Ein Toleranz-Intermezzo: Fleisch fernab der Chauvinismen – Toleranz und take it easy

Fleisch

Ein Intermezzo in der Reihe »Lebewesen, Fleischkonsum, Seele«

Die überzeugten Fleischesser arbeiten nicht nur mit Chauvinismen, die überzeugten Fleischvermeider nicht nur mit Argumenten. Auf beiden Seiten gibt es sowohl Chauvinismen als auch Argumente und Zweifel. Bevor ich in den Betrachtungen über die fleisch- und fleischlose Ernährung konkreter werden kann, scheint mir ein Intermezzo angebracht.

Chauvinismen und Argumente, Fakten und Fakes

Will jemand sein Gegenüber überzeugen, kann er das mit Argumenten erreichen. Wer seine Überzeugungen chauvinistisch vertritt, erzeugt Widerstand. Argumente sind jedoch keine Gewähr, dass die Gegenseite überzeugt wird.

Argumentationen sind eine höhere Kunst des Dialogs. Wer legt unzweideutig fest, was Argumente sind, was nur Meinungen? Wer legt unzweideutig fest, was Fakten sind und was nicht? Das ist schwierig geworden in Zeiten der alternativen Fakten und Fakes. Apropos Fakes: Wer legt unzweideutig fest, was Fakes sind und was Fakten?

Vorsicht ist somit geboten allen Informationen und ihren Quellen gegenüber. Medien sind Menschen, und Menschen vertreten eine Meinung, sogar wenn sie sich einer Neutralität verschreiben. Das Unbewusste, das Sammelsurium an Erfahrungen, Prägungen, kollektivem Wissen und weiß die Seele was noch, ist keinem Menschen zugänglich. Ein erfahrener Mensch akzeptiert daher, dass er immer autobiografisch gefärbt redet oder schreibt. Mal mehr mal weniger aber eben immer.

Wer das Unbewusste eines jeden Menschen bedenkt, dem fällt Toleranz leichter.

Polarisierung, Kategorisierung

Es ist nicht relevant, ob Fakes die Polarisierung begünstigen oder umgekehrt. Beide stören das menschliche Zusammenleben. Fakt ist jedoch, dass Fakes und Polarisierung menschliche Wirkungen sind, die der moderne Mensch mittels der sozialen Medien global und rapide verbreitet. Wir erschaffen Fakten, wir erschaffen Fakes.

Wir schaffen Fakes, Polarisierung und anderes, nicht Fakes oder Polarisierung stören uns. Wobei Polarisierung zunächst nur Gegensätze bedeutet, etwas allzumenschliches somit. Polarisierungen gibt es so lange, so lange es Diskussionen gibt, ergo unterschiedliche Meinungen, ergo Menschen. Gefährlich werden die Polarisierungen allerdings, wenn sie bar jeder Toleranz erfolgen.

In den gar nicht so guten alten Zeiten war die schnelle Kategorisierung eine Frage des Überlebens. Freund? Feind? Neutral? Heute können wir Meinungsunterschiede durch Diskussionen lösen, nicht durch physischen Kampf.

Dennoch gedeiht die Kategorisierung aufgrund weniger Worte. Wer heute etwas hinterfragt, läuft Gefahr, unreflektiert einer Kategorie zugeordnet zu werden. Besonderer Freude bei der Vergabe scheint sich heutzutage die Kategorie »rechtsradikal« zu erfreuen. Ich hoffe nicht, dass dieser Satz ausreicht, mich dort zu verorten.

Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich Donald Trump unsympathisch finde, wobei deutlichere Attribute auf der Zunge liegen. Dennoch gelang es ihm, ein paar Sätze von sich zu geben, die nachdenklich stimmen oder eines Nachdenkens wert sind. Und Trump ist nicht das einzige Beispiel solcher Menschen.

Take it easy

Wie mit den Fakes, Verschwörungen, Unsicherheiten, Polarisierungen, Kategorisierungen umgehen? Wer nach Antworten sucht, findet sie in den Abgründen des Internets und anderer Medien. Doch gilt auch für diese Antworten: Fakes? Fakten? Unausgegorene Theorien? Einfache Methoden zum Umgang damit gibt es nicht. Außer für diejenigen, die sich mit Haut, Haaren, dem Leben und der Seele einem Meinungslager verschrieben haben.

Und doch gibt es eine Methode: »Take it easy«.

Das ist kein Aufruf, alle und alles sein zu lassen, der Welt den Rücken zuzukehren und sich stattdessen dem spirituellen Himmel zuzuwenden. Das gelingt ohnehin nicht.

Take it easy bedeutet, nicht sofort eine Meinung zu bilden, nicht sofort zu urteilen und zu verurteilen. Wir leben in den guten gegenwärtigen Zeiten mit etwas Zeit für eine Überlegung, wir können über etwas schlafen.

Take it easy bedeutet, um das Unbewusste eines jeden Menschen zu wissen.

Take it easy bedeutet, was Platon so ausdrückte: »Sei gütig, denn alle Menschen, denen du begegnest, kämpfen einen schweren Kampf.«

Take it easy erreicht man durch ein wenig Toleranz. Auch sich selbst gegenüber.

Die entscheidende Frage

Zu der Toleranz verhilft die Frage, was ich im Umgang mit meinem Gegenüber erreichen will.

Will ich ihn erreichen?

Dann darf ich nicht kämpfen, nicht sofort und unumstößlich kategorisieren.

Dieses Ziel werde ich nicht immer erreichen. Mein Gegenüber erreiche ich jedoch, wenn ich das auch nicht immer erfahre. Es bleibt etwas von mir in ihm und vielleicht zeigt es mal eine Wirkung.

Will ich recht haben?

Dann muss ich kämpfen, kategorisieren, polarisieren und polemisieren.

Dieses Ziel werde ich nie erreichen. Auch mein Gegenüber erreiche ich nie. Und wenn ich ihn treffe, dann nicht in dem zwischenmenschlichen Sinne, sondern in dem militanten.

Was will ich erreichen?

Wer dieser Frage ausweicht, hat kein Interesse an Verständigung und Toleranz.

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Jan Schneider, Autor

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