Behinderung, Selektion, Homogenisierung, Konsequenzen

Behinderung Selektion

Es sind einige Ideenkeime für detailliertere Texte, die mich lange schon beschäftigen, die aber durch manche Reaktionen auf Greta Thunberg aktueller geworden sind. Außerdem gab es ein paar diesbezügliche Anfragen, also will ich kurz meine Betrachtungsweise dieser Begriffe erklären.

Behinderung und der Mensch

Mit »Behinderung« meine ich lediglich einen körperlichen oder geistigen Umstand, durch den ein Mensch in dem Einsatz einer oder mehrerer der üblichen Fähigkeit eingeschränkt ist. Bei diesen Menschen rede ich auch nicht von Behinderten, sondern von Menschen mit Behinderung.

Warum ich diese sprachliche Differenzierung verwende, erläuterte ich in »Worte hinterfragt: Behinderung, Logik, Sprache« [1]. Die Kernaussage:

  • Ein Behinderter ist ein Mensch, dessen besonderes oder gar einziges Merkmal die Behinderung ist.
    Dieser Mensch wird auf die Behinderung reduziert.
  • Ein Mensch mit Behinderung ist ein Mensch, der mit etwas lebt, was die normalen als Behinderung definieren.
    Hier steht der Mensch im Vordergrund.

Behinderung und die Norm

Eine Behinderung liegt also bei einer Abweichung von dem Üblichen vor, wie ich es oben formulierte. Ob üblich, normal, gewohnt oder standardmäßig; immer lauert eine Frage im Hintergrund: Wer definiert, was normal sei und bei welchem Grad der Abweichung davon eine Behinderung vorliegt?

Wer leichten Gewissens an diese Antworten herangeht, erinnere sich der noch nicht so fernen Zeit des unwerten Lebens bedenken. Es war eine Ideologie und es kann erneut zur Ideologie werden, wenn erneut Regeln und Normen aufgestellt werden.

Selektion

Selektion – ein böses Wort in Zusammenhang mit Behinderung, wenn sogar ein unwertes Leben erwähnt wird? Zweifelsohne.

Selektion – ein unpassendes Wort in Zusammenhang mit der Pränataldiagnostik? Nein, logisch oder linguistisch betrachtet. Es ist ein korrektes Wort, da faktisch eine Selektion stattfindet. Und was da ausselektiert wird, ist unabhängig von dem Selektionszeitpunkt im Endeffekt ein Leben, ein menschliches Wesen.

Und dennoch kann ich diese Feststellung nicht unkommentiert stehen lassen. Ich maße mir die Entscheidung nicht an, ob diese Untersuchung erlaubt sein darf oder nicht; das wurde unlängst ohnehin rechtlich entschieden. Detaillierter gehe ich darauf später mal ein. Jetzt eine Anmerkung nur: Ich war erleichtert, dass ich nie vor der Ja-Nein-Entscheidung stand, die sich auf ungeborenes Leben bezog. Eine Abtreibung stand nicht zur Diskussion, die Pränataldiagnostik ohnehin nicht.

Wie reagiere ich aber, sollte ein junger Mensch besonders meines Clans, mit dieser Frage an mich herantreten? Ich weiß es nicht, lautet die ehrliche Antwort. Dies ist für mich eine Grenzsituation, und kein Mensch weiß, wie er in Grenzsituationen reagiert und entscheidet.

Pränataldiagnostik ist eine Selektion ebenso wie eine moralisch-ethische Frage ohne simple Antworten.

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[1] Worte hinterfragt: Behinderung, Logik, Sprache

Wird mit der Gleichheit respektive Homogenisierung fortgesetzt.

Jan Schneider, Autor

Herzlichst, Ihr / Dein
Jan
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