Nach Corona: Instantwandel des Klimawandels – Wasser auf die Mühlen der Klimaleugner

Klimawandel

Fortsetzung von »Positives nach Corona« [1]

Dein Aufwachen wird schmerzhaft sein, Homo sapiens.

Anders wird der Mensch denken nach Corona. Anders ist aus guten Gründen neutral, denn menschlich allzumenschlich: Es wird positive Auswirkungen geben, es wird Schattenseiten geben. Sogar das ist eine Frage des Standpunkts, denn für beispielsweise Trickbetrüger bietet Corona neue Möglichkeiten an. Für diese menschliche Subspezies sind das ergo positive Auswirkungen.

Trickbetrügern mit Klimaleugnern oder Klimaskeptikern verbinden? Ich überlasse den Lesern die Entscheidung, ob Klimaleugner Betrüger sind oder nicht. Die Antwort ist allerdings keine einfache, denn es spielt das persönliche und das kollektive Unbewusste hinein.

Wasser auf die Mühlen der Klimaleugner

Das Wasser auf die Mühlen der Klimaleugner ist einfach nachvollziehbar; (Tiefen)Psychologie ist hier nicht erforderlich.
Medien, auch die, die sich seriös wähnen, berichten über Veränderungen der Umwelt aufgrund der Quarantänen, Ausgangssperren und Ausgangsbeschränkungen. Oft fällt dabei das Wort »Klima«, was einen raschen Einfluss dieser Maßnahmen auf das Klima suggeriert.

Nach den ersten Schlagzeilen dachte ich noch an Menschen mit dem Wissensniveau eines Donald Trump. Er hat Probleme mit der Unterscheidung von Wetter und Klima, dem aktuellen Geschehen also und den langfristigen Trends.

Wer diese Klima- und Coronatexte liest, kann den Eindruck gewinnen, der Mensch kann innerhalb weniger Wochen das Klima ändern. Einige Kostproben:

»Weniger Treibhausgase Klimabilanz lässt aufhorchen« [2]

Auch die aktuelle Corona-Krise mit ihren Einschränkungen für die Weltwirtschaft hat positive Effekte auf das Klima, heißt es da. Immerhin: Schulze warnte jedoch davor, diese zu überschätzen, und der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, spricht von einem Einmaleffekt.

Der Titel lässt tatsächlich aufhorchen – Menschen, die sich noch in der Hoffnung wiegen, der Klimawandel stelle keine Gefahr dar, es werde nicht so schlimm werden. Es muss nicht jeder den Text analysieren. Der Titel reicht, es reicht die Tagesschau, die doch über jeden Fakeverdacht erhaben ist.

»Doppelter Klimaeffekt durch Coronavirus« [3]

Gleich ein doppelter Effekt in einer seriöseren Quelle, lautet doch die Webdomain »erneuerbareenergien.de«. Wenn die Autoren dieses Beitrags für erneuerbare Energien werben wollen, haben sie ein Eigentor geschossen.

Wie wollen sie dem Verbraucher die enormen Kosten der Energiewende vermitteln, wenn doch das Klima mit einigen Wochen Einschränkung gerettet werden kann?

»Corona: Schlecht für die Menschen, gut für das Klima? … gehen viele von einem positiven Klimaeffekt aus. Ganz so einfach ist es nicht« [4]

Ja, es ist wirklich nicht so einfach. Und wer weiß das? Nein, kein politisch grünes Medium ist das, sondern das »Handelsblatt«. Angesichts der vorherigen Schlagzeilen, verdient es Lob.

Es handele sich um »Momentaufnahmen«, heißt es da. Leider wird das durch »häufig« relativiert.

»Wie die Corona-Krise Luft und Klima beeinflusst« [5]

Bei einer solch starken Aussage erübrigt sich das Weiterlesen. Einige Wochen beeinflussen das Klima, und wenn das seriöse Medien vermelden, wird das schon stimmen.

Und wieder ein perfektes Argument für die Klimaleugner.

Was ist das Mühlenwasser, wo liegt der Fehler

Der gefährliche Fehler ist schnell erklärt. Klima ist nicht Wetter. Das Klima ist das statistische Wettergeschehen über längere Zeiträume, in der Regel über 30 Jahre. Nur durch diese langjährigen Beobachtungen und Vergleiche lässt sich ein Klimatrend ermitteln.

Die durch Corona eingeschränkte Mobilität beeinflusst nur das aktuelle Geschehen also das Wetter. Das Wetter, nicht das Klima.

Wem der Klimawandel Ängste bereitet, wer den Klimawandel leugnen oder verdrängen will, kann sich an den Schlagzeilen orientieren. Wer gezielt leugnet, kann sich reichlich bedienen und seine Meinung als belegte Fakten verbreiten – dank der etablierten Medien.

Instantwandel des Klimawandels

Dank solcher Medienarbeit ist die Menschheit wieder mal gerettet. Wir überstanden kleine Eiszeiten, wir überlebten Pest und Cholera, wir haben uns nicht atomar vernichtet.

Den Klimawandel meistern wir ebenso. Falls es überhaupt einen Klimawandel gibt. Corona zeigt auf, dass man daran zweifeln kann. Definitiv belegt sie jedoch, dass wir das ändern können. Instant Gratification ist die erfolgreiche Marketingdevise, es gibt inzwischen Instant-Partner. Und auf einen Klimawandel, wenn es den tatsächlich geben sollte, antworten wir mit einem Instantwandel des Klimawandels in unserem Sinne.

Dein Aufwachen wird schmerzhaft sein, Homo sapiens.

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[1] Positives nach Corona
[2]
https://www.sueddeutsche.de/wissen/klima-rettet-das-coronavirus-deutschlands-klimabilanz-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-200320-99-409190

[3] www.erneuerbareenergien.de/doppelter-klimaeffekt-durch-coronavirus
[4] www.handelsblatt.com/unternehmen/energie/energie-corona-schlecht-fuer-die-menschen-gut-fuer-das-klima-/25661990.html?ticket=ST-1908132-0eF0yAB3BfFpCGuuycdd-ap3
[5] www.sueddeutsche.de/wissen/wissenschaft-wie-die-corona-krise-luft-und-klima-beeinflusst-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-200321-99-417244

Jan Schneider, Autor

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