Foto-Blog: Bilder der Woche und »Ein Wort dazu«

Im Foto-Blog bringe ich die Bilder der Woche mit »Ein Wort dazu«.


250: Systemrelevant? Irrelevant?

Bild der Woche

Beim Genuss der Natur, die zu diesem Foto führte, fiel mir ein, die Natur kümmert sich nicht darum, was den Menschen gegenwärtig bedrückt, womit er sich wieder mal das Leben schwer macht. Es beruhigt mich, wenn ich weiß, wir können die Erde nicht zerstören.

Das Teufelchen im Ohr (aha, ein Schuldiger) flüsterte jedoch das Wort »systemrelevant«. Für mich klingt das nach einem Unwort; zu kurz ist es in der Geschichte her mit einer Einteilung des Lebens in relevant oder weniger relevant.

Wie betrachtet es die Natur oder Gaia? Sind die Menschen für die Natur systemrelevant? Sind sie irrelevant? Sind es Schädlinge? Was, wenn sich die Natur für systemrelevant hält, wenn Gaia sich dafür hält und Systemschädlinge bekämpft? Mit unserem bisherigen Benehmen Gaia gegenüber klassifizieren wir uns eher zu Systemschädlingen.

Von einer Systemrelevanz für die Erde respektive für Gaia sind wir ein großes Stück moralischer Entwicklung entfernt.

249: Zeugen

Bild der Woche

Zwei Birkenstämme. Keine Krone, frisch wirkende Stämme. Enge Nachbarschaft zwar, aber nicht zueinandergeneigt, eher auseinanderdriftend. Halten sie den vorgeschriebenen Abstand ein aufgrund des (Un)Wortes des Jahres (Corona)? An der Basis das markante Schattenspiel des Grüns.

Neben dem frischen Baumgrün zwei Baumstämme nur, zwei Zeugen aus der Zeit der Bäume des Lebens, wie sie nicht nur von den Kelten angesehen wurden. Licht und Schatten an der Basis. Zwiespalt auch hier. Aber scheinbar nur, nur für den Verstand. In der Natur gehören Werden und Vergehen oder Licht und Schatten zum Leben.

Bei der Aufnahme am frühen Morgen mit seiner klaren, den Körper durchströmenden Luft konnte auch die Seele darin baden. Ohne Zwiespalt. Sie erkennt in den Zeugen des Vergangenen die Zeugen eines neuen Werdens.

248: Er lässt mich nicht los

Bild der Woche

Nein, kein Partner, kein Seelenpartner, kein Mensch ist das, über den ich hier klage. Von einem Menschen loszulassen ist ohnehin eine Aufgabe dessen, der seine Freiheit erlangen möchte. Zugegeben, es ist eine schwierige Aufgabe, sie gehört zum schwierigsten Lernen des Lebens – ob für Lebenspartner oder die Eltern.

Hier ist es ein Baum, der mich nicht loslassen will. 21 Aufnahmen dieses Baumes fand ich bei der schnellen Durchsicht der bisherigen Bilder der Woche [*]. Oft nahm ich mir vor, diesen Baum nicht mehr an dieser Stelle zu präsentieren. Vergebens; der Baum fesselt mich. Diesmal war es die Morgensonne, die seinen Stämmen ein Rot verlieh und meine Hand zur Kamera führte. Das Rot des Baumes in einer Allianz mit der hellen, gelben Linie des Feldes vor dem Waldhintergrund musste zum nächsten Bild der Woche mit meinem Lieblingsbaum werden.

Ich bin froh, dass der Baum mich nicht loslässt. Ich hoffe für mich und besonders für ihn, dass diese Bindung lange besteht. Will heißen, es kann wieder mal ein Bild der Woche mit diesem Baum geben.

[*] Eine Übersicht aller Bilder der Woche …

247: Rabenstein

Bild der Woche

Ein Vogel auf einem Stein. Ein harmloses Sujet, wenn man in dem Gelb des Feldes keine Allergene sieht. Und wenn man in dem Vogel keinen Raben erkennt, den schwarzen Vogel des Unglücks und der Zerstörung oder den Leichenschänder, den Unheilsbringer.

Raben sind intelligente Vögel, sie benutzen Werkzeuge, passen sich hervorragend der menschlich veränderten Umwelt an. Raben sind Symbole der Weisheit, sie haben Zugang zu den Anderswelten, sind Seelenbotschafter, Totemtiere, Krafttiere, verehrte Vögel nicht nur der nordischen Mythologie. Noah sendet einen Raben aus, um zu erkunden, ob die Fluten weichen.

Ist nun der Rabe ein Vogel der dunklen Mächte oder ein Wanderer zwischen den Welten? Mit dem Aufkommen der oben erwähnten religiösen Institution sieht der Mensch vorwiegend das Negative in ihm. Er wurde zum Galgenvogel, mit dem Rabenstein wurde die Richtstätte unter dem Galgen benannt. Dabei ist nicht der Rabe, sondern der Mensch für den Galgen verantwortlich.

Was ist hier Wahrheit, was Lüge? Erkennen kann das nur ein Mensch, der frei von Ängsten entscheidet.

Oder ist das Schwarz des Raben eine Projektionsfläche für die Schattenseiten der Menschenseele?

246: Raritäten hinterfragt

Bild der Woche

Die triviale Rarität: Kondensstreifen vor dem Mond. Solches sahen wohl viele Menschen schon. Solange es nicht heißt, Flugzeug tuschiert Mond …

Die wahre Rarität: Kondensstreifen vor dem Mond. In diesen Zeiten, die wir von einem Wort regieren lassen, welches ich nicht mehr ausschreiben mag. Nein, das hat nichts mit Harry Potters Widersacher gemein, einem Lord, dessen Name nicht ausgesprochen werden darf, und dessen Klang entfernt an den Vollmond (~ voll der Mond) erinnert. Was ich nicht ausschreiben mag, überlasse ich den Medien, die in einem Wettbewerb leben, wer dieses Wort am häufigsten verwendet.

Die wahre Rarität hat etwas mit der Krone der Schöpfung gemein.

Eine Übung zum Hinterfragen dieser Raritäten: Nostalgie bei der aktuellen Seltenheit der Kondensstreifen? Wehmut, da der nächste Urlaubsflug in weiter Ferne? Bedenken über die kommende Häufung dieser Himmelserscheinungen? Kondensstreifen oder doch ein Chemtrail?

245: Heliometrie

Bild der Woche

Geometrie, ja, das kennt man. Aber Heliometrie?

Mir fiel das Wort bei der Betrachtung des Sonnenlichtspiels und seiner Aufnahme ein. Es waren Erinnerungen an die Schule mit der Geometrie und den Parallelwinkeln, die hier die Sonnenstrahlen mit ihrer Spiegelung zeichnen. Es klang auch der Geozentrismus an mit einer Institution, die so die Erde in den Mittelpunkt des Weltalls setzte.

Heliometrie und nicht Geometrie, die Sonne also (Helios), nicht die Erde (Geo). Heliometer ist ein Instrument zum Messen kleiner Winkel am Himmel, der Terminus Heliometrie bezeichnet auch die Ausrichtung kultischer oder sakraler Bauten nach der Sonne. Das erinnert wiederum an die Orientierung, die sprachlich vom Orient abstammt, von dem Osten also und der Ausrichtung der Kirchen gen Osten. Nicht nur die Muslime beten gen Mekka; die Christen bauten und beten gen Osten – gen Jerusalem.

Entscheidend, warum Helio- und nicht Geometrie: Diese Linien zeichnet primär die Sonne. Die Erde liefert lediglich die Atmosphäre samt ihrem Staub und das Wasser, an dem sich die Sonnenstrahlen brechen und spiegeln können.

Wobei … Wenn ich weiter nachdenke, stammt der Staub wiederum von der Sonne oder zutreffender, von den Sonnen, die mit ihren Supernovaexplosionen die Materie bastelten, aus der sich auch unsere Sonne und ihre Planeten bilden konnten und letztendlich auch wir [*]. Hier höre ich lieber auf, sonst müsste ich die Heliometrie ebenfalls umbenennen.

[*] Wir sind Sternenkinder aus Sternenlicht

244: Werbungseskalation

Bild der Woche

Für gewöhnlich hämmern Spechte auf Baumstämmen, wozu sie nachvollziehbare Gründe haben. Dieser verhaltensindividuelle Specht trommelt seit einigen Tagen auf einer Straßenlaterne.

Gedanken machte ich mir zunächst keine, da ich vor Jahren Spechte erlebte, die auf Blechkaminen trommelten. Das Trommeln gehört bei den Spechten zur Brautwerbung. Je lauter, desto besser, so die PR-Regel ihrer Welt. Dieser Specht übertrifft unüberhörbar seine konservativen Mitbewerber auf den Baumstämmen.

Bedenklich fände ich, wenn weitere Artgenossen die modernisierte Form der Werbung übernehmen. Ein Frühlingsvogelkonzert erfreut die Ohren; für eine Blechkakofonie rivalisierender Spechte gilt das nicht. Ich kann nur hoffen, dass die Spechtbräute Naturtöne bevorzugen.

Eine weitere Hoffnung ist, dass dies keine coronalen Auswirkungen bei den Vögeln sind. Vielleicht hat dieser Vogel nur einen Vogel.

Bedenklich ist diese Alternative dennoch, denn es ist der wiederholte Fall eines seltsamen Verhaltens in der Tierwelt meiner Gegend. Im 99 Bild der Woche mopste ein Specht einen Meisenknödel, im 194. Bild posierte eine Ente auf dem Dachfirst, und im 201. Bild gab es erneut einen Specht, der sich nicht artgerecht benahm.

Diese Verhaltensauffälligkeiten sind nicht auf Spechte oder Vögel beschränkt. Bono, der Hauslabrador, verschmäht sein gewohntes Essen, wenn er Joghurt, Karotten oder Paprika erspäht. Und altersgerechtes Benehmen ist ihm ein Gräuel.

Sollte ich mir also doch Gedanken machen?

243: Was bin ich schön; Selig, die nur sich sehen

Bild der Woche

Schwäne faszinieren, das steht außer Zweifel. Für mich ebenso zweifelsfrei, dass ich zu viele Fotos von ihnen habe. Als ich diesen Schwan mit dem schräg geneigten Kopf sein Bild im Wasser betrachten sah, vergaß ich, dass dies meine Interpretation ist. Der Schwan suchte nach Futter, sein Ebenbild war ihm schnuppe.

So drückte ich auf den Auslöser, denn durch seine Haltung erinnerte ich mich erneut eines Donald Trumps und seiner Psyche. Ach, was bin ich schön und klug und weise und mächtig und all anderes Großartiges.

Welch selig-einfaches Leben so ein Mensch führen muss. Oder ein von Ängsten zerfressenes Leben, da seine Seele nicht gänzlich verstummt ist?

Der Schwan auf dem Foto ist ein Höckerschwan. Daneben gibt es die Singschwäne oder Trompetenschwäne. Und Trumpetenschwäne?

242: Solsolitärbasketball

Bild der Woche

Das ist hier die Frage: Hat die Sonne Einsehen mit ihren Erdlingen oder zeigt sie ihnen, dass sie auch ohne sie spielen kann?

Logisch betrachtet trifft das Letzte zu; die Sonne braucht keine Erdlinge für ihr Tun. Aber Humor scheint sie zu haben, wenn sie allein Basketball spielt. In Ermangelung frei laufender Erdlinge und ihrer Bälle spielt Sol, wie die alten Römer die Sonne nannten, das Spiel solo. Ergo ein Solsolobasketball.

241: Naturerholungsgebiet

Bild der Woche

Zu dieser Tageszeit, bei diesem Wetter, an einem der frequentiertesten Naherholungsgebiete Augsburgs ist dieses Fleckchen voll der Menschen. Die Stühle besetzt, die Plätze darunter häufig mit dem Familienhund. Die Wege übervoll mit Spaziergängern und Joggern, die sich in diesem Gewimmel im Slalom üben. Im Slalom versuchen sich ebenfalls einige Radfahrer. Schlechte Zeiten für sie; ihr Klingeln wird widerwillig wahrgenommen oder missachtet respektive mit einem ermahnenden bis empörten Blick quittiert. Eine Fortsetzung der Animositäten zwischen den Autofahrern und den Radlern mit anderen Mitteln respektive Vehikeln?

Verlaufe ich mich zu den Gewimmelzeiten hierhin, bestehen meine Erholungsversuche aus den schmalsten Waldwegen, die nur von wenigen Menschen aufgesucht werden.

Und dann kam ein winziges Krönchen, kleiner noch als ein Bakterium. Zugegeben, es sind derer viele, offenbar stimmt es mit dem Kleinvieh und dem Mist. Dieses winzige Krönchen zwingt gegenwärtig die Krone der Schöpfung zur Einkehr.

So macht die Natur aus Naherholungsgebieten Naturerholungsgebiete, aus smogbelasteten Großstädten Städte, in denen das Atmen leichter fällt. Beispiele dafür mehren sich. Leider auch falsche Hoffnungen oder bewusster Missbrauch dieses Wandels in der Natur. Dem Klimawandel wende ich mich im folgenden Beitrag zu (im Newsletter).

240: Gleich ungleiche Sonnenlichter

Bild der Woche

Himmlische Lichter gab es bereits in der Sonderausgabe am Dienstag. Es waren jedoch fremde Sonnenlichter, also die Lichter anderer Sonnen, nicht unserer.

Auf diesem Bild sind alle drei erkennbaren Himmelslichter Lichter unserer Sonne. Nein, wir haben keine drei Sonnen, nein, keine Sonne scheint nur teilerleuchtet, nein keine Corona steuert meine Gedanken.

Es leuchten hier Jupiter, Mars (das schwache Lichtlein dazwischen) und der Mond. Das vierte Licht verbirgt sich hinter den Ästen des Baumes. Es wäre Saturn, an den ich bei der Anfertigung der Aufnahme leider nicht dachte. Ein Astrologe kann mir womöglich verraten, was sich hinter meiner Nichtbeachtung dieses Gesellen verbirgt.

Zurück zu den Sonnen. Alle drei Lichter sind Sonnenlichter, da sowohl der Mond als auch die Planeten nicht selbst leuchten, sondern das Licht der Sonne reflektieren. Gleich bezieht sich also auf die Lichter der gleichen Sonne.

Ungleich hingegen ist ihr Alter. Sogar in dem winzigen Fleckchen unserer Galaxis, dem Sonnensystem, benötigt das Licht ein wenig Zeit, bis sie die Planeten oder ihre Monde erreicht. Von der Sonne zur Erde sind es gut 8 1/4 Minuten. Vom Mond bis zur Erde ist es nur eine gute Sekunde.

Längere Zeiten sind es bei den Planeten. Im Durchschnitt braucht das Sonnenlicht 12,6 Minuten bis zum Mars, 43 Minuten zum Jupiter und fast 5,5 Stunden zum Pluto. Da aber die aktuellen Positionen der Planeten eine noch größere Rolle spielen als bei dem engen Paar Erde-Mond, will ich die unterschiedlichen Zeiten – somit das unterschiedliche Alter – dieser Lichter nicht weiter vertiefen und fasse es zusammen:

Es sind die reflektierten Lichter der gleichen Sonne aber mit einem ungleichen Alter.

239: Corona Borealis

Bild der Woche

In den Ausnahmezeiten bringe ich ausnahmsweise kein eigenes Foto. Meine eigenen Himmelsaufnahmen stammen aus einer uralten Zeit der Analogkameras und Dias. Da ich mir keinen Diascanner zulegte, greife ich zu einer Fremdaufnahme. Sie stammt von Till Credner, AlltheSky.com, und ist unter der Creative-Commons-Lizenz lizenziert.

Corona Borealis ist der offizielle astronomische Name des Sternbilds Nördliche Krone. Es ist ein unscheinbares Sternbild, welches mir als Kind auffiel und im Laufe der Zeit zu meinem Lieblingssternbild wurde. Ich nenne es Krönchen und freue mich immer, wenn ich es beobachten kann. Der hellste Stern hat einen lateinischen Namen: Gemma, also Edelstein.

Der Name des Sternbilds entstammt der griechischen Mythologie. Es ist die Krone respektive der Faden Ariadnes. Mit ihr mythologisch verknüpft sind ihr Geliebter Theseus, ihr Vater Minos oder das Ungeheuer Minotaurus. Wer’s mag, wühle in der Erinnerung, in Büchern oder im Web nach der gesamten Geschichte.

Oder schaue sich die Krone am Himmel an, die gegenwärtig am frühen Morgenhimmel im Westen zu sehen ist. Im Spätsommer und im Herbst ist sie wieder im Westen zu finden, dann allerdings in den späten Abendstunden.

Eine Aufgabe in Teresas Sinne gäbe es für alle, die einen Feldstecher haben oder scharfe und lichtempfindliche Augen und in einer dunklen Gegend wohnen oder sie aufsuchen können. Östlich (links) von Corona Borealis findet sich das leicht erkennbare Sternbild Herkules, und in ihm der Kugelsternhaufen M13 zwischen den beiden linken Körpersternen dieses Helden.

Also statt nur in den Abgrund zu schauen, auch mal den Himmel genießen. Die Seele freut sich – und mit ihr der Rest des Menschen.

238: Unzulänglich

Bild der Woche

Nicht die Natur ist unzulänglich, nicht die Farben sind es, nicht die noch schlafende Flora des Vordergrunds oder der kahlen Bäume dahinter.

Unzulänglich war mein Verstand. Ich musste erneut meine Versuche abbrechen, mir die Zeit nicht linear vorzustellen, komplexer als den Zeitpfeil, der immer in die Zukunft gerichtet ist. Die Kreisläufe der Natur mit ihren Jahreszeiten animieren mich zu diesen Versuchen.

Würde das gelingen, hätten wir eine Erklärung solcher Phänomene wie Vorahnungen, Vorhersagen, Prophezeiungen. Es klingt so simpel: Stelle dir die Zeit nicht als zukunftsgerichteter Pfeil vor, sondern anders.

Doch wie soll sich unsereiner dies vorstellen? Der Kreislauf der Natur ist das nicht; auch die Jahreszeiten wiederholen sich lediglich in ihrer Erscheinung, nicht in ihrem Sosein. So wird der Baum in jedem Frühjahr ein Jahr älter und nie der Baum sein vor einem Jahr. Der Baum wird anders und sogar der Himmel, der nur scheinbar zu jeder Jahreszeit identisch aussieht. Würden wir Jahrtausende leben, könnten wir die Veränderungen der Sternenkonstellationen erkennen. Die 100 Jahre sind ein zu winziger Zeitabschnitt angesichts der kosmischen Zeiträume.

Unzulänglich ist der menschliche Verstand, um die Zeit anders zu begreifen, als der zukunftsgerichtete Pfeil. Sollte uns dies gelingen, vergehen noch unzählige – nein, nicht Generationen, sondern Inkarnationen.

237: Einträchtig

Bild der Woche

Kanadagänse, Graugänse, Höckerschwäne, Blässrallen respektive Blesshühner sowie einige Krähen am Ufer und alle einträchtig miteinander.

Wie bei Menschen jedoch, bedarf es für das Einträchtigsein oder Miteinander eines Grundes oder sachlicher ausgedrückt, eines Vorteils. Hier war das eine nette Dame mit Futter für die Vögel, die ich nicht mitfotografiert habe.

Auch wenn man es nicht wahrhaben möchte, es gibt einen Unterschied in der praktischen Verwirklichung von Agape. Es gibt die göttliche Agape, es gibt das Streben nach der menschlichen Agape. Der Mensch ist nur dieses Strebens danach fähig.

Über Eros (Begehren, Sexualität), Philia (Freundschaft) und Agape (göttliche Liebe) …

236: Vorzeichen; ein Kontrapunkt mit Licht

Bild der Woche

Die Birke war der Baum des Lichts bei den Kelten. Auf dieser Aufnahme ist er ein überzeugendes Vorzeichen des nahenden Frühlings mit dem Sonnenlicht, welches die helle Birke reflektiert. Wer in natura die Bäume und Sträucher aufmerksam betrachtet, findet eindeutige Vorzeichen – die wachsenden Knospen.

Als Titel eigneten sich auch die Worte Anzeichen, Vorbote oder Ankündigung. »Vorzeichen« schien mir der damit verknüpften Assoziationen wegen geeigneter.

Was waren die ersten Gedanken zu diesem Titel?

235: Fließvlies

Bild der Woche

Ein wirres Vlies, nicht so homogen wie erwartet, dennoch flauschig. Vielleicht ein anderer Eindruck, vielleicht eine Dynamik?

Dynamik ist korrekt. Es ist eine eingefrorene Dynamik, ein Augenblick einer Naturdynamik, eines Naturchaos. Es ist die Oberfläche eines Flusses, der ein Hindernis überwinden muss, dessen Wasser sich inständiger Aufruhr befindet und nur mit einem technischen Hilfsmittel eine Assoziation an ein Vlies zulässt.

Bild der Woche

Friert die Technik diesen Augenblick nur wenige Meter weiter in Richtung des Hindernisses ein, macht sie die fließende Natur glaubhaft und veranschaulicht den Titel dieses Vlieses:

234: Libertinage in Rot

Bild der Woche

Der Elegie in Rot des vorletzten Newsletters folgt eine Libertinage in Rot. Wer politische Anspielungen mag, dem steht es frei, an eine Orgie in Schwarz-rot zu denken.

Meine Freiheit besteht in diesem Bild der Woche in der Motivwahl und dem Titel. Menschen sind auf diesem Bild keine zu erkennen, umso mehr ihre Spuren, respektive Footprints, die sie auf der Erde hinterlassen. Das schwebende Licht am Himmel ist nicht etwa die Venus, sondern ein Menschenobjekt. Dessen funktionale Fortsetzung bilden die roten Lichter am Boden.

Übersehe ich einige Aspekte dieses menschlichen Tuns, finde ich das Bild reizvoll und eines Bildes der Woche würdig.

Die Libertinage muss dennoch im Titel bleiben. Freiheit, Mobilität – ja. Sind es aber nur die anderen, um mit dem oberen Impuls zu fragen? Es waren zwar die anderen, die all das errichtet haben. Sind es die gleichen anderen, die dies nutzen?

233: Aber hallo, Halo

Bild der Woche

Sonnenhalos sah ich öfter schon. Dieser Halo zeigt keinen ausgeprägten Ring; er ist nur ansatzweise erkennbar, am deutlichsten unterhalb der hellen Nebensonne.

Ein Sonnenhalo ist eine atmosphärische Erscheinung, die vom Sonnenlicht erzeugt wird, welches in Eiskristallwolken gebrochen und reflektiert wird. Hier gab es wohl perfekt geformte Eiskristalle in einem kleinen Wölkchen am richtigen Ort, was zu diesem prächtigen Leuchten führte.

Eine Erscheinung für nur eine kurze Zeit; für eine Aufnahme reichte es jedoch.

232: Elegie in Rot

Bild der Woche

Entspannt, beschaulich. Still, fernab der üblichen Menschenwege. Gelassen, die Gedanken genießen ihren Freilauf. Denkste! Statt sich diesem Zustand hinzugeben, erdreisten sie sich, die schnöde Politik in die Natur hineinzuprojizieren.

Sie reißen mich aus meinem Flow heraus. Woran erinnert mich das, welche Wörter wollen sich manifestieren? Ein SP formt sich, will komplettiert werden. SP…was? Einige weitere Schritte, das SP…was weicht einem SPDas, welches das rar werdende Rot der Realität meint.

Das Bild muss nicht politisch sein. Es kommt auf den Betrachter an, was er in einem Bild sieht. Das wiederum ist äußerst individuell. Individuell und wandelbar, denn des Menschen Wahrnehmung ist mitnichten eine Lebenskonstante.

Das Bild muss nicht realpolitisch sein. Allein das Grün des Bildes belegt die Realitätsferne des Fotos. Das Grün, welches die rechte Seite bevorzugt.

Das Bild muss keine Elegie sein. Ein wenig Zeit, ein wenig Humor, ein wenig Fantasie und andere Interpretationen folgen. Spätestens wenn die Natur alles neu anstreicht.

231: Ambivalent

Bild der Woche

Es ist eine Aufnahme mit einer ambivalenten Wirkung. Das Foto kann Gefahr bedeuten, erhobene Hände, die nach Hilfe rufen. In dem Foto kann jemand die Finger einer Hand sehen, die sich gen Himmel streckt. Es muss auch keine Menschenhand sein, es kann die Hand eines ETs sein, der in Richtung Heimat zeigt.

Es kann die noch kahle Natur sein, die sich gen Licht streckt und an einem kommenden Grün arbeitet. Jemand kann ebenso verbrannte Bäume darin erkennen, die Reste, die ein Feuer hinterließ. Ein Krieg?

Die Schlange ist schuld, dass ich ein solch böses Foto wählte, jawohl.

So ist das jedoch nicht; ein wenig mehr darüber im Hauptbeitrag dieses Newsletters. Die Schlange inspirierte mich lediglich zu der Wahl gerade dieses Wochenbildes. Eine Inspiration ist wertfrei, Verantwortung schleicht sich erst hinein, wenn ein Mensch die Inspiration in eine Tat umsetzt. Eine Tat, für die er verantwortlich ist.

230: Ansatzweise

Bild der Woche

Ansatzweise Winter, ansatzweise Eis. Ein Eis allerdings, welches kein Hindernis für Bono darstellt, um an sein Lieblingswasser mit Seegeschmack heranzukommen. Einmal mit der Pfote auf das Eis am Ufer treten und das begehrte Nass kann degustiert werden. Ich aber harre der Dinge, die dieses Winters noch kommen mögen. Ein Winterintermezzo im März wäre keine Überraschung; das kennen wir aus der jüngsten Vergangenheit.

Diese Aufnahme ist eine Momentaufnahme, sie betrifft somit nicht mal ansatzweise das Klima. Sie stellt nur das aktuelle Wetter dar. Womit ich die Schlange (das Thema des dazugehörigen Newsletters) ins Spiel bringen kann. Etablieren sich nämlich solche Winter, können sie zu einem Hinweis auf den Klimawandel werden. Der ist jedoch nicht ansatzweise der Schlange geschuldet; die Verantwortung dafür trägt der Mensch.

Wer dennoch die Schlange bemühen will, gelangt zu ihr auf einem Umweg über die Menschen – die Männer in diesem Fall. Sie wollten sich die Erde untertan machen und die Legitimation dazu legten sie ihrem zürnenden Gott der Liebe in den Mund. Fakes sind keine Erfindung unserer Zeit. Die Widersprüche zwischen Liebe und Zorn erkannten diese Kerle auch nicht. Das aber erkennen manche Menschen auch heute nicht.

229: Abendwolkenbaumbaumwollbüschel

Bild der Woche

Abendwolkenbaumbaumwollbüschel? Es sind simpel die Abendwolken, die auf dem Baum Baumwollbüschel zaubern. Ein umweltfreundlicher Baumschmuck, sorgt doch die Natur für das Recycling.

Schmückt noch jemand die Christbäume mit Schnee aus Wattebäuschen? Oder wird der Schnee zu einer verklärten und eher mit Ludwig Richter denn mit der Natur verknüpften Erinnerung? Nach Lametta muss ich nicht fragen; sie ist eindeutig in Ungnade gefallen. Mangels Nachfrage stellte 2015 der letzte deutsche Lamettahersteller seine Produktion ein. Sollte dieser Winter die Bäume dennoch mit Naturlametta schmücken, versuche ich mich an einem Bild der Woche.

Mich faszinieren die Grafiken der blattlosen Bäume mit ihrem Geäst. Ich würde sie zu oft im Bild der Woche präsentieren, wenn mich Monika in meinem Baumgrafikeifer nicht drosseln würde.

228: Windhöschen

Bild der Woche

Nein, das ist kein Foto für die Chemtrail-Liebhaber, Klimaleugner oder andere Ideologen. Ich fand diesen Kondensstreifen unter der Wolke putzig. Zwar kamen mir die Chemtrails in den Sinn, doch da es wie ein Fortsatz der Wolke zum Boden hin, wie ein beginnender Wolkentrichter wirkt, musste ich an eine Windhose denken. Oder an ein Windhöschen der mageren Gestalt entsprechend.

So ist dieses Windhöschen keinem Klimawandel geschuldet. Dem Menschen allerdings schon.

Notabene: Unten links ist ein Wolkentierchen (s. 224. Bild der Woche) zu entdecken.

227: Gen Himmel

Bild der Woche

Eine Birke, einsam im Feld, Hunderte Meter vom nächsten Waldrand entfernt. Hoch geworden ist sie, sie hatte Zeit genug, sich gen Himmel zu strecken. So entstand das Foto, so lies sie mich erneut fragen, warum der Bauer diesen Baum stehen lässt. Ich weiß die Antwort nicht. Vielleicht bedeutet ihm der Baum etwas. Pflanzte er ihn selbst, beobachtete er sein Wachstum vom Schössling zu einem staatlichen Baum heran, küsste er mal unter dem Baum, legte er Pausen darunter ein? Ich bin ihm dankbar, dass er diesen Baum leben lässt.

Bei winterlichen Bäumen, wenn ich ihr feineres nacktes Geäst vor einem kontrastierenden Hintergrund – wie hier der blaue Himmel – betrachte, verliere ich mich in den Neuronen und ihren Spielchen im Kopf. Das Geäst erinnert mich oft an die Neuronenstrukturen im Hirn oder an die größten Strukturen, die uns Menschen bekannt sind, an die Anordnung der Galaxiencluster und Supercluster im Universum. Es gibt optische Parallelen zwischen dem Gehirn und dem Weltraum …
Schon ist der Wirrwarr im Kopf in vollem Gange. Neuronen, Galaxiencluster, anthropisches Prinzip (eine philosophische Verknüpfung des Universums mit einem Beobachter), Mustererkennung, Fraktale oder solch Banales wie Wurzeln, die ihren Platz mit der Krone tauschen.

Da schwirrt der Kopf und bevor es noch wilder zugeht, besinne ich mich der Ästhetik der Bäume. Seit einigen Jahren verfüge ich über ein weiteres probates Mittel gegen Wirrwarrkopfweh. Es ist mein vierbeiniger Begleiter, der mich daran erinnert, dass die schönsten Muster die Futterbröckchen in seinem Napf bilden.

Und nein, es ist nicht mein Lieblingsbaum, der in mehreren Varianten zum Bild der Woche wurde. Sorry, Lieblingsbaum, aber andere Felder haben auch schöne Bäume. Gott - oder Bauer - sei Dank.

Noch ein Wörtchen dazu

Bild der Woche

Beim weihnachtlichen Bild vergangener Woche diskutierten Monika und ich, ob wir bei dem Blau des Baumes oben bleiben. Ohne die Buntlichter fiele jedoch das designerisch düstere Loch auf, da die Hauptlichterkette sich ein wenig zu kurz erwies (ja, ja, sie war schuld, die böse Kette, nicht unsere Wahrnehmung). So blieben wir bei dem Blau, welches in dieser Intensität allerdings nur auf den Aufnahmen zu sehen ist.

Mag jemand eine fantasievollere Erklärung, hier ist sie. Hochprozentiges statt Wasser gossen wir in den Christbaumständer hinein. So wurde der Baum blau und der Wächter ergötzte sich an den Dämpfen, was unschwer an seinem Gesicht zu erkennen ist. Ein schöner Wächter ist das.

Aktuell wacht er vor dem Esszimmer (s. Foto oben), auf das die verzerrten Mengen vernünftig bleiben. Darüber wollen wir jedoch selbst wachen. Der Wächter darf dennoch an die Konsequenzen des flüssigen oder festeren Übermasses ermahnen.

226: Der Friedenswächter

Bild der Woche

Der Wächter bleibt nicht bei dem Baum stehen. Sein Stammplatz ist vor der Wohnzimmertür, auf dass kein Unfriede in diesen Raum gelangen möge.

Bevor ich weiter darüber sinniere, erweitere ich die oberen Wünsche (im Newsletter) um Frieden an den Feiertagen.

225: USO aka UFO?

Bild der Woche

Es grüßt das Web mit den Unmengen an UFOs und Kürzeln, von denen beide unidentified sein können. »Alias« ist wohl nicht zeitgemäß, »aka« (also known as) ist progressiver. Eine weitere Anderssprachlichkeit? Kein Problem; da ich die Wolke in Augsburg sah, fiel mir das Schwäbische ein, was zu einem Song führte mit dem schwäbischen Titel »Guck i han a UFO gseh« des leider verstorbenen Wolle (statt Wolfgang) Kriwanek.

USO wiederum klingt für mich plausibler als UFO und meint Unidentified Sky Object.

224: Hans Guck-in-die-Wolken

Bild der Woche

In der Struwwelpeter-Sammlung trägt das zerstreute Kind den Namen Hans Guck-in-die-Luft. Bei diesem Foto bevorzuge ich jedoch den Namen Hans Guck-in-die Wolken (vermutlich hörte ich das Erste ein wenig zu oft in meinen jungen Jahren).

Das Struwwelpeter-Werk darf oder muss man hinterfragen. In dem besagten Hans kann ein fantasievolles Kind gesehen werden oder wie heute manchmal postuliert wird, ein Kind mit ADHS. Das jedoch und die dazugehörigen Diagnosen und Medikationen sind ein anderes, ebenfalls hinterfragungswürdiges Thema.

Ich genoss die kurze Zeit dieses Abendhimmels als Hans Guck-in-die-Wolken. Die untere Wolke veränderte ihre Form und bot der Fantasie immer neue Nahrung. Überraschend fand ich die Assoziationen anderer zu diesem Bild. So sah Monika darin einen nach rechts schwimmenden Drachen. Mir hingegen fiel der linke Teil auf, in dem ich eine Krabbe sehe. Und betrachte ich das gesamte Wolkengebilde, fällt mir Ankylosaurus ein, der Dinosaurier mit der Keule am Schwanzende. Alternativ ein Mäuschen, welches seinen Hals nach einem Baum streckt.

Es sind viele Interpretationen möglich. Ob sie jedoch jeden Erwachsenen interessieren?

Siehe dazu »Wann wirst du endlich erwachsen?«

223: Osef von der Osee

Bild der Woche

Es ist ein Spielplatz. Einer in der unmittelbaren Nachbarschaft eines weiteren Spielplatzes mit einem Basketballkorb, dem Ort des faktischen sozialen Mediums aus dem letzten Newsletter. Ein Spielplatz für Kinder neben einem Spielplatz eher für Erwachsene, wie das meine bisherigen Beobachtungen meistens bestätigen. Aber Osef und Osee?

Osef, ein Josef mit einem abhandengekommenen Initial, erklärt sich aus der Gesamtform der Spielelemente. Das »f« ergibt sich aus der in der Ferne verdeckten untersten Strebe des letzten Elements, wodurch das E zum F mutiert.

Die Osee bedarf kaum einer Erklärung. Lediglich über den Artikel lässt sich diskutieren. Die Osee oder der Osee? Die Osee drängt sich durch die sprachliche Nähe zu der Ostsee auf. Dagegen spricht die unmittelbare Nähe eines kleinen Sees, wodurch es der Osee sein müsste.

Linguistisch interessant, warum »die« See das größere Wasser und »der« See ein kleineres Binnengewässer bezeichnet. Das ist auch gut so; andersherum gäbe das womöglich einen Anlass für Genderdiskussionen. Daher lieber zurück zu der oder dem Osee mit der oder dem Artikelgeber, die eine Gemeinsamkeit aufweisen. Die Osee – die Ostsee – ist eine geologisch junge See mit ein wenig mehr als 10.000 Jahren Geschichte. Der Kuhsee ist ein Ergebnis der Lechregulierung, ein noch jüngeres Wasser also.

Komme ich zu den Erwachsenen zurück, so hoffe ich, dass die diesen unlängst angelegten Spielplatz nicht für ihre olfaktorischen und des Rauchs wegen optischen Zumutungen missbrauchen, die sie Grillen nennen. Bedenke ich die Hinterlassenschaften ihres Treibens, muss ich oft an ihrer Attribuierung mit »Erwachsene« zweifeln.

222: Ein soziales Medium

Bild der Woche

Wer meine Texte verfolgt, ahnt dass ich den Terminus »Social Media« allenfalls für einen Euphemismus halte, meist für ein Fake. Ein soziales Medium im Titel würde somit auf ein Gegenteil hindeuten.

Das Martinsfeuer am Augsburger Kuhsee ist kein Fake. Obwohl ich für dieses Feuer etwas zu früh meine Bono-Runden drehte, wartete ich die Dunkelheit und den Beginn des Martinfeuers ab. Einerseits erwärmte mich dieses Beisammensein …

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221: Nebelmond

Bild der Woche

So konturlos, so nebulös die Wünsche des Menschen oben *), so passend das Foto des Vollmonds. Und auch nicht.

Dieser Nebel lichtet sich in einigen Minuten. Außerdem ist er ein Ausdruck einer Ästhetik in der Natur. Ästhetisch kann ein Nebel wirken; nebulösen Wünschen gelingt das nicht.

So düster die These im letzten Beitrag *), so passend das Foto des Vollmonds. Und auch wieder nicht.

Diese Düsternis weicht der Sonne. Außerdem finde ich es mitnichten düster. Ich liebe die frühen Zeiten allein in der Natur. Fast allein, denn Bono ist mit dabei. Die Ruhe dieses Morgens ist eine Kraftquelle für den gesamten Tag. Diese Kraft tankte ich an diesem Morgen ein wenig länger. Zu faszinierend war das Licht- und Nebelspiel, zu schade für ein Foto nur.

– – –
*) Die Anmerkungen beziehen sich die Beiträge im 161. Newsletter

220: Auenlandabgründe

Bild der Woche

Südlich von Augsburg gibt es einen Auenwald mit dem Auensee, was ich gerne zum Auenland zusammenfasse. Auf den ausgedehnteren Touren mit Bono am Lech entlang ist das oft unser Wendepunkt. Einige Minuten Pause am Lech oder an dem See, die Ruhe genießen, Kraft tanken, die Gedanken schweifen lassen und beobachten und sich davon überraschen lassen, was sie kreieren.

Abgründe sind hier eine inkorrekte Kreation. Doch erzeugt der Auensee immer wieder mal einen Nebel, mit dem er das gegenüberliegende Ufer verschwinden lässt. Das diesseitige Ufer ist ein Abgrund, es ist das Ende der Welt. Und sollte ich doch die Umrisse des anderen Ufers erahnen, übersehe ich dies geflissentlich und gebe mich der Illusion der Auenlandabgründe oder des Nichts hin.

Lange kann ich das ohnehin nicht genießen; Bono sorgt mit seiner Ungeduld für die Rückkehr in die Realität. Er scheint zu wissen, dass noch einige Kilometer zu dem Futternapf zu bewältigen sind. Zu einem Futternapf, in dem kein Nichts herrscht.

219: Himmel und Pornografie

Bild der Woche

Die Abendsonne beleuchtete die Wolken von unten, womit sie dunklen Fragmente im oberen Bereich schuf. Ich wollte abwarten, bis die Kondensstreifen am Himmel prägnanter werden, der schwierigen Beleuchtungskontraste wegen machte ich ein paar Testaufnahmen vorab. Das war gut so, denn die Luft war zu trocken, die Kondensstreifen lösten sich daher zu schnell auf. Die obere Aufnahme ist eines der Testfotos. Mit den Lichtkontrasten der Wolke und dem Schwung des oberen Kondensstreifens ist dies eine Einladung zu Interpretationen.

Ist es lediglich eine Wolke mit auffälligen Kontrasten oder eine Gefahr am Himmel? Welche Gedanken lösen die Kondensstreifen hervor? Sind es Fragen nach dem Grund der Krümmung, nach den Piloten? Überlegungen über das Wetter? Kommen Chemtrails in den Sinn?

Aber Pornografie? Sie bezieht sich nicht auf die Objekte dieser Aufnahme, sondern auf die Interpretationsmöglichkeiten der Zwetschgenpaare aus dem 156. Newsletter vom 12. Oktober und des aktuellen Fotos (s. unten, »216: Dualzwillinge – es gibt sie doch«). Die hier gemeinte Pornografie betrifft kein Bild, sondern den Betrachter: Wenn jemand ein Bild betrachtet und es pornografisch findet, sagt das wenig über das Bild aus, aber viel über den Betrachter.

Um weiteren Fragen zuvorzukommen. Natürlich hatte ich bei den Zwetschgen anatomische Assoziationen. Das gebe ich zu und hoffe, dass mich kein Zwetschgenschutzverband wegen eines #MeToo-Vergehens belangt. Falls doch, beanspruche ich mildernde Umstände für mich, da ich Zwetschgen zum Fressen gern habe. Wobei … Entspricht diese Formulierung dem unüberschaubaren Spektrum der gegenwärtigen Political Correctness? Doch Vegetarier, Veganer und Frutarier könnten nur etwas dagegen einwenden, wenn ich keine Selektion betreiben und Würmer mitverspeisen würde. Für Flexitarier und Omnivoren ist das ohnehin irrelevant.

218: Ein Fremdling

Bild der Woche

Die Geistesverwandtschaft zwischen einem Fremdling und der Liebe muss ich vermutlich nicht erklären.

So bleibt nur die Frage nach dem Fremdling inmitten der roten Gesellschaft übrig.

217: Kuhräder

Bild der Woche

Da der Titel aus einer Auslassung resultiert: Ist er ein Fake?

Es ist so gar nicht meine Zeit für die Ausflüge mit Bono; ich ziehe den Morgen kurz nach 05:00 Uhr vor oder den späten Abend. Ich mag schlicht die Ruhe der Natur. Bono stört das nicht und mit seinem Tanz um mich herum, gab er mir unmissverständlich zu verstehen, was er mag. Wat mut, dat mut. So stürzte ich mich in dieses Nachmittagsgewimmel und kam zu dem Foto der vielen Räder am Kuhsee.

Es sind Kuhseeräder auf dem Foto. Da der See aus dieser Perspektive kaum zu sehen ist, strich ich das »see« und übrig blieben die Kuhräder. Das fand ich putziger. Wobei ich betonen will, dass dies keinerlei Wertung der Radfahrer beinhaltet. Ich finde es positiv, wenn es mehr Fahrräder gibt.

Wie lange es die Fußgänger freuen wird, wann sie sich mit Rückspiegeln wappnen werden, ist eine andere Überlegung. Aber die Räder sind nicht in den dunklen Stunden unterwegs, ergo bleibe ich gelassen.

216: Dualzwillinge – es gibt sie doch

Bild der Woche

Das habe ich davon, wenn ich beim Zubereiten des Frühstücksmüslis nicht achtsam bei der Sache bin, sondern meine Gedanken wandern lasse. Harmlose Zwetschgen werden zu Seelenpartnern und landen im Newsletter.

Sind es zwei Dualzwillinge oder sind Dualzwillinge ein Duo von Zwillingen, also vier Menschen? Der Zoo der Seelenpartner und Dualseelen ist wahrlich unübersehbar.

Ich wage mich nicht an die Beantwortung dieser Fragen heran und überlasse das den Kennern der Materie, die kenntnis- und neurosenreich die Wahrheit über die Unterschiede zwischen Seelenpartnern, Seelenverwandten, Seelenzwillingen, Zwillingsseelen, Zwillingsflammen, Dualseelen, Kugelmenschen (ich hoffe, sie meinen damit keine extreme Adipositas) propagieren. Außerdem wissen sie alles über die vielen Phasen der Seelenpartnerschaften.

Nun seriös: Wo bleibt da die Liebe?
Die Liebe, die sich nicht einsortieren, kategorisieren, in einen Sollablauf pressen lässt?

215: Gaias Tränen

Bild der Woche

Weint Gaia dem gewesenen Leben eine Träne nach?

Viele Tränen hätte sie dann vergießen müssen. In den fünf Massenaussterben verlor sie über 99 % der auf ihr lebenden Spezies. Nach jedem Massenaussterben erholte sie sich und setzte auf neue Spezies. In der Nomenklatur des Menschen gibt es Spezies, die auf der Erde herrschten: Nach dem vierten Massenaussterben waren es die Dinosaurier, nach dem fünften die Spezies Homo sapiens.

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214: Hexenbaum

Bild der Woche

Ein bekannter, ein unauffälliger Baum auf meinen Streifzügen am Lech entlang. Außer ein Naturkünstler nimmt sich seiner an und verleiht ihm ein auffälliges Aussehen.

Der Naturkünstler ist der Nebel, in diesem Fall der Morgennebel, der der Sonne trotzt und der Landschaft Rätselhaftes hinzufügt. In dem Baum rechts im Vordergrund sehe ich auch nach wiederholtem Betrachten ein Wesen. Entscheiden kann ich mich nur nicht, ob dieses Wesen nach etwas links von ihm greift und womit – mit den Armen oder einem riesigen Maul? Sind die oberen drei Äste sein Kopf, seine Haare? Sind es der Kopf und zwei Arme, die sich nach oben strecken?

Ich entschied mich für einen großen Kopf mit einem geöffneten Maul; das fand ich putziger (s. 151. Newsletter mit seinem »putzig«).

213: Keltenangst reloaded

Bild der Woche

Selbstversunken auf einer Bank, die Gedanken wandern in diversen Welten. Die rechte Hand übt sich im Handauflegen auf dem Oberarmbruch. Keine Armbanduhr, da der linke Arm unter der Bekleidung fixiert und verborgen ist. Bono liegt gelangweilt oder geduldig neben der Bank; er kennt meine Vergessenheitsmomente.

Ich vergaß die Gegend und die Zeit um mich herum. Erst eine für diese Tageszeit ungewöhnliche Dunkelheit holt mich in die Gegenwart zurück. Was ist denn los? Ein Blick gen Himmel klärt alles. Es ist eine mächtige Wolke, die sich den Sonnenstrahlen in den Weg stellte.

Ich spreche Bono an, deute mit der Hand zum Himmel hin. Er bleibt bei seiner ostentativen Langeweile. Seine Augen hebt er zwar, sieht aber nur mich an, meinem Handhinweis folgt er nicht. Er scheint keine Angst vor dem herabstürzenden Himmel zu kennen. Seine Mutter stammt aus Frankreich, wohl aber nicht aus der Bretagne, dem sagenumwobenen keltischen Land auf dem Kontinent. Bono hätte sonst Respekt vor einem einstürzenden Himmel zeigen müssen, statt sein Nickerchen fortzusetzen.

Ich will nicht nass werden, spreche daher die Zauberworte: »Heim, Futter«. Bono steht augenblicklich auf, wedelt zum Einverständnis und aus Freude mit dem Schwanz. Antreiben muss ich ihn nicht mehr, um dem Regen zu entkommen.

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Die himmlische Keltenangst gab es bereits in den Bildern der Woche: »Keltische Ängste Light«, 139. Bild der Woche, 79. Newsletter. Daher das »reloaded« des aktuellen Bildes.

212: Noch

Bild der Woche

Noch hüllt die Morgendämmerung die Natur ein, doch wenige Minuten nur und die Sonne enthüllt sie.

Noch verhüllt der Nebel den See mit seinem Pastell, doch wenige Minuten nur und die Sonne erarbeitet die Konturen und Kontraste.

Noch ist es hell, doch wenige Wochen nur und es ist dunkel zu dieser Zeit.

Noch regiert der Sommer mit seinen Farben, doch wenige Wochen nur und der Herbst übermalt es nach seinem Gusto.

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Länger überlegte ich, ob ich auf ein Detail des Bildes hinweise oder es verhehle. Wer bei der Romantik verweilen mag, lese bitte nicht weiter. So fällt das Fischerboot in der Mitte des oberen Seeufers nicht auf und die mögliche Fortsetzung:
Noch lebt der Fisch, doch …

211: Sie siedeln unter uns; die unheimliche Begegnung der unumstößlichen Art

Bild der Woche

Steven Spielbergs Film »Unheimliche Begegnung der dritten Art« aus dem Jahr 1977 sah ich inzwischen über 20 Mal. Der Wunsch nach dieser friedlichen Art der ETs und der Begegnung der Menschen mit ihnen bleibt mir erhalten. Die friedliche Art ziehe ich der typisch menschlichen vor – der kriegerischen in der Realität des menschlichen Zusammenlebens.

Die erste Art der Begegnung mit den ETs ist eine nahe Sichtung, die zweite beinhaltet physikalische Effekte, die dritte eine Beobachtung von ETs in ihren Flugobjekten. Die vierte Art ist unangenehm für die Menschen – Entführungen, Experimente –, die fünfte umfasst eine gegenseitige Kommunikation. Wie klassifiziere ich meine Begegnung respektive Beobachtung? Und was bedeutet dieses Verhalten der ETs?

Es war ein Kinderwagen der Außerirdischen, den sie an einem frühen Morgen auf einem Feld platzierten. Siedeln sie erst bei uns oder leben sie bereits unter uns´? Was bewirkt die Feldumgebung, wie profitieren die ET-Kinder davon? Essenzielle Fragen der Menschheit und kein Däniken im Direktzugriff, um Antworten zu bekommen.

Nicht dass ungläubige Zeitgenossen behaupten, es handele sich bei diesem Objekt um ein profan-irdisches Bewässerungssystem.

210: Putzig

Bild der Woche

Putzig fand ich diesen Baumpilz, Gemeiner Schwefelporling nennt er sich, auf einem alten, vom Zahn der Zeit und der Natur gezeichneten Baum. Ihm fehlt seit einigen Jahren die Krone.

Putzig

Putzig ist eines meiner privaten Lieblingsworte. Putzig etikettiere ich meine Lieblingsworte selbst, die privaten und die öffentlichen, also die in meinen Texten. Bei den öffentlichen muss ich darauf achten, sie nicht gar zu häufig zu verwenden. Das gerade angewandte »gar« ist ein harmloseres Beispiel davon.

Privat verfüge ich über eine Sammlung putziger Worte, die mit jedem neuen Wohnsitz einen kleinen Zuwachs bekam. Augsburg steuerte solches bei wie Gupfen, Stitzl oder Sternla bei. Der Klang dieser Worte ist schlicht putzig.

Putzige Feinheiten

Ich putze mich, wenn ich unter die Dusche oder ins Bad gehe. Weist mich jemand darauf hin, ich sei doch kein Vogel, stimme ich ihm zu: »Korrekt. Ich bin kein Vogel, ich habe einen.« Doch sollte mir derjenige Mensch das nächste Mal mitteilen, ich habe einen Vogel, korrigiere ich erneut: »Nein, keinen Vogel. Eine Horde.« Und folgt dem eine gekrauste Stirn meines Gegenübers mit einer Korrektur: »Wenn, dann einen Schwarm, keine Horde«, ist der Dialog nicht beendet.

Hier muss ich etwas ausholen und erläutern, dass ein Schwarm für mich Ordnung und Choreografie bedeutet. Meine Gedanken und inneren Bilder hingegen, besonders die vor dem Einschlafen oder in den Nacht- und Tagträumen haben ein zu wildes Eigenleben. Insofern ist eine wilde Horde angebracht, kein choreografierter Schwarm.

An dieser Stelle enden diese Dialoge meist mit verdrehten Augen gekrönt von einem Faltenzuwachs auf der Stirn. Ich nehme mir die Freiheit, darin eine Akzeptanz der Horde zu sehen. Ob das aber zutrifft?

Und gar nicht putzig

Gar nicht putzig fand ich hingegen die Aktion eines Unbekannten wenige Tage nach dieser Aufnahme. Er zerschnitt diesen Pilz mit einem Messer in kleinste Stückchen. Das »er« verwende ich hier bewusst; ich sehe da einen Mann oder Mann-Anwärter, der sich mit seinem Messer eine neurotische Erleichterung verschafft.

Der Sinn dieser Aktion erschließt sich mir nicht. Der Baum ist seit Jahren schon mit dem Pilzmyzel (der Gesamtheit der Pilzfäden) durchsetzt, insofern nicht mehr zu retten. Der Pilz ist nebst der Gestalt des Baums nichts weiter als ein zusätzlicher äußerer Hinweis aus seinen inneren Zustand. Und den bestimmt die Natur.

209: Ein Bodycheck zu viel

Bild der Woche

Ein Mensch, ein Mensch!«, könnte der Titel alternativ lauten, da ich lediglich Naturaufnahmen mache. Ein Sonderfoto in einem Sondernewsletter ist aber zulässig.

Meiner Vorliebe für Naturaufnahmen bleibe ich treu, die obere Aufnahme machte Monika. So sah ich aus, noch unrasiert, unmittelbar nach der forcierten Entlassung aus dem Krankenhaus. Es waren zwei Tage nach einem Hechtsprung, leider nicht ins Wasser, sondern auf einem steinigen Feldweg. Ein ausgekugeltes Schultergelenk, doppelter Bruch des Oberarmknochens, abgerissene (hieß es) Muskelaufhängung waren die Konsequenzen. Die Fachbegriffe klingen imposanter, ändern aber nichts an den Fakten.

Das bunte Shirt, unter dem ich meinen fixierten Arm verberge, stammt aus den Zeiten, in denen Monikas Söhne beim AEV Eishockey spielten. Einer von ihnen kommentierte das Bild daher stante pede: »Aha, ein Bodycheck zu viel«. Der Bildtitel ward geboren.

Meine Kontakte mit Eishockey beschränken sich auf einen einzigen Besuch eines Spiels im Münchner Eisstadion Ende der 70-er Jahre des vergangenen Jahrtausends (klingt imposanter als Jahrhundert und ist ein Fakt, kein Fake). Zunächst versuchte ich, dem Puck zu folgen; ich gab es auf. Später fror ich, dachte ich doch nicht daran, dass es im Eisstadion kühler sein könnte, als in der Natur.

Und Bono wird noch eine Zeit lang warten müssen, bis wir wieder flotten Schrittes die Natur erkunden. Mir scheint es, er ist damit nicht einverstanden, schließlich sind doch beide Beine okay. Die zwei reichten bisher, vier, wie er, brauchte ich noch nie. Recht hat er, der Treue, dennoch will da etwas in mir abgearbeitet werden, es geht noch nicht.

208: Diversitätsparadoxon mit Folgen

Bild der Woche

[…] Verbal fordert der Mensch Diversität, faktisch arbeitet er an ihrer Beseitigung. Nur ertragsstarkes und erntefreundliches Getreide. Die Gleichheit der Menschen wird von doch vielen politischen Richtungen postuliert.

Andererseits arbeiten einige an der Gleichheit der Geschlechter, andere an einer diktatorischen Gleichschaltung der Meinungen, um zwei Beispiele zu nennen. Sie wollen den Menschen homogenisieren. Diese Art der Arbeit an einer Gleichheit ist eine Arbeit an der Beseitigung von Diversität.

Es vergisst der Mensch nur zu gerne, dass er ein Teil der Natur ist und […]

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207: Unbefriedigende Interspezies-Kommunikation

Bild der Woche

[…] Das ist eine Täuschung; der Vogel folgt uns. Es ist der fünfte Baum, von dem herab er seine hoffnungslose Kommunikation fortsetzt. Ich lächle nicht mehr, ich frage mich nach dem Grund seines Verhaltens. Es muss einen Grund geben, beschließe ich. Doch ist er mir ebenso ein Rätsel, wie der Inhalt seiner Reden. Es ist eine neue Erfahrung trotz meiner vielen Jahre intensiver Vogelbeobachtungen der früheren Jahrzehnte.

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206: Bedrohlich-behagliche Entourage

Bild der Woche

Die aufgehende Sonne tauchte die Landschaft in ein für einen Erdling befremdliches Licht. Der Erdling kam mir in den Sinn, da ich gerne die Welt von einer anderen Perspektive zu betrachten versuche. Vor allem die widersprüchliche Spezies Mensch, die diesen Planeten bewohnt aber nicht einsehen mag, dass er lange Zeit noch sein einziges Refugium bleibt.

Bedrohlich und behaglich sind doch Widersprüche. Und Entourage?

Die Entourage bilden die zwei rötlichen Wolken, das begleitete Objekt ist mein (da am häufigsten fotografierter) Baum. Die Wolken sind zwei Wolkentürme, die durch ihre Höhe von den ersten Sonnenstrahlen angeleuchtet wurden. Einige Alpengipfel strahlten ebenfalls in dieser Farbe. Die schnitt ich weg, da sie von Augsburg aus zu weit entfernt sind, um so zu imponieren, wie die kleineren aber näheren Wolken.

Bedrohlich fand ich die Wolkenfarben. Ich sah darin ein Feuer, assoziierte die beiden Wolken sogar mit einer Explosion. Mir war es aber nach einem neutralen Titel und entschloss mich daher für Baumohren. Das löste die Frage aus, warum der Baum rote Ohren bekam, die Neutralität schwand.

Wer darin Ohren sehen will – bitte. Warum aber rote Ohren? Weil das Feld im Vordergrund am Vortag geerntet wurde? Was sah da der Baum?

Wer meine Assoziationen interpretieren will, kann es gerne tun. Bedenken sollte er nur, dass ich Feuer mag, seit ich mich erinnern kann. Ein Grund dafür sind die Erinnerungen an die Küche meiner Großeltern mit dem großen Kaminofen. Im Winter öffneten die Großeltern das Ofentürchen und ließen das Feuerlicht an den Wänden tanzen. Wie gerne schlief ich da auf der Couch ein …

Behaglich kam in die Überschrift nicht meiner Großeltern, sondern Monikas wegen. Meine Kindheitserinnerungen kamen erst nachdem ich drei Kandidaten für das Bild der Woche Monika zeigte. Sie erwärmte sich augenblicklich für das Entouragebild, da sie die Wolkenfarben heimelig respektive behaglich einstufte. Dabei rechnete ich mit einem Statement gegen dieses Bild meiner Sichtweise der Farben wegen.

Aber Männer und Farben; wer den letzten Newsletter las, weiß, was ich meine. Wer es mag, kann es im Web nachlesen, da ich diesen Beitrag in dem Zeit-Blog veröffentlichte: »Männer und Farben« im Zeit-Blog …

205: Männer und Farben

Bild der Woche

Der letzte Vollmond war am 16. Juli, dem 50. Jahrestag des Starts von Apollo 11. Doch ist das nicht der Anlass für dieses Bild der Woche. Es ist die Shirtfarbe des Läufers, auf die ich mich aus Erfahrungsgründen nicht festlegen mag. Auch wenn das Foto um den 50. Jahrestag herum entstand, waren mir die Emotionen des letzten Newsletters wichtiger. Diese Aufnahme musste somit auf ihre Veröffentlichung eine Woche warten.

Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Farbwahrnehmung bestätigt die Wissenschaft mit Statistiken und mit medizinischen Untersuchungen. Ein Fakt sind sie also und kein Fake und fern einer Ideologie (in meiner Wahrnehmung).

Die Unterschiede gehen über die Wahrnehmung hinaus, sie betreffen auch die Wirkung der Farben. Die Details können dank Web leicht nachrecherchiert werden, ich betrachte lieber den Alltag mit meinen Erfahrungen.

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204: Emotionen

Bild der Woche

Die Kühle der Luft in den Lungen und im Kopf mit ihrer Klarheit. Keine Bewegung. Kein Mensch, zumindest kein lauter Mensch. Stehen bleiben. Wirken lassen. Lautlos. Die Rufe einiger Vögel, die nicht durchdringen, die nicht stören; sie gehören dazu, sie müssen erklingen. Stören würde es, wenn sie nicht rufen würden. Ein kurzes Platschen im Wasser, ein Fisch, der sich aus dem Wasser wohl eines Insekts wegen wagte. Auch das bekannt, auch das dazugehörig, auch das kann nicht stören.

Es ist das Glück der kleinen Dinge. Nicht in einem Buch, kein Pathos, keine Religion, keine Intellektualisierung, kein Guru, keine Vorgaben, Tipps, Ratschläge. Einfach Glück jetzt, hier, innen, außen, in diesem Augenblick zeitlos.

Wenn Gott, dann nur als ein Code für eine Transzendenz, die wir nicht begreifen können, nicht begreifen müssen. Keine Gottesbilder, schon gar keine alten, bärtigen, zürnenden. Wenn Gott, dann das kleine Glück. Und nichts anderes ist in diesem Augenblick relevant.

Um Bono muss ich mich nicht kümmern. Oft rätselhaft, woran er diese Stimmung erkennt. Er tut es; er setzt oder legt sich hin, bleibt regungslos. Bei meiner kleinsten Bewegung springt er allerdings auf, wedelt mit dem Schwanz und will weiter: »Genug der Ruhe, laufen will ich«.

Eine Frage löste diese Betrachtung aus, eine alte Frage aus meiner Kinderzeit. Wie lassen sich Emotionen perfekt übermitteln, fragte ich mich viele Jahre lang. Nicht nur bei Naturbetrachtungen, auch in der Kunst oder in der Therapie. Einem deprimierten Menschen ein Gefühl der Ruhe und Klarheit übermitteln und ihm so helfen, das wäre eine Anwendungsmöglichkeit dieser Fähigkeit.

Aber ich wurde älter. Und heute führte diese Erinnerung zu einem Beitrag.

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Um die Sonnenwende herum spiegelte sich zu dieser Uhrzeit die Sonne im See, jetzt erreicht sie erst die Baumkronen. Die Tage werden eindeutig kürzer.

203: a) Tor

Bild der Woche

Die Anderswelt drängt sich mir an dieser Stelle häufig auf. Der frühe Morgen, Vogelgesänge, Frische, Leichtigkeit. Der grüne Tunnel der Allee mit ihrem lichten Ende (in der Bildmitte), die dort angekommen den Blick auf einen See freigibt. Die beiden Steine, die in mir die Ahnung eines Tores hervorrufen, dessen Durchschreiten in eine Anderswelt führt.
Anders ist diese Welt schon, zumindest solange keine lärmenden Menschen diesen Eindruck stören.

Die Realität

So klug Bono sein kann, so wenig steht es ihm nach Anderswelten. Ihm ist der erste Baum links wichtig, der mit dem Vogelhäuschen. Nicht nur ihm; andere Hunde mögen ihn ebenso auf ihre spezifische Art. Es ist der Kommunikationsbaum dieser Spezies. Aufgrund dieser wasserbetonten KommunikationS kann eine Dürre diesem Baum nicht so schnell etwas anhaben.

203: b) Allwasser

Bild der Woche

Dieses Foto entstand an dem See hinter dem lichten Ende der Allee des ersten Fotos.

Vor ein paar Jahrzehnten erfuhr ich von dem Vergleich der Kosmologen, die großen Strukturen des Weltalls 1) würden an die Lichtreflexionen der Sonne am Boden flacher Gewässer erinnern. Seitdem erinnere ich mich jedes Mal dieses Vergleichs und gebe mich den Bildern und den Gedanken hin, die sich nicht mehr das Wasser, sondern im All ausbreiten. Lässt sich das so formulieren? Doch bevor es philosophisch wird …

Die Realität

Das Grün bringen die Algen in das Wasser hinein. Oder der Sommer mit seinen heißen Tagen, der das Algenwachstum begünstigt. Oder die Sonne, die all das erwärmt, die Erde, die Luft, das Wasser. Aber stopp, sonst gleiten die Gedanken über die Sonne zu anderen Sternen und prompt sind sie wieder im All.

Eine Frage nur: Ist es der Mensch mit seiner Gier, der dieses Grün beschleunigt?

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1) Die Strukturen, die im Weltall durch die Anordnung der Superhaufen gebildet werden, erinnern an die besagten Wellen oder an die neuronalen Strukturen im Gehirn.

203: c) Himmelswasser

Bild der Woche

Dem Wasser gelang es an diesem Tag, meine Gedanken nochmals auf sich und seine Wellen zu lenken. Feinere Wellen diesmal, luftigere. Feiner sind sie, luftiger sind sie, dennoch wesentlich größer als dieses grüne Gekräusel des Sees.

Ein Z eines gewissen Zorro sah ich an diesem Himmel, die kurzlebigen Wellen der Höhenwinde, da sie bald der Sonne gehorchen und sich auflösen müssen. Ein meditatives Bild. Da ich noch die Kamera vom Seeausflug bei mir hatte, machte ich diese Aufnahme.

Die Realität

Die Kamera ist mit dieser Realität nicht gemeint. Es sind die anderen Muster, die der Mensch auf dem Himmel hinterlässt.

Die Rache des Zorro oder irgendwelcher Chemtrails befürchte ich nicht. Die Kondensstreifen werden aber mehr, wieder mal die menschliche Gier. Sie allein machen mir keine Sorgen. Bedenke ich jedoch andere Einflüsse unserer Spezies, beispielsweise das Plastik, so ist das eine harte Rückkehr in die Realität. Wem es nicht hart genug ist, bedenke das Mikroplastik, welches inzwischen allüberall auf der Erde nachgewiesen wurde. Auch im Menschen selbst.

202: Neues wollen, sollen oder müssen

Bild der Woche

Dieser Baum ist nicht nur mein am häufigsten fotografierter; er ist zu einem Fragenbaum geworden. Die bohrendste Frage ist, wie lange er noch wachsen darf, wann er zum Störfaktor wird und anderen Interessen weichen muss. Ich hoffe, er darf bleiben, da er an einem schmalen Weg zwischen zwei großen Feldern steht, insofern nicht mitten im Feld (ersichtlich in dem winterlichen 132. Bild der Woche des 72. Samstags-Newsletters).

Die Wolkenreste der Nacht trotzen noch dem Sonnenlicht, bis es sie verschlingt, den Himmel durchgehend blau und die Luft heiß macht, wie die Tage davor. Und dennoch ist es gnädig, das Licht der Sonne, es verschlingt nur die Wolken. Bis es mehr verschlingt, vergeht unbegreiflich viel Zeit für das Menschengeschlecht. Es hat Zeit genug, etwas Neues in die Wege zu leiten. Etwas, was ihm mehr Zeit und eine Chance gewährt, die Wege des Verderbens zu verlassen, die es einschlagen will. Bereits eingeschlagen hat?

Oder übernimmt Gaia die Kreation des Neuen? Des Neuen für diese Spezies, die momentan den Planeten zu regieren glaubt. Für die Spezies, die sich den Planeten untertan machen wollte, wie sie das einem ihrer Götter in den Mund legte, und sich so eine Rechtfertigung der eigenen Freveltaten zuzulegen hoffte.

Den Rest des Heimwegs gehen Bono und ich an den breiten Straßen des Menschen entlang, die er braucht, damit er hinkommt, wohin er doch nicht wollte, wird er sich mal zu entschuldigen versuchen. Glauben wird ihm niemand schenken, auch er sich selbst nicht.

Dann wird er gezwungen sein, etwas wahrhaftig Neues zu beginnen. Noch kann er es. Wann gibt es den Wechsel vom Können zum Müssen?

Sorry, das waren die Gedanken an diesem frühen Morgen. Traurig machten sie mich nicht mehr, die unzähligen vertanen Chancen des Menschen und seine primitive Moral, wenn jemand die Erde und den Menschen in seiner Ganzheit von außen heraus betrachtet, aus der Perspektive eines ETs.

Zum Horizont hin leuchtet sogar ein Goldstreifen auf dem Foto. Und bei der Menschheit?

201: Ach, die Jugend

Bild der Woche

Nein, Reife ist das keine, wenn ein Specht Menschen und Tiere so nahe an sich heranlässt. Flugfähig ist dieser Geselle, denn als ich noch näher herankam, flog er in dem typischen Spechtflug davon. Oder wusste er, dass von mir und von Bono keine Gefahr ausgeht?

Ein reifer Specht hält sich außerdem auf Bäumen auf, dieser Jungspund macht es anders. Auch äußerlich muss es anders sein; sein rotes Barett trägt er am Scheitel, nicht so wie die Alten, die das Genick bevorzugen. Solange er mit seinem Barett nicht Che Guevara zum Vorbild erklärt, kann er das Glück der späteren Zeiten erleben.

Lernt er, Mensch und Tier zu misstrauen und sie zu meiden, kann er die Zeiten erleben, in denen er sich über die Jungspunde respektive Jungspechte mokiert – oder sie mit einer Mischung aus Humor und Sorge betrachtet. Wie auch immer er seine Reife gestaltet, ich wünsche sie ihm.

Bei diesen Gedanken drängt sich Boris Johnson auf, der ebenfalls anders sein will, sich dabei nicht an der Jugend orientiert. Er zieht Donald Trump vor mit seinem verbalen Gehabe und mit seiner Kopfbedeckung. Das ist die gefährliche Macht der Vorbilder, wenn es mit der Reife hapert, was hier nicht die Frage des Alters ist. Und ist es Reife, wenn das großartige Great Britain diesen Menschen zum Führer, sorry, zum Leader wählt?

Fairerweise muss ich auf die gegenwärtige EU verweisen, die sich in Streitigkeiten um Posten exponiert. Sie erkennt nicht, dass sie mit diesem unreifen Verhalten Trump, Johnson & Co. hilft. Alt ist die EU-Streittruppe; ist sie aber reif?
Weisheit geht anders, jugendlicher ausgedrückt.

PS: Ein anderer verhaltensindividueller Specht zierte das 99. Bild der Woche im 39. Samstags-Newsletter.