Eigenverantwortung: das Selbst und die Reife

Eigenverantwortung

Lügen haben kurze Beine. Macht nichts, für Social Media reicht das.
Jan Schneider, Aphorismen

Geschmäht wird das Ich, geradezu verteufelt, wenn es mit dem Ego gleichgesetzt wird. Keine Erfindung der neueren Zeit und mancher esoterischen Schulen ist das. Es ist eine altbekannte und wirksame Methode, die Menschen zu unterdrücken, um die eigene Macht aufzubauen und zu bewahren.

Das böse Selbst

Den Selbstwert zu unterdrücken, ihn erst gar nicht aufkommen zu lassen, gehört zu den wirksamsten Methoden der Unterjochung Einzelner oder ganzer Gesellschaftsgruppen.

Wer keinen Selbstwert hat, begehrt nicht auf. Wer keinen Selbstwert hat, fügt sich. Wer keinen Selbstwert hat, folgt dem Starken – auch dem vermeintlich Starken.

Die Machthaber nicht von Gottes Gnaden wussten und wissen um die Mittel der Unterdrückung des Selbst. Sie verwehren die Basisbildung; am wirksamsten dadurch, dass Menschen nicht lesen können. Wer nicht lesen kann, kann sich nicht frei informieren. Sie verwehren den Zugang zu Informationen. Auch zu Zeiten des Internets gelingt das immer noch manchen Staaten.

Sie arbeiten mit der Angst vor einem Gott oder vor Göttern, die nur die Menschen lieben, wenn sie sich für die Götter oder für eine Religion aufopfern. Es interessiert diese Machthaber nicht, dass sogar in ihren heiligen Büchern »Liebe den Nächsten wie dich selbst« geschrieben steht.

Die lieben Ängste

Nicht alle Menschen, die sich aufgeklärt und frei wähnen, durchschauen die perfiden Spiele mit der Selbstunterdrückung. Ein starkes Selbst lässt sich heute durch Falschinformationen verhindern. Falschinformationen zu Zeiten des Internets in Umlauf zu bringen, ist ein leichtes Vorhaben.

Sogar die Nicht-Machthaber machen bei diesen Spielen mit. Verschwörungstheorien en masse, Bildmanipulationen oder inzwischen auch manipulierte Videos. Und immer wieder das Lieblingsmittel – die Angst. Die Angst vor einem Polsprung, vor Meteoriteneinschlägen, vor der anderen Hautfarbe, vor der anderen Religion. Wobei die Religionen tatsächlich Ängste verursachen können, wenn sie dem einzig wahren Gott dienen und in seinem Namen die Andersgläubigen verfolgen.

Zugegeben: Die Katastrophen können geschehen. Doch sind wir dem nicht hilflos ausgeliefert. Und schlimmer noch, nein, ehrlicher: Wir selbst sind die Kolporteure der Ängste, wir selbst nähren die Ängste, anstatt uns damit angstfrei zu beschäftigen und uns dem zu stellen.

Und das vertraute Elend

Das vertraute Elend ist bekannt, da eben vertraut. Das Elend, so schlimm es auch sein mag, kennen wir und wir überlebten es. Das Neue könnte zwar schöner werden, das möchten wir zwar, aber über das Elend zu jammern, ist letztendlich leichter – heute nicht zuletzt durch das geteilte Elend in den Social Networks.
Das Neue ist zwar erwünscht, doch unbekannt, es mache daher Ängste. So eine Erklärung des vertrauten Elends. Es gibt aber einen weiteren Grund dafür:

Ich bin nicht dafür verantwortlich, was die Anderen oder das Andere macht. Es sind die Märkte, das Klima, die anderen Staaten, die Politiker, die Lobbyisten, die Militärs, die Geheimdienste, das Schicksal, die Staus, die Industrie, die Ärzte und notfalls auch Gott und Götter.

Eigenverantwortung

Wie herrlich waren doch die Ängste vor 2012. Wenn solch Schlimmes geschieht, kann mir doch niemand vorwerfen, dass ich etwas hätte dagegen machen können. Es kann doch niemand von mir verlangen, dass ich angesichts dessen an mich denke oder an mir arbeite. Wozu denn auch, ich war eben zur falschen Zeit auf diesem Planeten inkarniert.

Und dann ist 2012 vorbei und nichts geschieht. Die Katastrophe ist dennoch da, denn die nicht eingestandene Hoffnung am globalen, ergo nicht selbst verschuldeten Untergang erfüllte sich nicht.

Hinter der Untergangshoffnung verbarg sich allerdings die wesentliche Angst: die Angst vor der Eigenverantwortung. Wer genau zuhört, erkennt sie in den vielen Varianten des »Ich kann doch nichts dafür.«
Nach 2012 geht das Lebensspiel weiter. Die Seele pocht weiter auf ihr Lernen, wozu die Eigenverantwortung gehört.

Die Eigenverantwortung erlangt jedoch nur ein starkes Ich. Ein Ich, welches bereit ist, zu entscheiden und die Konsequenzen zu tragen als die Verantwortung zu übernehmen. Das ist jedoch unbequem; ein solches Ich verlagert die Verantwortung nicht auf die anderen Menschen – auch nicht auf den Partner und schon gar nicht auf den Seelenpartner.

Nicht ohne Grund führe ich den Seelenpartner auf; zu oft muss er dafür herhalten, dass er doch nicht der Seelenpartner, die Dualseele oder die passende Hälfte des Kugelmenschen ist. Und schon ist er der Böse, schon ist er für mein Leid verantwortlich.

Selbstliebe und das Du

Arme Seelen könnte man sagen, denn die Seelen wissen um die wahren Gründe der Ängste ihrer Menschen. Die Seelen wollen ein starkes Ich, sie wissen, dass nur ein starkes Ich mit einem anderen Ich zusammenleben und zusammenlernen kann.

Einem starken Ich gelingt das Zusammenleben mit einem Du unterschiedlichen Geschlechts, unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlicher Hautfarbe, unterschiedlicher Nationalität. Ein starkes Ich glaubt keinem Religionssystem, welches letztendlich alle Menschen unterdrückt.

Wer aber ist die Religion, der Stau, das System? Wer sind die Politiker, die Lobbyisten, die Prediger, Verführer, Dealer & Co.?

All das gehört einer einzigen Spezies – unserer eigenen.
Möge ET gnädig mit uns sein. Die Götter sind es offenbar, sie hätten sonst längst durchgegriffen.

Jan Schneider, Autor

Herzlichst, Ihr / Dein
Jan
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