Mit und ohne h

Bild der Woche

Morgenrot-Schlechtwetter droht; Abendrot-Gutwetterbot, lautet eine der alten Wetterregeln. Regeln jedoch haben Ausnahmen, Regeln können mit der Zeit obsolet werden. Die Wetterregeln sowieso, leiden doch auch sie unter dem Einfluss des Klimawandels.

Hanebüchene Behauptungen? Glaube ich nicht. Aber sie erhellen den merkwürdigen Titel dieses Bildes. Ohne h, nicht mit h; hanebüchen, nicht hahnebüchen, wie man es meinen könnte. Das Wort erinnert an die Hagebuche auch Hainbuche genannt mit ihrem knorrigen, derben Holz. Kein Hahn ist also gemeint, der am frühen Morgen kräht, gleich ob im oder außerhalb eines Korbes.

Die alten Regeln sind nicht alle hanebüchen; nur blind verlassen sollte sich niemand auf sie. Das war jedoch nie anders. Auf eine Regel ist allerdings immer Verlass: Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder bleibt wie’s ist. Der Hahn mit h, nicht der ohne. Kein Han Solo aus Star Wars, kein Vertreter der Han-Dynastie des alten Chinas.

Das Abendrot des Fotos behielt recht. Am folgenden Tag schien die Sonne, Niederschläge gab es keine.

280: Das Licht und die Unendlichkeit

Bild der Woche

Der Weihnachtsbaum spiegelt sich in einem Spiegel, vor dem er steht. Dieses Spiegelbild spiegelt sich in den Kugeln des Baumes, was wiederum in dem Spiegel gespiegelt wird. Dieses gespiegelte Spiegelbild spiegelt sich erneut in den Kugeln …

Eine unendliche Geschichte, wären da die Spiegelbilder nicht immer lichtschwächer. Praktisch also endlich, theoretisch allerdings nicht.

Das erinnerte mich an eine Spiegelkommode meiner Kindheit mit einem Hauptspiegel und zwei Flügelspiegeln. Oft stellte ich mich dicht vor dem Hauptspiegel hin und schwenkte die Flügelspiegel, bis ich mich unendlich oft spiegelte. Später versuchte ich, die Bilder zu zählen – hoffnungslos.

Auf den Baumkugeln und in dem Spiegel ist dieser Effekt undeutlicher. Aber nur praktisch. Theoretisch ist dies ein Zugang zur Unendlichkeit und praktisch ist es das Tor dahin. Einen vervollkommneten Zugang dahin bieten die Unendlichkeitsspiegel; wer’s sehen will, recherchiere im Web danach.

Was soll angesichts einer Unendlichkeit ein Jahr bedeuten, auch ein Jahr wie das endende.

279: A la nature

Bild der Woche

Weihnachtsbäume à la nature. Keine Diskriminierung; die Nadel- und die Laubbäume stehen einträchtig nebeneinander. Perfekte Energieeffizienz; die Sonne sorgt für die Beleuchtung.

Es gibt zwar eine Menge unumstößliche Hinweise auf den Klimawandel; dieses Bild ist dafür nicht geeignet. Weiße Weihnachtsfeiertage ist ein recht realitätsfernes Wunschdenken. Wenn das moderne Online-Orakel recht hat, war dies 2010 zuletzt der Fall. Und in den vergangenen 50 Jahren war dies ein rares Ereignis.

Ein Grund zur Enttäuschung oder gar Trauer ist das nicht. Bei dieser Aufnahme herrschte Stille in der Natur, das Feierliche lag spürbar in der Luft. Und daheim wartete ein LED erleuchteter Weihnachtsbaum respektive eine Schüssel mit gutem Futter für Bono. Wie gewohnt also, auch in diesem denkwürdigen Jahr, dessen Wort des Jahres kaum jemanden überraschte.

278: Orakel-Pokemon

Bild der Woche

Ein beängstigender Anblick in Unkenntnis des Ursprungs dieses Leuchtens. Dieses Rot im Wald, das lässt ein Feuer vermuten, das Rot wird zum Feuerrot. Da Männer Probleme mit den Farben haben sollen [*], schlage ich in dem modernen Orakel im Web nach, in dessen Namen das Doppel-O von zwei Gs umrahmt wird und mit »le« endet.

Warum ich den Namen nicht ausschreibe? Eine neunmalkluge Software, womöglich mit künstlicher Intelligenz ausgestattet, meinte vor wenigen Wochen, ich sei mit meinem Newsletter ein Spammer, da ich diesen Namen im Text verwende. Ich musste erst eine biologische Einheit, auch Mensch genannt, kontaktieren, damit der Newsletter entsperrt wurde.

Zurück zum Feuerrot und den Problemen mit den Farben. Da ich die erwähnten Farbprobleme habe, wie es meine Tochter attestierte, recherchierte ich in dem GO…-Suchdienst nach »feuerrot«. Ich wurde von einem Pokemon mit dem Namen Feuerrot überwältigt. Erst am Ende der zweiten Ergebnisseite erschien ein pokemonfreies Ergebnis. So konnte ich eine Bildungslücke schließen, da ich Pokemon zeitlich der Vergangenheit zuordnete.

Auf dem Foto ist es jedoch kein Widerschein einer Horde von Pokemons. Es ist die gute alte Sonne, die seit einigen Milliarden Jahren scheint und seit es Atmosphäre auf der Erde gibt mit etwas Staub darin, einen roten Sonnenaufgang oder -untergang dem Himmel beschert. Hier ist es der Sonnenuntergang.

[*] Männer und Farben

277: Unerwartet

Bild der Woche

Unerwarteter Schnee? Es ist Dezember, so sollte er nicht unerwartet sein. Andererseits ist der Schnee ein seltener Gast geworden in dem sich wandelnden Klima. Also zumindest ein wenig unerwarteter Schnee.

Der Schnee unterstreicht die Adventszeit, erinnert er doch, zumindest in diesem Arrangement, an die Adventskränze. Advent im Dezember ist jedoch wahrhaftig nicht unerwartet.

In der Tat unerwartet sind die Farbkleckse, die der Schnee zum Vorschein brachte. Ohne Schnee waren sie ebenfalls da, doch nicht so prominent. Besonders tritt hervor das Rot der Rosen und der Schmuckelemente. Sogar die Futtersäulen mit ihren Schneehäubchen fallen vor dem dunklen Hintergrund der Hecke auf.

All die Farbkleckse fielen ohne den Schnee nicht so deutlich ins Auge; sie waren nicht so bewusst. Erst der Schnee brachte sie ins Bewusstsein. Wenn das ebenso leicht wäre mit den unbewussten Inhalten der menschlichen Seele. Doch da sollte man der Weisheit der Seele vertrauen, warum sie vieles im Unbewussten belässt.

276: Wer hat’s gemacht?

Bild der Woche

Nicht wer hat’s erfunden, denn dann wären es die Schweizer. Wer hat’s also gemacht, wer ist für diesen Himmel verantwortlich?

Für die Kondensstreifen aka Chemtrails? Es sind keine Kondensstreifen ergo auch keine Chemtrails. Es sind lediglich die Abendwolken, mit denen die Luft ihre windigen Spiele treibt. Also die Luft war es oder der Wind.

Für die Röte des Himmels? Das ist wieder die Luft mit ihrer Physik, die das blaue Spektrum des Sonnenlichts stärker streut als das rote. Also die Luft war es oder die Physik. Wobei der Wind ebenfalls Physik ist.

Für die Form der Wolken? Das war kein himmlischer Langfinger, den man eher in der Hölle verorten müsste, so es die Hölle geben könnte. Kann es aber nicht, wie hier dargelegt: Armer Teufel - die Hölle gibt es nicht; ein statistisch-geschichtlicher Beweis.

Aufschlussreicher ist ohnehin die Frage, wer für die Assoziationen verantwortlich ist, die dieser Abendhimmel generiert. Hier ist die Antwort eindeutig. Es ist der Betrachter.

Apropos erfunden. Die Ricola-Werbung gibt es nicht mehr offiziell. Verantwortlich dafür ist das Unternehmen selbst, da es mit weniger Klamauk und mehr Ernst in Verbindung gebracht werden wollte. Auch wegen der amerikanischen Kundschaft. Einen Mr. Trump werden sie damit wohl nicht erreichen.

275: Festgepinnt

Bild der Woche

Aus der Sicht eines Menschen auf der Erde erscheint die Sonne festgepinnt. Eine lächerliche Assoziation, nicht nur wenn der Mensch oder der Baum mit der Sonne verglichen werden, sondern auch bei dem Vergleich der Erde mit der Erde mit der Sonne.

Wenn ich jedoch Bild betrachte, kann ich die Sonnenmasse vergessen mit ihrem 333.000-Fachen der Erdmasse. Aber nur in der ersten Gedankenregung. Denn wenn hier jemand festgepinnt ist, dann ist es der Mensch auf der Erde. Und die Erde wiederum ist an das Sonnensystem festgepinnt.

Es ist alles eine Sache der Perspektive. Manchmal auch der Überzeugungen, die durch die heutigen Echokammern und Blasen gespeist werden.

274: Weißgold

Bild der Woche

Nein, nicht der goldene Herbst ist gemeint mit einem frühen Schnee, der das Weiß beisteuern könnte. Sehe ich aus dem Fenster hinaus, sind beide Farbelemente fern der Realität. Das Gold der Blätter ist bereits vergangen. Es hat den Anschein, ein wenig früher im Vergleich zu den vergangenen Jahren, wenn ich in meinen alten Novemberfotos stöbere. Und Schnee? Die Alpen sind weit, sie zeichnen sich nur bei Föhn am Südhorizont ab. So muss es sich um ein anderes Weißgold handeln.

Weißgold war für mich in meinen jungen Jahren ein Nonsens. Weißes Gold? Warum dann nicht auch rotes Blau oder schwarzes Weiß? Später neugierig geworden, erfuhr ich, Weißgold sei eine Legierung aus Gold mit weiteren Metallen wie Silber, Nickel, Platin, Palladium oder Chrom. Weißgold ist demnach ein willentlich verunreinigtes Edelmetall. Verstehe da einer die Welt. Wenn ich Silber will, dann nehme ich doch Silber. Aber das muss man halt öfter reinigen.

An Weißgold erinnerte mich das Schilf. Weiß geworden, wurde es teilweise von der tief stehenden Sonne golden angestrahlt. Das Schilf ergab mit seinem Weiß und Gold ein Weißgold. Zwar schwirrte im Kopf auch der Begriff Weißglut. Ebenfalls zutreffend mit der Glut der Sonne, die das Weiß einfärbt. Weißglut ist jedoch ein negativer Begriff. So ist Weißgold im Titel doch goldrichtig.

Goldrichtig ebenso der Entstehung des Goldes in den Sonnen wegen mit ihren Explosionen als Supernovae. Alles Gold stammt aus diesem hochenergetischen Leuchten im Universum, wie im nächsten Beitrag skizziert.

273: Überstanden

Bild der Woche

Ein Bild vom Wochenanfang mit dem noch voll wirkenden Mond, keine 100 Stunden nach dem bösen Halloweenvollmond. Was brachte er alles auf diese Welt – steigende Zahlen (wir wissen, welche), Chaos in den USA, BER ist undicht geworden und es regnet rein. Wer suchet, findet mehr dergleichen.

Ja, er war das, der böse Vollmond. Er macht die Virologen und andere Fachleute uneins, er beharrt auf Trump, vielleicht half ein anderer böser Mond bei seiner Wahl? Er sorgte mit seinem Gesteinswasser (gerade diese Tage nachgewiesen) für den aggressiven Regen, der Berlins Meisterwerk der Planung, Durchführung, Termin- und Kostentreue ruiniert. Alles nachgewiesen, ebenso wie der statistische Zusammenhang zwischen dem Störchevorkommen und der Geburtenrate. Oder wie die Wahlmanipulationen in den USA.

Aber sonst alles okay, alles überstanden. Oder fast. Oder bis zum nächsten Angriff der Gestirne auf die gute alte Erde.

Oh, wie wohl ist mir mit allem, was für das Unbill der Welt verantwortlich ist.

272: Gothic

Bild der Woche

Was soll denn an diesem Bild Gothic sein? Die Farben, auch wenn es Herbst ist, sind fröhlich, es sind keine Menschen darauf. Auffällig sind lediglich die beiden Baumstämme, die einen halben Spitzbogen bilden. Und prompt ist die Gotik dabei mit dem Spitzbogen, einem ihrer architektonischen Hauptmerkmale.

Lauttechnisch ist es von der Gotik zu Gothic nicht so weit. Nur die Bedeutung differiert eklatant. Wem das Bild weder gotisch noch Gothic scheint, möge das abgewandelte Foto unten betrachten. Wer es mag, erkläre den Hinweis auf die Gotik zur Besserwisserei. Und falls es der Besserwisserei zu wenig ist, berufe ich mich auf Friedrich Nietzsche: Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein. Wer somit zu lange über Besserwisser schreibt …

Bild der Woche

271: Besserwisserei

Bild der Woche

»Schau, das ist wie der Angriff der Außerirdischen in ›Independence Day‹.«

»Nö, das ist sicher wieder ein Experiment der Regierung, die ihre Chemtrails verstecken will.«

»Oder eine feinstoffliche Explosion, die sich auf das Diesseits auswirkt.«

»Hört doch auf mit eurem Gerede. Es ist einfach ein schöner Anblick, der …«

»Die schon wieder mit ihrer Romantik! Du kennst dich doch nicht aus.«

»Gut, dann eben keine Romantik, dann eben etwas Sachlichkeit. Das ist eine Spiegelung der Sonnenstrahlen in …«

»Du Besserwisser!«

Da ging die romantische Besserwisserin ihre Wege und genoss die Natur.

270: Herrenwinker

Bild der Woche

Unlängst machte ich eine Bekannte auf einen seitlich abstehenden Haarstrang aufmerksam, der meinem Empfinden nach, nicht zu der gewünschten Frisur passte. »Das ist mein Herrenwinker«, sagte die Dame und verursachte ein fragendes Gesicht bei mir. Ich kannte diesen Begriff nicht; nach einer Erklärung musste ich nicht fragen, die Fragezeichen in meinen Augen waren offenbar unübersehbar.

So fragte ich nur noch, ob dies nicht sexistisch sei und ob das der Political Correctness entspräche. Da wir uns jedoch gut kennen, lachten wir darüber und widmeten uns anderen Dingen wie ihrer hervorragenden Nachspeise.

Die Political Correctness sorgte später für ein kurzes Gespräch. Ein kurzes, da sein Diktat in dieser Runde keine Chancen hat.

Wen der grüne Zweig auf dem Foto heranwinkt, weiß ich nicht. Die Farben eröffnen jedoch problemlos politische Interpretationen auch der korrekten Art.

269: Ängste

Bild der Woche

Diese Aufnahme löst Ängste aus. Warum sollte sie das, mag manch Betrachter fragen, der darin ein Stück Rinde erkennt. Denn um solches handelt es sich auch.

Erinnert das aber nicht an erkaltete Lava, an eine brechende Welle eines verschmutzten Wassers, an einen Tsunami? Ist da nicht ein Fabelwesen zu erkennen, ein Drache womöglich?

Wer immer noch angstfrei ist, der betrachte bitte die Mitte des Bildes und denke an das Tier. Vielleicht verhilft das zu einem Quäntchen Angst.

Noch abgründiger können die Ängste sein, die am Loslassen hindern und dem Festhalten Prioritäten einräumen. Darüber aber im nächsten Beitrag.

268: Rot wie …

Bild der Woche

Rot wie eine Tomate? Oder rot wie das Blut, die Wut, Macht? Vielleicht rot wie die Liebe?

Auf das Bild bezogen könnte der Vergleich »rot wie Blutgras« lauten, denn um solches handelt es sich. Gras ist jedoch mit Grün verknüpft, nicht mit Rot. So siegt wieder das Blut.

Siegt? Da wäre wieder das fließende Blut eines Kampfes; das Blut des Besiegten, des Unterlegenen, des Opfers. Das stolze Blut des Siegers? Man denke an das Rot der vielen Nationalflaggen.

Das Herbstlaub kann rot sein. Warum nicht diese Assoziation, wenn doch das Laub und Gras verwandt sind?

Und wieder mal spaßeshalber eine Recherche im googleschen Orakel nach »unterschied gras und blätter«. Die ersten 10 Ergebnisse weisen auf Cannabis hin. Was das wohl einem ET über die Spezies Mensch sagt.

267: Angst

Bild der Woche

Gut 70 % der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt. Wasser ist ein Wunderstoff der Physik, Chemie oder Biologie. Es ist unsere erste Umwelt, in der wir zum Menschen werden, es ist der Stoff, in dem dem heutigen Erkenntnisstand nach das irdische Leben begann.

Angesichts dessen ist die Verbindung des Wassers mit der Angst paradox. Das ist allerdings nur die Logik. Die Emotionen, das Unbewusste, ob das individuelle oder das kollektive, wiegt stärker. So weckt das Bild auch gegensätzliche Assoziationen.

Leere, Bodenlosigkeit, Ungewissheit, die Monster der Tiefe, archaische Ängste, Ertrinken, Überschwemmungen. Aktuell kommen weitere Assoziationen hinzu. Trinkwasserknappheit, Kriege um Trinkwasser, Wasser gegen Geld, Versiegen des Golfstroms, welches die Klimaerwärmung zu einer Eiszeit wandelt. Auch das nur ein Paradoxon, dessen Lösung für Europa in einer kurzen Ursache-Wirkung-Kette lautet: Das Schmelzwasser des Grönlandeises macht das Meer süßer. Das schwächt den Golfstrom oder führt im Extremfall zum Versiegen. Dadurch fehlt die Wärme des Golfstroms, die Temperaturen in Europa sinken. Nicht nur Weihnachten werden weiß; das kann sogar das ganze Jahr so sein. Auch viele Jahre oder mehr.

Ja, Wasser kann Ängste verursachen. Und sage keiner, er wusste das nicht [*].

Ob Trump wohl von diesem Mechanismus erfuhr, als er von einem Wandel des Klimas zur Kälte hin schwadronierte?

[*] Homo sapiens wusste es

266: Loslassen?

Bild der Woche

Nebel und Wasser im Spätsommer ergeben viele nachvollziehbare Assoziationen. Bei der konkreten Aufnahme tendieren sie zu nachdenklichen bis eventuell traurigen Assoziationen. Einige Betrachter könnten dies mit einem Innehalten verknüpfen, mit einer Ruhe, auch der inneren.

Das Loslassen gehört vermutlich nicht zu den ersten oder häufigsten Assoziationen. So war es auch bei mir. Die Stille bei dieser Aufnahme beruhigte meine Gedanken und lenkte die Aufmerksamkeit nach innen.

Von den Kandidaten für das aktuelle Bild der Woche wählte ich diese Aufnahme des Loslassens wegen. Das Loslassen ist selten mit einer Freude verbunden. Eher sind es Trauer, Unsicherheit, die fehlende Klarheit über die Zukunft.

In der Natur kann man abwarten. Die Sonne oder der Wind vertreiben die Nebel und sorgen für Klarheit.

Im Leben reicht das Abwarten nicht immer aus. Im Leben ist eine aktive Arbeit am Loslassen und an der Trauer erforderlich. Die Zeit heilt alle Wunden, heißt es. So ist dieser Spruch nicht immer hilfreich, so ist es oft eine achtlose Floskel.
(Ausführlich darüber in dem kommenden Buch über die Liebe.)

265: Frieden

Bild der Woche

Dieser Augenblick sorgte für den Themenwechsel des aktuellen Newsletters. Ein Augenblick, der erst nach der Aufnahme begann und ein wenig länger dauerte, als nur ein Augenblick.

In meinen jüngeren Jahren glaubte ich den Gurus und Erleuchteten, die eine Meditation mit einer Leere im Kopf predigten. Ich höre ihnen nicht mehr zu, heute höre ich meinen Gedanken zu, wenn ich mich in einer Umgebung entspanne, wie beispielsweise auf der Aufnahme. Leiste ich keinen Widerstand, wird es dem Hirn früher oder später langweilig oder es stolpert über sein eigenes Gebrabbel und gibt Ruhe. Mir gleich, ob aus Scham darüber oder aus Verärgerung über meine Missachtung seines Sermons.

Bonos anfängliches Hecheln lernte ich in die Entspannung einzubauen. Es beruhigt, lenkt von dem Hirnsermon ab und verstummt mit der Zeit. Weil Bono nicht mehr hechelt, weil ich es nicht wahrnehme? Diese Frage hat keine Relevanz mehr. Ich glaube, wir schalten beide ab.

Mit dem Partner ist dies ebenfalls möglich. Solch ein längerer Augenblick mit ihm führte zu dem Beitrag »Der Zauber der Sommernächte – die stillen Stunden der Seele« [*] und dem dazugehörigen Foto (113. Bild der Woche).

[*] Der Zauber der Sommernächte - die stillen Stunden der Seele

264: Wessen Zahn

Bild der Woche

Der Zahn der Zeit nagte gewiss an diesem Verbotsschild. Gewiss half der Zahn des Menschen mit; die Winde sind an diesem Fleckchen Erde zu schwach für eine derartige Umgestaltung. Der Zahn des Teufels war es nicht; dem fehlt es wiederum gewiss an menschlichen und materiellen Ressourcen des Zahnprothesenbedarfs wegen. Wer’s nicht glaubt, den möge der statistisch-geschichtliche Beweis überzeugen [*].

Damit verteufele ich den menschlichen Zahn nicht. Vielleicht war es die menschliche Kreativität, die sich durch die Natur hat inspirieren lassen.

PS: Ich bin vollkommen unschuldig, dass sich mein Lieblingsbaum wieder in die Bilder der Woche vordrängte. Widerstand ist zwecklos, hieß es im letzten Newsletter, dies gilt offensichtlich auch jetzt.

[*] Armer Teufel - die Hölle gibt es nicht; ein statistisch-geschichtlicher Beweis

263: Widerstand ist zwecklos

Bild der Woche

Wer Star Trek kennt, kennt wohl den Spruch der Borg: »Widerstand ist zwecklos, sie werden assimiliert«. Hier gilt das in einer ungefährlichen Form: Widerstand ist zwecklos, du wirst den Baum immer wieder fotografieren. Das kommt mir öfter in den Sinn, wenn ich dieses Feld passiere und der Baum nicht langweilt.

Der Nebel, der Himmel ob mit oder ohne die Sonne, der Regen, der Wind, der Schnee, falls es den mal wieder gibt. Sie sorgen für Formveränderungen, für andere Details, für andere Konturen. Sie sorgen für unterschiedliche Emotionen bei der Betrachtung des Baumes.

So konnte ich nicht widerstehen und machte einige Aufnahmen meines Baumes. Die Auswahl für dieses Bild der Woche gestaltete sich schwierig. Das galt sogar für die Auswahl aus den verbliebenen zwei Aufnahmen – einer im Nebel und einer unterm rötlichen Morgenhimmel.

262: Der Kopf? Der Bauch?

Bild der Woche

Im letzten Bild der Woche, dem »Non Fatale Finale«, war die Rede von dem nahenden Finale des Sommers. Das aktuelle Bild scheint dem mit seinem üppigen Grün zu widersprechen. Der Kopf könnte aufführen, es sei ein Grün in Wassernähe, daher üppiger als das übrige Grün. Die Frage an den Kopf ist aber eine andere.

Was sagt der Kopf zu diesem Bild? Was der Bauch? Gehen sie d’accord oder widersprechen sie einander?

Im nächsten Newsletter bringe ich einen Hinweis dazu.

261: Non Fatale Finale

Bild der Woche

Von welchen Wesen wurde ich geritten, dass ich einen englischen und solch fatalen Titel für die Noblesse der Natur wählte? Von den bösen, den guten, den sprachlichkorrektiven?

Nein, es ist meine eigene Natur, die mich zur Ironie dieses Newsletters verleitete. Bei dieser Aufnahme genoss ich die Natur mit vielen Sinnen, wobei ich versichern kann, dass ich dabei bei allen Sinnen war. Hauptsächlich waren jedoch das Sehen, das Riechen und das Hören beteiligt. Und meine Seele mit ihren Sinnen.

Das Finale war dabei, da die Sommertage eindeutig ihrem Ende zusteuern. Kein fatales Ende ist das, kommt doch der Sommer nächstes Jahr erneut. Ein Finale also, aber kein fatales, ergo ein Non Fatale Finale.

260: Das Leben

Bild der Woche

Die Frage zum Mond in den Bildern der Woche nahm ich zum Anlass, den Mond in dem 200. Newsletter zu bringen. Den Mond, der mit dem irdischen Leben zusammenhängt, die Wälder und die Felder oder der Nebel, die ebenso dazugehören.

Daher der Titel »Das Leben« für dieses Licht. Es ist das reflektierte Licht der Sonne, der wir alles zu verdanken haben. Alles Leben, die Erde und die anderen Objekte ihres Sonnensystems. (Mehr zum Leben in den Antworten im 200. Newsletter.)

Außerdem beeindrucken mich die Farben des Himmels und der Erde auf dieser Aufnahme, die am frühen Morgen zwei Tage nach Vollmond entstand.

259: Gefangen

Bild der Woche

Gefangen im Spinnennetz oder im WWW, dem World Wide Web? Nein, das wäre zu vordergründig. Gefangen im Netz der Schuld? Das ist der Titel eines Kriminalromans von James Patterson. Also lieber nicht im Titel verwenden, ist doch der Titel geschützt. Was bildet dann dieses Netz?

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258: Rosenhäher

Bild der Woche

Verhaltensatypischen Tieren, insbesondere den Vögeln, wurde öfter schon die Ehre zuteil, zum Bild der Woche zu werden: eine Ente auf dem Dach (194. Bild der Woche), ein Specht auf einem Fußweg (201), ein werbekreativer (244) und ein diebischer Specht (099) beispielsweise.

Diesmal ist es ein Eichelhäher, der mit Eifer Rosenblätter hin und her versetzt. Den Sinn seiner Arbeit begriff ich nicht, ich konnte lediglich spekulieren. Der Duft, die Farben? War es Feng Shui? Fragen wollte ich ihn nicht. Er taxierte mich häufig, ob ich eine Gefahr sei. Das war ich ebenso wenig wie Bono, der maximal ein Auge für ihn übrig hatte. Eine Antwort hätte ich ohnehin nicht bekommen respektive nicht verstanden, wie im Falle meiner unbefriedigenden Interspezies-Kommunikation [*] mit einer Krähe (207).

Ein Eichelhäher, der sich Rosen widmet statt Eicheln, ist logischerweise ein Rosenhäher.

Es bleibt allerdings die Frage offen, liegt das an der Häufung seltsamer Vögel in meinem Umfeld oder an meiner selektiven Wahrnehmung. Und sollte dies mein eigener Vogel sein, nenne ich ihn kreative Wahrnehmung.

[*] Unbefriedigende Interspezies-Kommunikation …

257: Wortlose Annonce

Bild der Woche

Eine halbe Stunde kürzer sind die Tage seit der Sommersonnenwende. Diese halbe Stunde fällt auf, wenn man regelmäßig am frühen Morgen den Himmel betrachtet. Die verkürzte Tageszeit drängte sich mir bei der Betrachtung dieses Strauchs auf vor dem Hintergrund des Morgenhimmels. Vor wenigen Wochen war es doch eindeutig heller zu dieser Zeit.

So ist dieses Bild eine wortlose Annonce des Spätsommers und des Herbstes geworden. Es nährt außerdem die Hoffnung, dass dieser Sommer keine Hitzerekorde mit sich bringt, war er doch bisher human. Eine Hoffnung nur ist das, denn ihm stehen noch einige Wochen zur Verfügung, in denen er die Regie führt.

Führt er die Regie allein oder pfuschte ihm der Mensch hinein vor Jahrzehnten bereits? Der Vorjahressommer war eine wortlose Annonce eines Klimawandels. Auch wenn dieser Sommer anders verlaufen sollte, verliert die Vorjahresannonce mitnichten ihre Gültigkeit.

256: Schmetterlingthing

Bild der Woche

Eine Versammlung der Schmetterlinge vor dem Stein der Weisen, den sie um Rat fragen. Eine Versammlung, ein Thing also. So lautete die erste Titelidee »Schmetterthing«. Das allerdings erinnerte zu penetrant an das Schmettern beim Thing. Ich verwarf den Titel daher, auch wenn das Schmettern beim Schmetterling nicht dem Schmettern geschuldet ist, auch nicht dem Schmettern mit den Flügeln.

Das Wort Schmetterling stammt aus dem Slawischen und bedeutet Sahne, woran noch die Worte Schmand oder Schmant erinnern. Denn vor Zeiten sah man in den Schmetterlingen Hexen, die so verwandelt, den Menschen die Sahne stehlen wollten. Um daraus Butter zu machen, wenn man an die englische Bezeichnung Butterfly denkt [*].

Anmerkung: Bei diesem Beitrag handelt es sich um Humor. Das merke ich für den Fall an, dass ein sachlichkorrekter Mensch mir unterstellt, ich würde in dem Schmetterlingthing einen Beweis der tierischen Intelligenz sehen.

[*] Aus dem Buch »Mein Krafttier - schnell und sicher«; Das Krafttier anhand des Geburtsdatums finden

255: Nach der Wende

Bild der Woche

Nein, keine politische Wende ist damit gemeint. Diese wird es sicher geben und nicht nur eine.

Nein, keine Wende nach Corona ist damit gemeint, obwohl das Foto mit der Menschenleere an coronale Hardcorezeiten erinnert. Solche Leere finde ich, wie in der vorcoronalen Ära, nur in den frühesten Morgenstunden. Auf diesem Foto strahlt der frühe Morgen mit Sonnenlicht de luxe und für das Zählen der Menschen, sind nicht mal die Finger einer Hand erforderlich. (Wer suchet, der findet.)

Die Sommersonnenwende ist einige Tage her. Unbemerkt vollzog sie sich, Corona überstrahlt immer noch das Leben und die Medien. Die Sonne schert sich nicht um solch belangloses Geschehen, sie vollbringt ihre Wende wie seit eh und je.

Die Sommersonnenwende und die Johannisfeuer sind im Trubel der Zeit weitgehend untergegangen. Dafür Corona verantwortlich zu machen ist eine verkürzte Sichtweise und eine zu bequeme mit der Verschiebung von Verantwortungen auf irgendetwas da draußen.

Zum Licht und zu Lichtern s. auch »Der Nacht und des Menschen Lichter« …

254: Rauschen, Rausch und Stille

Bild der Woche

Es ist laut an diesem Ort, an dem diese Aufnahme entstand. Das Wasser muss sich mit einem Wehr herumschlagen und schäumt und rauscht bei dieser Arbeit.

Ich gebe mich diesem Rauschen gerne hin. Es reichen wenige Minuten der Hingabe an das Rauschen, und der Verstand kapituliert. Er berauscht sich an dem Rauschen des Wassers und vergisst so den Alltag mit seinem permanenten Rauschen.

Sind es einige Minuten mehr, lasse ich die Gedanken frei und konzentriere mich auf das Rauschen, so verliere ich den Bezug zur Realität. Für einige Minute ein entspannender Zustand, ein Zustand, der Kraft für die Realität gibt, wenn ich in sie zurückkehren muss.

Ich schätze bei diesen Minuten des Rauschs am Rauschen die Nähe meines vierbeinigen Wächters, der warnt, wenn sich jemand nähert. Auch wenn sich seine Warnung in einem auffälligen Wedeln mit dem Schwanz äußert oder in einem freudigen Fiepsen, wenn ein anderer Vierbeiner dabei ist.

253: Tönende Farben

Bild der Woche

Bei Farbtönen denkt man nicht an hörbare Töne. Auf diesem Bild breitet der Himmel unendlich viele Zwischentöne, wenn sie nur fein genug aufgelöst werden. Zwischentöne des Feldes im Vordergrund fallen noch auf, die Mohnblüten erscheinen in ebenfalls vom gewohnten Rot abweichenden Tönen.

Im übertragenen Sinne lassen sich differenzierte emotionale Töne wahrnehmen, vergleicht man beispielsweise die Wirkung der Distel im Vordergrund mit dem Hintergrundbaum (erneut mein Lieblingsbaum der vielen älteren Bilder der Woche). Zwischen bedrohlich und sanft, zwischen spitz und rund, zwischen hart und weich. Die Distel dominiert mit ihrer Präsenz und lässt mit dem blutigen Rot des Mohns an archaische Truppenfahnen anklingen.

Doch sind Farben auch Töne oder Töne Farben. Oktavieren nach unten bedeutet, eine Frequenz zu halbieren. Oktaviert man die Frequenz einer Farbe (THz-Bereich) wiederholt nach unten, erhält man eine hörbare Frequenz – einen Ton (kHz und darunter). In der Farbe ist ein Ton verborgen. Oktaviert man umgekehrt einen Ton nach oben, verdoppelt man also seine Frequenz wiederholt, erhält man eine Farbe.

Hans Cousto, ein schweizer Mathematiker und Musiker, oktavierte die Planetentöne. Die Basisfrequenz eines Planeten resultiert aus der Umlaufdauer des Planeten um die Sonne. Oktaviert man die Frequenz der Erde oft genug nach oben, erhält man ein Ocker oder ein Gelb (Männer und Farben, wie im letzten Newsletter), welches die Sanyasin im Hinduismus tragen. Ein Zufall?

Bemerkenswert warum die Sanyasin ausgerechnet Erdtöne tragen, wenn sie doch das Nichterdige propagieren und leben. Ein Ausgleich, eine okkulte Basis, eine trotz allem erforderliche Erdung für diese Erdlinge?

252: Lütt Political Correctness

Bild der Woche

[…] Lütt klingt für mich putzig, lütt Wasser weniger. Die Nordlichter sprechen das doch anders aus? Ups, Nordlichter; ist das politisch korrekt? Nicht, weil ich das unkorrekt finden würde; aber wollen sie das hören? Und Nordlichter, da denke ich ohnehin an die Nordlichter des Himmels, an die Polarlichter, an Aurora borealis.

Nordlichter für die Menschen im Norden. Meine Political Correctness tadelt mich nicht. Im Gegenteil. Die Norddeutschen haben ihre Bezeichnungen für die Süddeutschen und vice versa. Mal mehr, mal weniger schmeichelhaft …

Gesamten Text lesen …

251: Pfingstmohn

Bild der Woche

Es müssen nicht immer Pfingstrosen sein, es kann ein Mohn sein. Ein Pfingstmohn eben. Eine sprachliche Besonderheit und eine Besonderheit in der Monokultur des Techgetreides der Gegenwart.

Mohn in der Kindheit, das war das Rot der Mohnblumen im Zusammenspiel mit dem Violett der Kornblumen inmitten des grünes bis gelben Getreides. Es war das Wogen dieser Farben begleitet von dem Wind dazwischen und der Wärme der Sonne ohne Lichtschutzfaktoren.

Wer es so will, kann darin eine Nostalgie sehen. Er kann darin die Unwissenheit über die UV-Strahlen oder die Ozonlöcher erkennen. Er kann auf die Notwendigkeit verweisen, ausreichend Getreide für die zahlenmäßig gewachsene Menschheit zu erzeugen, darin auch Futter für den gestiegenen Fleischbedarf.

Wer es anders will, kann die Notwendigkeit des erhöhten Fleischkonsums hinterfragen, die Mengen der weggeworfenen Lebensmittel, die Gefahren von Monokulturen oder des Gentechgetreides.

Wer von denen liegt richtig? Ich denke, es sind die Menschen, die beides sehen und hinterfragen können. Die, die mit Sicherheit wissen, sind mit Vorsicht zu genießen. Sie könnten infiziert sein. Nein nicht mit Corona, eher mit Morbus Trump[1].

Zurück auf den Boden. Die Mohnblumen dieses Fotos gedeihen auf einem Spielplatz am Lech. Und eine irdische Frage zum Abschluss: Welche Farben haben die Kornblumen? Blau sage ich lieber nicht, violett scheint mir zutreffender. Aber Männer und Farben[2], das ist ein anderes Thema.

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[1] Morbus Trump und Lex Merkel »Sei vorsichtig mit deinem Wunschkandidaten …«

[2] »Männer und Farben«

250: Systemrelevant? Irrelevant?

Bild der Woche

Beim Genuss der Natur, die zu diesem Foto führte, fiel mir ein, die Natur kümmert sich nicht darum, was den Menschen gegenwärtig bedrückt, womit er sich wieder mal das Leben schwer macht. Es beruhigt mich, wenn ich weiß, wir können die Erde nicht zerstören.

Das Teufelchen im Ohr (aha, ein Schuldiger) flüsterte jedoch das Wort »systemrelevant«. Für mich klingt das nach einem Unwort; zu kurz ist es in der Geschichte her mit einer Einteilung des Lebens in relevant oder weniger relevant.

Wie betrachtet es die Natur oder Gaia? Sind die Menschen für die Natur systemrelevant? Sind sie irrelevant? Sind es Schädlinge? Was, wenn sich die Natur für systemrelevant hält, wenn Gaia sich dafür hält und Systemschädlinge bekämpft? Mit unserem bisherigen Benehmen Gaia gegenüber klassifizieren wir uns eher zu Systemschädlingen.

Von einer Systemrelevanz für die Erde respektive für Gaia sind wir ein großes Stück moralischer Entwicklung entfernt.

249: Zeugen

Bild der Woche

Zwei Birkenstämme. Keine Krone, frisch wirkende Stämme. Enge Nachbarschaft zwar, aber nicht zueinandergeneigt, eher auseinanderdriftend. Halten sie den vorgeschriebenen Abstand ein aufgrund des (Un)Wortes des Jahres (Corona)? An der Basis das markante Schattenspiel des Grüns.

Neben dem frischen Baumgrün zwei Baumstämme nur, zwei Zeugen aus der Zeit der Bäume des Lebens, wie sie nicht nur von den Kelten angesehen wurden. Licht und Schatten an der Basis. Zwiespalt auch hier. Aber scheinbar nur, nur für den Verstand. In der Natur gehören Werden und Vergehen oder Licht und Schatten zum Leben.

Bei der Aufnahme am frühen Morgen mit seiner klaren, den Körper durchströmenden Luft konnte auch die Seele darin baden. Ohne Zwiespalt. Sie erkennt in den Zeugen des Vergangenen die Zeugen eines neuen Werdens.

248: Er lässt mich nicht los

Bild der Woche

Nein, kein Partner, kein Seelenpartner, kein Mensch ist das, über den ich hier klage. Von einem Menschen loszulassen ist ohnehin eine Aufgabe dessen, der seine Freiheit erlangen möchte. Zugegeben, es ist eine schwierige Aufgabe, sie gehört zum schwierigsten Lernen des Lebens – ob für Lebenspartner oder die Eltern.

Hier ist es ein Baum, der mich nicht loslassen will. 21 Aufnahmen dieses Baumes fand ich bei der schnellen Durchsicht der bisherigen Bilder der Woche [*]. Oft nahm ich mir vor, diesen Baum nicht mehr an dieser Stelle zu präsentieren. Vergebens; der Baum fesselt mich. Diesmal war es die Morgensonne, die seinen Stämmen ein Rot verlieh und meine Hand zur Kamera führte. Das Rot des Baumes in einer Allianz mit der hellen, gelben Linie des Feldes vor dem Waldhintergrund musste zum nächsten Bild der Woche mit meinem Lieblingsbaum werden.

Ich bin froh, dass der Baum mich nicht loslässt. Ich hoffe für mich und besonders für ihn, dass diese Bindung lange besteht. Will heißen, es kann wieder mal ein Bild der Woche mit diesem Baum geben.

[*] Eine Übersicht aller Bilder der Woche …

247: Rabenstein

Bild der Woche

Ein Vogel auf einem Stein. Ein harmloses Sujet, wenn man in dem Gelb des Feldes keine Allergene sieht. Und wenn man in dem Vogel keinen Raben erkennt, den schwarzen Vogel des Unglücks und der Zerstörung oder den Leichenschänder, den Unheilsbringer.

Raben sind intelligente Vögel, sie benutzen Werkzeuge, passen sich hervorragend der menschlich veränderten Umwelt an. Raben sind Symbole der Weisheit, sie haben Zugang zu den Anderswelten, sind Seelenbotschafter, Totemtiere, Krafttiere, verehrte Vögel nicht nur der nordischen Mythologie. Noah sendet einen Raben aus, um zu erkunden, ob die Fluten weichen.

Ist nun der Rabe ein Vogel der dunklen Mächte oder ein Wanderer zwischen den Welten? Mit dem Aufkommen der oben erwähnten religiösen Institution sieht der Mensch vorwiegend das Negative in ihm. Er wurde zum Galgenvogel, mit dem Rabenstein wurde die Richtstätte unter dem Galgen benannt. Dabei ist nicht der Rabe, sondern der Mensch für den Galgen verantwortlich.

Was ist hier Wahrheit, was Lüge? Erkennen kann das nur ein Mensch, der frei von Ängsten entscheidet.

Oder ist das Schwarz des Raben eine Projektionsfläche für die Schattenseiten der Menschenseele?

246: Raritäten hinterfragt

Bild der Woche

Die triviale Rarität: Kondensstreifen vor dem Mond. Solches sahen wohl viele Menschen schon. Solange es nicht heißt, Flugzeug tuschiert Mond …

Die wahre Rarität: Kondensstreifen vor dem Mond. In diesen Zeiten, die wir von einem Wort regieren lassen, welches ich nicht mehr ausschreiben mag. Nein, das hat nichts mit Harry Potters Widersacher gemein, einem Lord, dessen Name nicht ausgesprochen werden darf, und dessen Klang entfernt an den Vollmond (~ voll der Mond) erinnert. Was ich nicht ausschreiben mag, überlasse ich den Medien, die in einem Wettbewerb leben, wer dieses Wort am häufigsten verwendet.

Die wahre Rarität hat etwas mit der Krone der Schöpfung gemein.

Eine Übung zum Hinterfragen dieser Raritäten: Nostalgie bei der aktuellen Seltenheit der Kondensstreifen? Wehmut, da der nächste Urlaubsflug in weiter Ferne? Bedenken über die kommende Häufung dieser Himmelserscheinungen? Kondensstreifen oder doch ein Chemtrail?

245: Heliometrie

Bild der Woche

Geometrie, ja, das kennt man. Aber Heliometrie?

Mir fiel das Wort bei der Betrachtung des Sonnenlichtspiels und seiner Aufnahme ein. Es waren Erinnerungen an die Schule mit der Geometrie und den Parallelwinkeln, die hier die Sonnenstrahlen mit ihrer Spiegelung zeichnen. Es klang auch der Geozentrismus an mit einer Institution, die so die Erde in den Mittelpunkt des Weltalls setzte.

Heliometrie und nicht Geometrie, die Sonne also (Helios), nicht die Erde (Geo). Heliometer ist ein Instrument zum Messen kleiner Winkel am Himmel, der Terminus Heliometrie bezeichnet auch die Ausrichtung kultischer oder sakraler Bauten nach der Sonne. Das erinnert wiederum an die Orientierung, die sprachlich vom Orient abstammt, von dem Osten also und der Ausrichtung der Kirchen gen Osten. Nicht nur die Muslime beten gen Mekka; die Christen bauten und beten gen Osten – gen Jerusalem.

Entscheidend, warum Helio- und nicht Geometrie: Diese Linien zeichnet primär die Sonne. Die Erde liefert lediglich die Atmosphäre samt ihrem Staub und das Wasser, an dem sich die Sonnenstrahlen brechen und spiegeln können.

Wobei … Wenn ich weiter nachdenke, stammt der Staub wiederum von der Sonne oder zutreffender, von den Sonnen, die mit ihren Supernovaexplosionen die Materie bastelten, aus der sich auch unsere Sonne und ihre Planeten bilden konnten und letztendlich auch wir [*]. Hier höre ich lieber auf, sonst müsste ich die Heliometrie ebenfalls umbenennen.

[*] Wir sind Sternenkinder aus Sternenlicht

244: Werbungseskalation

Bild der Woche

Für gewöhnlich hämmern Spechte auf Baumstämmen, wozu sie nachvollziehbare Gründe haben. Dieser verhaltensindividuelle Specht trommelt seit einigen Tagen auf einer Straßenlaterne.

Gedanken machte ich mir zunächst keine, da ich vor Jahren Spechte erlebte, die auf Blechkaminen trommelten. Das Trommeln gehört bei den Spechten zur Brautwerbung. Je lauter, desto besser, so die PR-Regel ihrer Welt. Dieser Specht übertrifft unüberhörbar seine konservativen Mitbewerber auf den Baumstämmen.

Bedenklich fände ich, wenn weitere Artgenossen die modernisierte Form der Werbung übernehmen. Ein Frühlingsvogelkonzert erfreut die Ohren; für eine Blechkakofonie rivalisierender Spechte gilt das nicht. Ich kann nur hoffen, dass die Spechtbräute Naturtöne bevorzugen.

Eine weitere Hoffnung ist, dass dies keine coronalen Auswirkungen bei den Vögeln sind. Vielleicht hat dieser Vogel nur einen Vogel.

Bedenklich ist diese Alternative dennoch, denn es ist der wiederholte Fall eines seltsamen Verhaltens in der Tierwelt meiner Gegend. Im 99 Bild der Woche mopste ein Specht einen Meisenknödel, im 194. Bild posierte eine Ente auf dem Dachfirst, und im 201. Bild gab es erneut einen Specht, der sich nicht artgerecht benahm.

Diese Verhaltensauffälligkeiten sind nicht auf Spechte oder Vögel beschränkt. Bono, der Hauslabrador, verschmäht sein gewohntes Essen, wenn er Joghurt, Karotten oder Paprika erspäht. Und altersgerechtes Benehmen ist ihm ein Gräuel.

Sollte ich mir also doch Gedanken machen?

243: Was bin ich schön; Selig, die nur sich sehen

Bild der Woche

Schwäne faszinieren, das steht außer Zweifel. Für mich ebenso zweifelsfrei, dass ich zu viele Fotos von ihnen habe. Als ich diesen Schwan mit dem schräg geneigten Kopf sein Bild im Wasser betrachten sah, vergaß ich, dass dies meine Interpretation ist. Der Schwan suchte nach Futter, sein Ebenbild war ihm schnuppe.

So drückte ich auf den Auslöser, denn durch seine Haltung erinnerte ich mich erneut eines Donald Trumps und seiner Psyche. Ach, was bin ich schön und klug und weise und mächtig und all anderes Großartiges.

Welch selig-einfaches Leben so ein Mensch führen muss. Oder ein von Ängsten zerfressenes Leben, da seine Seele nicht gänzlich verstummt ist?

Der Schwan auf dem Foto ist ein Höckerschwan. Daneben gibt es die Singschwäne oder Trompetenschwäne. Und Trumpetenschwäne?

242: Solsolitärbasketball

Bild der Woche

Das ist hier die Frage: Hat die Sonne Einsehen mit ihren Erdlingen oder zeigt sie ihnen, dass sie auch ohne sie spielen kann?

Logisch betrachtet trifft das Letzte zu; die Sonne braucht keine Erdlinge für ihr Tun. Aber Humor scheint sie zu haben, wenn sie allein Basketball spielt. In Ermangelung frei laufender Erdlinge und ihrer Bälle spielt Sol, wie die alten Römer die Sonne nannten, das Spiel solo. Ergo ein Solsolobasketball.

241: Naturerholungsgebiet

Bild der Woche

Zu dieser Tageszeit, bei diesem Wetter, an einem der frequentiertesten Naherholungsgebiete Augsburgs ist dieses Fleckchen voll der Menschen. Die Stühle besetzt, die Plätze darunter häufig mit dem Familienhund. Die Wege übervoll mit Spaziergängern und Joggern, die sich in diesem Gewimmel im Slalom üben. Im Slalom versuchen sich ebenfalls einige Radfahrer. Schlechte Zeiten für sie; ihr Klingeln wird widerwillig wahrgenommen oder missachtet respektive mit einem ermahnenden bis empörten Blick quittiert. Eine Fortsetzung der Animositäten zwischen den Autofahrern und den Radlern mit anderen Mitteln respektive Vehikeln?

Verlaufe ich mich zu den Gewimmelzeiten hierhin, bestehen meine Erholungsversuche aus den schmalsten Waldwegen, die nur von wenigen Menschen aufgesucht werden.

Und dann kam ein winziges Krönchen, kleiner noch als ein Bakterium. Zugegeben, es sind derer viele, offenbar stimmt es mit dem Kleinvieh und dem Mist. Dieses winzige Krönchen zwingt gegenwärtig die Krone der Schöpfung zur Einkehr.

So macht die Natur aus Naherholungsgebieten Naturerholungsgebiete, aus smogbelasteten Großstädten Städte, in denen das Atmen leichter fällt. Beispiele dafür mehren sich. Leider auch falsche Hoffnungen oder bewusster Missbrauch dieses Wandels in der Natur. Dem Klimawandel wende ich mich im folgenden Beitrag zu (im Newsletter).

240: Gleich ungleiche Sonnenlichter

Bild der Woche

Himmlische Lichter gab es bereits in der Sonderausgabe am Dienstag. Es waren jedoch fremde Sonnenlichter, also die Lichter anderer Sonnen, nicht unserer.

Auf diesem Bild sind alle drei erkennbaren Himmelslichter Lichter unserer Sonne. Nein, wir haben keine drei Sonnen, nein, keine Sonne scheint nur teilerleuchtet, nein keine Corona steuert meine Gedanken.

Es leuchten hier Jupiter, Mars (das schwache Lichtlein dazwischen) und der Mond. Das vierte Licht verbirgt sich hinter den Ästen des Baumes. Es wäre Saturn, an den ich bei der Anfertigung der Aufnahme leider nicht dachte. Ein Astrologe kann mir womöglich verraten, was sich hinter meiner Nichtbeachtung dieses Gesellen verbirgt.

Zurück zu den Sonnen. Alle drei Lichter sind Sonnenlichter, da sowohl der Mond als auch die Planeten nicht selbst leuchten, sondern das Licht der Sonne reflektieren. Gleich bezieht sich also auf die Lichter der gleichen Sonne.

Ungleich hingegen ist ihr Alter. Sogar in dem winzigen Fleckchen unserer Galaxis, dem Sonnensystem, benötigt das Licht ein wenig Zeit, bis sie die Planeten oder ihre Monde erreicht. Von der Sonne zur Erde sind es gut 8 1/4 Minuten. Vom Mond bis zur Erde ist es nur eine gute Sekunde.

Längere Zeiten sind es bei den Planeten. Im Durchschnitt braucht das Sonnenlicht 12,6 Minuten bis zum Mars, 43 Minuten zum Jupiter und fast 5,5 Stunden zum Pluto. Da aber die aktuellen Positionen der Planeten eine noch größere Rolle spielen als bei dem engen Paar Erde-Mond, will ich die unterschiedlichen Zeiten – somit das unterschiedliche Alter – dieser Lichter nicht weiter vertiefen und fasse es zusammen:

Es sind die reflektierten Lichter der gleichen Sonne aber mit einem ungleichen Alter.

239: Corona Borealis

Bild der Woche

In den Ausnahmezeiten bringe ich ausnahmsweise kein eigenes Foto. Meine eigenen Himmelsaufnahmen stammen aus einer uralten Zeit der Analogkameras und Dias. Da ich mir keinen Diascanner zulegte, greife ich zu einer Fremdaufnahme. Sie stammt von Till Credner, AlltheSky.com, und ist unter der Creative-Commons-Lizenz lizenziert.

Corona Borealis ist der offizielle astronomische Name des Sternbilds Nördliche Krone. Es ist ein unscheinbares Sternbild, welches mir als Kind auffiel und im Laufe der Zeit zu meinem Lieblingssternbild wurde. Ich nenne es Krönchen und freue mich immer, wenn ich es beobachten kann. Der hellste Stern hat einen lateinischen Namen: Gemma, also Edelstein.

Der Name des Sternbilds entstammt der griechischen Mythologie. Es ist die Krone respektive der Faden Ariadnes. Mit ihr mythologisch verknüpft sind ihr Geliebter Theseus, ihr Vater Minos oder das Ungeheuer Minotaurus. Wer’s mag, wühle in der Erinnerung, in Büchern oder im Web nach der gesamten Geschichte.

Oder schaue sich die Krone am Himmel an, die gegenwärtig am frühen Morgenhimmel im Westen zu sehen ist. Im Spätsommer und im Herbst ist sie wieder im Westen zu finden, dann allerdings in den späten Abendstunden.

Eine Aufgabe in Teresas Sinne gäbe es für alle, die einen Feldstecher haben oder scharfe und lichtempfindliche Augen und in einer dunklen Gegend wohnen oder sie aufsuchen können. Östlich (links) von Corona Borealis findet sich das leicht erkennbare Sternbild Herkules, und in ihm der Kugelsternhaufen M13 zwischen den beiden linken Körpersternen dieses Helden.

Also statt nur in den Abgrund zu schauen, auch mal den Himmel genießen. Die Seele freut sich – und mit ihr der Rest des Menschen.

238: Unzulänglich

Bild der Woche

Nicht die Natur ist unzulänglich, nicht die Farben sind es, nicht die noch schlafende Flora des Vordergrunds oder der kahlen Bäume dahinter.

Unzulänglich war mein Verstand. Ich musste erneut meine Versuche abbrechen, mir die Zeit nicht linear vorzustellen, komplexer als den Zeitpfeil, der immer in die Zukunft gerichtet ist. Die Kreisläufe der Natur mit ihren Jahreszeiten animieren mich zu diesen Versuchen.

Würde das gelingen, hätten wir eine Erklärung solcher Phänomene wie Vorahnungen, Vorhersagen, Prophezeiungen. Es klingt so simpel: Stelle dir die Zeit nicht als zukunftsgerichteter Pfeil vor, sondern anders.

Doch wie soll sich unsereiner dies vorstellen? Der Kreislauf der Natur ist das nicht; auch die Jahreszeiten wiederholen sich lediglich in ihrer Erscheinung, nicht in ihrem Sosein. So wird der Baum in jedem Frühjahr ein Jahr älter und nie der Baum sein vor einem Jahr. Der Baum wird anders und sogar der Himmel, der nur scheinbar zu jeder Jahreszeit identisch aussieht. Würden wir Jahrtausende leben, könnten wir die Veränderungen der Sternenkonstellationen erkennen. Die 100 Jahre sind ein zu winziger Zeitabschnitt angesichts der kosmischen Zeiträume.

Unzulänglich ist der menschliche Verstand, um die Zeit anders zu begreifen, als der zukunftsgerichtete Pfeil. Sollte uns dies gelingen, vergehen noch unzählige – nein, nicht Generationen, sondern Inkarnationen.

237: Einträchtig

Bild der Woche

Kanadagänse, Graugänse, Höckerschwäne, Blässrallen respektive Blesshühner sowie einige Krähen am Ufer und alle einträchtig miteinander.

Wie bei Menschen jedoch, bedarf es für das Einträchtigsein oder Miteinander eines Grundes oder sachlicher ausgedrückt, eines Vorteils. Hier war das eine nette Dame mit Futter für die Vögel, die ich nicht mitfotografiert habe.

Auch wenn man es nicht wahrhaben möchte, es gibt einen Unterschied in der praktischen Verwirklichung von Agape. Es gibt die göttliche Agape, es gibt das Streben nach der menschlichen Agape. Der Mensch ist nur dieses Strebens danach fähig.

Über Eros (Begehren, Sexualität), Philia (Freundschaft) und Agape (göttliche Liebe) …

236: Vorzeichen; ein Kontrapunkt mit Licht

Bild der Woche

Die Birke war der Baum des Lichts bei den Kelten. Auf dieser Aufnahme ist er ein überzeugendes Vorzeichen des nahenden Frühlings mit dem Sonnenlicht, welches die helle Birke reflektiert. Wer in natura die Bäume und Sträucher aufmerksam betrachtet, findet eindeutige Vorzeichen – die wachsenden Knospen.

Als Titel eigneten sich auch die Worte Anzeichen, Vorbote oder Ankündigung. »Vorzeichen« schien mir der damit verknüpften Assoziationen wegen geeigneter.

Was waren die ersten Gedanken zu diesem Titel?

235: Fließvlies

Bild der Woche

Ein wirres Vlies, nicht so homogen wie erwartet, dennoch flauschig. Vielleicht ein anderer Eindruck, vielleicht eine Dynamik?

Dynamik ist korrekt. Es ist eine eingefrorene Dynamik, ein Augenblick einer Naturdynamik, eines Naturchaos. Es ist die Oberfläche eines Flusses, der ein Hindernis überwinden muss, dessen Wasser sich inständiger Aufruhr befindet und nur mit einem technischen Hilfsmittel eine Assoziation an ein Vlies zulässt.

Bild der Woche

Friert die Technik diesen Augenblick nur wenige Meter weiter in Richtung des Hindernisses ein, macht sie die fließende Natur glaubhaft und veranschaulicht den Titel dieses Vlieses:

234: Libertinage in Rot

Bild der Woche

Der Elegie in Rot des vorletzten Newsletters folgt eine Libertinage in Rot. Wer politische Anspielungen mag, dem steht es frei, an eine Orgie in Schwarz-rot zu denken.

Meine Freiheit besteht in diesem Bild der Woche in der Motivwahl und dem Titel. Menschen sind auf diesem Bild keine zu erkennen, umso mehr ihre Spuren, respektive Footprints, die sie auf der Erde hinterlassen.

Weiterlesen …

 

233: Aber hallo, Halo

Bild der Woche

Sonnenhalos sah ich öfter schon. Dieser Halo zeigt keinen ausgeprägten Ring; er ist nur ansatzweise erkennbar, am deutlichsten unterhalb der hellen Nebensonne.

Ein Sonnenhalo ist eine atmosphärische Erscheinung, die vom Sonnenlicht erzeugt wird, welches in Eiskristallwolken gebrochen und reflektiert wird. Hier gab es wohl perfekt geformte Eiskristalle in einem kleinen Wölkchen am richtigen Ort, was zu diesem prächtigen Leuchten führte.

Eine Erscheinung für nur eine kurze Zeit; für eine Aufnahme reichte es jedoch.

232: Elegie in Rot

Bild der Woche

Entspannt, beschaulich. Still, fernab der üblichen Menschenwege. Gelassen, die Gedanken genießen ihren Freilauf. Denkste! Statt sich diesem Zustand hinzugeben, erdreisten sie sich, die schnöde Politik in die Natur hineinzuprojizieren.

Sie reißen mich aus meinem Flow heraus. Woran erinnert mich das, welche Wörter wollen sich manifestieren? Ein SP formt sich, will komplettiert werden. SP…was? Einige weitere Schritte, das SP…was weicht einem SPDas, welches das rar werdende Rot der Realität meint.

Das Bild muss nicht politisch sein. Es kommt auf den Betrachter an, was er in einem Bild sieht. Das wiederum ist äußerst individuell. Individuell und wandelbar, denn des Menschen Wahrnehmung ist mitnichten eine Lebenskonstante.

Das Bild muss nicht realpolitisch sein. Allein das Grün des Bildes belegt die Realitätsferne des Fotos. Das Grün, welches die rechte Seite bevorzugt.

Das Bild muss keine Elegie sein. Ein wenig Zeit, ein wenig Humor, ein wenig Fantasie und andere Interpretationen folgen. Spätestens wenn die Natur alles neu anstreicht.

231: Ambivalent

Bild der Woche

Es ist eine Aufnahme mit einer ambivalenten Wirkung. Das Foto kann Gefahr bedeuten, erhobene Hände, die nach Hilfe rufen. In dem Foto kann jemand die Finger einer Hand sehen, die sich gen Himmel streckt. Es muss auch keine Menschenhand sein, es kann die Hand eines ETs sein, der in Richtung Heimat zeigt.

Es kann die noch kahle Natur sein, die sich gen Licht streckt und an einem kommenden Grün arbeitet. Jemand kann ebenso verbrannte Bäume darin erkennen, die Reste, die ein Feuer hinterließ. Ein Krieg?

Die Schlange ist schuld, dass ich ein solch böses Foto wählte, jawohl.

So ist das jedoch nicht; ein wenig mehr darüber im Hauptbeitrag dieses Newsletters. Die Schlange inspirierte mich lediglich zu der Wahl gerade dieses Wochenbildes. Eine Inspiration ist wertfrei, Verantwortung schleicht sich erst hinein, wenn ein Mensch die Inspiration in eine Tat umsetzt. Eine Tat, für die er verantwortlich ist.

230: Ansatzweise

Bild der Woche

Ansatzweise Winter, ansatzweise Eis. Ein Eis allerdings, welches kein Hindernis für Bono darstellt, um an sein Lieblingswasser mit Seegeschmack heranzukommen. Einmal mit der Pfote auf das Eis am Ufer treten und das begehrte Nass kann degustiert werden. Ich aber harre der Dinge, die dieses Winters noch kommen mögen. Ein Winterintermezzo im März wäre keine Überraschung; das kennen wir aus der jüngsten Vergangenheit.

Diese Aufnahme ist eine Momentaufnahme, sie betrifft somit nicht mal ansatzweise das Klima. Sie stellt nur das aktuelle Wetter dar. Womit ich die Schlange (das Thema des dazugehörigen Newsletters) ins Spiel bringen kann. Etablieren sich nämlich solche Winter, können sie zu einem Hinweis auf den Klimawandel werden. Der ist jedoch nicht ansatzweise der Schlange geschuldet; die Verantwortung dafür trägt der Mensch.

Wer dennoch die Schlange bemühen will, gelangt zu ihr auf einem Umweg über die Menschen – die Männer in diesem Fall. Sie wollten sich die Erde untertan machen und die Legitimation dazu legten sie ihrem zürnenden Gott der Liebe in den Mund. Fakes sind keine Erfindung unserer Zeit. Die Widersprüche zwischen Liebe und Zorn erkannten diese Kerle auch nicht. Das aber erkennen manche Menschen auch heute nicht.

229: Abendwolkenbaumbaumwollbüschel

Bild der Woche

Abendwolkenbaumbaumwollbüschel? Es sind simpel die Abendwolken, die auf dem Baum Baumwollbüschel zaubern. Ein umweltfreundlicher Baumschmuck, sorgt doch die Natur für das Recycling.

Schmückt noch jemand die Christbäume mit Schnee aus Wattebäuschen? Oder wird der Schnee zu einer verklärten und eher mit Ludwig Richter denn mit der Natur verknüpften Erinnerung? Nach Lametta muss ich nicht fragen; sie ist eindeutig in Ungnade gefallen. Mangels Nachfrage stellte 2015 der letzte deutsche Lamettahersteller seine Produktion ein. Sollte dieser Winter die Bäume dennoch mit Naturlametta schmücken, versuche ich mich an einem Bild der Woche.

Mich faszinieren die Grafiken der blattlosen Bäume mit ihrem Geäst. Ich würde sie zu oft im Bild der Woche präsentieren, wenn mich Monika in meinem Baumgrafikeifer nicht drosseln würde.

228: Windhöschen

Bild der Woche

Nein, das ist kein Foto für die Chemtrail-Liebhaber, Klimaleugner oder andere Ideologen. Ich fand diesen Kondensstreifen unter der Wolke putzig. Zwar kamen mir die Chemtrails in den Sinn, doch da es wie ein Fortsatz der Wolke zum Boden hin, wie ein beginnender Wolkentrichter wirkt, musste ich an eine Windhose denken. Oder an ein Windhöschen der mageren Gestalt entsprechend.

So ist dieses Windhöschen keinem Klimawandel geschuldet. Dem Menschen allerdings schon.

Notabene: Unten links ist ein Wolkentierchen (s. 224. Bild der Woche) zu entdecken.

227: Gen Himmel

Bild der Woche

Eine Birke, einsam im Feld, Hunderte Meter vom nächsten Waldrand entfernt. Hoch geworden ist sie, sie hatte Zeit genug, sich gen Himmel zu strecken. So entstand das Foto, so lies sie mich erneut fragen, warum der Bauer diesen Baum stehen lässt. Ich weiß die Antwort nicht. Vielleicht bedeutet ihm der Baum etwas. Pflanzte er ihn selbst, beobachtete er sein Wachstum vom Schössling zu einem staatlichen Baum heran, küsste er mal unter dem Baum, legte er Pausen darunter ein? Ich bin ihm dankbar, dass er diesen Baum leben lässt.

Bei winterlichen Bäumen, wenn ich ihr feineres nacktes Geäst vor einem kontrastierenden Hintergrund – wie hier der blaue Himmel – betrachte, verliere ich mich in den Neuronen und ihren Spielchen im Kopf. Das Geäst erinnert mich oft an die Neuronenstrukturen im Hirn oder an die größten Strukturen, die uns Menschen bekannt sind, an die Anordnung der Galaxiencluster und Supercluster im Universum. Es gibt optische Parallelen zwischen dem Gehirn und dem Weltraum …
Schon ist der Wirrwarr im Kopf in vollem Gange. Neuronen, Galaxiencluster, anthropisches Prinzip (eine philosophische Verknüpfung des Universums mit einem Beobachter), Mustererkennung, Fraktale oder solch Banales wie Wurzeln, die ihren Platz mit der Krone tauschen.

Da schwirrt der Kopf und bevor es noch wilder zugeht, besinne ich mich der Ästhetik der Bäume. Seit einigen Jahren verfüge ich über ein weiteres probates Mittel gegen Wirrwarrkopfweh. Es ist mein vierbeiniger Begleiter, der mich daran erinnert, dass die schönsten Muster die Futterbröckchen in seinem Napf bilden.

Und nein, es ist nicht mein Lieblingsbaum, der in mehreren Varianten zum Bild der Woche wurde. Sorry, Lieblingsbaum, aber andere Felder haben auch schöne Bäume. Gott - oder Bauer - sei Dank.

Noch ein Wörtchen dazu

Bild der Woche

Beim weihnachtlichen Bild vergangener Woche diskutierten Monika und ich, ob wir bei dem Blau des Baumes oben bleiben. Ohne die Buntlichter fiele jedoch das designerisch düstere Loch auf, da die Hauptlichterkette sich ein wenig zu kurz erwies (ja, ja, sie war schuld, die böse Kette, nicht unsere Wahrnehmung). So blieben wir bei dem Blau, welches in dieser Intensität allerdings nur auf den Aufnahmen zu sehen ist.

Mag jemand eine fantasievollere Erklärung, hier ist sie. Hochprozentiges statt Wasser gossen wir in den Christbaumständer hinein. So wurde der Baum blau und der Wächter ergötzte sich an den Dämpfen, was unschwer an seinem Gesicht zu erkennen ist. Ein schöner Wächter ist das.

Aktuell wacht er vor dem Esszimmer (s. Foto oben), auf das die verzerrten Mengen vernünftig bleiben. Darüber wollen wir jedoch selbst wachen. Der Wächter darf dennoch an die Konsequenzen des flüssigen oder festeren Übermasses ermahnen.

226: Der Friedenswächter

Bild der Woche

Der Wächter bleibt nicht bei dem Baum stehen. Sein Stammplatz ist vor der Wohnzimmertür, auf dass kein Unfriede in diesen Raum gelangen möge.

Bevor ich weiter darüber sinniere, erweitere ich die oberen Wünsche (im Newsletter) um Frieden an den Feiertagen.

225: USO aka UFO?

Bild der Woche

Es grüßt das Web mit den Unmengen an UFOs und Kürzeln, von denen beide unidentified sein können. »Alias« ist wohl nicht zeitgemäß, »aka« (also known as) ist progressiver. Eine weitere Anderssprachlichkeit? Kein Problem; da ich die Wolke in Augsburg sah, fiel mir das Schwäbische ein, was zu einem Song führte mit dem schwäbischen Titel »Guck i han a UFO gseh« des leider verstorbenen Wolle (statt Wolfgang) Kriwanek.

USO wiederum klingt für mich plausibler als UFO und meint Unidentified Sky Object.

224: Hans Guck-in-die-Wolken

Bild der Woche

In der Struwwelpeter-Sammlung trägt das zerstreute Kind den Namen Hans Guck-in-die-Luft. Bei diesem Foto bevorzuge ich jedoch den Namen Hans Guck-in-die Wolken (vermutlich hörte ich das Erste ein wenig zu oft in meinen jungen Jahren).

Das Struwwelpeter-Werk darf oder muss man hinterfragen. In dem besagten Hans kann ein fantasievolles Kind gesehen werden oder wie heute manchmal postuliert wird, ein Kind mit ADHS. Das jedoch und die dazugehörigen Diagnosen und Medikationen sind ein anderes, ebenfalls hinterfragungswürdiges Thema.

Ich genoss die kurze Zeit dieses Abendhimmels als Hans Guck-in-die-Wolken. Die untere Wolke veränderte ihre Form und bot der Fantasie immer neue Nahrung. Überraschend fand ich die Assoziationen anderer zu diesem Bild. So sah Monika darin einen nach rechts schwimmenden Drachen. Mir hingegen fiel der linke Teil auf, in dem ich eine Krabbe sehe. Und betrachte ich das gesamte Wolkengebilde, fällt mir Ankylosaurus ein, der Dinosaurier mit der Keule am Schwanzende. Alternativ ein Mäuschen, welches seinen Hals nach einem Baum streckt.

Es sind viele Interpretationen möglich. Ob sie jedoch jeden Erwachsenen interessieren?

Siehe dazu »Wann wirst du endlich erwachsen?«

223: Osef von der Osee

Bild der Woche

Es ist ein Spielplatz. Einer in der unmittelbaren Nachbarschaft eines weiteren Spielplatzes mit einem Basketballkorb, dem Ort des faktischen sozialen Mediums aus dem letzten Newsletter. Ein Spielplatz für Kinder neben einem Spielplatz eher für Erwachsene, wie das meine bisherigen Beobachtungen meistens bestätigen. Aber Osef und Osee?

Osef, ein Josef mit einem abhandengekommenen Initial, erklärt sich aus der Gesamtform der Spielelemente. Das »f« ergibt sich aus der in der Ferne verdeckten untersten Strebe des letzten Elements, wodurch das E zum F mutiert.

Die Osee bedarf kaum einer Erklärung. Lediglich über den Artikel lässt sich diskutieren. Die Osee oder der Osee? Die Osee drängt sich durch die sprachliche Nähe zu der Ostsee auf. Dagegen spricht die unmittelbare Nähe eines kleinen Sees, wodurch es der Osee sein müsste.

Linguistisch interessant, warum »die« See das größere Wasser und »der« See ein kleineres Binnengewässer bezeichnet. Das ist auch gut so; andersherum gäbe das womöglich einen Anlass für Genderdiskussionen. Daher lieber zurück zu der oder dem Osee mit der oder dem Artikelgeber, die eine Gemeinsamkeit aufweisen. Die Osee – die Ostsee – ist eine geologisch junge See mit ein wenig mehr als 10.000 Jahren Geschichte. Der Kuhsee ist ein Ergebnis der Lechregulierung, ein noch jüngeres Wasser also.

Komme ich zu den Erwachsenen zurück, so hoffe ich, dass die diesen unlängst angelegten Spielplatz nicht für ihre olfaktorischen und des Rauchs wegen optischen Zumutungen missbrauchen, die sie Grillen nennen. Bedenke ich die Hinterlassenschaften ihres Treibens, muss ich oft an ihrer Attribuierung mit »Erwachsene« zweifeln.

222: Ein soziales Medium

Bild der Woche

Wer meine Texte verfolgt, ahnt dass ich den Terminus »Social Media« allenfalls für einen Euphemismus halte, meist für ein Fake. Ein soziales Medium im Titel würde somit auf ein Gegenteil hindeuten.

Das Martinsfeuer am Augsburger Kuhsee ist kein Fake. Obwohl ich für dieses Feuer etwas zu früh meine Bono-Runden drehte, wartete ich die Dunkelheit und den Beginn des Martinfeuers ab. Einerseits erwärmte mich dieses Beisammensein …

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221: Nebelmond

Bild der Woche

So konturlos, so nebulös die Wünsche des Menschen oben *), so passend das Foto des Vollmonds. Und auch nicht.

Dieser Nebel lichtet sich in einigen Minuten. Außerdem ist er ein Ausdruck einer Ästhetik in der Natur. Ästhetisch kann ein Nebel wirken; nebulösen Wünschen gelingt das nicht.

So düster die These im letzten Beitrag *), so passend das Foto des Vollmonds. Und auch wieder nicht.

Diese Düsternis weicht der Sonne. Außerdem finde ich es mitnichten düster. Ich liebe die frühen Zeiten allein in der Natur. Fast allein, denn Bono ist mit dabei. Die Ruhe dieses Morgens ist eine Kraftquelle für den gesamten Tag. Diese Kraft tankte ich an diesem Morgen ein wenig länger. Zu faszinierend war das Licht- und Nebelspiel, zu schade für ein Foto nur.

– – –
*) Die Anmerkungen beziehen sich die Beiträge im 161. Newsletter

220: Auenlandabgründe

Bild der Woche

Südlich von Augsburg gibt es einen Auenwald mit dem Auensee, was ich gerne zum Auenland zusammenfasse. Auf den ausgedehnteren Touren mit Bono am Lech entlang ist das oft unser Wendepunkt. Einige Minuten Pause am Lech oder an dem See, die Ruhe genießen, Kraft tanken, die Gedanken schweifen lassen und beobachten und sich davon überraschen lassen, was sie kreieren.

Abgründe sind hier eine inkorrekte Kreation. Doch erzeugt der Auensee immer wieder mal einen Nebel, mit dem er das gegenüberliegende Ufer verschwinden lässt. Das diesseitige Ufer ist ein Abgrund, es ist das Ende der Welt. Und sollte ich doch die Umrisse des anderen Ufers erahnen, übersehe ich dies geflissentlich und gebe mich der Illusion der Auenlandabgründe oder des Nichts hin.

Lange kann ich das ohnehin nicht genießen; Bono sorgt mit seiner Ungeduld für die Rückkehr in die Realität. Er scheint zu wissen, dass noch einige Kilometer zu dem Futternapf zu bewältigen sind. Zu einem Futternapf, in dem kein Nichts herrscht.

219: Himmel und Pornografie

Bild der Woche

Die Abendsonne beleuchtete die Wolken von unten, womit sie dunklen Fragmente im oberen Bereich schuf. Ich wollte abwarten, bis die Kondensstreifen am Himmel prägnanter werden, der schwierigen Beleuchtungskontraste wegen machte ich ein paar Testaufnahmen vorab. Das war gut so, denn die Luft war zu trocken, die Kondensstreifen lösten sich daher zu schnell auf. Die obere Aufnahme ist eines der Testfotos. Mit den Lichtkontrasten der Wolke und dem Schwung des oberen Kondensstreifens ist dies eine Einladung zu Interpretationen.

Ist es lediglich eine Wolke mit auffälligen Kontrasten oder eine Gefahr am Himmel? Welche Gedanken lösen die Kondensstreifen hervor? Sind es Fragen nach dem Grund der Krümmung, nach den Piloten? Überlegungen über das Wetter? Kommen Chemtrails in den Sinn?

Aber Pornografie? Sie bezieht sich nicht auf die Objekte dieser Aufnahme, sondern auf die Interpretationsmöglichkeiten der Zwetschgenpaare aus dem 156. Newsletter vom 12. Oktober und des aktuellen Fotos (s. unten, »216: Dualzwillinge – es gibt sie doch«). Die hier gemeinte Pornografie betrifft kein Bild, sondern den Betrachter: Wenn jemand ein Bild betrachtet und es pornografisch findet, sagt das wenig über das Bild aus, aber viel über den Betrachter.

Um weiteren Fragen zuvorzukommen. Natürlich hatte ich bei den Zwetschgen anatomische Assoziationen. Das gebe ich zu und hoffe, dass mich kein Zwetschgenschutzverband wegen eines #MeToo-Vergehens belangt. Falls doch, beanspruche ich mildernde Umstände für mich, da ich Zwetschgen zum Fressen gern habe. Wobei … Entspricht diese Formulierung dem unüberschaubaren Spektrum der gegenwärtigen Political Correctness? Doch Vegetarier, Veganer und Frutarier könnten nur etwas dagegen einwenden, wenn ich keine Selektion betreiben und Würmer mitverspeisen würde. Für Flexitarier und Omnivoren ist das ohnehin irrelevant.

218: Ein Fremdling

Bild der Woche

Die Geistesverwandtschaft zwischen einem Fremdling und der Liebe muss ich vermutlich nicht erklären.

So bleibt nur die Frage nach dem Fremdling inmitten der roten Gesellschaft übrig.

217: Kuhräder

Bild der Woche

Da der Titel aus einer Auslassung resultiert: Ist er ein Fake?

Es ist so gar nicht meine Zeit für die Ausflüge mit Bono; ich ziehe den Morgen kurz nach 05:00 Uhr vor oder den späten Abend. Ich mag schlicht die Ruhe der Natur. Bono stört das nicht und mit seinem Tanz um mich herum, gab er mir unmissverständlich zu verstehen, was er mag. Wat mut, dat mut. So stürzte ich mich in dieses Nachmittagsgewimmel und kam zu dem Foto der vielen Räder am Kuhsee.

Es sind Kuhseeräder auf dem Foto. Da der See aus dieser Perspektive kaum zu sehen ist, strich ich das »see« und übrig blieben die Kuhräder. Das fand ich putziger. Wobei ich betonen will, dass dies keinerlei Wertung der Radfahrer beinhaltet. Ich finde es positiv, wenn es mehr Fahrräder gibt.

Wie lange es die Fußgänger freuen wird, wann sie sich mit Rückspiegeln wappnen werden, ist eine andere Überlegung. Aber die Räder sind nicht in den dunklen Stunden unterwegs, ergo bleibe ich gelassen.

216: Dualzwillinge – es gibt sie doch

Bild der Woche

Das habe ich davon, wenn ich beim Zubereiten des Frühstücksmüslis nicht achtsam bei der Sache bin, sondern meine Gedanken wandern lasse. Harmlose Zwetschgen werden zu Seelenpartnern und landen im Newsletter.

Sind es zwei Dualzwillinge oder sind Dualzwillinge ein Duo von Zwillingen, also vier Menschen? Der Zoo der Seelenpartner und Dualseelen ist wahrlich unübersehbar.

Ich wage mich nicht an die Beantwortung dieser Fragen heran und überlasse das den Kennern der Materie, die kenntnis- und neurosenreich die Wahrheit über die Unterschiede zwischen Seelenpartnern, Seelenverwandten, Seelenzwillingen, Zwillingsseelen, Zwillingsflammen, Dualseelen, Kugelmenschen (ich hoffe, sie meinen damit keine extreme Adipositas) propagieren. Außerdem wissen sie alles über die vielen Phasen der Seelenpartnerschaften.

Nun seriös: Wo bleibt da die Liebe?
Die Liebe, die sich nicht einsortieren, kategorisieren, in einen Sollablauf pressen lässt?

215: Gaias Tränen

Bild der Woche

Weint Gaia dem gewesenen Leben eine Träne nach?

Viele Tränen hätte sie dann vergießen müssen. In den fünf Massenaussterben verlor sie über 99 % der auf ihr lebenden Spezies. Nach jedem Massenaussterben erholte sie sich und setzte auf neue Spezies. In der Nomenklatur des Menschen gibt es Spezies, die auf der Erde herrschten: Nach dem vierten Massenaussterben waren es die Dinosaurier, nach dem fünften die Spezies Homo sapiens.

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214: Hexenbaum

Bild der Woche

Ein bekannter, ein unauffälliger Baum auf meinen Streifzügen am Lech entlang. Außer ein Naturkünstler nimmt sich seiner an und verleiht ihm ein auffälliges Aussehen.

Der Naturkünstler ist der Nebel, in diesem Fall der Morgennebel, der der Sonne trotzt und der Landschaft Rätselhaftes hinzufügt. In dem Baum rechts im Vordergrund sehe ich auch nach wiederholtem Betrachten ein Wesen. Entscheiden kann ich mich nur nicht, ob dieses Wesen nach etwas links von ihm greift und womit – mit den Armen oder einem riesigen Maul? Sind die oberen drei Äste sein Kopf, seine Haare? Sind es der Kopf und zwei Arme, die sich nach oben strecken?

Ich entschied mich für einen großen Kopf mit einem geöffneten Maul; das fand ich putziger (s. 151. Newsletter mit seinem »putzig«).

213: Keltenangst reloaded

Bild der Woche

Selbstversunken auf einer Bank, die Gedanken wandern in diversen Welten. Die rechte Hand übt sich im Handauflegen auf dem Oberarmbruch. Keine Armbanduhr, da der linke Arm unter der Bekleidung fixiert und verborgen ist. Bono liegt gelangweilt oder geduldig neben der Bank; er kennt meine Vergessenheitsmomente.

Ich vergaß die Gegend und die Zeit um mich herum. Erst eine für diese Tageszeit ungewöhnliche Dunkelheit holt mich in die Gegenwart zurück. Was ist denn los? Ein Blick gen Himmel klärt alles. Es ist eine mächtige Wolke, die sich den Sonnenstrahlen in den Weg stellte.

Ich spreche Bono an, deute mit der Hand zum Himmel hin. Er bleibt bei seiner ostentativen Langeweile. Seine Augen hebt er zwar, sieht aber nur mich an, meinem Handhinweis folgt er nicht. Er scheint keine Angst vor dem herabstürzenden Himmel zu kennen. Seine Mutter stammt aus Frankreich, wohl aber nicht aus der Bretagne, dem sagenumwobenen keltischen Land auf dem Kontinent. Bono hätte sonst Respekt vor einem einstürzenden Himmel zeigen müssen, statt sein Nickerchen fortzusetzen.

Ich will nicht nass werden, spreche daher die Zauberworte: »Heim, Futter«. Bono steht augenblicklich auf, wedelt zum Einverständnis und aus Freude mit dem Schwanz. Antreiben muss ich ihn nicht mehr, um dem Regen zu entkommen.

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Die himmlische Keltenangst gab es bereits in den Bildern der Woche: »Keltische Ängste Light«, 139. Bild der Woche, 79. Newsletter. Daher das »reloaded« des aktuellen Bildes.

212: Noch

Bild der Woche

Noch hüllt die Morgendämmerung die Natur ein, doch wenige Minuten nur und die Sonne enthüllt sie.

Noch verhüllt der Nebel den See mit seinem Pastell, doch wenige Minuten nur und die Sonne erarbeitet die Konturen und Kontraste.

Noch ist es hell, doch wenige Wochen nur und es ist dunkel zu dieser Zeit.

Noch regiert der Sommer mit seinen Farben, doch wenige Wochen nur und der Herbst übermalt es nach seinem Gusto.

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Länger überlegte ich, ob ich auf ein Detail des Bildes hinweise oder es verhehle. Wer bei der Romantik verweilen mag, lese bitte nicht weiter. So fällt das Fischerboot in der Mitte des oberen Seeufers nicht auf und die mögliche Fortsetzung:
Noch lebt der Fisch, doch …

211: Sie siedeln unter uns; die unheimliche Begegnung der unumstößlichen Art

Bild der Woche

Steven Spielbergs Film »Unheimliche Begegnung der dritten Art« aus dem Jahr 1977 sah ich inzwischen über 20 Mal. Der Wunsch nach dieser friedlichen Art der ETs und der Begegnung der Menschen mit ihnen bleibt mir erhalten. Die friedliche Art ziehe ich der typisch menschlichen vor – der kriegerischen in der Realität des menschlichen Zusammenlebens.

Die erste Art der Begegnung mit den ETs ist eine nahe Sichtung, die zweite beinhaltet physikalische Effekte, die dritte eine Beobachtung von ETs in ihren Flugobjekten. Die vierte Art ist unangenehm für die Menschen – Entführungen, Experimente –, die fünfte umfasst eine gegenseitige Kommunikation. Wie klassifiziere ich meine Begegnung respektive Beobachtung? Und was bedeutet dieses Verhalten der ETs?

Es war ein Kinderwagen der Außerirdischen, den sie an einem frühen Morgen auf einem Feld platzierten. Siedeln sie erst bei uns oder leben sie bereits unter uns´? Was bewirkt die Feldumgebung, wie profitieren die ET-Kinder davon? Essenzielle Fragen der Menschheit und kein Däniken im Direktzugriff, um Antworten zu bekommen.

Nicht dass ungläubige Zeitgenossen behaupten, es handele sich bei diesem Objekt um ein profan-irdisches Bewässerungssystem.

210: Putzig

Bild der Woche

Putzig fand ich diesen Baumpilz, Gemeiner Schwefelporling nennt er sich, auf einem alten, vom Zahn der Zeit und der Natur gezeichneten Baum. Ihm fehlt seit einigen Jahren die Krone.

Putzig

Putzig ist eines meiner privaten Lieblingsworte. Putzig etikettiere ich meine Lieblingsworte selbst, die privaten und die öffentlichen, also die in meinen Texten. Bei den öffentlichen muss ich darauf achten, sie nicht gar zu häufig zu verwenden. Das gerade angewandte »gar« ist ein harmloseres Beispiel davon.

Privat verfüge ich über eine Sammlung putziger Worte, die mit jedem neuen Wohnsitz einen kleinen Zuwachs bekam. Augsburg steuerte solches bei wie Gupfen, Stitzl oder Sternla bei. Der Klang dieser Worte ist schlicht putzig.

Putzige Feinheiten

Ich putze mich, wenn ich unter die Dusche oder ins Bad gehe. Weist mich jemand darauf hin, ich sei doch kein Vogel, stimme ich ihm zu: »Korrekt. Ich bin kein Vogel, ich habe einen.« Doch sollte mir derjenige Mensch das nächste Mal mitteilen, ich habe einen Vogel, korrigiere ich erneut: »Nein, keinen Vogel. Eine Horde.« Und folgt dem eine gekrauste Stirn meines Gegenübers mit einer Korrektur: »Wenn, dann einen Schwarm, keine Horde«, ist der Dialog nicht beendet.

Hier muss ich etwas ausholen und erläutern, dass ein Schwarm für mich Ordnung und Choreografie bedeutet. Meine Gedanken und inneren Bilder hingegen, besonders die vor dem Einschlafen oder in den Nacht- und Tagträumen haben ein zu wildes Eigenleben. Insofern ist eine wilde Horde angebracht, kein choreografierter Schwarm.

An dieser Stelle enden diese Dialoge meist mit verdrehten Augen gekrönt von einem Faltenzuwachs auf der Stirn. Ich nehme mir die Freiheit, darin eine Akzeptanz der Horde zu sehen. Ob das aber zutrifft?

Und gar nicht putzig

Gar nicht putzig fand ich hingegen die Aktion eines Unbekannten wenige Tage nach dieser Aufnahme. Er zerschnitt diesen Pilz mit einem Messer in kleinste Stückchen. Das »er« verwende ich hier bewusst; ich sehe da einen Mann oder Mann-Anwärter, der sich mit seinem Messer eine neurotische Erleichterung verschafft.

Der Sinn dieser Aktion erschließt sich mir nicht. Der Baum ist seit Jahren schon mit dem Pilzmyzel (der Gesamtheit der Pilzfäden) durchsetzt, insofern nicht mehr zu retten. Der Pilz ist nebst der Gestalt des Baums nichts weiter als ein zusätzlicher äußerer Hinweis aus seinen inneren Zustand. Und den bestimmt die Natur.

209: Ein Bodycheck zu viel

Bild der Woche

Ein Mensch, ein Mensch!«, könnte der Titel alternativ lauten, da ich lediglich Naturaufnahmen mache. Ein Sonderfoto in einem Sondernewsletter ist aber zulässig.

Meiner Vorliebe für Naturaufnahmen bleibe ich treu, die obere Aufnahme machte Monika. So sah ich aus, noch unrasiert, unmittelbar nach der forcierten Entlassung aus dem Krankenhaus. Es waren zwei Tage nach einem Hechtsprung, leider nicht ins Wasser, sondern auf einem steinigen Feldweg. Ein ausgekugeltes Schultergelenk, doppelter Bruch des Oberarmknochens, abgerissene (hieß es) Muskelaufhängung waren die Konsequenzen. Die Fachbegriffe klingen imposanter, ändern aber nichts an den Fakten.

Das bunte Shirt, unter dem ich meinen fixierten Arm verberge, stammt aus den Zeiten, in denen Monikas Söhne beim AEV Eishockey spielten. Einer von ihnen kommentierte das Bild daher stante pede: »Aha, ein Bodycheck zu viel«. Der Bildtitel ward geboren.

Meine Kontakte mit Eishockey beschränken sich auf einen einzigen Besuch eines Spiels im Münchner Eisstadion Ende der 70-er Jahre des vergangenen Jahrtausends (klingt imposanter als Jahrhundert und ist ein Fakt, kein Fake). Zunächst versuchte ich, dem Puck zu folgen; ich gab es auf. Später fror ich, dachte ich doch nicht daran, dass es im Eisstadion kühler sein könnte, als in der Natur.

Und Bono wird noch eine Zeit lang warten müssen, bis wir wieder flotten Schrittes die Natur erkunden. Mir scheint es, er ist damit nicht einverstanden, schließlich sind doch beide Beine okay. Die zwei reichten bisher, vier, wie er, brauchte ich noch nie. Recht hat er, der Treue, dennoch will da etwas in mir abgearbeitet werden, es geht noch nicht.

208: Diversitätsparadoxon mit Folgen

Bild der Woche

[…] Verbal fordert der Mensch Diversität, faktisch arbeitet er an ihrer Beseitigung. Nur ertragsstarkes und erntefreundliches Getreide. Die Gleichheit der Menschen wird von doch vielen politischen Richtungen postuliert.

Andererseits arbeiten einige an der Gleichheit der Geschlechter, andere an einer diktatorischen Gleichschaltung der Meinungen, um zwei Beispiele zu nennen. Sie wollen den Menschen homogenisieren. Diese Art der Arbeit an einer Gleichheit ist eine Arbeit an der Beseitigung von Diversität.

Es vergisst der Mensch nur zu gerne, dass er ein Teil der Natur ist und […]

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207: Unbefriedigende Interspezies-Kommunikation

Bild der Woche

[…] Das ist eine Täuschung; der Vogel folgt uns. Es ist der fünfte Baum, von dem herab er seine hoffnungslose Kommunikation fortsetzt. Ich lächle nicht mehr, ich frage mich nach dem Grund seines Verhaltens. Es muss einen Grund geben, beschließe ich. Doch ist er mir ebenso ein Rätsel, wie der Inhalt seiner Reden. Es ist eine neue Erfahrung trotz meiner vielen Jahre intensiver Vogelbeobachtungen der früheren Jahrzehnte.

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206: Bedrohlich-behagliche Entourage

Bild der Woche

Die aufgehende Sonne tauchte die Landschaft in ein für einen Erdling befremdliches Licht. Der Erdling kam mir in den Sinn, da ich gerne die Welt von einer anderen Perspektive zu betrachten versuche. Vor allem die widersprüchliche Spezies Mensch, die diesen Planeten bewohnt aber nicht einsehen mag, dass er lange Zeit noch sein einziges Refugium bleibt.

Bedrohlich und behaglich sind doch Widersprüche. Und Entourage?

Die Entourage bilden die zwei rötlichen Wolken, das begleitete Objekt ist mein (da am häufigsten fotografierter) Baum. Die Wolken sind zwei Wolkentürme, die durch ihre Höhe von den ersten Sonnenstrahlen angeleuchtet wurden. Einige Alpengipfel strahlten ebenfalls in dieser Farbe. Die schnitt ich weg, da sie von Augsburg aus zu weit entfernt sind, um so zu imponieren, wie die kleineren aber näheren Wolken.

Bedrohlich fand ich die Wolkenfarben. Ich sah darin ein Feuer, assoziierte die beiden Wolken sogar mit einer Explosion. Mir war es aber nach einem neutralen Titel und entschloss mich daher für Baumohren. Das löste die Frage aus, warum der Baum rote Ohren bekam, die Neutralität schwand.

Wer darin Ohren sehen will – bitte. Warum aber rote Ohren? Weil das Feld im Vordergrund am Vortag geerntet wurde? Was sah da der Baum?

Wer meine Assoziationen interpretieren will, kann es gerne tun. Bedenken sollte er nur, dass ich Feuer mag, seit ich mich erinnern kann. Ein Grund dafür sind die Erinnerungen an die Küche meiner Großeltern mit dem großen Kaminofen. Im Winter öffneten die Großeltern das Ofentürchen und ließen das Feuerlicht an den Wänden tanzen. Wie gerne schlief ich da auf der Couch ein …

Behaglich kam in die Überschrift nicht meiner Großeltern, sondern Monikas wegen. Meine Kindheitserinnerungen kamen erst nachdem ich drei Kandidaten für das Bild der Woche Monika zeigte. Sie erwärmte sich augenblicklich für das Entouragebild, da sie die Wolkenfarben heimelig respektive behaglich einstufte. Dabei rechnete ich mit einem Statement gegen dieses Bild meiner Sichtweise der Farben wegen.

Aber Männer und Farben; wer den letzten Newsletter las, weiß, was ich meine. Wer es mag, kann es im Web nachlesen, da ich diesen Beitrag in dem Zeit-Blog veröffentlichte: »Männer und Farben« im Zeit-Blog …

205: Männer und Farben

Bild der Woche

Der letzte Vollmond war am 16. Juli, dem 50. Jahrestag des Starts von Apollo 11. Doch ist das nicht der Anlass für dieses Bild der Woche. Es ist die Shirtfarbe des Läufers, auf die ich mich aus Erfahrungsgründen nicht festlegen mag. Auch wenn das Foto um den 50. Jahrestag herum entstand, waren mir die Emotionen des letzten Newsletters wichtiger. Diese Aufnahme musste somit auf ihre Veröffentlichung eine Woche warten.

Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Farbwahrnehmung bestätigt die Wissenschaft mit Statistiken und mit medizinischen Untersuchungen. Ein Fakt sind sie also und kein Fake und fern einer Ideologie (in meiner Wahrnehmung).

Die Unterschiede gehen über die Wahrnehmung hinaus, sie betreffen auch die Wirkung der Farben. Die Details können dank Web leicht nachrecherchiert werden, ich betrachte lieber den Alltag mit meinen Erfahrungen.

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204: Emotionen

Bild der Woche

Die Kühle der Luft in den Lungen und im Kopf mit ihrer Klarheit. Keine Bewegung. Kein Mensch, zumindest kein lauter Mensch. Stehen bleiben. Wirken lassen. Lautlos. Die Rufe einiger Vögel, die nicht durchdringen, die nicht stören; sie gehören dazu, sie müssen erklingen. Stören würde es, wenn sie nicht rufen würden. Ein kurzes Platschen im Wasser, ein Fisch, der sich aus dem Wasser wohl eines Insekts wegen wagte. Auch das bekannt, auch das dazugehörig, auch das kann nicht stören.

Es ist das Glück der kleinen Dinge. Nicht in einem Buch, kein Pathos, keine Religion, keine Intellektualisierung, kein Guru, keine Vorgaben, Tipps, Ratschläge. Einfach Glück jetzt, hier, innen, außen, in diesem Augenblick zeitlos.

Wenn Gott, dann nur als ein Code für eine Transzendenz, die wir nicht begreifen können, nicht begreifen müssen. Keine Gottesbilder, schon gar keine alten, bärtigen, zürnenden. Wenn Gott, dann das kleine Glück. Und nichts anderes ist in diesem Augenblick relevant.

Um Bono muss ich mich nicht kümmern. Oft rätselhaft, woran er diese Stimmung erkennt. Er tut es; er setzt oder legt sich hin, bleibt regungslos. Bei meiner kleinsten Bewegung springt er allerdings auf, wedelt mit dem Schwanz und will weiter: »Genug der Ruhe, laufen will ich«.

Eine Frage löste diese Betrachtung aus, eine alte Frage aus meiner Kinderzeit. Wie lassen sich Emotionen perfekt übermitteln, fragte ich mich viele Jahre lang. Nicht nur bei Naturbetrachtungen, auch in der Kunst oder in der Therapie. Einem deprimierten Menschen ein Gefühl der Ruhe und Klarheit übermitteln und ihm so helfen, das wäre eine Anwendungsmöglichkeit dieser Fähigkeit.

Aber ich wurde älter. Und heute führte diese Erinnerung zu einem Beitrag.

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Um die Sonnenwende herum spiegelte sich zu dieser Uhrzeit die Sonne im See, jetzt erreicht sie erst die Baumkronen. Die Tage werden eindeutig kürzer.

203: a) Tor

Bild der Woche

Die Anderswelt drängt sich mir an dieser Stelle häufig auf. Der frühe Morgen, Vogelgesänge, Frische, Leichtigkeit. Der grüne Tunnel der Allee mit ihrem lichten Ende (in der Bildmitte), die dort angekommen den Blick auf einen See freigibt. Die beiden Steine, die in mir die Ahnung eines Tores hervorrufen, dessen Durchschreiten in eine Anderswelt führt.
Anders ist diese Welt schon, zumindest solange keine lärmenden Menschen diesen Eindruck stören.

Die Realität

So klug Bono sein kann, so wenig steht es ihm nach Anderswelten. Ihm ist der erste Baum links wichtig, der mit dem Vogelhäuschen. Nicht nur ihm; andere Hunde mögen ihn ebenso auf ihre spezifische Art. Es ist der Kommunikationsbaum dieser Spezies. Aufgrund dieser wasserbetonten KommunikationS kann eine Dürre diesem Baum nicht so schnell etwas anhaben.

203: b) Allwasser

Bild der Woche

Dieses Foto entstand an dem See hinter dem lichten Ende der Allee des ersten Fotos.

Vor ein paar Jahrzehnten erfuhr ich von dem Vergleich der Kosmologen, die großen Strukturen des Weltalls 1) würden an die Lichtreflexionen der Sonne am Boden flacher Gewässer erinnern. Seitdem erinnere ich mich jedes Mal dieses Vergleichs und gebe mich den Bildern und den Gedanken hin, die sich nicht mehr das Wasser, sondern im All ausbreiten. Lässt sich das so formulieren? Doch bevor es philosophisch wird …

Die Realität

Das Grün bringen die Algen in das Wasser hinein. Oder der Sommer mit seinen heißen Tagen, der das Algenwachstum begünstigt. Oder die Sonne, die all das erwärmt, die Erde, die Luft, das Wasser. Aber stopp, sonst gleiten die Gedanken über die Sonne zu anderen Sternen und prompt sind sie wieder im All.

Eine Frage nur: Ist es der Mensch mit seiner Gier, der dieses Grün beschleunigt?

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1) Die Strukturen, die im Weltall durch die Anordnung der Superhaufen gebildet werden, erinnern an die besagten Wellen oder an die neuronalen Strukturen im Gehirn.

203: c) Himmelswasser

Bild der Woche

Dem Wasser gelang es an diesem Tag, meine Gedanken nochmals auf sich und seine Wellen zu lenken. Feinere Wellen diesmal, luftigere. Feiner sind sie, luftiger sind sie, dennoch wesentlich größer als dieses grüne Gekräusel des Sees.

Ein Z eines gewissen Zorro sah ich an diesem Himmel, die kurzlebigen Wellen der Höhenwinde, da sie bald der Sonne gehorchen und sich auflösen müssen. Ein meditatives Bild. Da ich noch die Kamera vom Seeausflug bei mir hatte, machte ich diese Aufnahme.

Die Realität

Die Kamera ist mit dieser Realität nicht gemeint. Es sind die anderen Muster, die der Mensch auf dem Himmel hinterlässt.

Die Rache des Zorro oder irgendwelcher Chemtrails befürchte ich nicht. Die Kondensstreifen werden aber mehr, wieder mal die menschliche Gier. Sie allein machen mir keine Sorgen. Bedenke ich jedoch andere Einflüsse unserer Spezies, beispielsweise das Plastik, so ist das eine harte Rückkehr in die Realität. Wem es nicht hart genug ist, bedenke das Mikroplastik, welches inzwischen allüberall auf der Erde nachgewiesen wurde. Auch im Menschen selbst.

202: Neues wollen, sollen oder müssen

Bild der Woche

Dieser Baum ist nicht nur mein am häufigsten fotografierter; er ist zu einem Fragenbaum geworden. Die bohrendste Frage ist, wie lange er noch wachsen darf, wann er zum Störfaktor wird und anderen Interessen weichen muss. Ich hoffe, er darf bleiben, da er an einem schmalen Weg zwischen zwei großen Feldern steht, insofern nicht mitten im Feld (ersichtlich in dem winterlichen 132. Bild der Woche des 72. Samstags-Newsletters).

Die Wolkenreste der Nacht trotzen noch dem Sonnenlicht, bis es sie verschlingt, den Himmel durchgehend blau und die Luft heiß macht, wie die Tage davor. Und dennoch ist es gnädig, das Licht der Sonne, es verschlingt nur die Wolken. Bis es mehr verschlingt, vergeht unbegreiflich viel Zeit für das Menschengeschlecht. Es hat Zeit genug, etwas Neues in die Wege zu leiten. Etwas, was ihm mehr Zeit und eine Chance gewährt, die Wege des Verderbens zu verlassen, die es einschlagen will. Bereits eingeschlagen hat?

Oder übernimmt Gaia die Kreation des Neuen? Des Neuen für diese Spezies, die momentan den Planeten zu regieren glaubt. Für die Spezies, die sich den Planeten untertan machen wollte, wie sie das einem ihrer Götter in den Mund legte, und sich so eine Rechtfertigung der eigenen Freveltaten zuzulegen hoffte.

Den Rest des Heimwegs gehen Bono und ich an den breiten Straßen des Menschen entlang, die er braucht, damit er hinkommt, wohin er doch nicht wollte, wird er sich mal zu entschuldigen versuchen. Glauben wird ihm niemand schenken, auch er sich selbst nicht.

Dann wird er gezwungen sein, etwas wahrhaftig Neues zu beginnen. Noch kann er es. Wann gibt es den Wechsel vom Können zum Müssen?

Sorry, das waren die Gedanken an diesem frühen Morgen. Traurig machten sie mich nicht mehr, die unzähligen vertanen Chancen des Menschen und seine primitive Moral, wenn jemand die Erde und den Menschen in seiner Ganzheit von außen heraus betrachtet, aus der Perspektive eines ETs.

Zum Horizont hin leuchtet sogar ein Goldstreifen auf dem Foto. Und bei der Menschheit?

201: Ach, die Jugend

Bild der Woche

Nein, Reife ist das keine, wenn ein Specht Menschen und Tiere so nahe an sich heranlässt. Flugfähig ist dieser Geselle, denn als ich noch näher herankam, flog er in dem typischen Spechtflug davon. Oder wusste er, dass von mir und von Bono keine Gefahr ausgeht?

Ein reifer Specht hält sich außerdem auf Bäumen auf, dieser Jungspund macht es anders. Auch äußerlich muss es anders sein; sein rotes Barett trägt er am Scheitel, nicht so wie die Alten, die das Genick bevorzugen. Solange er mit seinem Barett nicht Che Guevara zum Vorbild erklärt, kann er das Glück der späteren Zeiten erleben.

Lernt er, Mensch und Tier zu misstrauen und sie zu meiden, kann er die Zeiten erleben, in denen er sich über die Jungspunde respektive Jungspechte mokiert – oder sie mit einer Mischung aus Humor und Sorge betrachtet. Wie auch immer er seine Reife gestaltet, ich wünsche sie ihm.

Bei diesen Gedanken drängt sich Boris Johnson auf, der ebenfalls anders sein will, sich dabei nicht an der Jugend orientiert. Er zieht Donald Trump vor mit seinem verbalen Gehabe und mit seiner Kopfbedeckung. Das ist die gefährliche Macht der Vorbilder, wenn es mit der Reife hapert, was hier nicht die Frage des Alters ist. Und ist es Reife, wenn das großartige Great Britain diesen Menschen zum Führer, sorry, zum Leader wählt?

Fairerweise muss ich auf die gegenwärtige EU verweisen, die sich in Streitigkeiten um Posten exponiert. Sie erkennt nicht, dass sie mit diesem unreifen Verhalten Trump, Johnson & Co. hilft. Alt ist die EU-Streittruppe; ist sie aber reif?
Weisheit geht anders, jugendlicher ausgedrückt.

PS: Ein anderer verhaltensindividueller Specht zierte das 99. Bild der Woche im 39. Samstags-Newsletter.