Spirituelle Wurzeln: Körper, Familien, Klans, Kulturkreis

Spiritualität, Körper, Familie ...

Spiritualität - ihre und unsere Wurzeln; Teil 3

Das Wurzelwerk der Bäume, welches sie untereinander sowohl auf der biologischen Ebene als auch in einer spirituellen Dimension verbindet, war das Thema des vorangegangenen Beitrags. Die spirituellen Wurzeln des Menschen bilden den Kern dieses Beitrags.

Spiritualität braucht Wurzeln

Die Wurzeln eines Baumes ankern ihn nicht nur am Boden, indem sie ihm Stabilität und Halt geben. Sie liefern ihm Nährstoffe, in der Mykorrhiza-Symbiose, auch die Nährstoffe, die der Baum nicht selbst generieren kann.

Nicht nur der Baum, auch die Spiritualität muss eine Basis haben, auf der sie gedeihen und gelebt werden kann. Luftschlösser sind nicht grundsätzlich verkehrt. Doch mit Luftschlössern alleine kann sich die Spiritualität nicht weiterentwickeln.

Ein spirituelles Luftschloss wäre, wenn wir nur für die Seele sorgen möchten und den Körper dabei vergessen. Missachten wir in einem Leben die Seele oder den Körper, können wir dieses Leben mit einer schulischen Ehrenrunde vergleichen: Wir werden diese Aufgabe wieder und immer wieder bekommen, bis wir sie bewältigt haben.

Warum also zögern, wenn wir doch schon so weit sind und unserer Seele zuhören, wenn sie uns auf diese Lektionen aufmerksam macht? Sorgen wir daher sowohl für die körperliche als auch für die spirituelle Basis, da beides zusammengehört. „Mens sana in corpore sano“, sagen die Lateiner: Ein gesunder Geist soll in einem gesunden Körper wohnen.

Die Wurzeln der Spiritualität – der Körper

Der Körper ist eine der Wurzeln der Spiritualität. Der Körper ist das Vehikel der Seele bei ihrem Lernen auf dieser Erde. Es ist ein starker Affront dem Körper und der Seele gegenüber, wenn wir in unserem Körper nur ein Hindernis sehen.

Die Seele hat ihre Gründe, warum sie für dieses eine Leben diesen Körper, diese Eltern oder diese Umgebung gewählt hat. Diese Umstände ergeben eine Konstellation, in der die Lernthemen dieses Lebens irdisch-optimal bearbeitet werden können.

In dieser Reihe wurde bereits erwähnt, dass wir in einem Zeitalter leben, in dem wir alt genug werden können, um uns intensiv mit der Spiritualität zu beschäftigen. Eine Garantie für ein hohes Alter können wir nicht einfordern. Doch ist die Wahrscheinlichkeit eines längeren Lebens sehr groß. Entscheidend ist dann aber, ob wir diese Chance einer intensiven spirituellen Entwicklung nutzen.

Zunächst weiß es nur die Seele, warum unser Körper nicht immer perfekt ist, warum er uns manchmal Probleme bereitet. Warum wir uns manchmal benachteiligt fühlen, wenn wir andere Körper betrachten, die so schön, vollkommen, sportlich oder kraftvoll erscheinen. Erscheinen! Denn wissen wir, was in diesen Menschen vorgeht? Wissen wir, ob die Seele in diesem Körper nicht eine leidende Seele ist? Gerade die dem Schönheitswahn verfallene Welt des Films, der Mode oder der Medien liefert tragische Beispiele genug, die den schönen Schein Lügen strafen.

Unsere Seele weiß es, warum wir diesen Körper haben. Machen wir es ihr nicht schwerer, indem wir unseren Körper missachten. Es ist unsere Pflicht, für den körperlichen Seelenträger zu sorgen, damit er nicht nur das höhere Alter erreichen, sondern auch bewusst an der spirituellen Weiterentwicklung mitarbeiten kann.

Die Wurzeln der Spiritualität – die Familien

Familien, nicht Familie. Denn nur selten verbringt ein Mensch sein Leben in einer einzigen Familie. Eine Ursprungsfamilie hat jeder Mensch. Nicht jeder Mensch kann jedoch in dieser Familie aufwachsen, die wie keine andere, für gesunde Wurzeln eines Menschen sorgen kann.

Nicht nur die Aufstellungs- oder Rückführungspraxis beweist, wie wichtig die Ursprungsfamilie ist. Tief innen sehnt sich jeder Mensch nach diesen Wurzeln; auch wenn Kinder in liebevollen Adoptivfamilien aufwachsen können.

Die biologischen Eltern tragen durch ihre Genetik dazu bei, dass wir auf der körperlichen Ebene untrennbar in diesen Klan hineingehören. Sobald jedoch die Genetik im Spiel ist, muss auf die Epigenetik hingewiesen werden, die uns die Angst vor einem genetischen Schicksal oder einem genetischen Urteil nimmt und sogar aufzeigt, dass wir einen Einfluss auf unsere Gene ausüben können! Besonders in unserer Zeit mit einer wachsenden Angst vor den Alterserkrankungen. Näheres dazu in meinem Beitrag „Das Geschenk der Epigenetik“ in „Visionen“.

Durch die Epigenetik haben wir eine Einflussmöglichkeit darauf, welche Wurzeln wir nutzen, welche wir stärken und welche wir meiden wollen. Das ist eine weitere spirituelle Arbeit, wenn wir uns nicht als Sklaven unserer Gene betrachten.

Wenn die Wurzeln geschädigt sind

Die Ursprungsfamilie ist leider kein Garant für solide Wurzeln. Familien, die die zarten Wurzeln der Kinder in ihrem Wachstum behindern oder sogar nach ihrer Zerstörung trachten, sind leider nicht so extrem selten. Traurig oder grausam? Ja. Doch bei einer spirituellen Betrachtungsweise dürfen wir nicht vergessen, dass die Seele um die Umstände dieser Inkarnation wusste.

Hier mag ich jedoch auf einen gefährlichen Irrtum hinweisen: Sollte eine Ursprungsfamilie die Wurzeln der Kinder schädigen, so ist das nicht einfach nur das Karma des Kindes, welches sich dadurch dieses Schicksal verdient hatte. Keine Eltern dürfen ihrem Kind so schaden, dass sie seine Wurzeln angreifen; auch aus karmischen Gründen nicht.

Auge um Auge führt dazu, dass die Welt blind wird, meinte Gandhi. Und Vernichtung um Vernichtung führt dazu, dass die Welt menschenleer wird. Das Karma ist jedoch nicht unbarmherzig. Bei genauerer Betrachtung ist es Liebe. Die Chance der Herzenseinsicht und des Lernens ohne karmische Peitschenhiebe haben alle Menschen. Es geht auch ohne Richter und Vollstrecker von außen.

Denn der Richter und Vollstrecker ist immer die eigene Seele. Spätestens dann, wann sie eine Inkarnation beendet. Und sie geht dabei liebevoll vor, denn wenn wir durch Einsicht gelernt haben, spricht sie uns von negativen Folgen frei, um in der Richtersprache zu verbleiben.

Eine Seele kann sich gezielt problematische Eltern aussuchen, um eine selbstverantwortliche und starke Lebensführung zu erlernen, wenn das zu den wichtigsten spirituellen Aufgaben einer Inkarnation gehört. Es sind noch weitere Konstellationen möglich. Bietet die Seele des Kindes diesen Eltern eine Lernchance an?

Spirituelle Wurzeln in den Klans

Viele Menschen gründen nach einer Trennung erneut eine Familie. Oder sie wachsen in einen anderen Familienverband hinein, wenn sie, meist im reiferen Alter, eine neue Lebenspartnerschaft leben. Und Patchworkfamilien können sehr gute Lernmöglichkeiten auf vielen Ebenen bieten, auch auf der spirituellen.

Bei dieser familiären Vielfalt ist es leichter, von Klans zu reden. Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass wir uns andere Klans aussuchen oder durch andere Klans aufgenommen werden können. Dadurch bieten sich interessante Lernchancen für alle Beteiligten an.

Der Mensch hat einem Baum gegenüber einen sehr großen Vorteil: Er kann neue Wurzeln aufbauen oder finden. Entschließen wir uns dazu und schädigen dabei die alten Wurzeln nicht, ist das ein sehr spiritueller Akt.

Denn Wurzeln in einem neuen Klan zu schlagen bedeutet, dass wir uns nicht haben entmutigen lassen, dass wir unsere Vitalität erhalten oder wiederaufgebaut haben, dass wir leben, dass wir wachsen. Obendrein tragen wir zu einer Toleranz bei, wenn wir unterschiedliche Lebensansichten der Klans zusammenbringen.

Spiritualität ist in diesem Zusammenhang auch, wenn wir die alten Klans nicht verdammen, sondern das Gute nehmen und das stehen lassen, was uns nicht zuträglich war, was uns geschadet hat.

Der Vorteil der heimischen Wurzeln der Spiritualität - der Kulturkreis

Der Körper, die Familien oder die Klans gehören zu den Wurzeln unserer Spiritualität. Daneben gibt es den Kulturkreis, in den wir hineingeboren werden. Die Wurzeln, die wir dadurch erhalten, wiegen besonders schwer.

Trotz der Universalität der Spiritualität ist der Zugang zu ihr sehr individuell. Das ist nicht nur durch die Individualität des Menschen bedingt, sondern insbesondere durch den Kulturkreis, in dem der Mensch lebt.

Mit dem Kulturkreis ist ein bestimmtes Religionssystem verbunden. Diese Religion übt einen entscheidenden Einfluss auf das alltägliche und das spirituelle Leben aus. Und das unabhängig davon, ob wir dies bewusst und intensiv pflegen, ob wir es als Ballast betrachten und uns dem nur widerwillig unterziehen, oder ob wir es sogar verleugnen oder bekämpfen.

Können wir den spirituellen Zugang unseres Kulturkreises mit dem Herzen und der Seele bejahen, erhalten wir dadurch sehr stabile Wurzeln, mit denen wir ein spirituelles Leben im Alltag leben können.

Im Falle Europas sind das meist keltische Wurzeln. Das Christentum entstand nicht aus dem Nichts heraus, sondern hat ältere Wurzeln, zu denen das alte Europa der Kelten gehört, dessen Erbe dadurch in uns wirkt.

Es wirkt also beides. Es wirkt die Welt der Kelten, es wirkt das Christentum. Damit dieses Zusammenspiel positiv genutzt werden kann, ist eine gewisse Toleranz erforderlich. Doch darüber im nächsten Beitrag.

Jan Schneider, Autor

Herzlichst, Ihr / Dein
Jan
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