Worte hinterfragt: Engelsgeduld

Engelsgeduld

Engelsgeduld kennt jeder Mensch, nicht jeder hat sie aber. Was ist diese Geduld? Ist sie tatsächlich engelsgleich oder hat sie auch ihre Tücken und Schattenseiten. Und reicht sie immer aus?

Der Lichtträger

Tücken und Schattenseiten hat die Engelsgeduld. Engel sind nur göttliche Wesen, Gott sind sie nicht. Einer aus dieser Schar, der Lichtträger, wollte es Gott gleichmachen oder gar über ihm stehen.

Die menschlichen Sprüche gab es anno dazumal noch nicht, der Lichtträger hätte sonst vernommen: Wo viel Licht, da auch viel Schatten. Wo so viel Licht wie in ihm, war der Schatten entsprechend dunkel. So dunkel, dass er mit seiner Gier nach noch mehr Licht den dunkelsten Ort der Welt kreierte – die Hölle. Er darf in der Hölle regieren, vom großen Licht ist er aber abgeschnitten.

Lichtträger ist die Verdeutschung seines bekannten Namens, der da Luzifer lautet. Dieser gefallene Engel braucht wahrhaft eine Engelsgeduld. Das biblische Gleichnis von dem verlorenen Sohn kann man auf die Menschen beziehen. Einige Mystiker sehen darin eine Anspielung auf diese Seele, die zuallerletzt den Weg zum Licht findet. Es ist Luzifer auf dem Weg zum Himmel zurück, will man bei der biblischen Terminologie bleiben.

Das Teufel und das Gendern

Bedenke ich die aktuelle Genderdiskussion, sind zu dem armen Teufelsfürsten zwei Anmerkungen fällig.

Erstens. Engel sind androgyn, sie haben kein Geschlecht. Nicht einmal das neueste Geschlecht »divers« trifft auf sie zu. Sie haben keines, sie brauchen keines. Es müsste somit das Teufel und das Engel heißen. Im Deutschen ist jedoch das Genus kein Sexus, das grammatikalische Geschlecht ist also nicht das wahre Geschlecht. Es kann weiterhin bei dem Teufel bleiben und Gott muss nicht »das Gott« werden, wie es mal eine Familienministerin der ehemaligen Regierung anregte.

Zweitens. Es gibt eine verbreitete Form der Genderanmerkungen in Publikationen unserer Zeit, die ich so formulierte: Die Seelen haben kein Geschlecht. […] Daher verzichte ich auf besondere Genderformen und spreche beide Geschlechter an, auch wenn ich nur eine Form verwende.

Wodurch mit dem Teufel ebenfalls beide Geschlechter gemeint sind.

Nebenbei. Systemisch betrachtet symbolisiert die Tarotkarte »Der Teufel« die Mutter. Das darf aber ebenso wenig missverstanden und missbraucht werden, wie die Symbolik der Karte »Der Tod«.

Doch Engelsgeduld?

Luzifer und denjenigen Engeln, die sich für ihn entschieden haben, fehlte die Engelsgeduld. Sie hätten sonst abwarten können, ob ihnen der Himmel unter der Regie Gottes nicht doch gefällt. So wurden sie gestürzt und müssen in der Hölle schmoren. Da es die Hölle aber nicht gibt, wie ich statistisch-geschichtlich belegen konnte [1], müssen sie in einer anderen Welt existieren.

Ich bemühe nochmals die Mystiker sowie die Mutmaßungen dieses meines Lebens. Die gefallenen Engel könnten die Seelen sein, die inkarnieren müssen, auch in den menschlichen Körpern, um den Weg zurück in ihre lichte Heimat zu finden [2].

Diese Seelen haben die Engelsgeduld auf ihren unendliche scheinenden Wegen und Umwegen. Sie fällt ihnen leichter als den Menschen; die Seelen wissen um ihren Fall, sie wissen um ihr Ziel, sie wissen darum, dass sie das Ziel erreichen werden.

Der Engelsgeduld Schattenseiten

Engelsgeduld ist keine Gottesgeduld, ergo hat sie ihre dem Menschen bewusste und auch unbewusste Schattenseiten.

Der Mensch kann die Engelsgeduld als eine heilig-bequeme Ausrede missbrauchen, wenn er sich einem erforderlichen Tun verweigert. Wenn er sich nicht einbringt, wo dies erforderlich wäre. Wenn er lieber in seinem vertrauten Elend verharrt.

Ein jeder Mensch lernt aber mal. Die Seele hat dafür alle Zeit der Welt. Sie muss aber über ausreichend Engelsgeduld verfügen, sie würde sonst an uns verzweifeln.

Unzureichende Engelsgeduld

Unzureichend hingegen scheint mir die Engelsgeduld, wenn ich die Spezies Mensch von außen betrachte. Leicht fällt das, wenn man mental in einen ET schlüpft, der die Erde und ihre kronenhafte Spezies beobachtet.

Diese Spezies lebt in einem Himmel auf Erden. Sie hat nicht nur alles, sie hat mehr, als sie braucht. Sie müsste nur diese irdische Fülle teilen können. Das kann sie nicht. Das will sie nicht. Wollte sie es, könnte sie es auch. Aber ihre Gier ist unersättlich. In dem Film »Cloud Atlas« erklärt Meronym den Grund der globalen Katastrophe, die die Menschheit über sich brachte, mit dem menschlichen »Hunger nach mehr« in ihrem Herzen. Diesen Hunger haben wir, wir wollen ihn billig stillen. Billig in den Untergang lautet unsere Devise.

Wie würden wir mit einer Tierart umgehen, die nicht nur sich selbst vernichtet, sondern die Biosphäre der Erde bedroht? Würden wir sie nicht ruhigen Gewissens vernichten? Nimmt ein ET diesen Hunger und die anderen Facetten des menschlichen Treibens wahr, so hoffe ich, dass der ET über ausreichend Engelsgeduld verfügt.

Die Engelsgeduld könnte unzureichend sein der menschlichen Spezies wegen. An der Engelsgeduld mangelte es einigen Engeln am Anfang ihrer Existenz. Es bedarf eher göttlicher Geduld, um nicht zu verzweifeln, um nicht in die Versuchung zu geraten, dem Menschen und seinem lebensgefährdenden Treiben ein Ende zu setzen.

Doch das Ende dieses Treibens kann schneller die Erde machen, indem sie ein Bäuerchen macht [3]. Es wird nur ein Kataklysmus für den Menschen sein, nicht für sie. Sie überstand schon Asteroideneinschläge, Schildvulkane oder die Schneeball-Erde.

Haben Gaia oder der ET eine Gottesgeduld oder doch nur die Engelsgeduld? Hoffentlich überleben wir die Antwort.

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[1] Worte hinterfragt: Armer Teufel - die Hölle gibt es nicht; ein statistisch-geschichtlicher Beweis
[2] Wo kommen denn die (Milliarden) Seelen her?
[3] Der Erde Bäuerchen; Gedanken zum Klimawandel

Herzlichst, Ihr / Dein
Jan
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Jan Schneider, Autor