Hinterfragt: Wann wirst du endlich erwachsen? Schlagfertigkeit und Konfrontation versus Reife

Erwachsen

Zu dem Impuls eines Newsletters (das Bild der Woche mit der Inspiration zu diesem Text) erreichte mich eine Frage, wie man reagieren sollte, wenn man eine solche Frage gestellt bekommt. Eine berechtigte Frage, finde ich, ich gehe daher darauf ein.

Der Impuls: Wann wirst du endlich erwachsen?

Wann wirst du endlich erwachsen? Welche gesicherten Erkenntnisse liefert diese Frage über den Angesprochenen? Keine.

Und über den Fragesteller? Auch wenn er sich selbst für erwachsen hält, muss er es nicht sein. Nur danach zu fragen kann von seiner Unreife zeugen. Bedenkt er außerdem, dass die Seelenreife nicht vom Lebensalter abhängig ist?

Schlagfertigkeit

Wie könnte jemand schlagfertig auf diese Frage entgegnen?

Eine vorsichtige Entgegnung wäre die Aufforderung respektive Bitte: »Was meinst du [bitte] mit ›erwachsen‹?« Kein direkter Angriff ist das, es könnte ehrlich gemeint sein. Könnte, denn der Ton macht die Musik. Stimmt der Ton dieser Frage, kommt der Ton beim Empfänger korrekt an? Entscheidend ist, wie ein Wort beim Empfänger ankommt, was es in ihm auslöst. Es dürfte problematisch sein, die Frage konfrontationsfrei anzubringen. Das Ergebnis?

Meint jemand, er lasse sich nichts gefallen und auf den Mund gefallen sei er auch nicht, kann er mit einer schlagfertigen Gegenfrage reagieren: »Bist du es?« Hier hilft kein Ton, hier ist die Musik immer militant. Das Ergebnis?

In meiner Zeit als Trainer, etwas länger ist es her, gehörte die Schlagfertigkeit zu meinem Trainingsprogramm. Heute erinnere ich mich mit gemischten Gefühlen daran. Allein das Wort »Schlagfertigkeit«. Die Fertigkeit ist eine Fähigkeit, etwas zu tun. Sie ist zunächst neutral, ihre Färbung hängt von der Art der Fertigkeit ab.

Eine eindeutig negative Färbung kennzeichnet das Teilwort »Schlag«. Mit Schlagfertigkeit werden Schläge ausgeteilt. Und Schläge tun weh auch in der verbalen Form.

Konfrontation

Die oberen Entgegnungen laden zu einer Konfrontation ein, etwas direkter ausgedrückt, zum Streit. Noch leichter ist eine direkte Konfrontation zu erreichen, wenn mit derselben Frage geantwortet wird. Wem das nicht schlagfertig genug erscheint, kann entgegnen: »Du bist gewiss nicht erwachsen.«

Vermutlich trifft diese Entgegnung zu. Leider trifft das in diesem Fall für beide Kontrahenten zu; eine innere Reife bezeugt hier niemand. Das Ergebnis?

Selbiges Ergebnis liefern Anschuldigungen oder Beleidigungen an den Fragesteller. Das Ergebnis ist immer ein Streit, der sich zu mehr entwickeln kann. Wobei diese Formulierung unzutreffend ist mit ihrer Verschiebung der Verantwortung auf den Streit. Verantwortlich sind beide Kontrahenten, korrekterweise muss es somit heißen: Das Ergebnis ist ein Streit, den die Beteiligten zu mehr entwickeln können.

Reife

Schlagfertigkeit zeugt nicht notwendigerweise von Reife, die direkten Wege in eine Konfrontation zeugen immer von Unreife. Wie dann reifer mit einem Menschen umgehen, der das Erwachsensein seines Gegenübers negiert?

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Wie mit diesen Menschen (und anderen Besserwissern) souverän umgehen …

Jan Schneider, Autor

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